Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Zweifel’

Ein Zitat zur rechten Zeit:

„Wenn du aufgeben willst, denk daran, warum du angefangen hast.“

In den letzten zwei Wochen hatte ich so etwas wie eine Blockade. Keine Schreibblockade im eigentlichen Sinn – immerhin habe ich ein Buch zu Ende geschrieben und den ganzen „Kleinkram“ drumherum erledigt. Das es läuft – was das Schreiben betrifft – ist also nicht der wunde Punkt.

Der Punkt war, wieder einmal, die Frage nach dem Sinn. Warum? Was tust du da? Wer wird das lesen und wenn interessiert das überhaupt? Fragen, die ein Schriftsteller meiden sollte wie die Pest – übrigens auch alle anderen Kreativen – aber sie schleichen sich halt manchmal an und zack, hängt man im Gedankenkarussell.

Durch die Fertigstellung des Buches und den intensiven Kontakt mit dem Verlag,  lernte ich einige sehr fleißige Autoren kennen. Der eine stellt ein Buch in einem Monat fertig. Also mit allem drum und dran ca 10 bis 12 Bücher im Jahr. Dazu Messen, Lesungen und so weiter. Und er ist kein Single – war meine erste Frage, nachdem er mir seinen Zeitplan beschrieb.*ggg*

Auch wenn er mir sagte, ich solle mir an ihm kein Beispiel nehmen, hat mir mein innerer Kritiker sofort ins Ohr geflüstert: Schau dir das mal an! Und was machst du? Du kannst ja froh sein, wenn du ein Buch im Jahr fertig bekommst!

Wenn es erst soweit ist, wird es schwierig, der Stimme zu entkommen. Natürlich denke ich nicht daran aufzugeben! Das habe ich nie getan, egal wie oft meine Romane abgelehnt wurden. Schreiben ist meine Leidenschaft, die gibt man nicht auf, ohne sich selbst aufzugeben. Dennoch wurden die Zweifel lauter.

Aber ein blindes Huhn finde bekanntlich auch mal ein Korn und so stieß ich gestern auf das obige Zitat.

Warum habe ich angefangen zu schreiben?

Ich erinnere mich an meine erste bewusst geschriebene Geschichte (ich schrieb vorher auch, aber das waren eher Zufallstexte.) Eine Liebesgeschichte. Sie war meiner desolaten Beziehungssituation geschuldet – ich brauchte schöne Gedanken und hab sie mir geschrieben, weil ich sie in der Realität nicht haben konnte.

Im Grunde tat ich, was ich schon als Kind getan hatte, als unsere Familie auseinanderbrach: Ich erzählte mir Geschichten (später meinem Bruder, meinen Freundinnen). Mit Happy End. Ich brauchte das glückliche Ende, zur Beruhigung, meine Ängste zu bewältigen, Mut zu fassen. (Inzwischen schaffe ich es auch, ein alternatives Ende zu schreiben – auch wenn es schwer fällt 😉 )

Im Grunde hat sich in den Jahren kaum etwas daran geändert. Ich bewege mich in vielen Welten – auf fremden Planeten, in der Geschichte, in der Zukunft, auf verschiedenen Kontinenten, in verschiedenen Gesellschaftsschichten, an dunklen und hellen Orten – und ich erzähle Geschichten.

Mein Motto: Ich schreibe mir das Leben schön (da wo es eigentlich nicht schön ist).

Ich schreibe, weil es meine Leidenschaft ist.

Ich schreibe, weil es mich glücklich macht.

Ich schreibe, weil es mich freut andere zu unterhalten (egal, ob eine Person oder Tausend.)

Ich schreibe, weil ich mir gerne Geschichten erzähle (und sie nicht vergessen will).

Ich schreibe, weil ich in Welten spazierengehe, die ich sonst nicht betreten könnte.

Ich schreibe, weil ich Dinge ausprobieren kann, die die Realität nicht hergibt.

