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Messer, Papier, Eis, See, Mantel, Markt, fangen

Der Parksee lag unter einer dicken Eisschicht. Ein paar Hartnäckige trotzten den dicken Flocken, die seit einer Stunde fielen und liefen Schlittschuh. Ich zog den Mantelkragen enger, und wickelte den Maxi-Schal noch einmal um meinen Hals.

Auf dem wöchentlichen Markt hatte ich ein paar Einkäufe tätigen wollen, aber es gab nur zwei Stände, die Gulaschkanone und den Messerschleifer. Da ich weder ein Mittagessen, noch scharfe Messer benötigte, ging ich ins Kaufhaus und besorgte mir eine Packung Druckerpapier.

Ich hatte es nicht besonders eilig. Zu hause wartete mein fertiges Manuskript darauf ausgedruckt und korrigiert zu werden. Ein anstrengendes Stück Arbeit lag vor mir und ich wollte meinen Kopf frei bekommen, bevor ich damit begann. Langsam ging ich über die eingeschneiten Wege nach Hause. Ich genoss die Stille des Wintertages, die weißen Flocken, die sich schützend auf die Bäume und Pflanzen legten.

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Hülle, Waffe, Flügel, Faden, hoch,weiß                                     

 

Ich starrte auf die riesigen weißen Flügel des Mannes.

„Wer bist du“, stieß ich hervor.

Er senkte die blutige Waffe. Sein ebenmäßiges Gesicht zeigte keine Gefühlsregung. Die Augen waren von dunklem Braun mit goldenen Sprenkeln, seine schwarzen Locken leicht zerzaust durch den Kampf. Die weiße Rüstung mit dem goldenen Emblem war blutgespritzt. Er schien es nicht zu bemerken oder es war ihm egal.

Obwohl ich etwa 1,70 Meter maß, kam er mir wie ein Riese vor. Ich musste meinen Kopf in den Nacken legen, um ihn anzuschauen.

„Wer bist du“, unternahm ich einen neuen Versuch.

„Ich bin Adrael“, hörte ich eine tiefe Stimme, ohne dass er den Mund öffnete.

„Warum hast du das getan?“, fragte ich fassungslos.

Ich deutete auf die Toten, die überall im Einkaufszentrum herumlagen.

„Es musste getan werden“, hörte ich ihn.

„Warum sprichst du nicht?“

„Dein Trommelfell würde platzen, wenn ich mit dir sprechen würde.“

„Ich nehme an, du bist ein Engel, oder zumindest sowas ähnliches“, wagte ich mich vor und hoffte inständig, dass er kein Dämon war. Sie waren Meister der Täuschung, ich hatte einige gesehen, doch noch nie einen Engel. „Warum hast du das getan?“

„Wer bist du, dass du mit mir rechtest?“, seine Stimme zitterte. Erschien wütend zu sein, doch sein Gesicht blieb unverändert ausdruckslos.

„Niemand“, erwiderte ich, obwohl er wohl eher eine rethorische Frage stellte. Ob Engel oder Dämon, ich war mir sicher, er wusste, wer ich war. Ich senkte den Blick unterwürftig, „Engel erscheinen in der biblischen Geschichte, wenn sie Gottes Strafgericht ankündigen oder ausführen. Hast du deinen Auftrag erfüllt oder wird Schlimmeres geschehen?“

Die Angst in meiner Stimme konnte ich nicht unterdrücken.  Ich sah, wie Adrael all diese Menschen hingeschlachtet hatte. Er war gekommen wie ein Wirbelwind und hinterließ eine Schneise der Vernichtung. Leichen über Leichen. Der Boden, die Wände, die Fenster und Gegenstände waren mit Blut bedeckt. Nur ich war übrig geblieben, ohne einen Kratzer.

„Du stellst zu viele Fragen.“

Er machte einen Schritt auf mich zu, ich wich furchtsam zurück. Würde er mich jetzt töten?

„Sie genau hin!“, hörte ich ihn, „dann wirst du sehen, dass es nur Hüllen sind.“

Ich betrachtete eine der Leichen. Tatsächlich schien sie nur noch aus Haut zu bestehen. Die Körper waren in sich zusammengeschrumpft, als hätte man einem Ballon die Luft herausgelassen. Sogar ihre Köpfe waren nur noch Knochen mit Haut überzogen.

„Wir müssen gehen“, er war plötzlich vor mir, schlang seinen Arm um mich, „sie kommen.“

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Die Texte entstanden aus einer Aufgabe heraus. Schreibe eine schwarze, weiße, graue Geschichte. 🙂

Grau

Die Welt ist ein Ort aus Grau. Durch Asche verschmutzte Luft schluckt jede Farbe und legt sich als undurchlässige Schicht über Haus, Baum, Tier und Mensch. Der Wechsel zwischen Nacht und Tag findet zwischen Schwarz, dunklem Grau, hellerem Grau statt.

