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Posts Tagged ‘Zeichen’

Er stand nur da und wartete.

Worauf wusste Robin selbst nicht genau. Doch die Atmosphäre war auf eine Art aufgeladen, dass er annahm, dass Gleich etwas passieren musste. Die Stille um ihn herum war die Ruhe vor dem Sturm. Vor ein paar Minuten hatte er die Stimme seiner Mutter gehört, als sie das Telefongespräch entgegennahm:

„Ja, hier Müller.“

Dann war sie im Arbeitszimmer verschwunden. Das bedeutet nichts Gutes. Er stand dort und wartete gebannt auf ein Zeichen. Die Sekunden zog sich wie ein Gummiband in die Länge. Doch nichts geschah. Kein Geräusch drang durch die Tür an sein Ohr.

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Im Labor

„Gut, dass du kommst“, Aaron hielt mir triumphierend ein kleines hellblaues Tütchen entgegen, „meine neuste Entdeckung.“

Er legte mir ein Papierstäbchen in die Hand, das aussah wie die kleinen Zuckertüten, die im Cafe immer neben dem Kaffee auf der Untertasse lagen. Ich drehte es hin und her, schüttelte es. Es raschelte.

„Und was soll das sein? Sag nicht Zuckertütchen. Die gibt es schon.“

Ich setzte mich auf den Drehstuhl vor Aarons Arbeitstisch. Fasziniert und mit besorgtem Interesse betrachtete ich seine Versuchsanordnungen. In den Destillierapparaten brodelte es und in Reagenzgläsern, Petrischalen und Glaskolben agierten merkwürdige Stoffe miteinander. Es wäre nicht das erste Mal, dass Aaron Substanzen miteinander mischte, die, nun sagen wir einmal, explosive Legierungen ergaben. In seinem Labor roch es immer merkwürdig. Diesmal lag ein Duft von Zuckerwatte und gebrannten Mandeln in der Luft.

Aaron sah mich mit strafendem Blick an und nahm mir das Tütchen aus der Hand, bevor ich es aufreißen konnte.

„Ich weiß, dass du mich für einen verrückten Wissenschaftler hältst, was ich vielleicht auch bin“, er hielt kurz inne. Ehe ich ihm meine Ansicht über ihn bestätigen konnte, fuhr er fort, „aber das es Zuckertütchen schon gibt, weiß ich selbst!“

Seine blauen Augen funkelten mich ärgerlich an und in meinem Bauch flog ein wilder Schwarm Schmetterlinge auf. Aaron würde nie merken, was ich für ihn empfand. Es schien außerhalb seines Horizonts zu liegen, dass ich in ihn verliebt sein könnte. Tatsächlich waren wir wie Tag und Nacht. Was unsere Zusammenarbeit schwierig, aber auch sehr erfolgreich machte.

„Also, was ist denn nun das Besondere?“

„Schneegestöber in Tüten.“

Aaron nahm eine kleine Kiste von seinem Schreibtisch und hielt sie mir vor die Nase.

„Ähm, wie bitte?“, ich musste mich verhört haben, „Schneegestöber in Tüten?“

Ich sah Aaron misstrauisch an und argwöhnte, er wollte mich auf den Arm nehmen.

„Nicht nur“, er grinste breit und hielt mir den Karton hin, in dem verschiedene bunte Papiertütchen lagen, „es gibt auch Nebel, Wind und Regen in verschiedener Stärke, Blitze, Donner, und eben Schneegestöber.“

„Das mag ja ein netter Party-Gag sein, aber wie soll uns das bei der Arbeit helfen.“

Wieder das ärgerliche Funkeln in seinem Blick und mein Herzschlag beschleunigte sich. Himmel, diese Augen!

„Party-Gag!“, er sah mich mit strafendem Blick an, „das lass nur meine Sorge sein! Du kennst mich inzwischen drei Jahre und vertraust mir immer noch nicht.“ Aaron stellte den Karton wieder zurück. „Apropos, bist du mit deiner Recherche weitergekommen?“

Er setzte sich hinter den Schreibtisch, lehnte sich in seinem Sessel zurück und legte die Füße auf den Tisch. Das machte er selten. Aaron musste sehr zufrieden mit seiner neuen Entdeckung sein.

„Ja, bin ich. Der Gegenstand steht im Museum in Flensburg, in der stadtgeschichtlichen Ausstellung.“

Ich stand auf und ging zur Anrichte hinüber. Ich stellte eine Tasse unter den Kaffeeautomaten und wählte Milchkaffee.