Es ist okay, dass ich langsamer schreibe als andere. Ich darf mein eigenes Tempo haben! Es geht nicht darum, wie viele Bücher ich auf „meiner Liste“ habe. Es geht darum Spaß zu haben, Ideen zu erforschen und vor allem zu Leben! Denn trotz meiner Leidenschaft für das Schreiben ist da noch ein Leben zu leben und da ich Kunst liebe und mache, auch in dieser Hinsicht zu arbeiten und zu experimentieren.

Und ab und zu das Meer zu sehen 😉 .

Ein paar Sachen habe ich allerdings während der intensiven Arbeit an meinem letzten Roman gelernt und will versuchen sie in die Tat umzusetzen.

  1. So wenig digitale Medien, wie möglich! Während der Schreibzeit Smartphone aus meinem Bereich entfernen oder ausschalten.
  2. So wenig Fernsehen wie möglich! Ich belohne mich mit einer Folge meiner Lieblingsserie, wenn ich mein Pensum geschafft habe. (Miss Fishers mysteriöse Mordfälle)
  3. Wenn am Ende des Tages immer noch so viele Gedanken im Kopf sind: Notizen machen! Vertrau drauf, dass du morgen weiterschreiben kannst!
  4. Immer wichtig: kenne deine Personen … lebe mit ihnen.
  5. Nicht jammern! Hinsetzen und schreiben!
  6. Tür zu! Don`t disturb!
  7. „Sorry, ihr Lieben, ich muss schreiben“ – Treffen mit Freunden gehen meist nur nach meinen Konditionen – außer natürlich in Notfällen – dafür ist immer Zeit. (Das ist schwierig, weil nicht jeder meiner Freunde schreibt und die Dynamik versteht.)
  8. Termine sinnvoll planen. Sonst geht zu viel Zeit verloren.
  9. Kochen macht Spaß, aber ein Butterbrot mit Käse tut es auch.
  10. Immer genug Kaffee im Haus (!), Tee … und eine Tafel dunkle Pfefferminzschokolade oder Gummibärchen.
  11. Alltagskram nicht aufschieben! So schnell wie möglich erledigen, damit die Schreibzeit nicht beeinträchtigt wird.
  12. Frage: Hat das jetzt Vorrang?
  13. Pausen einschieben!!! Sonst erschöpft man sich und das blockiert erst recht.
  14. Frische Luft schnappen und die Gedanken spazierengehen lassen.
  15. Belohne dich. Kaffeetrinken mit Freunden/Mann/Frau … anderen Schreiberlingen zwecks Austausch, Inspiration usw.
  16. Feiere deine Erfolge!

Ich wünsche euch und euren kreativen Projekten viel Erfolg, Spaß und Inspirationen!

Eure Caro

PS.: Allem Anfang wohn ein Zauber inne – ich wünsche euch, dass ihr den göttlichen Funken des Anfangs immer von Neuem in euch spürt!

Read Full Post »

„Dein Idealismus ist beneidenswert, aber ich vermag ihn nicht zu teilen.“

Sander sah mich ernst an. Wut stieg in mir auf. Jedes Mal dasselbe, dachte ich, wenn ich eine super Idee habe, weiß er warum das Blödsinn ist und sowieso nicht klappt. Ich sprang auf, der Stuhl krachte gegen die Tischkante.

„Wenn du eine Unterhaltung so beginnst, kann ich mir schon denken, wie sie ausgeht!“ Ich schnappte meine Jacke und riss die Tasche von der Stuhllehne. „Ich werde jetzt genau das tun, was ich mir vorgenommen habe. Egal, was du wieder einzuwenden hast.“

Er grinste selbstgefällig und ich hätte ihn am liebsten geschlagen.

