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Posts Tagged ‘Zähne’

Herzschmerzwurm, der: Er ist klein, ca. drei Millimeter. Dünn, wie ein Nähfaden. Glatt, glänzend schwarz. Das Auffälligste am H. sind die scharfen Zähne, die es ihm ermöglichen sich durch das Fleisch bis ins Herz zu fressen, wo er sich einnistet und Löcher und Gänge bohrt, um das Blut auszusaugen. Er ernährt sich von der Sehnsucht nach Liebe, gräbt die Hoffnung ab, lässt die Leidenschaft versiegen. Der H. verursacht Zweifel an der Liebe, entzündet Angst und Misstrauen, fördert Zynismus und Nörgelei. Hat er sich im Herzinneren festgesetzt, ist es beinahe unmöglich ihn wieder vollständig zu entfernen. Die einzige Möglichkeit zu genesen ist einer wirklich liebenden Seele zu begegnen, die durch Ausdauer und Entschlossenheit die Wunden schließt und den H. aushungert.

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„Und was soll das sein?“

Ich schüttelte den Kopf. Allein der abwertende Ton in seiner Stimme machte mich wütend. Immer musste Marty alles in Frage stellen und herabsetzen.

„Das ist ein Glücksdrache“, sagte ich gereizt.

„Glückskeks wohl eher“, lachte er.

Ich versuchte meine Wut zu bezähmen. Blödmann, dachte ich, ich wünschte, der Drache würde dich in den Hintern beißen. Dabei legte ich dem Glücksdrachen die Hand auf den Kopf.

„Aua!“, Marty schrie schmerzerfüllt auf und rieb sich den Hintern, „verdammt, mich hat was gebissen!“

Ich grinste in mich hinein. Hinter Marty stand der Glücksdrache und hielt ein Stück seiner Hose zwischen den Zähnen. Ich hatte von der Legende gehört, dass man einen Drachen durch intensive Gedanken zum Leben erwecken kann. Dass es tatsächlich klappte, überraschte mich selbst.

„Echt? Komisch hier ist gar nichts“, ich tat so, als sähe ich mich suchend um. Ich wusste, dass nur der den Drachen sehen kann, der ihn erweckt hat.

„Doch! Hier muss was sein. In meiner Hose fehlt sogar ein Stück.“

Ich zuckte mit den Schultern.

„Du kannst ja weiter suchen. Ich geh heim.“

Marty sah mir verdutzt nach. Hätte er gewusst, dass mir ein leibhaftiger Glücksdrache folgte, er wäre in Ohnmacht gefallen.

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Meine Knochen klappern. Die unmenschliche Kälte, das Wandern durch das Niemandsland, Dunkelheit, immer in Gefahr entdeckt zu werden. Und der Mann, der mich führt, ist ein rätselhafter Fremder. Unter seinem langen schwarzen Mantel, trägt er eine dunkle Lederrüstung und dicke Stiefel. In seinem Gürtel stecken Messer und Wurfsterne. In den beiden Rückenhalftern stecken Schwerter. Ich bin sehr sicher, dass dies nicht die einzigen Waffen sind. Bevor Malachias mich ihm anvertraute, hatte ich noch nie von ihm gehört und mir kam im Palast viel Klatsch und Tratsch zu Ohren. Malachias sagte mir, er sei einer der Schattengänger, was auch immer das bedeutet.

Ich habe Angst“, wage ich das Wort an ihn zu richten.

„Das ändert nichts“, stellt mein Begleiter gleichgültig fest.

„Mir ist so kalt. Ich kann kaum noch laufen.“

Meine Zähne schlagen beim Sprechen aufeinander. Er sieht mich herablassend an.