„Bist du sicher?“, ein leiser Ton von Skepsis schwang in seiner Stimme mit.

Diesmal funkelte ich Aaron ärgerlich an. Hinter mir setzte sich die Kaffeemaschine in Gang und gab ein Zischen und Mahlen von sich.

„Wie sicher kann man sich sein? Reicht dir 99%?“

„99,999% wären mir lieber. Aber gut, wenn du meinst.“

Ich nahm die Kaffeetasse von der Maschine und setzte mich wieder. Durchatmen, nicht provozieren lassen, dachte ich.

„Eine Ferndiagnose zu stellen ist immer schwierig“, erwiderte ich so lässig, wie möglich, „deswegen fahre ich morgen früh nach Flensburg, um mich selbst von der Echtheit des Artefakts zu überzeugen“, und um Aaron zu ärgern fügte ich hinzu, „Oliver ist schon unterwegs und bereite alles vor.“

„Oliver?“, Aarons Gesichtsausdruck versteinerte sich, „du willst mit diesem Dilettanten zusammenarbeiten?“

„Von ihm stammt der Tipp. Ich finde, da hat er es verdient, dabei zu sein.“

Aaron stand auf, beugte sich über den Schreibtisch und sah mir tief in die Augen.

„Nur über meine kalte Leiche!“, sagte er und ich konnte die Wut in seiner Stimme hören, „das letzte Mal, als er dabei war, wärst du beinahe getötet worden. Das Risiko gehe ich nicht noch einmal ein! Ich begleite dich auf Schritt und Tritt.“

Ich öffnete den Mund, aber er hob den Finger.

„Keine Widerrede! Ich lasse dich keine Sekunde mit diesem Schwachkopf allein. Denk nicht mal daran!“

Ich schloss den Mund wieder. Tatsächlich wollte ich ihm nur sagen, dass ich mit seiner Begleitung sehr einverstanden war. Doch wenn er unbedingt an meinen Widerspruch glauben wollte, ich hinderte ihn nicht daran.

Oliver war noch neu in unserem Business und hatte wenig Erfahrung. Er war ein auffallend gutaussehender Mann und versuchte sich ausdauernd an mich heranzumachen, aber ganz wohl war mir in seiner Gegenwart, seit dem letzten gemeinsamen Auftrag, auch nicht mehr.

„Ich hole dich um acht Uhr ab.“

Ich musste lachen.

„Das tust du nicht! Ich fahre. Um acht Uhr vor deiner Haustür.“

„Du fährst wie ein Henker“, stellte Aaron fest und zog eine Braue hoch.

„Und du wie meine Großmutter!“, ich schüttelte den Kopf, „entweder auf meine Weise oder du musst mit dem Zug fahren.“

Aaron zögerte und für einen Moment dachte ich, er würde sich gegen die Autofahrt mit mir entscheiden, aber der Gedanke an Oliver und mich schien ihm wenig zu behagen.

„Gut, auf deinen Weise“, gab er nach, „ich muss noch einige Vorbereitungen treffen.“

Das war mein Zeichen.

„Dann lass ich dich mal machen“, ich grinste, „bis morgen.“

Beschwingt tänzelte ich aus Aarons Labor. Ich freute mich auf unseren Ausflug. Es war das erste Mal nach meinem Unfall.

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Band, faul, Spiegel, Spitze

„Sei nicht so faul, Eliza! Gib mir das Spitzenband da. Das weiße mit den goldenen Röschen.“

Kitty stampfte mit dem Fuß auf und sah Eliza mit zusammengezogenen Augenbrauen und herunterhängenden Mundwinkeln an. Eliza hatte die Arme untergeschlagen und machte keine Anstalten sich zu bewegen.

„Ich muss auf dem Ball wunderschön sein! Austin muss sehen, dass er keine bessere haben kann!“, jammerte sie.

„Wie heißt das Zauberwort?“

Eliza verkniff sich ein Grinsen. Kitty war eitel, launisch, hager und verbissen, aber ihre Mitgift war so hoch, dass die Freier Schlange standen. Nur Austin nicht. Obwohl keine Aussicht bestand, dass er in nächster Zeit zu Vermögen kommen würde. Er hatte nur den Titel und seine Ehre.

