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Posts Tagged ‘Wucht’

Schwarzer Montag für eine Liebe

„Ich weiß genau, dass du ein Affäre hast!“, schrie sie und schlug ihre Kaffeetasse mit Wucht auf die Arbeitsplatte. Der Henkel brach ab.

Er zuckte mit den Schultern. Ihre Eifersuchtsanfälle berührten ihn kaum noch. Aus der wunderschönen, sanften Frau, die er vor zehn Jahren kennengelernt hatte, war ein Furie geworden.

„Was soll ich sagen“, begann er.

„Ich will deine fadenscheinigen Ausreden gar nicht hören“, unterbrach sie ihn sofort, „jedes Wort ist eine Lüge, ich kann dir nicht vertrauen.“

Mitleidig sah er sie an. Bevor er ihr begegnete war er tatsächlich kein Kostverächter gewesen und hatte alle guten und manchmal auch die weniger guten Angebote mitgenommen, aber ihr war er treu. Bedingungslos. Er kannte sie nicht wieder.

„Wenn das so ist, sollte ich vielleicht gehen?“, sagte er ruhig.

„Dann geh doch!“, ihre Stimme kippte hysterisch, „dass ist doch alles was du kannst.“

Diesen Satz hatte er so oft gehört, seit sie abgefangen hatte, ihn mit ihren ungerechtfertigten Verdächtigungen zu verfolgen. Er drehte sich langsam um. Macht die ersten Schritte auf die Tür zu.

„Geh doch! Los hau ab!“

Ihre Wut schwappte wie eine hohe Woge hinter ihm her. Traf ihn im Nacken und verursachte ihm eine Gänsehaut. Für den Bruchteil einer Sekunde zögerte er. Wenn er jetzt ging, wäre es für immer. Da war doch Liebe gewesen! Eine Liebe, die er nie für möglich gehalten hatte.

„Verschwinde“, zischte sie.

Ohne umzublicken verließ er das Haus und kehrte nicht zurück.

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Der erste Tag in einer neuen Schule, ein Liebesbrief und ein Rezept mit einem signifikanten Fehler

Tagebuch, 15.03.2016

Heute erster Schultag an der neuen Schule. Mutter hat gebacken – obwohl ich es nicht wollte, aber nein! „Du musst doch deinen Einstand geben, macht man das nicht so?“ – „Nein. Vielleicht bei dir im Büro, aber doch nicht in meiner Schule.“ Ich hätte auch gegen die Wand reden können. Also hab ich die Muffins mitgenommen. Desaster! Zucker mit Salz verwechselt. Kein Wunder. Immerhin sind wir gerade erst umgezogen, vor zwei Tagen. Nichts steht am richtigen Platz.

Ansonsten lief es ganz gut, wenn man es mit den anderen 10 Neuanfängen vergleicht. Schlimmer geht immer. Zumindest haben ein paar Mädels mit mir gesprochen, was will ich mehr. Bloß nicht zu heimisch fühlen, der nächste Umzug kommt bestimmt. Darum packe ich nur noch die nötigsten Sachen aus, der Rest bleibt in Kisten.

Ich sitze neben einem Jungen, John. Der ist riesig. Bestimmt zwei Meter groß. Ich muss meinen Kopf in den Nacken legen, wenn er steht und ich anschauen will. Er hat mich vor einem Basketball gerettet, der mit voller Wucht auf mich zu flog. John schnappte mich und zog mich in seine Arme. Und er roch sooo gut. Ich könnte mich verlieben – aber nein! Ich habe meine Prinzipien. Nicht zu heimisch fühlen.

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Szene aus der Kindheit von Rowenna (Tag 87/88)

Rowenna und Laurence sitzen auf der niedrigen Natursteinmauer, die das Haus von Laurence Großeltern von der Straße trennt. Zu ihren Füßen liegt ein Bernersennenhund und blinzelt ab und zu in die Sonne. Zwischen den beiden Kindern steht eine Papiertüte mit Kirschen. Rowenna spukt einen abgenagten Kirschkern auf die Straße. Er klackt einmal auf und springt auf den Rasenstreifen auf der anderen Seite.

„Einmal über die Straße!“, ruft sie triumphierend, „das musst du mir erst mal nachmachen.“

„Das gilt nicht. Der Kern ist einmal aufgeditscht!“, widerspricht Laurence.

Er schürzt die Lippen, ruckt mit dem Kopf zurück, dann vor und spukt. Der Kern landet wenige Zentimeter vor dem Randstreifen der gegenüberliegenden Seite.

„Das musst du mir nachmachen!“

Laurence sieht Rowenna mit einem siegessicheren Grinsen an. Sie spukt den nächsten Stein. In einem hohen Bogen fliegt er diesmal direkt auf den Randstreifen.

„Bitte! Ich kann es!“

Laurence will etwas erwidern, als ein Stein durch die Luft saust und ihn an der Schulter trifft.

„Hey, wer war das?!“

Laurence reibt sich die schmerzende Stelle und rutscht von der Mauer. Suchend sieht er sich um. Ein weiterer Stein trifft den schlafenden Hund. Er springt auf und jault.

„Da!“, schreit Rowenna, „in der Hecke!“

Noch ehe Laurence den Attentäter entdeckt hat, ist Rowenna über die Straße gerannt und kriecht durch die Hecke.

„Andy, du blöder Mistkerl“, hört Laurence sie auf der anderen Seite der Hecke schreien. „Feigling!“

Er kriecht ebenfalls hindurch und sieht gerade noch, wie Rowenna dem Rowdy der Klasse mit voller Wucht die Faust auf die Nase schlägt. Sofort quillt Blut heraus und Andy heult auf.

„Du dumme Kuh!“, Andy hält sich die Hände vor die Nase, „das sage ich meinem Vater!“

„Mach doch! Dann kannst du ihm gleich sagen, dass du uns aus dem Hinterhalt angegriffen hast. Bin gespannt was er dazu sagt!“

Die letzten Worte hört Andy schon nicht mehr, so schnell hat er das Weite gesucht. Rowenna lacht und grinst Laurence an.

„Dem hab ich es gegeben! Ein hilfloses Tier mit Steinen zu bewerfen, was für ein Blödmann. Soll sein Vater nur kommen.“

„Darauf kannst du wetten. Das lässt der sich nicht entgehen.“ Auf Laurence kindlich glatter Stirn erschienen ein paar zarte Denkerfalten. „Erinnerst du dich an den Krach den er bei uns geschlagen hat, als mein Bruder und Andy sich geprügelt haben?“

Rowenna lachte.

„Und wie ich mich erinnere! Das war Dorfgespräch.“

Die beiden Kinder kriechen durch die Hecke, zurück auf die Straßenseite. Rowenna kniet sich vor den Hund und krault ihn hinter den Ohren.

„Du lieber Artur, alles gut? Das macht der so schnell nicht wieder. Ich pass auf dich auf“, sie blickt zu Laurence hoch, „und auf dich auch.“

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