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Posts Tagged ‘Wut’

„Dein Idealismus ist beneidenswert, aber ich vermag ihn nicht zu teilen.“

Sander sah mich ernst an. Wut stieg in mir auf. Jedes Mal dasselbe, dachte ich, wenn ich eine super Idee habe, weiß er warum das Blödsinn ist und sowieso nicht klappt. Ich sprang auf, der Stuhl krachte gegen die Tischkante.

„Wenn du eine Unterhaltung so beginnst, kann ich mir schon denken, wie sie ausgeht!“ Ich schnappte meine Jacke und riss die Tasche von der Stuhllehne. „Ich werde jetzt genau das tun, was ich mir vorgenommen habe. Egal, was du wieder einzuwenden hast.“

Er grinste selbstgefällig und ich hätte ihn am liebsten geschlagen.

„Na dann viel Spaß. Du wirst ja sehen, was du davon hast.“

„Genau!“

Ich stürzte hinaus. Sanders Zweifel verfolgten mich, bis ich vor dem Haus stand und klingelte. Ich atmete tief durch. Jetzt werde ich dir zeigen, dass du Unrecht hast, dachte ich und drückte gegen die Tür, als der Summer ertönte.

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William Henderson hatte die ganze Nacht gesoffen und fürchterliche Dinge getan.

Nun stand er auf der Stadtmauer, sah in die Tiefe und machte sich bereit zu springen. Für einen Moment, fragte er sich, ob es reichen würde, seinen Tod herbeizuführen, aber in seinem benebelten Zustand fiel es ihm schwer, die Entfernungen abzuschätzen. William atmete einmal tief durch und kletterte auf die Ummauerung.

Er hatte alles verloren, Haus und Hof, jedes Pfund, dass seine Familie besaß. Zuerst gewann er, dass fachte seine Gier an und er erhöhte die Einsätze, dass seinen Mitspielern schwindelig wurde. Dann wendete sich das Blatt und Lady Fortuna nahm ihm alle Gewinne und noch mehr. In seiner Wut auf das Schicksal ließ William sich zu schlimmen Dingen hinreißen und ruinierte sich nicht nur finanziell, sondern trat auch seinen guten Ruf in den Schlamm.

Welcher Teufel ihn auch geritten haben mochte, es war unmöglich die Zeit zurückzudrehen und die Katastrophen ungeschehen zu machen. William machte einen Schritt nach vorn, als ihn eine harte Hand zurückzog. Er fiel nach hinten und landete unsanft auf dem Hinterteil. Vor ihm stand ein elegant gekleideter Herr, der ihn mit spöttischen Augen ansah.

„Bevor du deinem armseligen kleinen Leben ein Ende setzt, möchte ich dir einen Handel vorschlagen. So hättest du wenigstens einen kleinen Nutzen für die Menschen, die du heute Nacht so sehr verflucht hast.“

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Hier mein Text über den Inhalt der Mülltonnen meiner Protagonistin Juliette, aus der Sicht der Antagonstin, ihrer Schwiegermutter Sybill. (Schreiberlebentipps, Aufgabe vom 29.03.2017, Auch Helden machen Müll)

Dummes Mädchen, dachte Sybill und fischte die fleckigen Topflappen mit spitzen Fingern aus der Restmülltonne. Sie drehte sie hin und her, als wäre ihr der Schatz des Prias in die Hände gefallen, ließ sie aber wieder in die Tonne fallen.

Dabei habe ich die Dinger bei Harrods gekauft, in ihrer Brust zog sich die Wut zu einem dicken harten Knäul zusammen, hätte ich gewusst, dass Juliette sie wegschmeißt, hätte ich ihr ein Paar im Billigshop gekauft. Gerade gut genug für eine freche Göre aus der Arbeiterschicht. Im Grunde war nichts anderes zu erwarten, was hab ich mir eigentlich gedacht? Dabei habe ich es nur gut gemeint.

Sybill riss sich zusammen ihren Zorn nicht an der Mülltonne auszulassen. Am liebsten hätte sie dagegen getreten. Doch das war unter ihrer Würde. Sie besaß Anstand! Nicht so wie andere Leute, die das Gute nicht schätzten.