„Bitte!“, Kitty versuchte ein Lächeln. Es verunglückte. „Siehst du nicht, dass ich hier nicht weg kann?“
Kitty stand auf einem Podest, die Arme in die Höhe gestreckt und wedelte mit den Händen in Elizas Richtung. Eine Schneiderin steckte ihr gerade die Seiten über der Taille ab.

„Bitte Miss Kitty, stehen sie still. Ich übernehme keine Verantwortung dafür, wenn sie von einer Nadel gestochen werden“, tadelte die Schneiderin Kitty.

Kitty presste die Lippen zusammen und versuchte still zu halten. Mit den Augen gab sie Eliza ein Zeichen. Aufreizend langsam setzte sie sich in Bewegung und brachte Kitty das geforderte Band. Der Ball wird spannend, dacht sie, Kitty beißt sich an Austin die Zähne aus.

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Das schmiedeeiserne Tor des botanischen Gartens quietschte, als Sandrine es aufschob. Es war früher Morgen. Über den Feldern rund um die Stadt schwebten zarte Schleier aus Nebel. Sandrine liebte diese Tage, noch Sommer und doch etwas herbstlich. Altweibersommer. Es duftete nach gemähtem Gras und Blumen.

Zu dieser Stunde lag der Garten ruhig und geheimnisvoll da. Sandrine stellte sich vor, wie die Bäume miteinander wisperten und sich die mysteriösen Geschehnisse der letzten Tage erzählten. Im Stadtanzeiger stand die Schlagzeile, die ganz Neustadt bewegte: Mysteriöse Zeichen im botanischen Garten entdeckt – Hexenzirkel oder Satanisten am Werk?! Darunter war ein großes Foto mit rätselhaften Zeichen abgebildet.

Sandrine hielt das Ganze zuerst für einen dumme Jungenstreich oder einen Trick der örtlichen Presse das Sommerloch zu füllen, aber bei ihren Nachforschungen in der Unibibliothek fiel ihr ein Buch über alte Schriften in die Hände. Einige sahen den Zeichen auf dem Foto sehr ähnlich und weckten ihre Neugier.

Sandrine legte den Weg zu den Gewächshäusern zurück, ohne dass ihr eine Menschenseele begegnete. Es mochte an der Uhrzeit liegen oder dran, dass die Einwohner Angst hatten, den Park zu betreten. Am Tag zuvor verschwand eine junge Frau und die Polizei nahm an, dass es etwas mit den Vorfällen im Park zu tun hatte. Wohin Sandrine auch ging, es gab kein anderes Gesprächsthema.

Sandrine ritzte das Polizeisiegel an der Tür des Gewächshauses mit einem kleinen Taschenmesser auf, zog einen Dietrich aus ihrer Umhängetasche und steckte ihn in das Schloss der Gewächshaustür. Ihr Bruder hatte ihr genau erklärt, was sie tun musste. Nach ein paar kleinen Drehungen mit dem Dietrich hörte sie ein leises Knacken. Das Schloss sprang auf. Sandrine sah sich noch einmal um und betrat dann das erste der alten Gewächshäuser.

Durch die offenen Oberlichter zog ein kühler Lufthauch herein. Es herrschte eine gespannte Stille, die beinahe greifbar war. Sandrine kannte die Gewächshäuser seit ihrer Kindheit. Ihr Vater hatte dort viele Sonntagvormittage mit ihr und ihrem Bruder verbracht und ihnen die Fauna und Flora des Gartens erklärt. Sie wusste, wo der Fotograf das Bild mit den Zeichen aufgenommen hatte.

Aufmerksam arbeitete sie sich auf den schmalen Plattenwegen vorwärts. In jedem neuen Abschnitt des Gewächshauses hielt sie inne und lauschte. Dort, wo die Seerosen in einem großen Bassin wuchsen, gurgelte die Pumpe, kleine Luftblasen stiegen zur Oberfläche des Wassers auf, sonst konnte sie nichts Auffälliges entdecken.

Sandrine erreichte das Palmenhaus. Die Tür war durch ein extra Siegel gesichert. Sie ritze es auf und trat ein. Sprühnebel aus winzigen Wassertröpfen rieselten auf sie herab, die von einer speziellen Anlage geregelt wurden. Sandrine wendete sich der Außenwand des Hauses zu. Sie bestand nicht aus Glas, sondern aus roten Backsteinen. Das Gewächshaus war an dieser Stelle in die Parkmauer intergiert. Früher gab es dort ein Fenster zur Straße. Vor einigen Jahren wurde es zugemauert, damit niemand in Versuchung geriet hineinzusteigen.

