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Posts Tagged ‘Zettel’

„Wer ist Sunny Malloy? Verdammt noch mal, fragte Marti aufgebracht. „Immer wieder dieser Name!“

Er unterstrich ihn mit einem dicken roten Strich auf der Flipchart.

„Das werden wir gleich wissen“, Jerry tippte den Namen in die Tastatur seines PC, „mal sehen, was Tante Google ausspuckt.“

Marti ging zu Jerry hinüber. Neugierig sah er ihm über die Schulter. Erstaunt blickte er auf den leeren Bildschirm.

„Wie du siehst, siehst du nichts“, sagte Jerry völlig perplex.

„Wie gibt es denn so was?“, Marti schüttelte den Kopf, „es gibt im Internet etwas über jeden Hinz und Kunz.“

„Woraus wir schließen können, dass Sunny Malloy nicht Hinz und Kunz ist“, Jerry grinste.

„Und welchen Grund kann es geben, dass der Typ durchs digitale Raster fällt?“

„Er ist entweder zu alt, heißt in einer Zeit geboren, als ans Netz noch nicht zu denken war, oder die Person einfach zu unwichtig ist.“

„Hm?“, Marti kratze sich am bärtigen Kinn. „so unwichtig kann er nicht sein, wenn alle drei Mordopfer einen Zettel mit seinem Namen in der Hand hielten.“

 

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Doris Day, Hausaufgaben, Riegel, Raureif

Doris Day rollte sich gemächlich auf meinen Hausaufgaben zusammen. Sie sah mich mit hochgezogener Augenbraue an, dann klappte sie die Lider herunter und schlief ein. Ich seufzte. Am Montag war Abgabetermin. Ich hatte erst ein paar Notizen gemacht. Das Thema „Raureif auf dem Riegel“ war meine Abschlussarbeit. Ich hasste sie und doch, wenn ich diese furchtbare Schule endlich hinter mir lassen wollte, musste ich eine Eins auf die Abhandlung bekommen. Vorsichtig zog ich die Blätter unter Doris Day`s Bäuchlein hervor. Sie rekelte sich, sah mich mit finsterem Blick an, drehte sich einmal um sich selbst und legte sich wieder hin.

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Anthony schien sich auf die Fahne geschrieben zu haben, Rosalie zu unterhalten. Bis zur Testamentseröffnung am Nachmittag zeigte er ihr sämtliche Räume des Schlosses, einschließlich seiner Geschichten und Legenden. Einige kannte sie von ihrem Vater, andere waren ihr neu. Am meisten beeindruckte sie die Bibliothek von gigantischen Ausmaßen.

Rosalie hätte dort gerne mehr Zeit verbracht, aber Anthony war kein großer Bücherliebhaber und lotste sie beinahe im Laufschritt hindurch. Er interessierte sich eher für die unterirdischen Gänge des Hauses, die seit langem verschlossen und ihre Eingänge vergessen waren. Rosalie war der Überzeugung, dass es zwischen den Tausenden Büchern Lagepläne des Hauses geben musste, behielt ihre Meinung aber für sich.

Als sie nun in dem düsteren Arbeitszimmer ihres verstorbenen Großvaters vor dem großen Schreibtisch sitzt, gilt ihre ganze Neugier der Dame des Hauses, Lady Edna und dem neuen Herrn der Familie, Gilbert de Clare. Die beiden ließen sich beim Frühstück entschuldigen und vertrauten Anthony die Rolle des Gesellschafters bereitwillig an.

In der unangenehmen Stille, neben Lady Edna im steifen Witwenkostüm, das ihre faltige blasse Haut hervorhebt, und die sie keines Blickes würdigt, und unter den scharfen Blicken von Gilbert, der ihr gegenüber am Kamin steht, vermisst sie ihn beinahe. Rosalie hat kein ängstliches oder leicht zu beeinflussendes Wesen, aber sie bevorzugt im Allgemeinen die Gesellschaft fröhlicher Menschen.

Lady Ednas schrille Stimme zerreißt jäh die Stille und Rosalie zuckt unmerklich zusammen.