Ich bilde mir manchmal ein, ich sähe ein Stück blauen Himmel. Obwohl ich weiß, dass es nicht möglich, nur ein Déjà-vu aus einer anderen, besseren Welt ist. Ich sehne, ja verzehre mich, nach diesem Blick auf das azurblau eines Sommerhimmels.

Das Blau verfolgt mich bis in meine Träume. In dieser lichtlosen, menschenfeindlichen Umgebung, in der es kein Lächeln, keine süßen Blumendüfte, keine Schönheit zu geben scheint, sind es die Träume, die mich am Leben halten.

Weiß

Vor mir liegt eine Welt aus weißen dicken Flocken, die schläfrig vom Himmel fallen und sich wie eine sanfte Decke auf die kahlen Felder und die blattlosen Bäume legt. Es ist früh am Morgen. Ich stehe am Fenster meiner Kindheit und sehe fasziniert hinaus. Im Licht der Straßenlaterne glitzern die silberweißen Eissterne wie Diamantstaub. Ich halte den Atem an, kann die Stille beinahe fühlen. Sie breitet sich in mir aus, immer weiter, tiefer. Ich bekomme Angst, dass sie mich verschluckt und ich nie wieder ein Wort sprechen kann.

Plötzlich höre ich einen hellen Ton. Dann noch einen. Erst leise, dann lauter. Aus den einzelnen Tönen wird eine wundersame Flötenweise. Ein Märchen aus Melodien.

Suchend schaue ich mich nach dem virtuosen Spieler um. Ich kann ihn nicht entdecken. Eilig schlüpfte ich in meine Winterjacke und Stiefel. Ich öffnete die Haustür. Da steht er. Nur ein paar Armlängen von mir entfernt. Noch nie begegnete mir ein schönerer Mann. Ich blicke ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Er sieht aus wie ein Engel oder so, wie ich mir einen Engel vorstelle. Als er meine Verwunderung bemerkt, hält er im Spiel inne und lacht. Es klingt wie Perlen, die auf Marmorboden fallen.

Schwarz

Es war ein Tag im Sonnenschein. Mai. Ich saß im Cafe und las „Stolz und Vorurteil“. Er kam an meinen Tisch und stellte sich vor. Aidan. Sein Lächeln versüßte mir den Tag, die Woche, zehn Jahre. Jeder Tag Sonnenschein. Ab und zu ein Wölkchen, aber sein Lächeln pustete sie immer fort.

„Kommst du Liebes?“
Sara sieht mich fragend an. Ich nicke und stehe auf. Jede Bewegung fühlt sich steif und verkrampft an. Ich trete aus der Haustür. Es ist ein Tag im Sonnenschein.

Die Tür eines Autos öffnet sich vor mir. Ich steige ein. Sie klappt zu.
Die Autotür öffnet sich. Ich steige aus. Sie klappt zu.

Der Kies knirscht unter schwarzen Schuhen. Meinen Schuhen. In ihnen stecken Füße in schwarzen Strümpfen. In einem schwarzen Kleid ein Körper, den tiefste Finsternis ausfüllt. Mein Körper.

Ich bin verloren. Verirrt in der Dunkelheit. Ich finde keinen Gedanken. Kein Gefühl. Ich kann kaum atmen. Schlägt mein Herz? Wo ist der Schmerz, wenn ich ihn brauche?

Ich höre Worte. Der Sarg senkt sich in die Grube. Ich starre hinab. Erdklumpen donnern auf den Deckel. Es hallt in meinen Ohren, wird vom Nichts in mir gefressen. Ich drücke Hände. Mehr Hände. Mehr Worte.

Keine Worte dieser Welt können Aidans Lächeln ersetzen. Kein Mitleid dieser Welt bringt mir Aidan zurück. Mit ihm erlosch mein Licht.

An einem Tag im Sonnenschein.

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Beginnt mit einem Gedicht 🙂 . Die Aufgabe für heute war: schreibe ein Gedicht über das neue Jahr. Hier ist meins:

Das neue Jahr
Glatt und weiß
Ein unbeschriebenes Blatt
Mit angesengten Rändern

Das neue Jahr
Beginnt im Nebel
Schält sich schläfrig
Aus der Dunkelheit

Das neue Jahr
365 Tage Hoffnungen
Träume, Erwartungen
Nichts ist vorüber

Das neue Jahr
Es fängt wieder an
Der gleiche Trott
Oder eine neue Spur

Es liegt allein
In unserer Hand
Das neue Jahr

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