„Na dann viel Spaß. Du wirst ja sehen, was du davon hast.“

„Genau!“

Ich stürzte hinaus. Sanders Zweifel verfolgten mich, bis ich vor dem Haus stand und klingelte. Ich atmete tief durch. Jetzt werde ich dir zeigen, dass du Unrecht hast, dachte ich und drückte gegen die Tür, als der Summer ertönte.

Read Full Post »

Es war früher Nachmittag, die unbewegte Wasserfläche glitzerte in der Sonne, die hoch am Himmel stand. Es herrschte eine ungewöhnliche Stille. Die Bäume schwiegen erschöpft in der schwülen Hitze und auch die Vögel, deren Gezwitscher sonst immer einen Klangteppich im Hintergrund bildeten waren nicht zu hören. Ich saß geraume Weile unter einer Weide, an ihren dicken Stamm gelehnt und harrte der Dinge, die kommen würden. In dem drückenden Schweigen hatte ich das Zeitgefühl verloren und leise Zweifel stiegen in mir auf, dass der alte Mann mich genarrt hatte, um seinen Spaß zu haben. Gerade, als ich darüber nachdachte meine Sachen zusammenzusuchen und den Heimweg anzutreten, erhob sich aus dem Nichts ein Summen. Das muss es sein, schoss es mir durch den Kopf und ein Gefühl von Spannung und Angst erfasste meinen Körper, das meine Sinne schärfte.

Read Full Post »

„Wenn dir jemand einreden will, es gäbe keine Monster, glaub ihnen kein Wort“, flüsterte der alte Mann.

Magnus sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an.

„Was redest du für einen Unsinn, Alter!“, winkte er ab, „du hast viel zu tief ins Glas geschaut. Aus dir spricht der Fusel.“

In seiner Ehre gekränkt richtete sich der Mann auf. Sein Blick war klar und seine Stimme fest, als er sagte:

„Ich habe die Monster gesehen, Herr. Wenn ihr mir nicht glaubt, überzeugt euch selbst.“

Er legte ein Goldstück auf den Tresen. Der Wirt starrte ungläubig darauf, dann schnappte er danach, als würde sein Leben davon abhängen.

Der Alte erhob sich. Magnus rührte sich nicht.

„Nun, Herr? Habt ihr Angst oder seid ihr bereit, zum Abenteuer eures Lebens aufzubrechen.“

Träge erhob Magnus sich. Was kann es schaden, dachte er, allenfalls ein paar verschenkte Stunden.

„Aber ich muss euch warnen: wenn ihr sie einmal gesehen habt, gibt es kein Zurück.“

Wieder winkte Magnus ab.

„Unk nicht, sondern zeig mir deine Monster, dann werden wir ja sehen.“

Der Mann nickte mit bedeutungsschwerem Blick. Magnus sah ein gefährliches Funkeln, das zuvor nicht dagewesen war und fühlte einen leisen Zweifel aufsteigen. Doch sein Stolz verbot ihm, sein Angebot zurückzuziehen.

Read Full Post »

oder Studenten auf Reisen

 Nachdem ich endlich Studentin sein darf, ist es an der Zeit die neu gewonnene Freiheit zu genießen und sich dem Leben hinzugeben. „Das Leben wurde geschaffen für große Abenteuer & große Freundschaften.“ So haben meine Mitstudentin Uschi und ich eine spontane Reise zu einem Konzert der Band PROJEKTiON in die Niederlande geplant.

PROJEKTiON

PROJEKTiON

Nein, die Reise zum Konzert der Band ist nicht meinem neuen Seminar: Verstehen an der Grenze – Fremde Lebenswelten beobachten – verstehen – beschreiben, geschuldet, sondern wurde durch einen netten Zufall auf Twitter ausgelöst. Dort stieß ich vor einigen Wochen auf diese interessante Band aus den Niederlanden. Da ich Musik liebe  (und die Niederlande), sie auch zum Schreiben brauche, und ich es spannend finde neue Musik/er zu entdecken (dank meiner Kinder, die immer mal wieder ungewöhnliche Musik nach Hause brachten und mich inspirierten) klickte ich den Song an.

