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Posts Tagged ‘zwitschern’

In der Aufgabe 228 ging es um besondere Details, die uns während unseres letzten Urlaubs aufgefallen sind. In Weimar begegneten mir immer wieder Gartenhäuser, in allen Formen und Größen, in Schlössern und Privathäusern.

Das Gartenhaus

„Julie, wo bist du“, hörte ich Miss Gray, meine Gesellschaftsdame, vom Haus aus rufen, „wo steckt diese ungezogene Göre schon wieder!“

Ungezogene Göre, dachte ich, ich bin 19 Jahre alt. Wann werde ich dieses schreckliche Haus endlich verlassen können? Diese ganze Anstandsdamengeschichte war nur eine weitere Schickane meiner Stiefmutter. Ebenso, wie ihre Verbote auf Bälle zu gehen und mich mit meiner einzigen Freundin Madeleine zu treffen. Seit mein Vater diese Frau vor zwei Jahren geheiratet hat, ist mein Leben die Hölle. Gut, eine immer noch gut gepolsterte, hübsch tapezierte Hölle und ich musste nicht, wie Aschenputtel die Erbsen aus der Asche suchen, aber dennoch war es meine persönliche Hölle.

Vor einigen Wochen hatte ich ein Loch in der Mauer des Nachbargrundstücks entdeckt. In einem unbeobachteten Moment stahl ich mich hindurch. Ich war entzückt den Garten verwildert und menschenleer vorzufinden. Die Fallons wohnten inzwischen seit vier Jahren nicht mehr auf dem Anwesen, hatten aber einen Hausmeister zurückgelassen, mit dem Garten hatte er offenischtlich nichts zu tun.

Das Gartenhaus lag unweit der Mauer und wurde mein Versteck. Ich richtete es ein. Brachte nach und nach meine Bücher dorthin, meine Farben, Pinsel und Papier. Decken, Feuerholz für den kleinen Ofen, Kekse und Wasser. Ich liebte es dort zu sein. Wann immer es mir möglich war stahl ich mich davon. Das Loch tarnte ich wohlüberlegt und Miss Gray, die Angst vor Ungeziefer jeder Art hatte, vermied es weiter als irgendnötig in den Garten vorzudringen.

Das Wetter war herrlich. Ich hatte alle Fenster weitgeöffnet und saß über der Zeichung einer blauen Hortensienblüte, die ich im Garten gefunden hatte. Eine leichte Brise zog herein. Ich genoss es die Geräusche der rauschenden Blätter und das Zwitschern der Vögel zu hören. Es war herrlich friedlich, warum konnte es nicht jede Stunde des Tages so sein?

Es klopfte. Ich erschrak und warf beinahe das Glas mit der Hortensie herunter. Es klopfte erneut. Ich hielt den Atem an.

„Machen sie auf“, hörte ich eine freundliche Männerstimme, „ich habe sie durchs Fenster gesehen.“

Langsam stand ich auf und ging zur Tür. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit. Ich hoffte irgendwie wäre alles nur ein Traum, und wenn ich dir Tür öffnete, wäre niemand dort, doch das Gegenteil war keineswegs der Fall.

„Guten Tag, Miss Julie“, sagte der Herr vor meiner Tür und zog den Hut, „wie geht es ihnen?“

„Danke, sehr gut. Woher wissen sie meinen Namen?“

Der Herr lächelte.

„Nun, ihre Mutter rief sie so.“

Ich erwiderte sein Lächeln.

„Nein, meine Mutter starb vor fünf Jahren. Die nette Dame ist meine Anstandsdame.“

„Höre ich da eine gewisse Note von Sakasmus aus ihrer Stimme?“, der Herr mit den weißen Haaren und den lustigen blauen Augen schmunzelte.

„Ja, mein Herr, sie irren sich nicht. Darf ich fragen, wer sie sind?“

Er machte ein leichte Verbeugung.

„Stuart Fallon.“

„Oh, aber ich kenne Mister Fallon.“

Er nickte und ein melancholicher Ausdruck legte sich auf sein Gesicht.

„Natürlich. Mister Fallon war mein älterer Bruder.“

Ich trat zur Seite und machte ein einladende Handbewegung.

„Darf ich sie zu einem Glas Wasser und Keksen einladen?“

Mister Fallon lachte.

„Sehr gerne. Aber vielleicht erlauben sie mir, diese Einladung auf ein anderes Mal zu verlegen und sie für heute ins Greathouse einzuladen und den Fünfuhrtee mit mir zunehmen.“

Wird es ein nächstes Mal geben, dachte ich, wenn der neue Herr in das Anwesen zieht? Und als könnte Mister Fallon meine Gedanken lesen, sagte er:

„Machen sie sich keine Gedanken. Gegen eine geringe Pacht dürfen sie das Gartenhaus jederzeit benutzen.“

Mister Fallon musste meinen skeptischen Blick bemerkt haben, denn er fuhr schnell fort:

„Sie sollten dieses Angebot nicht missverstehen, die Gefälligkeit ist keineswegs unschicklicher Natur. Es sei denn, sie zählen den Nachmittagstee dazu.“

Ich schüttelte den Kopf und lachte.

„Nein, dass tue ich nicht.“

Dann nahm ich den mir angebotenen Arm und begleitete Mister Fallon ins Haus. Der alte Herr schien eine Verletztung erlitten zu haben, denn er humpelte und musste sich auf einen Stock stützen.

„Sollen wir eine Pause machen?“, fragte ich besorgt.

„Nein“, wehrte er ab, „es geht schon. Ein Sturz vom Pferd letztes Jahr. Alte Knochen heilen langsamer oder gar nicht mehr.“

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Juninacht
Kurz vor Mittsommer
Aus unruhigem Traum erwacht
Regen trommelt auf das Vordach
Die Vögel schweigen
Noch einmal schlafen
Deine Hand auf meinem Rücken

Zwitschern weckt mich
Aus dem Urwald meines Gartens
Aufstehen, duschen,
Frisch für den Tag
Kaffeeduft erfüllt die Küche
Schnell noch etwas schreiben

Bücherflohmarkt im Kirchturm
Ich suche nichts
Die Bücher finden mich
Mein rotes Buch von gestern
Manchmal schreibt die Kunst das Leben
Manchmal auch das Leben die Kunst

Schätze liegen auf dem Tisch
Aufgestapelt warten sie auf die Besichtigung
Schnell noch einen Kuchen backen
Morgen kommt Besuch
Musik dringt aus den Boxen
„I wanna know“
Ich will wissen …

Wer du bist?

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