„Ich wusste, dass ich mit dir `ne Menge Ärger haben werde. Also gut. Eine kleine Pause. Los Junge, hinter der nächsten Biegung liegt eine kleine Hütte im Wald, da können wir rasten.“

Er packt mich energisch am Arm und zerrt mich weiter. Hat er wirklich nicht gemerkt, dass ich ein Mädchen bin? Malachias hat mir eingeschärft mich nicht erkennen zu geben. Ich kann niemandem vertrauen. Bis jetzt ist alles gut gegangen. Tatsächlich ist es nicht sehr weit bis zu der Hütte. Der Schattenmann macht ein Feuer in dem kleinen gusseisernen Ofen. Ich hocke mich dicht daneben. Am liebsten würde ich den Zylinder mit beiden Armen umklammern, um die Wärme in mir aufzusaugen.

„Da kannst du schlafen.“

Er deutet auf eine Ecke in der Stroh in Säcken aufgeschichtet ist. Ein paar alte Decken liegen zusammengeknüllt obenauf.

„Hier ist es wärmer“, riskiere ich, mit einem skeptischen Blick auf die vergammelten Decken, ein Widerwort.

Unsere Augen treffen sich. – Ich beiße die Zähne zusammen und krieche ohne weiteren Protest auf das Strohlager. Es riecht stockig. Ein Ekelgefühl schüttelt mich. Ich versuche flach zu atmen. Er zieht seinen Mantel aus, legt sich hinter mich und breitet den Mantel als Decke über uns aus.

„Mir ist das Ganze auch nicht geheuer“, murmelt er.

Es ist das erste Mal, dass ich einen Anflug von Gefühlsregung bei ihm erkennen kann. Er legt seinen Arm um mich, zieht mich so dicht an seine Brust, dass kein Blatt mehr zwischen uns passt. Für einen atemlosen Moment spannt sich jeder Muskel meines Körpers an. Ich liege stocksteif da.

Nach einer Weile höre ich seine gleichmäßigen Atemzüge und entspanne mich. Ich schmiege mich so effektiv wie möglich an seinen athletischen Körper, um alle Wärme aufzunehmen, die ich erhaschen kann. Ein Geruch von Leder, Wärme und Wolle steigt mir in die Nase und ist nicht einmal unangenehm, wenn der Mief des alten Strohs nicht wäre.
Ich sehne mich beinahe schmerzlich nach einem heißen Bad mit duftenden Badeessenzen und einem dicken weichen Handtuch, mit dem ich mich einhüllen kann. Danach eine Orgie aus Cremen und Ölen, die meine Haut wie ein Schwamm aufsaugen würde.

Stattdessen liege ich auf einem stinkigen Strohlager, in den Armen eines mysteriösen Unbekannten, auf der Flucht vor meinen Häschern und vertraue ihm mein Leben an. Ich habe Furcht vor ihm. Gleichzeitig fühle ich mich in einem Maß von ihm angezogen, dass mich schwindelig macht. Seine eindrucksvolle physische Präsenz, die außergewöhnlich Ausstrahlung, der hypnotische Blick und die gebieterische Stimme machen ihn unwiderstehlich. Andererseits spüre ich, die undurchdringliche, fast wesenhafte Dunkelheit, die von ihm ausgeht.
Wie viele Leben hatte er genommen? Wie viel Blut vergossen? Schuldig oder unschuldig. Wie oft dem Tod ins Angesicht gesehen? Er war furchtlos, bis zur Selbstzerstörung. Ich hatte es selbst gesehen.

Malachias brachte mich zu dem vereinbarten Treffpunkt. Etwas war schiefgegangen und wir wurden entdeckt. Ich war den Gegnern so wichtig, dass man mich mit einem Trupp von hundert Soldaten jagte. Lächerlich. Die Flucht war vereitelt ehe sie begonnen hatte. Bis er die Schwerter zog. Er streckte die Angreifer mit eine Präzision nieder, die ihres gleichen suchte. Eiskalt. Kein Zaudern in seinem Blick. Kein Zögern, wenn er die Schwerter durch Fleisch und Knochen fahren ließ. Jeder Schlag ein Treffer. Trotz seiner Größe und Kraft bewegte er sich elegant und leichtfüßig wie ein Tänzer. Ein Tänzer des Todes in einem Ballett des Verderbens. Ich glaubte nicht an Götter und Dämonen, aber er brachte meine Überzeugung ins Wanken. Nachdem er die Hälfte der Soldaten geschlachtet hatte, ergriffen die anderen die Flucht. Er wischte das Blut vom Stahl und steckte die Schwerter zurück in ihre Holster. Nicht ein Haar hatte man ihm gekrümmt. Gab es einen Gegner, dem er nicht standhalten konnte?

„Schlaf und hör auf nachzudenken.“

Schreckte mich seine tiefe Stimme aus meinen Gedanken.

„Ich dachte, du schläfst?“

„Ich schlafe nie.“

Der Gedanke, zu keiner Zeit Ruhe zu finden, schmerzt mich körperlich.

„Hast du niemals geschlafen?“

„Doch, aber das muss tausend Jahre her sein. So fühlt es sich jedenfalls an.“

„Warum hast du den Auftrag von Malachias angenommen?“

„Er war einer der wenigen Menschen, die gut zu mir waren, wenn man zu unsereins gut sein kann. Und er hat mich gebeten den letzten Nachkommen des Hauses Schador zu beschützen.“

Er schweigt, aber ich weiß, er verheimlicht mir etwas.

„Den anderen Grund kannst du nicht verstehen“, fährt er fort, „dazu bist du zu jung. Schlaf jetzt.“

Ich habe noch so viele Fragen. Plötzlich streicht er mir über die Augen. Dunkelheit.

 

Fotzsetzung in Planung 🙂

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„Ich habe Angst.“
„Bitte?“
Tom sieht mich erstaunt an.
„Ich habe Angst. Diese vielen offenen Räume. Keine Tür, die man abschließen kann. Wände, dünn wie Papier.“
Ich stehe vor Toms Bett. Immerhin hat er ein Bett. Mich hat man in eine bessere Abstellkammer verbannt. Meine Lagerstatt ist eine dünne Matratze durch die ich die Ritzen des Dielenbodens fühlen kann. Das Bettzeug besteht aus einem winzigen Kissen und einem Laken. Tom liegt gemütlich zwischen weichen Decken und mehr Kissen, als ich an einer Hand zählen kann.
„Wo wollen sie denn schlafen?“
„Ihr Bett ist so breit wie drei Betten. Ich mache mich ganz klein“, bitte ich ihn inständig, „Ich bin total durch gefroren.“
„Wenn sie uns erwischen, gibt das richtig Ärger, dass ist ihnen klar.“
„Welche Art Ärger?“
„Unverheiratete Frauen, die bei Männern liegen, werden hier noch hart bestraft.“
„Aber ich bin keine Chinesin“, wende ich ein.
„Ich weiß nicht, ob die Aufseher für sie eine Ausnahme machen.“
Meine Zähne schlagen aufeinander. Ich kann meine Glieder nicht mehr still halten.
„Das Risiko muss ich wohl eingehen.“
Als Tom die Decke hochhebt und ich zu ihm ins Bett schlüpfe, ist mir nicht wirklich wohl. Die Gesellschaft der verbotenen Stadt lebt noch wie vor hunderten Jahren. Frauen gelten nichts und werden bei kleinsten Vergehen hart bestraft. Dass sich diese Regel auch auf mich ausdehnt, hatte ich nicht gedacht.
Toms Wärme umfängt mich. Meine schlotternden Knochen kommen langsam wieder zur Ruhe. Ich halte mich dicht am Bettrand.
„Danke“, flüstere ich.
„Sie sollten etwas weiter in die Mitte rücken“, Tom legt einen Arm um meine Taille und zieht mich zu sich heran, „sonst fallen sie hinaus.“
Ich wehre mich nicht, lasse es geschehen. Toms Atem streift meinen Hals und mein Gesicht. Es ist ein angenehmes Gefühl von Geborgenheit seinen Körper an meinem zu spüren. Ich schmiege mich eng an ihn und schließe die Augen.

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