„Wo bleibt er denn nur? Unzuverlässig wie immer, dieser blutsaugende Winkeladvokat!“

Lady Edna stampft mit ihrem Stock auf den Fußboden. Rosalie bemerkt ein Lächeln auf Gils sonst so ernstem Gesicht, das sofort wieder verschwindet, als er ihrem Blick begegnet. Tatsächlich hat die Szene etwas sehr Skurriles an sich, das entging nicht einmal dem arroganten Gil. Rosalie fragt sich, ob Gil jemals Leidenschaft für eine Frau empfunden oder einer die Chance gegeben hat, sein Herz zu erobern.

So wie er dort steht, aufrecht beinahe steif, glatt und unnahbar, fällt es ihr schwer sich das vorzustellen. Andererseits hat Rosalie mit einem Mann ähnlichen Kalibers, eine der aufregendsten Liebesnächte ihres bisherigen Lebens erlebt, nachdem das Eis aufbrach und das Feuer daraus hervorsprudelte.

Gil beobachtet Rosalie aus den Augenwinkeln. Verdammt, denkt er, warum lächelt sie so geheimnisvoll und warum ist sie nur so unglaublich schön. Im Geist löst er ihr helles Haar und stellt sich vor, wie es über ihre nackten Schultern den Rücken hinabfällt. Bevor Gil weiter über Rosalies Vorzüge nachdenken kann, fliegt die Tür des Arbeitszimmers auf und besagter Winkeladvokat stolpert herein.

„Entschuldigen sie, Mylady, Mylord.“

Er nickt beiden Herrschaften diensteifrig zu und platziert seine abgegriffene Aktentasche auf dem Schreibtisch. Die Schnalle der Tasche löst sich und ein Stapel Papiere rutscht heraus.

„So, so, so“, der dickliche kleine Mann sammelt sie mit fahrigen Fingern wieder ein. Schweißtropfen bilden sich auf seiner Stirn, die er mit einem riesigen Taschentuch abtupft. Rosalie muss sich ein Lachen verkneifen. Die ganze Situation wird immer absonderlicher, geht es ihr durch den Kopf.

„Sie müssen Rosalie Graville sein“, inzwischen hat sich der Notar gefasst und blickt Rosalie über seine Brille hinweg an.

„Das ist richtig. Und sie müssen Mister Blythe sein.“

Sie streckt ihm die Hand entgegen, die er verlegen ergreift, ohne recht zu wissen, was er machen soll.

„Wie lange soll das dauern“, keift Lady Edna, „fangen sie an Blythe, wofür bezahlen wir sie!“

Rosalie befürchtet, die alte Dame könnte den Stock gegen den Notar erheben.

„Ja, nun“, stammelt Mister Blythe und lässt Rosalies Hand fallen, als hätte er sich die Finger verbrannt. Mit schuldbewusst gesenktem Kopf huscht er hinter den Schreibtisch. „Dann lassen sie uns anfangen.“

Mister Blythe setzt sich und versinkt beinahe in dem riesigen Ledersessel. Gils und Rosalies Blicke begegnen sich und in diesem winzigen Moment blitz etwas wie verstehen zwischen ihnen auf. Um nicht laut aufzulachen wendet sich Rosalie dem herrlichen Ausblick auf den Garten zu. Der Notar hat inzwischen das Testament aus dem Zettelgewirr herausgesucht.

„Darf ich um ihre geschätzte Aufmerksamkeit bitten“, Mister Blythe blickt von einem Anwesenden zum anderen. „Seine Lordschaft hat in seinem letzten Willen verfügt, dass Gilbert de Clare als nächstem Angehörigen, das gesamte Erbe, beweglich und unbeweglich, zufällt. Seine geliebte Frau Lady Edna wird natürlich bis zu ihrem Lebensende Wohnrecht in ihrem geliebten Zuhause erhalten und eine Apanage von 1000 Pfund im Jahr“, Mister Blythe macht eine kurze Atempause, wischt sich die Schweißtröpfchen von der Stirn. „Des Weiteren wird meine Enkeltochter Rosalie Graville, nach dem Tod Lady Ednas, das Familiengeschmeide der de Clares erben.“

„Unmöglich!“, Lady Edna springt erstaunlich agil aus ihrem Sessel auf, „dieses Bastardkind wird nicht meine Juwelen erben. Das ist unmöglich.“

Drohend schwingt sie den Stock und Rosalie überlegt, wie sie sich der alten Lady erwehren soll, als Gil ihren Arm nimmt und sie von Rosalie weg zieht.

„Bitte, Tante Edna, beruhige dich“, sagt er leise, aber bestimmt.

