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Posts Tagged ‘Widerstand’

Verdammt! Wo ist dieses blöde Schloss?!

Es soll für immer sein, sagte er, als er es anbrachte, ich habe es extra für uns anfertigen lassen. Klar! Große Worte nichts dahinter.

Warum habe ich mich so täuschen lassen? Waren es die dunkelbraunen Augen, die mich so leidenschaftlich ansahen, wenn er mich in den Armen hielt und mir seine Liebe beteuerte? Seine Lippen, die so unglaublich küssen konnten? Sein betörender Duft und seine zärtlichen Hände, die alle Widerstände fort streicheln konnten?

Ich hätte es wissen müssen! Er war einfach zu perfekt. Ich suchte nach dem Haken und fand keinen. Also warf ich alle Bedenken über Bord. Wir verankerten den Riegel des Schlosses. Danach war nichts mehr wie es war und doch konnte ich ihn nicht verlassen. Egal was er tat, sagte oder nicht tat und sagte. Ich war wie paralysiert. Konnte mich nicht von der Stelle bewegen.

Da! Das verdammte Schloss. Ich werde nie von ihm loskommen, wenn ich es nicht vernichte. Ich setze die kleine Metallsäge an und zersäge den Riegel. Es dauert eine Weile. Mit tränenblinden Augen und zitternden Händen sägt es sich nicht besonders gut. Endlich zerbricht der Riegel. Das Schloss fällt heraus aus der Menge. Ich gebe ihm einen Tritt. Mit einem Platsch versinkt es im Rhein. Versunken für immer, wie der Schatz der Nibelungen.

Ein Ruck geht durch meinen Körper. Ein Stich trifft mein Herz. Ich krümme mich vor Schmerzen. Doch dann, spüre ich eine unglaubliche Erleichterung. Ich atme auf. Es ist vorbei.

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4. Manchmal hat die Liebe einen Preis.

„Manchmal hat die Liebe einen Preis.“
Schrieb ich oben auf das Blatt. Darüber sollte ich einen Aufsatz schreiben?! Super. Manchmal hat die Liebe ihren Preis. Wann hat sie keinen Preis? Irgendwas ist immer. Man verbiegt sich, um zu gefallen, macht sich kleiner als man ist, hält Dinge aus, die man sich unter anderen Umständen nie gefallen lassen würde und trotzdem liebt man, zahlt und zahlt.

Oder meinen die so eine Märchensache. Wenn du den Prinzen retten willst oder die Prinzessin, dann gibt`s du deinen Reichtum hin, deine Schönheit, deine Jugend und dann kriegst du sie oder ihn zurück. Im Märchen hat das ganze Bezahlen allerdings immer ein Happy End, die Opfernden kriegen den Preis zurück.

Als meine Mutter meinem Vater hinterher brüllte: „Ich habe dir die besten Jahre meines Lebens geopfert“, hat sie das sicher nicht gemeint. Sie sagt heute noch: Ich habe alles gegeben und was hatte ich davon? Und: Lass dir das eine Warnung sein! Mach nicht denselben Fehler wie ich.

Was meint sie damit? Dass ich nicht lieben oder dass ich keinen Mann, wie meinen Vater lieben soll? Ach, was weiß ich. Manchmal hat Liebe einen Preis – Liebe. Einfach nur wieder lieben. Das Herz öffnen und lieben. Es ist eine Gabe, kein Preis. Ich habe einen interessanten Satz gehört: Du kannst kein Preisschild an die Liebe hängen. Das stimmt! Doch hängen sie überall. Ich gebe dir Geld, Geschenke, Auto, Wohnung usw. und dafür bekomme ich Aufmerksamkeit, Sex, Gesellschaft von dir.

Ich erinnere mich an einen Kommentar meiner Mutter über meinen neuen Freund: „Wieder ein Mann ohne Geld.“ Er nagt nicht am Hungertuch, aber Millionär ist er nicht. Allerdings hat er ein großes Herz, eine unerschütterliche Ruhe, ist Hilfsbreit und liebt mich, so wie ich bin. Wenn er ein dickes Bankkonto hätte, könnte er mich nicht mehr lieben. Also was soll das Gerede vom Preis? Die anderen können ihre Preisschilder tragen, meins liegt schon lange im Papierkorb.