PROJEKTiON – Stranded

Dieser Song ist eine wunderschöne Ballade und gefiel mir auf Anhieb. Der Leadsänger beherrscht die leisen Töne, aber wie man bei dem Song „Delirious“ hören kann, auch die rockigen Vocals.

PROJECTiON – Delirious

Die Band kommt aus den Niederlande, Provinz Gelderland aus den hübschen Städtchen Winterswijk, Varsseveld, Borculo. Die Musiker blicken auf langjährige Erfahrungen zurück, traffen bei Auftritten öfter aufeinander, bis sie sich in der jetzigen Konstellation zusammenfanden. Die Bandmitglieder: Richard Immink (drums and vocals), Frank van Eerden (guitar and vocals), Herman Wiggers (lead vocals), Peter Pampiermole (keyboards and vocals), Jürgen ten Have (bassguitar and vocals) schreiben und komponieren alle Songs selbst.

Das Debüt-Album heißt Realitivity und entstand 2015 – Genre: Melodic/ Progressive Rock. Die Songs des Konzeptalbums stehen zwar alle für sich, bilden aber eine harmonische Einheit. Die Bandmitglieder haben beim Schreiben der Songs ihr Leben, ihre Erfahrungen einfließen lassen.

Das Album ist eine musikalische Beschreibung des Lebens mit allem was uns im Alltag begegnet: Eile, Stress, Erwartungen, Druck, Überzeugung, Zweifel, Reue, aber natürlich auch Freude, Liebe und Glück, die ein unersätzliches Gegengewicht bilden. Die Relativität der Realität. Realitivity. So entstand ein Album, das sich zu einer stimmig-melodischen Einheit zusammenfügt.

Background Magazin über PROJECTiON

Informationen in englischer Sprache

Webseite der Band PROJECTiON

In Niederländisch.

Das Konzert findet am 24.11.2016 im Muziek Cafe Merleyn, in 7001 Doetinchem, Grutstraat 4 statt. Muziek Cafe Merleyn

Und was das Studentische in der Reise betrifft – nach dem Konzertbesuch wird es einen kleinen Reisebericht geben. Denn tatsächlich wird dies das zweite Konzert meines Lebens. Das erste Konzert war im Olympia Stadion Berlin – U2 – Zoo Tour. Eine zweite Premiere sozusagen. Es ist doch toll, dass man mit 51 Jahren Dinge  zum (fast) ersten Mal erleben kann.

„Die Inspiration ist vorbei, nun kann ich mich wieder an die Arbeit machen.“                                             Stanislaw Afanasjew

Ein schönes Zitat. Zeigt es doch, dass wir nie aufhören dürfen neugierig und interessiert zu sein. Sich mit Neuem zu befassen um sich inspirieren zu lassen. Der Sehnsucht nachzugeben, dem Leben ein Abenteuer abzutrotzen und sich nicht kampflos dem Alltag zu überlassen. Ohne Inspiration kann unsere Kreativität nicht befruchtet werden. Das kann sicher jeder Künstler bestätigen. Und wer den Funken der Inspiration gespürt hat, kann und will ihn nicht mehr missen.

„Wir bereuen am Ende unseres Lebens das, was wir nicht getan haben. – Noch niemand hat am Ende gedacht, schade, ich habe viel zu wenig Zeit im Büro verbracht.“

 PROJEKTiON bei Facebook

PROJEKTiON bei Twitter

Read Full Post »

Da meine Blogkolleginnen Sabine Wirsching und Marga Auwald wunderbare Sätze in Grün erdacht haben, habe ich mich an roten Sätze versucht.