„Ich will mich nicht beruhigen! Das ist eine Schande, eine Schmach. Wie konnte er unser Familie das antun?!“

Rosalie hält es nicht mehr auf ihrem Platz. – Es reicht! Eine absolute Unverschämtheit! Der alte Lord macht einer jungen naiven Frau ein Kind und mein unschuldiger Vater muss noch, nach seinem Tod dafür büßen. – Kerzengrade geht sie auf Lady Edna zu. Gil wirft ihr einen warnenden Blick zu, aber es ist zu spät. Rosalie hat nicht vor, für Gils Seelenfrieden auf ihre Genugtuung zu verzichten.

„Ich kann ihnen sagen, warum!“, ihre Stimme ist ruhig, aber innerlich brodelt es in ihr, „weil er es meiner Familie zuerst angetan hat!“

Lady Edna klappt den Mund auf und wieder zu. Sie wirft Rosalie eisige Blicke zu, dann lässt sie sich von Gil hinausführen.

Mister Blythe sitzt eingesunken hinter dem Schreibtisch und tupft sich erneut die Stirn ab. Er hat einen Eklat befürchtet und ist froh, dass es nicht noch schlimmer gekommen ist. Rosalie wendet sich an den Anwalt. Die schöne junge Frau, die sich vor dem Schreibtisch aufbaut und ihn scharf ansieht macht ihn nervös. Unkontrolliert beginnen seine Lider zu zucken.

„Mister Blythe, bitte erklären sie mir diese Farce!“ Rosalie stützt sich mit den Händen ab und beugt sich vor, „ich komme doch nicht den weiten Weg aus London hier her, um mir Frechheiten gefallen zu lassen – für ein paar Juwelen. Das interessiert mich nicht!“

„Was interessiert sie dann?“

Gil ist lautlos ins Arbeitszimmer zurückgekehrt. Seine Stimme ist zwar kühl, lässt aber auch Interesse erkennen. Rosalie ist versucht ihm eine Antwort zu geben, überlegt es sich dann aber anders.

„Ich glaube kaum, dass sie das verstehen werden.“

Ihre blauen Augen funkeln zornig. Sie strafft die Schultern und geht ohne ein weiteres Wort hinaus.

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Das Buch war schwer. Der Rücken und die Ecken in dunkelbraunem Leder abgesetzt mit dünnen goldenen Kanten. Die Buchdeckel aus grauem Leinen. Die Schrift auf dem Rücken war ebenfalls in Gold und zwischen den Worten mit stilisierten Blüten geschmückt. Der Buchschnitt türkisgrau eingefärbt. Die dicken Vorsatzblätter cremefarben mit grauen Blüten geprägt. Die Schrift schien kyrillisch zu sein, aber ich war mir nicht sicher.

Fasziniert blätterte ich durch das Buch. Zwischen den Seiten entdeckte ich einen Zettel. Auf einer Seite handgeschrieben auf der anderen eine Nachricht mit Schreibmaschine. Ich versuchte die Handschrift zu entziffern:

„Goldprägung hinten
Geschichte Russlands
5 Bände(I – XXIX)
Einbände I (1.) “

Ich hatte richtig geraten. Es war kyrillisch.

Die Rückseite, mit Schreibmaschine war viel interessanter. Leider war der Zettel durchgerissen und enthielt nicht den vollständigen Text:

„Kerbl an Schuster 030/211
Sgh Schuster
Leider kann ich hier nicht weg,
wünsche viel Erfolg
aufgebe nachstehend Aufträge.
Mein Sohn Robert Kerbl Student
Bringt Ihnen 1 Polaroid Foto ein
Ölbild zur Berliner Geschichte
Kgl.preuß.Gen.Lt. x 7.4.
Leinwand ohne Spannrahme
Rahmen mit Schild E. Hei
Der Kopf könnte von Lenb
Schw. Adler Orden m.d. Ke
Links breite Ordenschna
Sign. „Elisabeth v. Kros
Denn Krosigh ist dargeste
Begas Kronprinz F.III …“

Wie alt die Notiz wohl war? Polaroids gab es schon eine ganze Weile nicht mehr. Um was für ein mysteriöses Polaroid handelte es sich wohl und was war das für ein Orden, von dem die Rede war? Wenn es das war, was ich vermutete, war dieser Orden ein Vermögen wert.