Sandrine blieb wie erstarrt stehen. Das Fenster bedeckte ein riesiges Spinnennetzt, dessen Seidenfäden mit den Tröpfchen der Sprinkleranlage bedeckt waren. In der Mitte lag eine fette haarige Spinne auf der Lauer.

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Sam war sich nicht sicher, ob es ein gutes Zeichen oder das Zeichen einer kommenden Katastrophe war, aber er wusste, …

… dass gleich etwas Aufregendes geschehen würde. Er hatte es im Gefühl. Diese leise Vorahnung, die sich mit einem erregenden Kribbeln im Bauch ankündigte. Bis jetzt hatte er noch nie daneben gelegen. Sam lauschte. Eine Tür wurde aufgerissen, schlug zu. Dann hastete Misses Miller, Archers Sekretärin, schnellen Schrittes den Korridor entlang. Das Geräusch ihrer Pumps war schon von Weitem zu hören. Ein rhythmisches Klappern, vergleichbar dem spanischer Kastagnetten. Der Karren, mit dem der Hausbote die Post auslieferte, erinnerte Sam immer an einen alten Regionalzug, dessen Räder nicht ganz rund liefen und bei jeder Umdrehung einen dumpfen Ton von sich gaben.

„Hallo, Misses Miller“, Sam hatte sich von seinem Drehstuhl erhoben. Im Türrahmen blieb erstehen, „ist was passiert?“

„Ja. Schrecklich“, stieß sie im Vorbeilaufen atemlos aus.

„Was denn?!“, rief Sam hinter ihr her.

„Jetzt nicht. Später!“, wehrte sie mit einer Handbewegung ab und lief weiter.

Für einen kurzen Moment überlegte Sam, ob er ihr folgen sollte. Er bezwang sich. Nur nicht auffallen, sagte er sich. Nachdenklich ließ er sich wieder in seinem Bürostuhl nieder. Langsam drehte er sich um seine eigene Achse. Wer wusste am meisten und am schnellsten über alles bescheid? Misses Miller war mit Betsy aus Buchhaltung befreundet. Die Zwei gönnten sich nach der Arbeit oft noch einen Drink im Pub auf der anderen Straßenseite. Sam hatte sie schon ein paar Mal dort gesehen. Er griff zum Telefon wählte die 232. Das Freizeichen ertönte. Sam wartete. Betsy nahm nicht ab. Nach dem zehnten oder zwölften Tuten legte er auf.

Was soll`s, dachte er, früher oder später werde ich schon mitkriegen, was los ist. Er drehte sich wieder. Seine grauen Aktenschränke gelangten in sein Blickfeld. Dann die Tür zu seinem Büro, mit dem Poster gesuchter Krimineller und dem Aufruf, sich bei sachdienlichen Hinweisen bei der Polizei zu melden. Sein Kleiderständer, die Regale mit den Gesetzestexten, die Ecke mit der Kaffeemaschine über der ein hässlicher Druck hing, den er von seinem Vorgänger übernommen hatte, dann das breite Fenster mit den senffarbenen Vorhängen.

Als er die komplette Runde gedreht hatte, hielt es ihn nicht mehr. Verdammt! Auffällig oder nicht, ich muss wissen, was vor sich geht. Er sprang auf, verließ sein Büro und folgte Misses Millers Spur. Hätte er geahnt, was ihn am Ende seines Weges erwartete, er hätte sein Büro niemals verlassen.

Der erste Satz war nur der Anreger 😉 .

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Leben geschrieben mit Tinte auf Papier

Gefühle rot wie Blut aus meinem Herzen

Vogelnester aus Bleistiften und Federkielen

Baumkronen mit Blättern aus Papier

Baumstamm wie Stahl mit Adern aus Glas

Wolkenhimmel spiegeln sich in ihnen

Ohne miteinander zu flüstern

Flüsse folgen spielend ihrem Lauf

Fisch und Strudel springen über Schwellen

Ohne Blick erkenne ich mein Glück

Das nicht in ihren Gassen liegt

 

Der Mensch beginnt zu ruhen

Im Rad der Zeit verstreicht die Unruhe

Zum Atmen breiten wir uns aus

Um den Hals das Zeichen

In den Adern fließt die Morgensonne

Im Kreis der Jahreszeiten

Seit Anbeginn der Schöpfung

Geht alles seinen Gang

Für immer und einen Tag

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