  • Der Stier sah Rot.
  • Rot wie Blut, weiß wie Schnee, schwarz wie Ebenholz.
  • Er lag in einer dunkelroten zähflüssigen Masse.
  • Die untergehende Sonne färbte den Himmel in den verschiedensten Rotschattierungen.
  • Das Feld erglühte unter dem Rot des Klatschmohns.
  • Er zeigte ihm die rote Karte.
  • Die Ampel sprang auf Rot.
  • Ihre tiefrot geschminkten Lippen zogen ihn magnetisch an.
  • Das Rot der Alarmlampe rotierte in der Dunkelheit und tauchte die Szenerie in ein unwirkliches Licht.
  • Das Rote, das will ich.
  • Der rote Backsteinbau strahlte Wärme und Sicherheit aus.
  • Die Sonne legte einen goldenen Schimmer auf ihr rotes Haar.
  • Der Apfel hatte zwei rote Bäckchen.
  • Ich errötete bis unter die Haarspitzen.
  • In der Asche flackerte die Glut rot auf, als er mit dem Schürhaken darin herum stocherte.
  • Das rote Kleid schmiegte sich eng um ihren wohlgeformten Körper und ließ keinen Zweifel an ihre Mission für diesen Abend.
  • Das Buch hat einen roten Ledereinband und ist mit goldenen Buchstaben und einem Pentagramm versehen.
  • Blut tropfte in das Waschbecken und rann in roten Schlieren in den Ausguss.
  • Der Rubin leuchtete in einem geheimnisvollen satten Dunkelrot.
  • Du bist die nächste, hatte jemand in roten Lettern auf die Haustür geschrieben.
  • Der eine Rosenstock war weiß, der andere rot.
  • Auf dem roten Uniformrock glänzten goldene Litzen und Sterne.
  • Das Licht der roten Laterne flimmerte eine Sekunde, dann erlosch es.
  • Er setzte den Rotstift an, der sich grausam durch den Text fräste.
  • Als er die letzte rote Kerze angezündet hatte, schlug ihr Herz bis zum Hals

 

Read Full Post »

Seine Gedanken geordnet auf Papier zu bringen und die Magie der sich entfaltenden Wörter zu sehen versetzt uns in Verzückung. Doch der Weg dorthin kann sehr schmerzhaft sein. Der Schreibende schöpft aus seinem Leben, seinen Emotionen, den schönen und den schrecklichen. Schreiben ist verarbeiten.

Wie erklärt man einem Menschen das Gefühl, ein Loch in seinem Herzen zu haben? Ein schwarzes Loch aus Einsamkeit, Angst, quälender Sehnsucht, der Gier nach Liebe, Anerkennung. Gar nicht. Man könnte es einfach aussprechen. Man könnte, aber der Gedanke an den verständnislosen Blick, das Erspüren, wie sich der andere abwendet, der einem gerade noch sagte: „Du kannst mir alles sagen. Ich würde dich nie verurteilen.“

Ich habe es erlebt. Mehr als einmal. Ich möchte einfach zu gerne glauben es könnte wahr sein und mein Gegenüber versteht meinen Schmerz. Leider ist es nicht so. Also behalte ich es für mich, das schwarze Loch. Ich decke es mit Lachen und einem unkomplizierten Gemüt zu. „Immer nur Lächeln immer vergnügt, wie es da drin aussieht, geht niemand was an“, heißt eine Liedzeile aus einer Operette. Diese Lehre habe ich verinnerlicht. Es gibt Dinge, die ich erzähle – Alltägliches, Dinge, die anderen auch passieren können. Die dunkle Seite, die blutenden Wunden, offenbare ich nur in absoluten Ausnahmefällen. Ich bin ein Meister der Täuschung. Ich könnte Undercover-Spion sein. Gefühlsspion.

Meine Geburt war schwierig. Mein Leben stand tatsächlich auf der Kippe. Es wäre gut möglich gewesen, dass mich niemand von den Menschen um mich herum, jemals kennengelernt hätte. Der Zufall hat anders entschieden.