(Nach der ersten, irgendwie ernsten Betrachtung, brauchte ich eine) Zweite Version:

„Manchmal hat die Liebe einen Preis“, sagte ich leichthin und stellte ihm den bestellten Rotwein auf den Tresen.

Er sah auf mich herunter und lächelte.

„Und welchen Preis hat ihre Liebe?“, seine dunkle Stimme traf mich bis in den Bauch.

Ich errötete und schlug die Augen nieder. Warum fragte er mich das?

„Auf so privaten Fragen antworte ich nicht“, erwiderte ich.

„Und was muss ich tun, um eine Antwort zu bekommen?“

Er griff in die Innentasche seines teuren Jacketts, zog einen Geldschein heraus und schob ihn mir zu. Fünfzig Euro. Die Antwort schien ihm wichtig zu sein, aber mich konnte er nicht kaufen. Ich schob den Schein zurück. Bevor ich meine Hand wegziehen konnte, hielt er mein Handgelenk sanft fest. Erstaunt sah ich auf.

„Was muss ich tun?“, wiederholte er seine Frage eindringlich.

Mein Widerstand schien ihn zu reizen. Das passierte ihm scheinbar nicht oft. Er sah sehr gut aus. Vermutlich würden ihn viele Frauen als schön bezeichnen, obwohl da diese kleine Narbe über der Augenbraue war. Und Frauen, die einen zusätzlichen Anreiz brauchten, wurden wohl von seiner Großzügigkeit beeindruckt.

„Mir ihren Namen sagen, wäre ein Anfang.“

Er ließ mein Handgelenk los. Den fünfzig Euroschein ließ er neben seinem Glas liegen.

„Ray Givens.“

Er streckte mir die Hand entgegen.

„Lassen sie nie locker?“, ich konnte mir das Schmunzeln nicht verkneifen und legte meine Hand in seine, „Lea Winter.“

„Stimmt, Lea“, auf seinen vollen Lippen lag ein herausforderndes Lächeln, das ihn noch anziehender machte „ich akzeptiere kein Nein.“

Er schob mir den Geldschein erneut zur.

„Dann haben sie ein Problem“, der Schein wanderte wieder zurück, „sie können mich nicht kaufen.“

Diesmal steckte er den Schein zurück in die Jackettasche.

„Um auf die Ursprungsfrage zurückzukommen. Was ist ihr Preis?“

„Den werden sie nicht bezahlen wollen.“

Diesmal war ich es, die ihn herausforderte.

„Wieso sind sie sich da so sicher?“

„Weil sie das mit Geld nicht kaufen können.“

5. Ich bin nicht 100 % sicher, dass er es ist, aber verdammt noch mal, ich hoffe es!

„Ich bin nicht 100% sicher, dass er es ist, aber verdammt noch mal, ich hoffe es!“

Sander starrte seit einer geschlagenen halben Stunde durch das Fernglas.

„Das hast du schon drei Mal gesagt! Und du nervst total!“, zischte ich.

„Was ist denn los mit dir?“

„Wir sitzen seit beinahe drei Tagen in diesem Auto, dass sich immer mehr in einen Mülltransporter verwandelt und dieser Typ da!“, ich deutete auf den verhuschten älteren Herrn in sandfarbenem Mantel und Hütchen, „ist der dritte Mann, den du für „IHN“ hältst.“

Sander machte ein Gesicht, als hätte ich ihm einen Eimer Dreckwasser in den Kragen geschüttet.

„Also“, ich versuchte meine Gefühlsaufwallung zu mildern, „du bist mein bester Freund und ich tue alles für dich, aber diese Observierung ist eine Katastrophe. Ich muss hier raus, sonst gehe ich gleich in Flammen auf.“

Je mehr ich sagte, desto düsterer wurde Sanders Gesichtsausdruck. Ich schnappte meinen Rucksack und stieg aus.

„Hey, du kannst doch jetzt nicht einfach abhauen?“, rief er hinter mir her.

„Und wer hindert mich daran?“, ich beugte mich zum Beifahrerfenster hinunter, „ich bin frei zu gehen, wohin es mir beliebt.“

Sander machte Anstalten auszusteigen. Ich drehte mich um und rannte die Straße hinunter, bog um die nächste Ecke und rannte auf die U-Bahn zu. Sollte Sander mich einholen, würde das nicht gut ausgehen.

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