Aber sündhaftteure Seidenstrümpfe kaufen, dafür schmeißt sie Bernies Geld aus dem Fenster, dachte Sybill und presste die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen, als ihr Blick auf die kunstvolle Verpackung fiel. Er wollte sie ja unbedingt heiraten. Ich habe noch gesagt, sie passt nicht zu dir, nicht in unsere Familie. Nein, er wollte ausgerechnet die kleine Tipse, obwohl er jede haben konnte.

Sybill öffnete die Komposttonne und beugte sich vor. Unglaublich, das Aas hat sogar den teuren Rosenstrauß in die Komposttonne geworfen, den Bernie ihr gestern mitgebracht hat, empört schnappte sie nach Luft, ich hätte mich darüber gefreut.

Sybill angelt den Blumenstrauß heraus, drehte ihn hin und her. Er sah unversehrt aus. Aufmerksam blickte sie sich um. Alles still, kein Nachbar zu sehen. Sybill verschloss die Tonne wieder und trug den Strauß ins Haus. Dummes Mädchen, sie stieß einen missbilligenden Laut aus, wenn du die schönen Rosen nicht zu schätzen weißt, hast du sie auch nicht verdient.

Die komplette „Müllliste“ steht unter „Apropos Müll…“.

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Salz, leicht, Hand, Wasser, drehen, Spiel

Ich drehte den alten Wasserhahn auf. Er sah aus wie ein Drehkreuz. Norden, Süden, Osten, Westen, dachte ich, als ich das Rad in Bewegung setzte. Die erste Umdrehung kostete Kraft, doch dann löste sich das Gewinde und es wurde leichter. Ich hielt meine Hand in den kühlen Wasserstrahl und genoss das köstliche Gefühl auf meiner erhitzten Haut. Sam ging vorbei. Er würdigte mich keines Blickes. Ich wischte mit der Hand schwungvoll unter den Wasserstrahl und spritzte ihm die eisigen Tropfen an die Beine.

„Hey! Was soll das?“, fuhr er mich an.

Seine blauen Augen sprühten Funken. Seine Wut stachelte meinen Übermut an. Ich wiederholte das Spiel. Er kam drohend auf mich zu.

„Wenn du das noch einmal machst, dann…“

„Was dann?“, unterbrach ich ihn und spritzte ihm eine neue handvoll Wasser entgegen.

„Ich bin stärker als du.“

Ich lachte laut auf, obwohl mir mulmig war, Sam war mindestens einmeterneunzig groß und sehr athletisch.

„Das will ich sehen.“

Bevor ich zu einem neuen Angriff ansetzen konnte, packte er mich und versuchte mich unter den Wasserhahn zu ziehen. Ich wehrte mich verzweifelt. Am Ende waren wir beide klatschnass und umklammerten uns wie zwei Schlingpflanzen. Sam sah auf mich herunter. Seine blauen Augen hatten einen eigenartigen Glanz. Als er mich küsste, konnte ich den leichten Salzgeschmack des Wassers auf meinen Lippen schmecken.

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Ein/e Ex-Freund/in, ein Fernglas und Glück

Sanne hatte das Auto so geparkt, dass sie den Eingang von Andreas Haus mit dem Fernglas gut erkennen konnte. Von Martin war nichts zu sehen, aber Sanne hatte das ungute Gefühl, dass er bei ihr war, auch wenn er gestern alles geleugnet hatte. Martin vermied es im Allgemeinen Überstunden zu machen, er wollte seinem Chef kein Geld in den Rachen werfen, und nun schon das zweite Mal diese Woche.

Sanne wollte ihre Observation beenden, immerhin lag sie schon seit mehr als zwei Stunden auf der Lauer, da sah sie ein Pärchen auf der anderen Straßenseite. Das könnten sie sein, schoss es ihr durch den Kopf. Sie richtete das Fernglas aus. Die Frau war nicht Andrea. Sanne wollte erleichtert aufatmen, als sie Martin erkannte. Also doch, Wut stieg in ihr auf, Sanne betrachtet die Frau genauer. Verdammt! Es war nicht Andrea, sondern Ina, Andreas kleine Schwester.

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„Und was soll das sein?“

Ich schüttelte den Kopf. Allein der abwertende Ton in seiner Stimme machte mich wütend. Immer musste Marty alles in Frage stellen und herabsetzen.

„Das ist ein Glücksdrache“, sagte ich gereizt.

„Glückskeks wohl eher“, lachte er.

Ich versuchte meine Wut zu bezähmen. Blödmann, dachte ich, ich wünschte, der Drache würde dich in den Hintern beißen. Dabei legte ich dem Glücksdrachen die Hand auf den Kopf.