Der Zufall hat entschieden, dass ich schreiben sollte. Das Leben erkennen durch das Schreiben. Geboren werden durch Schreiben. In jedem Satz, jedem Wort steckt mein Blut, vermischt mit Tinte oder Druckerschwärze. Ich lebe meine Ängste, meine Zweifel, meine Liebe, meinen Glauben, meine Lust im Schreiben. Das habe ich schon immer getan. Als ich noch nicht schreiben konnte, dachte ich mir Geschichten aus und erzählte oder träumte sie. Heute schreibe ich sie auf.
Es hat lange gedauert, bis ich es erkannte, aber in einer Zeit, als ich dachte, ich könnte nie wieder Glück empfinden, hat mir das Schreiben das Leben gerettet. „Ich schrieb mir das Leben schön.“ Ich habe mir mein Gedanken-Gefängnis bunt geschrieben. In meinen Texten kann und darf ich alles sagen und tun. Ich muss nichts verheimlichen und nichts bereuen. Das Privileg des Künstlers.

Ich darf so viel Angst empfinden, wie ich sie nie zeigen würde. So viel Tränen vergießen, wie ich nie weinen würde. So viel Liebe erleben, wie ich sie nie hatte. So viel Wut raus lassen, wie ich nie zu lassen würde. So viel Lust und Begehren erfahren, wie ich nie erleben werde. In einer Welt leben, die immer heil und ganz sein wird, egal was draußen vor sich geht. Mit dem Tod ein Tänzchen wagen, auch wenn mir der Gedanke an das Ende, die Luft abschnürt.

Das schwarze Loch in meinem Herzen lässt sich nicht flicken. Ich lebe damit, obwohl ich mir wünsche es wäre anders. Was geschehen ist, ist geschehen. Nichts wird daran etwas ändern. Das Schreiben hilft mir den Schmerz im Zaum zu halten. Meinen Blick auf das Helle gerichtet, auch wenn die die Schatten mich auffressen wollen. Worte sind die Pflaster auf meiner Seele, die die Narben bedecken und mir einen Ort sichern, an den ich immer gehen kann. Meine Fantasie.

Read Full Post »

… wie wahr! Meiner steckt in meinem Kopf. Auf den ersten Blick mag er nicht sehr furchteinflößend sein. Aber wenn man anfängt, ihm zuzuhören, dann wird schnell klar, dass er einer der schlimmsten Dämonen ist. Er ist immer da und wenn ich die kleinste Schwäche zeige oder er einen Anflug von Angst/Zweifel spüre, legt er los. Er redet auffällig viel, aber dann kann ich ihn nicht mehr stoppen oder ihn überhören. Wenn es halbwegs gut läuft, kriege ich es hin, den Tag ohne größere Unsicherheitsattacken zu überstehen und mich nicht dauernd nach dem warum oder meinem möglichen/eingebildeten Versagen zu fragen. Aber wenn es Komplikationen gibt, Missverständnisse, unerwartete Rechnungen, problematische Vorhaben usw., dann tut er alles Dämonen mögliche, um mich immer weiter in meine Panik zu treiben und mich zum Aufgeben zu zwingen. Er zerrt alle meine früheren schlechten Erfahrungen und alle negativen Kommentare heraus, die ich je gehört habe. Macht sich einen Spaß aus meiner Traurigkeit und meiner Angst.

„Der Text? Das ist doch Mist, wer will denn den lesen?“

„Sieh mal zu, wie du die Rechnung bezahlst! An Urlaub brauchst du nicht mehr zu denken!“

„Termin verschlafen – wieder mal nicht aufgepasst, was?!“

„Durchhalten konntest du noch nie. Hab ich dir ja schon immer gesagt!“

„Unfähig Druck auszuhalten, wundert mich nicht. Versagerin.“

„Hast du wieder nichts Sinnvolles getan? Zeit verschwendet.“

Wenn er merkt, dass er Erfolg mit der Masche hat, dann kommt er richtig in Fahrt. Schlag auf Schlag, bis ich mich so schnell im Kreis drehe, dass ich keinen klaren Gedanken mehr fassen kann und ich mich frage, wie lange es wohl dauert, bis mein Gehirn von selbst abschaltet:

„Achtung, Achtung! Halten sie Abstand. Dieses Gehirn zerstört sich in wenigen Sekunden selbst.“

Es hat lange gedauert, diesen „Zustand“ als meinen Dämon zu identifizieren. Inzwischen arrangiere ich mich mit ihm. Er ist meine Herausforderung, nicht alles wörtlich zu nehmen und ihn als einen Geist meiner Vergangenheit zu sehen. Nur weil Dinge gesagt wurden oder passierten, müssen sie nicht wieder passieren. Ich habe mein Schicksal in der Hand und muss mich nicht von meinem Dämon in die Enge treiben lassen. Ich werde in wohl nie ganz los werden, aber ich kann ihn schrumpfen. Manchmal reicht schon ein Einfaches: Stop! Es reicht! Manchmal dauert es etwas länger, um meinen inneren Frieden wieder herzustellen.

Ich analysiere die Situation und frage mich, ob sie lebensbedrohlich ist oder meine Welt untergehen wird. Da dies zu 99 Prozent nicht der Fall ist, kann ich den Tatsachen ruhiger ins Auge sehen und eine Lösung finden. Das hört sich jetzt so einfach an, aber das ist es nicht, war es nie. Allerdings wird es Stück für Stück leichter. Ich bin schon stolz auf mich, wenn ich den Sturm kommen sehe, und mir das Dilemma nicht erst auffällt, wenn ich schon drin stecke.

„Hör mal zu du kleiner Dämon! Ich kenn dich und weiß, wie du arbeitest! Mich kriegst du nicht klein!“  

Read Full Post »

11.November. Tag elf des National-Novelle-Writing-Month. 18699 Worte. Alles läuft. Jeden Tag schreiben. Es geht mir super. Was ist zwischen dem 31.Oktober und dem 1.November passiert?

Ich kann mich kaum erinnern, wann ich den letzten Text geschrieben habe, mit dem ich zufrieden war und der mir leicht von der Hand ging.

Max Frisch schrieb in seinem Buch „Entwürfe zu einem dritten Tagebuch“: Ein fast unüberwindlicher Ekel vor der Schreibmaschine, Versuche mit Handschrift, einmal auch mit dem Tonband, aber das hilft nicht – Muss ich was zu sagen haben? … Ich weiß nicht, was los ist.

Es war eine Erleichterung, als ich es las. Auch die Besten haben Schreibhemmungen. Und der Gedanke: Muss ich was zu sagen haben … den stelle ich mir bei jedem Text, jeder Zeile. Gab es nicht jemand vor mir, der es besser geschrieben hat? Ich gebe mich keinen Illusionen hin. Bestimmt.

Meine Freundin rief mich an. „Du ich habe ein ganz tolles Buch gelesen. Es war so komisch, der Konflikt zwischen den Figuren so gut geschrieben. So ein Buch würde ich auch gerne schreiben. Ich bin auf der Suche nach der ultimativen Geschichte.“ – Genau mein Gedanke, wenn ich zum Beispiel Frankenstein von Shelley lese. Wo finde ich die ultimative Geschichte?

Wenn man Georges Polti glauben darf, gibt es nur eine begrenzte Anzahl von Plots. Er zählt 36 Master Plots auf. Mit Fantasie mixt man aus den 36 noch ein paar weitere zusammen. Heißt, danach ist Schluss. Hat man die geschrieben, fängt man wieder von vorne an, ganz pragmatisch gesehen. Also woher kommt die ultimative Geschichte? Bei über 95.000 Neuerscheinungen im Jahr ist die Möglichkeit, dass sich die Plotmuster wiederholen nicht gerade gering.