Ich schob den Zettel wieder zwischen die Seiten des Buches. Sander würde einen Freudentanz aufführen, wenn ich ihm davon erzählte. Dachte ich. Die Ereignisse, die ich mit dem Fund des Zettels auslöste, sollten unsere Freundschaft auf eine harte Probe stellen.

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…, darum verbreite ich dort soviel Chaos wie möglich, wo ich gerade bin. Zumindest wäre es das, was ich gerne täte. Im Grunde genommen versuche ich das Chaos zu beherrschen, und das ist gar nicht so einfach. Ich hantiere mit zig Zetteln, rattere im Kopf den ganzen Tag meine Listen herunter und abends vor dem Schlafengehen fange ich an, mir die Listen für den nächsten Tag herunter zu beten. Kein Wunder, dass ich von der Arbeit träume … dabei denke ich während der Arbeit, sobald ich mich unbeobachtet fühle, an meinen neuen Roman. Ich befinde mich gerade an einem gefährlichen Punkt. Dem instabilen Punkt. 40 Seiten. Meistens entscheidet sich da, ob ich weiter schreibe oder nicht. Aber die Geschichte ist mir wichtig. Sehr sogar.

Das Ganze ist verzwickt. Ich habe vor einen real-fiktiven oder fiktiv-realen Roman zu schreiben. Einerseits inspiriert mich mein Arbeitschaos (in meinem echten Leben) für mein „geheimes“ Leben (Schreiben), andererseits wirkt sich mein Schreiben auf mein „echtes“ Leben aus.

Es muss wohl so sein. Entweder kopiert die Kunst das Leben oder das Leben die Kunst. Ich stelle an mir fest, dass ich mich teilweise anders verhalte und Gedanken durchdenke, die ich mir in meinem „echten“ Leben sonst nicht erlaube. Zugegeben, dass ich das, was ich erlebe, (oder teilweise komponiere (ist das schönere Wort)) für meine Story „verarbeite“. Ich nehme mir außerdem mehr heraus (oder komme mehr aus mir heraus) als es meinem Naturell entspricht, da meine Hauptfigur offensiver und kesser ist. Sozusagen ein Selbstversuch. Ich kann mich nicht erinnern, mich jemals als Testperson für eine meiner Geschichten versucht zuhaben, obwohl jeder Schreiber weiß, etwas von uns steckt in jeder Geschichte.

Andererseits ist es sehr interessant zu sehen, wie sich bestimmte Situationen entwickeln, wenn ich mich nicht so verhalte, wie ich es normalerweise tun würde. Zum Beispiel heute, da habe ich die Konfrontation mit einer Person gesucht (und gewonnen), bei der ich sonst gedacht hätte: sag lieber nichts. Aber ich dachte: erstens muss ich für meine Kollegen einspringen (ich hatte sie immerhin darum gebeten diese Sache für mich zu erledigen) und zweitens: mein Charakter würde sich diese Ungerechtigkeit nicht gefallen lassen. Ich musste und wollte etwas dagegen tun. Und ich wollte wissen, wie es sich anfühlt, wenn ich nicht kusche, sondern in die Offensive gehe. (Wie fühlt meine Hauptperson? Wie ist die Situationsdynamik? Was sagen die anderen Personen (z. B.: „der Feind“? Was kommt dabei heraus?)

Das hat sich richtig, richtig gut angefühlt! (Ich kann das! Ich kann mich wehren. Besonders wenn ich die Verantwortung habe.) Es hatte auch noch eine positive Wirkung: Ich bin ruhiger geworden. Die letzten zwei Tage habe ich am Rad gedreht. Ich dachte, diese Jobgeschichte krieg ich nicht auf die Reihe. (Ich muss die Verantwortung tragen, alles organisieren, die anderen verlassen sich auf mich und erwarten, dass ich bescheid weiß.) Aber es geht! Das macht stärker.

Mein Charakter (neuer Roman) gefällt mir. Ich will ihre Geschichte erzählen (rein fiktiv natürlich (mit einer guten Prise Realismus *lacht* gepfeffert)). Jetzt muss ich nur noch zusehen, dass ich in meinem Chaos Zeit finde, die Story weiter zu schreiben …  (immerhin habe ich meinen Kollegen eine tolle Kaffeemaschine, mit Kaffeeflatrate, versprochen, wenn ich einen Bestseller lande.)

P.S.: Langsam finde ich gefallen am Chaos verbreiten …

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