„Aua!“, Marty schrie schmerzerfüllt auf und rieb sich den Hintern, „verdammt, mich hat was gebissen!“

Ich grinste in mich hinein. Hinter Marty stand der Glücksdrache und hielt ein Stück seiner Hose zwischen den Zähnen. Ich hatte von der Legende gehört, dass man einen Drachen durch intensive Gedanken zum Leben erwecken kann. Dass es tatsächlich klappte, überraschte mich selbst.

„Echt? Komisch hier ist gar nichts“, ich tat so, als sähe ich mich suchend um. Ich wusste, dass nur der den Drachen sehen kann, der ihn erweckt hat.

„Doch! Hier muss was sein. In meiner Hose fehlt sogar ein Stück.“

Ich zuckte mit den Schultern.

„Du kannst ja weiter suchen. Ich geh heim.“

Marty sah mir verdutzt nach. Hätte er gewusst, dass mir ein leibhaftiger Glücksdrache folgte, er wäre in Ohnmacht gefallen.

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Die Luke zum Boden klappt mit einem lauten Knall nach Hinten. Staubwolken wirbeln auf und rieseln als feinste Teilchen wieder hinunter. Ich warte einen Moment, bevor ich die steile Stiege hinauf klettere.

James und ich haben das alte Anwesen vor einem Monat zu einem Schnäppchenpreis ersteigert und ich bin neugierig welche weiteren Schätze sich in seinem Inneren verbergen.
Durch die Ritzen der alten Schindeln fallen vereinzelte Sonnenstrahlen, in denen die Staubkörnchen einen mystischen Tanz aufführen. Auf dem riesigen Terrain des Speichers wurde im Lauf der Jahrzehnte ein Sammelsurium der verschiedensten Behältnisse eingelagert. Kisten, Körbe, Truhen, Säcke, Schränke, Reisekoffer, Schrankkoffer, Seesäcke und diverse Möbelstücke. Ein blinder Spiegel mit mattem Goldrahmen, ein Schaukelstuhl, zwei verblichene Kinderstühlchen mit Tisch, ein antikes Schaukelpferd, eine Wiege, eine samtbezogene Chaiselongue und mehrere Tischchen und Kommödchen.

Ich öffne eine der großen Truhen, die in der Nähe des Spiegels stehen. Als ich den Deckel aufklappe, fliegt ein Schwarm winziger pudriger Motten auf und ich zucke leicht zusammen. Angsthase, schelte ich mich, und ziehe eines der alten Kleidungsstücke heraus.

Ein verblasstes Ballkleid, früher musste es die Farbe eines Frühlingshimmels gehabt haben, heute ähnelt es den Blütenblättern vertrockneter Hortensien auf denen winzige Tropfen aus Strass schimmern. Wie es wohl war, das Mädchen, das ihren Liebsten in diesem Traum aus Tüll und Strasstränen empfing? Ich lege es vorsichtig zurück, als sei es aus kostbarster Seide.

Zu meinen Füßen raschelt es. Ich springe zurück. Es ist nur ein vergilbter Zeitungsausschnitt, der auf den Boden gefallen sein muss, als ich das Kleid heraus nahm. Ich hebe ihn auf. Das Datum ist aus dem Jahr 1952. Ich lese die Schlagzeile.

„Verehrer erschlägt Ballkönigin mit einem Zinnaschenbecher!
A.H., Schüler der Memorie High, erschlug N.B., die diesjährige Ballkönigin. Sie hat eingewilligt mit ihm zum Jahresabschlussball zu gehen. Als A.H. bei N.B. ankam um sie abzuholen, musste der junge Mann mit ansehen, wie N.B. am Arm eines anderen aus dem Haus trat. Er fühlte sich gedemütigt, was durch boshafte Kommentare des Nebenbuhlers und der Angebeteten noch angestachelt wurde. In rasender Wut griff er sich den Aschenbecher von der Veranda und schlug auf N.B. ein, die lebensgefährlich verletzt wurde. A.H. wurde dem Haftrichter vorgeführt.“

Wie schrecklich. Eine junge Frau ist gestorben. Und ein junger Mann hat sein Leben zerstört. Irgendwo im Haus höre ich ein lautes Krachen. Mein Herzschlag setzt für einen Moment aus. Das ist sicher James, denke ich, als ich einen eisigen Lufthauch spüre…

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