Vor drei Tagen habe ich meine Texte durchforstet. Ich wollte wissen aus wie vielen Anfängen ich Romane schreiben könnte. Nach einigen Stunden hatte ich siebzig Anfänge und dabei sind das nur die Anfänge, die ich schon weitergedacht habe (Teilrecherchen, Notizen, Charakter). Doppelt so viele, wie Plotmöglichkeiten und natürlich wiederholen sich die Plots.

Na super! Was sagt mir das? Ich sollte meine Plotideen etwas weiter streuen? Eine gute Idee. Aber ich gebe zu, es gibt Geschichten, die ich nicht unbedingt schreiben möchte. Zum Beispiel lese ich ganz gerne Thriller und Krimis, aber sie zu schreiben, ist nicht so meins. Im Grunde ist die einzige Option, die ich habe, wenn ich auf der Suche nach der ultimativen Geschichte bin, dass ich meine Ideen so gut umsetze wie möglich. Dass ich mein Herzblut und meine ganze Fantasie in die Geschichte stecke, egal wie oft ich diesen Plot schon benutzt habe.

Was bleit mir übrig? Es gibt nur schreiben oder nicht schreiben. Und Letzteres kommt in meinem Universum nicht vor. Ich habe ab und an diese Sinnkrisen. Klar, welcher Schriftsteller nicht?! Aber am Ende zählt einfach nur das Durchhaltevermögen und an sich zu glauben, egal ob es andere tun oder nicht. Über Henry Miller wurde geschrieben: er schrieb überall. Dauernd hörte man seine Schreibmaschine klappern.

Der NaNo ist für mich jedes Jahr die Möglichkeit ein Buch zu schreiben. Ich weiß nicht, was es ist? Ich glaube, es ist die Freiheit einfach drauflos zu schreiben. Ich denke nicht an Plots, Charaktere, Sinn oder Unsinn der Geschichte, nur an das Ziel. 50000 Worte in 30 Tagen. Und siehe da, im Laufe des Schreibens entwickelt sich die Handlung, die Figuren, die Sets, wie von Zauberhand. Während des Jahres schreibe ich mir manchmal auf, über was ich während des NaNo schreiben könnte. Aber bis jetzt waren das nie die Geschichten, die ich letzten Endes geschrieben habe. Es waren immer spontane Einfälle.

Wenn ich meine siebzig Anfänge alle zu Geschichten verarbeiten will, muss ich entweder noch siebzig Jahre NaNo schreiben. Das wird selbst bei guter Gesundheit schwierig für mich, schließlich bin ich nicht mehr zwanzig. Oder ich nehme mir persönlich mehrere NaNo – Monate im Jahr vor. Also bei jedem Monat NaNo wäre ich in fünf Jahren mit den 70 Anfängen durch. Andererseits sind sich einige der Anfänge sehr ähnlich. Ich habe eine, wie soll ich sagen, Favoritenliste gemacht und bin auf die magische 36 gestoßen. 36 Anfänge, die ich noch der „Wichtigkeit“ nach einteilen müsste. Jeden zweiten Monat ein NaNo, sechs Romane in einem Jahr, fertig in sechs Jahren.

Guter Plan. Mathematisch gut gedacht. Aber ich kenne meine Zweifel, meinen Schweinehund, außerdem produziere ich zwischendurch noch neue Ideen, von den zurückgestellten Texten ganz zu schweigen. Ab und an muss ich auch mal arbeiten und echtes Geld verdienen (ohne Kaffee und Käsebrot kann auch der genialste Schriftsteller nicht überleben), den Haushalt schmeißen und soziale Kontakte pflegen.

Was also tun? Ich klemme mich jetzt wieder hinter meinen NaNo 2012. Wenn ich dann voller Euphorie meinen Schweinehund und meine Zweifel besiegt, das Ziel der Worte erreicht habe, kann ich mich an die Lösung des anderen Problems setzen: Welcher meiner Anfänge lässt sich zu der ultimativen Geschichte verarbeiten?!

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: