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Posts Tagged ‘weinen’

Am Anfang waren es 36. Nun besaß ich nur noch 18. Panik ergriff mich. Der alte Mann hatte mich gewarnt. Wenn ich alle verbraucht hatte, gab es keine Rettung mehr. Ich musste sofort damit aufhören, sie zu benutzen, auch wenn ich es nicht für mich, sondern für andere tat. Meine Welt würde untergehen und ich mit ihr. Das durfte niemals geschehen. Bei dem Gedanken zog sich meine Brust zusammen und ich konnte kaum atmen. Am liebsten hätte ich geweint. Der Weg, den ich aus Stolz und falschem Ehrgeiz beschritten hatte führte nur in eine Richtung. In meinen Ohren klangen die Worte des alten Mannes:

„Überlege dir gut, wohin du deine Füße wendest! Sobald du den ersten verbraucht hast, gibt es kein Zurück.“

Es stimmte. Ich hielt es für dummes Geschwafel, aber ich musste schmerzhaft erfahren, dass er die Wahrheit gesagt hatte.

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Zeit rinnt
Durch meine Finger
Meine Seele
Füllt meine Erinnerung

Du und ich
Damals
Heute

Zeit ändert mich
Zeit ändert nicht dich
Will dich halten
Will gehen

Zeit rinnt
Durch mein Leben
Folge dem roten Faden

Muss gehen, laufen, springen
Muss lachen, weinen, singen
Muss lieben, trauern, atmen

Zeit rinnt
Die letzten Jahre
Gehen im Flug
Kann nicht mehr warten

Es wird Zeit
Die Zeit zu nutzen
Ehe es zu spät
Der letzte Schlag verklungen

Herz über Kopf
Ich liebe dich
Kann nicht bleiben
Liebe mich
Lass mich gehen

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„David! David!“

Ich rufe, schreie, schlage mit den Fäusten gegen die Tür, bis meine Hände wund und blutig sind. Niemand öffnet.

Ich kauere mich auf der Türschwelle zusammen. Ich weine so lautlos, wie ich zuvor Krach geschlagen habe. Tränenströme rinnen über mein Gesicht. David ist fort. Einfach fort. Ohne ein Wort gegangen und hat mich an diesem schrecklichen Ort zurückgelassen.

Der Regen setzt ein. Vermischt sich mit meinen Tränen. Ich sauge ihn auf. Erst meine Kleider, dann meine Haut. Er überflutet mich inwendig, füllt mich an bis zum Rand, um wieder aus meinen Augen hervorzutreten und erneut über meine Wangen fließt.

Vielleicht bin ich schuld? Schuld am Regen? Hat meine Traurigkeit den Himmel veranlasst seine Tränen über mich auszuschütten? Meine Glieder schlottern, meine Zähne schlagen aufeinander.

„Steh auf!“, schreit die Stimme in meinem Kopf.

Ich halte ihr den Mund zu. Rühre mich nicht. Irgendwann weicht mich der Regen auf, löst meine Zellen und spült mich den Rinnstein hinunter.

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Angeregt durch den Diary Slam (Thema: Liebe), am 14.02.2014 diesen Jahres in Frankfurt, an dem ich teilnehmen durfte habe ich ein Texte zusammengestellt, in denen es um die Liebe und das Finden derselben geht. Ich habe direkt aus meinem Tagebuch zitiert (nicht komplett, dass wäre dann doch etwas viel geworden) und Texte aus der Zeit eingebracht, die das Thema, meine Gefühle und Gedanken aus der Zeit, ergänzen. Der Text „Dorfklatsch“ hat so nicht stattgefunden. Allerdings gibt es die eine oder andere Äußerung, die mir tatsächlich so zu Ohren gekommen ist ;-).

Vorgeschichte:

Frau zieht in ein anderes Bundesland (Hessen), weil sie einen Mann kennengelernt hat (Internet Datingseite), den sie für Wert hält. Doch statt Liebe gibt es Langeweile, Einsamkeit und er akzeptiert ihre drei Kinder nicht, die sie mit in die Beziehung brachte. Das Ende kam schnell. Nach drei Monaten saß sie in einem Kurort im Spessart fest. Ohne Auto, ohne Familie und Freunde. Dazu muss man sagen, dass Völkchen in diesem Ort ist Fremden gegenüber nicht sehr aufgeschlossen. Die Leute sind misstrauisch und tratschen gerne über die „Außenseiter“. Frau sucht sich also einen Job, was nicht einfach ist am Ende der Welt, erzieht Kinder, macht den Haushalt (ein Einkauf nahm fast einen ganzen Vormittag in Anspruch) und frönt dem Schreiben. Ihr Wunsch ist es Schriftstellerin zu sein. In ihrer 300 km entfernten Heimat sitzt die Familie und ist entsetzt. Eines Tages erscheint ihre beste Freundin Tina, sie haben sich bei einem kreativen Schreibkurs in der VHS kennengelernt, in dem Hinterwäldler Kaff (sorry, ich würde mich ja entschuldigen, aber ich tu es nicht). Sie hat sich frisch von ihrem Freund getrennt und bringt ihren Sohn mit. Neuer Stoff für Klatschgeschichten. Dazu kommt, dass „Frau“ auf der Suche nach Liebe, im Internet auf die Suche geht. Was soll Frau sonst tun, an einsamen Wochenenden, ohne mobil zu sein und mit drei Kindern? Schließlich ist sie hartnäckig und gibt die Liebe nicht auf.

Der Übergangsmann

Es begann eigentlich am Tag des Umzugs. Ich hatte mich mit ihm gestritten und hätte am liebsten alles wieder ausgepackt. Aber alles war geplant. Kinder in anderen Schulen angemeldet, eine Wohnung gemietet, die andere Wohnung aufgegeben, die Familie im Nacken, die einem nie Ruhe lässt. Als meine Freundin sagte, ihr passt nicht zusammen, wusste ich sie hat Recht. Aber ich kämpfte das schlechte Gefühl nieder und fuhr los, mit den drei Mädchen. Auf der Raststätte Göttingen hielten wir an. Als wir wieder ins Auto stiegen, um den Rest des Weges zurückzulegen, sagte ich zu meiner ältesten Tochter: Wir werden dort nicht für immer bleiben. Ich war auf der Flucht. Mit drei Kindern und einem ganzen Hausstand im Gepäck. Dann begann das böse Erwachen. Knapp sechs Wochen nach dem Umzug. 

13.09.2005

Ich bin nur ein Teil und niemals ganz. Ich suche und finde nicht. Kann nicht ganz und heil werden, dazu fehlt mir die Liebe. Ich habe mich verraten, mein Herz und mein Gefühl. Dabei kann es keine Gewinner geben. Ich wollte mich finden und hab das Ziel aus den Augen verloren. 

06.10.2005

… und ich geh aus dieser Stadt, wo gerade angefangen hat, was du nicht willst und ich zu sehr. Ich bin der Regen und du das Meer. (Auszug aus einem Lied)

Kann es noch einmal passieren? Dieser Blick, der alles sagt. Alles, was man wissen muss, um zu lieben?

Mein Herz ertrinkt langsam aber sicher in dieser bleiernen eiskalten Beziehung. Diese Woche ist es wieder passiert. Wegen einer Kleinigkeit. Die Reaktion war erschreckend. Mein Vorschuss schmilzt. Er liebt mich nicht. Ich bin das Mittel gegen seine Langeweile und der Garant für eine warme Mahlzeit, gebügelte Hemden und ein sauberes Klo.

Mein Herz war plötzlich hart wie Stein und kein Gefühl war in mir, bis auf die Faust in meinem Magen. Ich will raus! Atmen, atmen, atmen … . Ich bewege mich in Zeitlupe. Mein Leben läuft in einem Film vor mir ab und ich kann es nicht mit leben. Wenn ich in seine kalten wütenden Augen sehe, graust es mir. Alles in mir sträubt sich. Meine innere Stimme schreit die ganze Zeit: Sag es! Sag es, damit es ein Ende hat. Endlich wieder Ruhe! Keine Angst mehr, was oder wie ich etwas sage. Vorbei das erzwungene Schweigen, weil er nichts begreift. Vorbei die unerträgliche Stille, wenn er da ist. Dabei kann es so schön sein mit jemand zu schweigen, aber dazu muss man lieben.

Ich muss dringend zum Amt. Wissen was mich erwartet, wenn es nicht weitergeht. Die Sonne scheint, aber der Regen in meiner Seele lässt mich ertrinken. 

19.10.2005

„Hartnäckige Übellaunigkeit ist ein allzu klares Symptom dafür, dass ein Mensch gegen seine Bestimmung lebt.“

J. Ortega y Gasset 

20.10.2005

„Tage, wenn sie leise uns entgleiten

Gleiten leise doch in uns hinein

Doch wir verwandeln alle Zeiten

Denn wir sehnen uns zu sein

Ob die Stunden uns wieder entfernen

Wir sind immer beisammen im Traum

Wie unter einem aufblühenden Baum

Wir werden die Worte, die laut sind, verlernen

Und von uns reden, wie Sterne von Sternen.“

Rilke Projekt  

Der Übergangsmann und ich beschlossen, uns zu trennen. Aus wohnungstechnischen Gründen mussten wir aber noch bis zum Ende des Jahres 2005 zusammen in einer Wohnung aushalten. Jeder begann wieder seine eigenen Wege zu gehen und aus der Beziehung wurde eine WG. Erstaunlich, was man alles aushalten kann. 

31.10.2005

Bei meinem Besuch zu Hause traf ich N. wieder. Den Mann, in den ich mich vor über einem Jahr unsterblich verliebt hatte. Ein Osterfeuer brannte ab. Das Ende vom Lied: lass uns Freunde sein (wie soll das gehen?). Auch das trug dazu bei, mein Heil in der Flucht zu suchen. Ich dachte, wenn ich fort bin, dann erkennt er, wie sehr er mich braucht. Kein guter Grund! Aus Fehlern lernt man, aber man muss sie erst machen.

Bei N. sein ist zu Hause sein. Ankommen. Seelenverwandtschaft finden, Gefühle teilen, Ideen zünden, wieder lächeln können. Küsse, die jedes Rauschmittel übertreffen. Berührungen, die unter die Haut gehen. Es ist, wie es ist. Ich liebe ihn.

(Durch diese Begegnung flammten die alten Gefühle wieder auf. Ich klammerte mich mit aller Kraft daran fest.)

23.11.2005

Ich habe Angst zu vergessen. N. zu vergessen. Die Gefühle, die er in mir aufgeweckt hat. Diese alles überschäumende Zuneigung, alles vergessende Liebe, die ich empfinde. Er ist in meinen Gedanken. Jeden Tag, nachts, wenn ich mich freue, wenn ich traurig bin. Ich stelle mir sein Gesicht, seine Bewegungen, den Ton seiner Stimme, seine Berührungen vor. Er ist es und er weiß es wahrscheinlich auch. Aber es soll wohl nicht sein. Ich kann nichts tun. Mir sind die Hände gebunden, wen ich ihn nicht völlig verlieren will, darf ich ihn nicht lieben.

Aber wenn ich an die Dinge denke, die er mir sagte? Als wir uns das erste Mal in die Augen sahen, als wir in dem Café stundenlang redeten und er meine Hände nahm, die Küsse … . Es ist Magie. Ich kann nichts dafür. Es ist wie eingebrannt. Ich wünschte, er hätte weniger Angst (eine üble Scheidung, nach dem ihn seine Frau nach Strich und Faden betrogen, ihn danach abgezockt und ihm seine Kinder vorenthalten hatte) und Liebe wäre eine Option.

19.12.2005

Tina ist in der Schweiz. Irgendwie beneide ich sie darum. Andererseits ist sie viel ruheloser als ich. Der Spruch „das Genie beherrscht das Chaos“, trifft bei ihr den Nagel auf den Kopf. Bei mir ist es eher ein geordnetes Chaos. Ich suche auch manche Sachen, von denen ich genau weiß, dass ich sie da oder dorthin gelegt habe. Ich komme ums Suchen absolut nicht herum. Ich suche viel und finde viel. Tina fehlt mir. Ich hätte nicht gedacht, dass es so schlimm sein könnte. Und mein Schreibkurs fehlt mir. Freu mich schon, wenn ich zu Hause bin, wenigstens einmal hingehen zu können. Auf meine Anzeige, eine Schreibgruppe zu gründen, hat sich eine ältere Dame gemeldet. Vielleicht kommt ja noch was. Wäre toll. Wenn nicht versuche ich es im Januar noch mal. „Leute, jeden Alters, die gerne schreiben oder es schon immer einmal probieren wollten, sind herzlich eingeladen, sich zu melden … .“

Am 27.12. habe ich einen Termin im Frauenbüro. Hoffentlich haut das alles so hin. Mache mir Sorgen, versuche sie aber zu verdrängen. Der Laden von Frau K. (in dem ich gearbeitet habe. Und in dem ich zum Glück, drei supernette Kolleginnen hatte, die mich und meine Mädchen „adoptiert“ haben und mir in schwierigen Situationen halfen. Und wir sind heute noch regelmäßig in Kontakt und besuchen uns.) steht kurz vor der Insolvenz.

Was mache ich mit N.? Nachdem ich ihm mein Herz ausgeschüttet habe, hat er sich bis jetzt in Schweigen gehüllt. Und wie ich meinen Liebling kenne, wird es auch so bleiben. Ich würde ihn gerne sehen, aber ich bezweifele, dass das was wird. Ich liebe ihn. Die anderen Männer haben das Problem, an ihm gemessen zu werden.

Bin gespannt, was Mutti vom Stapel lässt, wenn sie hört, dass ich mich vom Übergangsmann getrennt habe. Und da sitze ich wieder am PC und suche nach den wahren Gefühlen. Sogar D. versucht es auf diese Weise. Dabei ist er jung, gut aussehend und nicht auf den Mund gefallen. Was soll ich denn da sagen? Wo der „Markt“ in unserem Alter um einiges geschrumpft ist und die Selbstdarstellerei der Männer teilweise sehr penetrant ist (wie das bei Frauen ist? Ich habe nur nach Männern Ausschau gehalten J.) Davon hebt sich Francesco wohltuend ab. (Ich lernte ihn kurz vor meinem Besuch zu Hause kennen und verabredete mich mit ihm. Wir wollten Sylvester miteinander verbringen. Haben uns aber letztendlich nicht getroffen.). Er hat sogar gesagt, er ist aufgeregt. Freut mich. Ich auch.

Dagegen ist mir dieses Hase-usw.-Gerede von Ralf auf die Nerven gegangen. (Ein Mann, den ich über eine Zeitungsannonce kennengelernt hatte, in dem Jahr zu vor. Wir trafen uns zum Essen, einmal.). Ziemlich doll sogar. Er wusste überhaupt nichts von mir und dachte sich ein Leben mit mir aus. Nicht einmal fragte Ralf mich nach meinen Interessen. Von seinen erzählte er mir dagegen weit und ausschweifend. Er wollte sich selbstständig machen und redete von mir „nicht nur als einer Mitarbeiterin, sondern als von einem Familienmitglied“. Hilfe! Wer denkt denn an so was? Hatte ich mit der Einwilligung in das Treffen einen bindenden Vertrag unterschrieben, von dem ich nichts wusste? Als er dann seine Hand auf meine legte und das verängstigte kleine Mädchen in mir erkannte, war die Sache für mich erledigt. Alles was ich dachte war, wie komme ich hier so schnell wie möglich wieder raus.

Die Frage, die sich stellt: will ich überhaupt noch mit einem Mann zusammenleben? Bis auf N. habe ich bis jetzt bei keinem das Gefühl gehabt. Wie das wohl wäre, wenn wir zusammenleben würden? N. will von allem frei sein. Könnte das dann anders sein? Ich glaube, er hat mich mit seinem Zweckpessimismus schon angesteckt. Oder es gefällt mir einfach zu gut meinen eigenen Weg zu gehen, ohne jemand zu fragen. Aber allein sein ist auch doof. Und was jetzt?

28.12.2005

Das Gespräch beim Amt war gut. Lässt hoffen. Am 24.12. hat M. mich besucht. (Ein Kontakt über eine Datingseite. Wir führten einige lange Telefongespräche. Sein Bild gefiel mir, seine Stimme und das, was er sagte.) Einfach so. Er rief an und fragte, ob wir zu Hause wären. Ich sagte, ja. Dann meinte er, er wäre in fünf Minuten da. Ich müsste ihn auch nicht hereinlassen, aber er wollte mich endlich sehen und wenn es nur für fünf Minuten wäre.

Kaum hatte ich aufgelegt, stand er vor der Tür. M. sah mich an und es hat „Krach“ gemacht. Ich war perplex. Er hat Kuscheltiere für die Kinder und ein tolles Parfüm und Duschgel für mich mitgebracht. Der Besuch dauerte nur eine halbe Stunde. Als er ging, zog er mich in den Flur und küsste mich einmal.

Am nächsten Tag, Sonntag, waren wir Kaffee trinken mit den Mädchen, Montag hat er uns zu Burgerking eingeladen (das erste Mal seit ewigen Zeiten, dass ich den Ort für ein paar Stunden verlassen konnte). Wir haben mit den Kindern gespielt, sind spazieren gegangen, Fernsehen geschaut und geschmust. M. ist über Nacht geblieben. Es ist traumhaft. M. ist toll. Er ist da und gehört einfach dazu. Als ob es schon immer so war. Er sagt so schöne Sachen, lacht oft und ist ganz sanft und lieb.

Auszüge den SMS von M.

25.12.2005

„Aufgeschlossene intelligente Kinder. Freu mich auf euch.“

„Du bist eine wunderbare Frau und Mama. Schlaf gut mein Leben.“

26.12.2005

„Du und deine Familie seid mein neues Leben.“

„Ich lieb dich, alles andere werden wir meistern. Du hast mich in deiner lieben Hand, da komm ich sowieso nicht mehr raus.“

„Ich liebe dich und das wird so bleiben!“

28.12.2005

„Ja das Leben meint es gut mit uns. Ich hätte gerne eine Wiederholung der vergangenen Nacht, nur mit etwas mehr Schlaf. Dich zu spüren ist wunderbar.“

„Eine Nachricht von dir versetzt mich in Erregung. Es wäre unfair zu sagen, das vorher nichts war. Es ist fair zu sagen, dass das Vorangegangene uns nur noch mehr wissen lässt, wie sehr wir zueinander gehören, mein Engel.“

01.01.2006

„(Für immer und einen Tag) das ist länger als die Ewigkeit. Ein Superlativ, dass man nicht steigern kann. Du bist ein Schatz! Freu mich auf deine Stimme.“

„… du bist wunderbar. Uns bleibt das Wissen des Wiedersehens und mehr.“

02.01.2006

„Denke an euch und es macht mich glücklich.“

03.01.2006

„Hallo Liebes, es trennen uns die räumliche Entfernung. Unsere Gedanken sind bei dem anderen.“

04.01.2006

„Guten Morgen mein Schatz, eine Nachricht von dir lässt die Sonne in mein Herz. Sehne mich danach dich zu spüren.“ 

09.01.2006

„Tja, jetzt geht es nur noch zusammen!“

11.01.2006

„Was du alles für mich machst! Würde dich jetzt am liebsten verwöhnen. Du bist wunderbar!“

„Hallo Süße, bei soviel Lob schwebe ich nur noch über dem Boden. Die Zukunft wird es richten. Wir müssen geduldig sein. Du bist mein Hauptgewinn. Eine gute Nacht und träum was Süßes.“

20.01.2006

„Hi Süße, war bezaubernd gestern Abend, dich in deinem süßen Dessous spüren zu dürfen. Hab dich lieb.“

 

24.01.2006

M., die Kinder, sein Freund A. und ich waren im Tierheim und haben Hunde ausgeführt. Es hat allen gefallen. Danach sind wir essen gegangen. M. hat sich gefreut, dass wir diese Erfahrung geteilt haben. Sonntag haben wir über Gefühle, uns, Beziehung usw. geredet. M. mag keine Frauen die „die Hosen anhaben“, er findet es sollte ausgeglichen sein. Denke ich auch. Er hat mich gefragt, ob er dominant wäre. Kann sein. Aber er ist ein Mann, die sollten wissen, was sie wollen. Ist manchmal nicht so einfach das Mittelmaß zu finden. Ich wäre froh, wenn wir es schaffen könnten zusammenzuleben. Er und die Kinder sollten der Mittelpunkt meines Lebens sein.

SMS von M.

24.01.2006

„Schlaf gut Engel, wenn ich helfen kann, tue ich es, mit Geld oder wie auch immer. Hab leider nicht so viele Möglichkeiten. HDL M.“

25.01.2006

„Hi Süße, bis heute Nacht. HDL M.“

Die Kinder und ich besuchten M.`s Familie. Es war schön wie immer. Wir fühlten uns wohl. Auf dem Rückweg, meine M. er fände es liefe toll zwischen uns. Seinetwegen könnten wir weiterhin so leben. Ich sagte ihm, dass ich es auch gut fände, so wie es gerade ist. Allerdings wollte ich, mit den Kindern nicht für ewig in dem Spessartkaff hängen bleiben. Ich sagte ihm, dass ich 2007 dort wegziehen wollte. Wenn es mit uns klappen sollte, dann würde ich gerne mit ihm zusammenziehen (seine Eltern boten uns das Haus an, in dem seine Mutter allein mit seinem Bruder lebte. Sie hatte vor, dort auszuziehen und M. hielt das für eine gute Idee. Wir haben sogar eine Hausbesichtigung vorgenommen.) und wenn es nicht klappen sollte, dann würde ich wieder nach Hause ziehen. 

27.01.2006

Es ist schon eine merkwürdige Sache mit der Liebe. Habe ich nicht schon tausend Mal darüber nachgedacht und genauso oft darüber geschrieben?

Als M. kam, weil er unbedingt wissen wollte, wer hinter dem Foto und der Stimme steckt, war mein Herz getroffen. Wir haben im Schnellverfahren alle wichtigen Punkte geklärt und heute, nach vier Wochen und drei Tagen habe ich das Gefühl, als hätte es nie einen anderen Mann in meinem Leben gegeben. (Ich kannte seine Freunde, seine komplette Familie und war zu einer Familienfeier eingeladen gewesen.)Obwohl wir uns fremd sein müssten, ist er mir sehr vertraut und der Gedanke, dass er und ich nicht so „richtig“, nur tageweise, zusammen sind ist komisch. Ich fühle mich nur halb, weil ich denke, dass wir zueinander gehören. M. würde es nicht stören, wenn es so weiter ginge, wie bisher.

Es hat eine gewisse Logik, dadurch ist jedes Zusammensein etwas „Besonderes“ und jeder hat seine „Fluchttage“. Ich zweifele nicht (noch nicht) daran, dass M. mich gern hat, aber für mich ist es schwierig, ohne ihn einzuschlafen oder er kommt heute nicht. Irgendwas fehlt.

Da wusste ich noch nicht, dass es sich bei M. um einen Typ Mann handelt, der unter Bindungsangst leidet und durch den Zustand des Verliebtseins in die Panik verfällt dadurch umzukommen. Dagegen waren die Gründe für N.`s Rückzug geradezu einfach zu verstehen.

M. hat eine SMS geschrieben. Er kommt nicht. Braucht Zeit für sich. Habe ihn angerufen. Er weiß nicht, ob er das Richtige tut???? Bin am Ende. Ich liebe ihn. Könnte immer nur weinen. Weine eigentlich schon seit zwei Stunden. Erst die blöde Lehrerin (die Klassenlehrerin von meiner jüngsten Tochter und ich hatten eine Auseinandersetzung.) und jetzt das. Ich glaube ihm, dass er mich nicht angelogen hat, als er sagte, er liebt mich. Hat er noch gestern Abend geschrieben. Und jetzt sagt er mir das am Telefon! Dabei wäre es doch besser zu reden. Der Sex ist gut (oder nicht)? Er hat gesagt, sogar wenn wir Fernsehen oder er lernen muss, wie letzten Sonntag, dann ist das schön. Aber was ist es dann?? Angst vor Verantwortung, Angst vor Liebe, Angst, dass es nicht klappt?

Seine Gefühle können doch nicht gespielt gewesen sein. „Ich schenke dir mein Herz und mich dazu.“ Er spürt mich gerne. Diese Blicke im Bett und die Blicke am Tag. Das war doch nicht gelogen? Was ist passiert?

Gestern hat er mir noch ganz stolz A.`s SMS gezeigt. Er sagte gesagt, ich sei zu gut. Ich bin total ratlos, hilflos. Wenn ich doch auf irgendetwas hoffen könnte. Jede Stunde ohne Klärung tut unendlich weh. Der Gedanke heute Nacht ohne ihn zu sein, zerreißt mir das Herz. Kann es denn keinen Weg geben? Liebe ist doch das Einzige, für dass es sich zu kämpfen lohnt.

SMS von M.

28.01.2006

„Ich habe selbst bei H. das nicht Reden bemängelt. Jetzt kriege ich selbst keinen Ton raus. Sollte nicht mehr über andere urteilen. Kann nicht gegen meine Gefühle gehen. Sie sagen Nein und ich schäme mich dir wehzutun. Kann dir nicht mehr in die Augen sehen. Helfe euch finanziell. M.“ 

28.01.2006

Was heißt das denn? Ich will sein Geld nicht! Mein Bauch schmerzt, als hätte jemand ein Messer reingebohrt. Mein Herz bricht. Ich muss dauernd weinen. Kann nicht aufhören. Ich habe mich so verliebt. Das kann doch nicht alles Lüge gewesen sein? Das ist doch nicht möglich. Ich fühle mich wie tot. Allein und tot.

31.01.2006

M. war total lieb zu mir. Es ging ihm auch schlecht. Er hat am Freitag und Samstag allein mit sich getrunken und wollte mit keinem reden. Bin froh, dass es ihm auch so gegangen ist. Wir hatten eine Wahnsinnsnacht! Ich liebe ihn. Ich habe ihm gesagt, er muss mir nichts versprechen. Einzig mit mir reden. Wir haben uns geküsst, als wäre es das erste Mal.

Inzwischen hatte der Übergangsmann mit bekommen, dass es einen neuen Mann gab. Gerüchte verbreiten sich schnell! Er begann, mir mit einem Rechtsanwalt und dem Sozialamt zu drohen. Ich hätte von seinem Geld gelebt (haha! Dabei hat er nur die Miete gezahlt. Alles andere: Nebenkosten, Essen, Strom, Telefon habe ich gezahlt) und ich würde meine Kinder vernachlässigen und schwarzarbeiten. Zum Glück hatte alles seine Richtigkeit und sein Geschwätz für mich nur leere Drohungen. Außen groß, innen klein. Normalerweise gibt es für solche Leute Ärzte mit Couch. 

01.02.2006

M. erzählte mir, er hat seine Ex-Freundin getroffen. Sie machte ihm Vorwürfe, dass er eine Frau mit vier Kindern liebt. Jetzt hat er keine Zeit mehr für sie und M. sollte nicht vergessen, wie einsam sie ist. Was hat seine Ex zu unserer Beziehung zu sagen? Ich glaube, die ist gestört.

Meine Mutter, die zu Besuch ist, hat schon wieder, so ganz nebenbei erwähnt, dass ich zurück nach Hause kommen soll. Die Kinder und ich sind schon von den wenigen Tagen angestrengt, die wir zusammenverbringen. Ich schätze das überlege ich mir noch mal. 

SMS von M.

01.02.2006

„Guten Morgen Sweetheart.“

03.02.2006

„Kisses all over for you as well Sweetheart.”

04.02.2006

„Hi Herz, du bist in meinen Gedanken.”

06.02.2006

„Das ist schön zu hören. Hab euch alle lieb.“

06.02.2006

Von Samstag auf Sonntag hatte ich einen schrecklichen Traum. M. war ein japanischer General und ich seine Ehefrau. Ich hatte etwas (ich weiß nicht genau, wie schlimm es war) getan. M. verlor sein Gesicht und musste mich verstoßen, obwohl er mich liebte. Ich habe ihn nicht wieder gefunden. Danach ging es mit richtig schlecht.

SMS von M.

07.02.2006

„OK, kannst mich ja dabei vernaschen my love.“

     Um das ganze Desaster abzukürzen, euch nicht zu sehr zu langweilen, nur noch ein paar Auszüge. Erstaunlich, wie blind Frau (Mann) doch ist, wenn es um die Liebe geht. Die folgenden sechs Wochen fiel ich also vom Feuer ins Wasser und zurück. Von, ich liebe dich, bis zu, ich bin genervt, war alles dabei. Und weil ich M. nicht verlieren wollte, obwohl bei Licht besehen unausweichlich, hielt still. Litt und weinte.

         20.02.2006

         Am Samstag hat er gesagt, er freut sich wieder bei uns zu sein. Er denkt über ein Auto nach, das zu „uns“ passt. Ich freue mich, dass er in „wir“ denkt.

         25.02.2004

     Gestern hat M. gesagt, er wüsste nicht, ob er in einem Mietshaus leben könnte. Ich verstehe ihn, aber es macht mich auch traurig. Natürlich will ich ihn nicht drängen, denn auch Zeit ohne ihn kann ich sinnvoll verbringen. Sehnsucht kann anstrengend sein. 

         02.03.20006

     Tja und nun? Ich weiß nicht mehr weiter. Wusste ich das überhaupt jemals? Jetzt fühle ich mich erst recht einsam. Als ich M. fragte, wann er wieder kommt, hat er gesagt, er wüsste es nicht. Ob ich etwas einzukaufen oder transportieren hätte. Als wäre das der Grund, warum er herkommen soll. Meine Güte ist mir elend. – Es fällt mir schwer ohne ihn zu sein. Ist das schon einengen oder Freiheit nehmen, ihm das zu sagen? Neulich sprachen wir darüber, ob man jemand zu viel Freiheit lassen kann. M. war der Ansicht, der andere könnte denken, man hätte zu wenig Interesse an ihm. Dadurch, dass er mich heute Morgen so im Ungewissen gelassen hat, kam ich mir genauso vor.

Manchmal habe ich eine Mordsangst davor „abgeschossen“ zu werden, wie ein alter Schuh, den man nicht mehr braucht. Ich sagte M. ich hätte Angst etwas Falsches zu sagen. Er denkt, man kann nichts Falsches sagen. Trotzdem habe ich das Gefühl, für meine Offenheit bestraft zu werden.

Er hat gesagt, mehr als das, was jetzt ist, kann er mir nicht geben. Dabei war es nicht mein Gedanke mehr zu    fordern. Sondern zu wissen, ob ich wichtig genug bin weiter zu denken. Wenn ich mit M. über dieses Thema rede, tritt der Fluchtreflex sofort ein. Vielleicht sind Liebe und Vertrauen abstrakte Begriffe für ihn und er wartet darauf, wann unsere Beziehung sich in Gewohnheit verwandelt. Er hat mir einmal gesagt, dass er bei jeder Frau dachte, es wäre für immer.

05.03.2006

M. hat gesagt, er glaubt nicht, dass er den Trubel bei uns aushält. Er wäre nicht belastbar. Ich muss immer darauf warten, dass er zu mir kommt. Bin auf seinen Wunsch angewiesen. Ich frage mich, ob M. so viel für mich empfindet, dass er nach außen zeigen kann, dass wir zusammengehören. Oder ob ich ihm fehlen würde, wenn ich plötzlich vor dem Laster liege. 

06.03.2006

Ob irgendwann der Punkt kommt, an dem er meine Liebe nicht mehr ertragen kann. M. hat gesagt er muss an sich denken. Ich verstehe das, aber ich wünsche mir, auch für ihn wichtig zu sein. Er soll ja nicht an seine Grenzen gehen, er sollte mich nur ein bisschen vermissen, wenn er nicht bei mir ist.

08.03.2006

Was bedeutet Liebe? Einerseits soll Liebe das Einzige sein, andererseits sind die Kämpfe zwischen den Menschen, die sich „lieben“ oft am schlimmsten. Warum? Weil sie so oft zusammen sind, laut M.? Oder ist es nicht viel mehr ein Verlust an Respekt und Gedankenlosigkeit? Die Leute denken, der andere müsse wegen der Liebe alles ertragen können.

Das ist vielleicht ein Grund, warum meine Freundin ständig dieses Theater provoziert. Sie denkt, wenn er mich liebt, muss er es „so und so“ tun. Wenn nicht ist sie sauer und macht Szenen.

Im nächsten Sommer steht ein neuer Umzug an, denn die Wohnung ist dann zu groß für mich und die beiden Kleinen. Wenn sich hier nichts für mich ändert, was ich befürchte, dann weiß ich nicht, wo ich hin soll. Nach Hause will ich nicht mehr, allein und ohne Freunde will ich auch nicht mehr sein. 

11.03.2006

Am Donnerstag haben wir geredet. Er mag solche Gespräche nicht. Na, ich auch nicht. Ich will die wenige Zeit nicht mit Problemgesprächen hinüberbringen. Außerdem redet man solche Sachen dann tot und genervt ist man auch.

Heute Nacht habe ich von N. geträumt. Komisch. Ausgerechnet jetzt.

Verdammt kann Liebe wehtun! M. meint, es hätte etwas Gutes durchschaut zu werden. Dann weiß jeder, woran er ist. Die Aussichten sind beängstigend, weil ich dir Gefahr sehe, dass er einfach wegbleibt und das war es.

13.03.2006

So ist es gekommen. Heute kenne ich N. ein Jahr und M. hat heute Schluss gemacht. Ich sei hübsch, der Sex sei gut, ich wäre was Besonderes usw. Trotzdem geht es mit uns nicht. Es ist so ein Gefühl. Er müsste das tun, damit ich frei für jemand anders sei??? In der Ewigkeit ginge es weiter, dann findet er das Richtige. Am Anfang hätte es sich angefühlt, wie das Richtige. Das Schlimmste ist, es tut unheimlich weh. Ich fühle mich, als sei ich gestorben. Ist die Liebe tot? Ist sie nur ein Wort? Ich glaube, sie bedeutet nichts mehr.

SMS von M.

13.03.2006

„Die Schlittschuhe sind da, mein fünfter Gang (Auto) bleibt gar nicht mehr drin und ich hab dich fallen lassen, kann nur noch besser werden. Hoffe dir geht`s einigermaßen.“

(Was soll das heißen? Und ich sitz zu Hause und denke, ich sterbe vor Kummer!)

„Nichts geschieht zufällig.“

15.03.2006

Was soll das bedeuten? Es soll nach M. etwas von neuen Horizonten bedeuten und er will mir nichts über das Warum? Sagen, weil er mich sonst noch mehr verletzt. Geht noch mehr? Die Nacht war schrecklich. Durch das Bier schlafe ich ein, aber dann wache ich wieder auf und kann nicht mehr einschlafen. Wenn ich essen könnte, würde ich die ganze Zeit kotzen. Die Grundlosigkeit macht mich fertig. Ich denke dauernd daran, wie es anfing. – Vorbei Einfach so. Ich fühle mich leer und ausgepumpt.

16.03.2006

Wenn heute die Nacht meines Lebens wäre, würde ich sie mit den Kindern und M. verbringen. Eigentlich wäre es schlimm, wenn man dann sterben müsste, aber andererseits könnte man dieses Gefühl auskosten und mit diesem Gefühl einzuschlafen ist besser, als in Einsamkeit.

Und am „Schlusspunkt“ fängt alles wieder von vorne an. Paradox, dass es am Schlusspunkt weiter geht. Das ist das Leben. Am Ende beginnt es neu. Bei mir war es ein neues Tagebuch und eine Anmeldung bei einer Datingseite. 

März 2006 – Sind wir nicht cool? Eine Kampfansage

Wir sind es! Die neue Frauengeneration.    Alleinerziehend, mit Kindern, Haushalt, Beruf. Tough vom gestylten Haar, bis zum lackierten Zeh (wenn wir nicht gerade unser Bad putzen). Stark und selbstständig. Wir kriegen alles auf die Reihe und nur kein Neid, wir fühlen uns wohl dabei. Obwohl, da war noch was! Ach ja, jetzt erinnere ich mich! Die interessante Spezies Mann. Aber wer braucht schon Männer? Wo wir selbst so leistungsfähig und widerstandsfähig sind.

Erziehen wir unsere Töchter nicht zu selbstbewussten Frauen, die sich von keinem Typen die Butter vom Brot nehmen lassen? Das dachte ich jedenfalls. Aber wie war das mit der allseits heraufbeschworenen Vorbildfunktion? Tja Mutter fass dich an deine eigene Nase! Da findet mich (und nur fürs Protokoll: ER findet mich, ohne dass ich ihn suchte. Immens wichtiges Detail, da wir doch angeblich immer so krampfhaft nach Mister Right suchen) endlich(!!!) der Mann meines Lebens. Alles passt. Man glaubt es kaum, aber wirklich wahr. Frau blüht auf, erlebt den Frühling im Winter, glaubt wieder an „immer und ewig“, da passiert es.

Ohne Vorwarnung ist es aus. Warum? Kein Streit, keine Meinungsverschiedenheiten, keine warnenden Vorzeichen, die es an angekündigt hätten. Einfach so, aus und vorbei. Und ich? Statt cool zu sein, neuer Anfang – neuer Mann, folgt der Sturz ins Bodenlose. Hatte ich mir nicht geschworen: „Beim nächsten Mann wird alles anders?“ Als ER auftauchte gab es kein Halten mehr, nur noch dieses unglaubliche Glücksgefühl. Das war alles.

An ein Danach verschwendete ich keine Gedanken. Wieso auch? Liebe war es, was ich wollte und als sie kam, war alles klar!? Jetzt sitze ich zu Hause, mit einer Flasche Bier (ganz cool, Mutter betäubt sich) und heule Rotz und Wasser. Es fühlt sich genauso schrecklich an, wie damals, als die erste große Liebe vorüber war und ich ein halbes Jahr kaum essen konnte, danach hatte ich endlich mein Idealgewicht. Und es tut genauso weh, wie vor 1 1/2 Jahren, als es für meine Ehe keine Basis mehr gab (wiedermal Idealgewicht erreicht). So habe ich allen guten Vorsätzen zum Trotz mein ganzes Herz gegeben, das ich jetzt Stück für Stück wieder zusammensetzen muss, aus Tausend kleinen Teilen. Lieben geht eben nicht halb. Ganz oder gar nicht, das ist die Devise. So sind wir, die starken coolen Frauen. Was wir tun, tun wir richtig. Mit ganzem Herzen und ganzer Seele. Das ist es, was uns so besonders und einzigartig macht, dass wir bei all dem Cool- sein lieben können.

Glaubt mir Schwestern, wir haben es uns verdient, die Liebe zu finden und zwar die ganz Große. Ohne Wenn und Aber! Und ob wir suchen oder gefunden werden, Aufgeben gilt nicht! Denn dazu sind wir viel zu cool!!!

01.04.2006

Was N. und T. zu der Sache mit M. sagen würden, kann ich mir vorstellen. Wenn er ein Kerl, nein ein Mann ist, dann wüsste er, was er will. Ist auch müßig. Es ist, wie es ist. T. wäre jetzt stolz auf mich. 

02.04.2006

A. neuer Mann – alles anders? Nee! Dasselbe von vorn. Helfersyndrom. Netter Typ, Probleme mit Frau und Kind. Verhaftet in alten Beziehungen, aus denen er sich nicht lösen kann. Besucht Selbstfindungskurse, aber ich denke es liegt an der Konsequenz und dem Mut, Dinge durchzuziehen.

09.04.2006

Ich will nicht schon wieder leiden. Das mit N. und M. war genug. Finde ich. Es hat den Anschein, das ich von schwierigen Beziehungen den Hals nicht vollkriegen kann. Habe ich den Cinderellakomplex? Will ich gerettet werden? Bloß von wem? Der Ritter mit dem zarten Zungenschlag oder der mit den zärtlichen Komplimenten oder doch den mit den wilden Fantasien? So mein Herzblatt, jetzt musst du dich entscheiden. Oder alle? Einen für die Fantasie, einen fürs Bett und einen fürs Herz.

Ich will einen für alles! Er soll meinen Geist betören, mit seinen Fantasien und mich in Ekstase küssen wie N. Zu viel verlangt? Wir Frauen sollen doch auch alles sein: Mutter, Hausfrau, Freundin und Geliebte.

14.04.2006

A. sieht nett aus. Hört sich nett an. Hat einen Hund. Mag Kaffee, spanische Musik, Tango. Ist intelligent. Könnte der Funke überspringen? Was weiß ich. Bei Männern weiß ich im Moment gar nichts mehr. 

17.04.2006

Was soll das noch werden? J. sucht nach einer ominösen Magie. M. nach einem ominösen Gefühl. T. will gar nicht mehr lieben. Achtung: Verletzungsgefahr! N. lieber allein sein. Und A.? Ich bin erschöpft von diesen Gefühlen, von Fragen, auf die es keine Antwort gibt. Von Liebe, die ist und nicht sein kann. Von Hoffnungsschimmern, die ruckzuck zerplatzen. Wie ernst ist den Menschen Beziehung? T. und N. würden es, wenn sie es wollen ernst meinen. Wollen sie aber nicht. Und A.? Na morgen werde ich es ja sehen. Es ärgert mich, dass ich an M. denke. Aber vergessen ist nicht so einfach, denn durch ihn ist ein starkes Misstrauen entstanden. Aber wie geht kontrolliert verlieben? Ich krieg die Krise. 

18.04.2006

Liebe ist jedes Mal anders. Sie ist immer etwas Neues. Vielleicht ist es das. Man sucht die Liebe, die man hatte, aber die gibt es nicht mehr.

Das mit dem Kennenlernen ist echt kompliziert. Denn die Kinder hängen ja auch gefühlsmäßig mit drin. Generell O. K., wenn er gleich mitbekommt, wie es läuft, aber für die Kinder nicht gerade toll, wenn sie einen Mann mögen und der dann nicht wiederkommt.

Was hat T. geschrieben? Kontrolliert an die Sache rangehen. Wie? Bei A. denke ich schon wieder, es könnte was werden. Das verbitte ich mir! Nachher muss ich mir wieder anhören, ich wäre eine tolle Frau, aber der Funke ist nicht übergesprungen.

20.04.2006

Endlich ein schöner warmer Frühlingstag. Die Sonne geht hinter den Bergen unter. Saß mit Tina, die sich frisch von ihrem Freund getrennt hatte, und den Kindern auf dem Balkon …

Ist der Ruf erst ruiniert oder bestimme dein Leben selbst!

 Kerzen brennen. Eine Faxrolle „Lieben und Leiden“ ist über den Tisch ausgebreitet. Frau Morgenstern liest aus ihren Memoiren. Unser Lachen schallt über die Dächer des Ortes. Na, was soll schon dabei herauskommen, wenn Schriftstellerinnen aus ihrem Leben erzählen. Eicheltürme (freudscher Versprecher*g*), Portionen von gestreiften Bademänteln und so viele Männer aus Zuckerwatte, dass Frau Bauchweh bekommt.

Frau Morgenstern referiert über die Liebe (was sonst???) auf den ersten Blick (hast du, etwa was im Auge?) und Frau Rilke meint, sie sollten das Leben sehr viel leichter nehmen und es mit Oskar Wilde halten. In einem sind sie sich auf jeden Fall einig, sie müssen noch viel abgeklärter werden.

Ach ja, um das kurz am Rande zu notieren (als ob wir je etwas anderes täten), wir sind nicht schuld am Unglück der Welt (habt ihr zugehört, Mütter, Väter, Männer?). Wir nicht!!! Die Männer, die wir lieben, zeigen uns die kalte Schulter und haben folglich unsere Liebe nicht verdient. Wenn sie es so wollen? Bitte! Vergeuden müssen wir unsere Gefühle nicht. Wenn wir lieben, dann den Mann, der es wert ist.

Wir werden den Traum von der großen Liebe weiter träumen. Früher oder später wird sie uns finden. Und unter uns: zeigt nicht die Erfahrung, dass gerade wenn wir uns in unserem Leben eingerichtet haben, ein bisschen Spaß in Sicht ist, ein Mann daher kommt und sich denkt, „Hey die Kleine schnapp ich mir“. Schon steht unser wohlgeordnetes Chaos wieder auf dem Kopf.

Also ehrlich, manchmal denkt man fast das Leben gönnt uns den kleinen Spaß, mit den Männern ab und an, nicht (… gute Mädchen … böse Mädchen kommen überall hin … *lacht*). Oder sind es unsere Mütter, die kleine Münzen in irgendwelche Brunnen werfen – was für eine Verschwendung, kauft mehr Bücher – und sich wünschen, dass wir endlich Mister Right treffen? Der Kerl, der es mit uns aushält, und uns vom Heiratsmarkt schafft. Damit wir doch noch ehrbare Frauen werden.

Also Frau Morgenstern lassen wir die Liebe ihre Wege gehen. Irgendwo wird sie uns finden und wenn es auf den Malediven ist. Wir beschließen hiermit als ersten Punkt in den Luderklubstatuten: Wir lassen uns nicht mehr stressen. Das Leben bietet genug Aufregung. Warum mehr davon als nötig? Eines Tages begegnen wir dem Mann, der es wert ist von uns geliebt zu werden, und sich an unseren Macken zu erfreuen. Bis dahin habt Spaß. Was wäre unser Leben ohne Männer? Es wäre ziemlich langweilig.

Um auf die große Liebe zurückzukommen: Wir üben erst mit der kleinen Liebe, damit wir für die Große bereit sind. Bis dahin gönnen wir uns den Spaß und die Freiheit. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert …

21.04.2006

Ich sollte aufhören, meine „vergangenen“ Männer zu analysieren. Aber meine Gedanken gehen immer wieder dorthin. Wie das Perpetuum mobile. Das sich ewig drehende Rad. Frau kann sich auch selber nerven. Das Nerven nervt mich. Holt mich hier raus …! Gefallene Engel können hier nicht überleben.

23.04.2006

„Lass deinen Atem in meinen versinken, damit unsere Herzen schneller schlagen.“

„Unsere Seufzer such liebkosen, Schleier der Nacht herabgesenkt, Verzückung, liebkose meinen Körper, wie ein wohlklingendes Instrument. Im Himmel liebt man anders.“

(Zitate)

Hannah Arend, Philosophin – aus dem Denktagebuch:

Was ist Liebe?

„Das Missverständnis ist zu glauben, die Liebe entspringe dem Herzen und sei daher vom Herzen wie ein Gefühl hervorgebracht. Diesem Gefühl geben die Frauen sich hin, mit dem Erfolg, dass die Liebe im Gefühl und von ihm verzehrt wird, dass der dazugehörige Mann sich so schnell wie möglich retten muss …“

Ich bin absolut perplex! „Liebe“ als hypothetisches Konstrukt. (So ein blöder Satz!) Was soll das werden? Ich habe mir selbst tausend Mal versucht die Liebe zu erklären. Die Liebe ist das Einzige, das alles erhält. Wie könnte sonst die Menschheit bestehen? Sollen diese Theorien Entschuldigung dafür sein, dass Menschen sich so lieblos, gedankenlos und rücksichtslos verhalten. Männer, die flüchten, weil Frauen sie lieben und sie dadurch verzehren? Warum muss Liebe eine Bedrohung sein? Von was? Freiheit? So ein Quatsch! Ich leugne nicht, dass es genug Beispiele gibt, in denen dieses Fesselanlegen stattfindet, aber das kann nicht die wahre Liebe sein. Wer liebt, lässt dem anderen Freiheit, weil er weiß, dass der andere freiwillig zurückkommt. Und der der frei ist, geht mit diesem Gut verantwortlich um.

Wir sind spazieren gegangen. Schick angezogen, haben Eis gegessen und in der Sonne gesessen. Alles war gut. Trotzdem fühle ich mich halb. Ich würde mich gerne heil fühlen. Immer ist da der Drang meine andere Hälfte suchen zu müssen. Statt den guten Augenblick zu genießen, mach ich mir lieber sinnlos Gedanken und fühl mich schlecht. Als würde das Schicksal darauf Rücksicht nehmen! Wenn es dicke kommt, dann so oder so. Also könnte ich jetzt noch Spaß haben, bevor das große Donnerwetter kommt.

Meine Güte bin ich schlau! Wenn das einer liest, denkt er, ich habe eine Schraube locker. Eine?

Das ist doch der größte Schwachsinn, den ich da verzapfe. Oder ist das auch konditioniert? Ich habe mir für die Männer, mit denen ich zusammen war, ein Bein oder auch beide ausgerissen, entweder war es nie genug oder einengend. Ich muss mal kurz und trocken lachen: hahaha. Als hätte ich etwas Gutes für den Mann getan, damit er sich „schuldig“ fühlt. Ich habe es getan, weil ich es wollte und dem Mann das Gefühl zu vermitteln, wie viel er mir bedeutet. Ist mein Verständnis von Liebe antiquiert? In dieser schnelllebigen Zeit, zählt dieses starke echte Gefühl nicht mehr viel, wird als Freiheitsberaubung und Last empfunden. Diese Hyänen-Frauen und die ihren Männern die Hölle heißmachen, die haben die guten Kerle und trampeln auf ihnen rum. Und die lassen sich das auch noch gefallen! Ich geb mein letztes Hemd und bin einsam. Dazu fällt mir gar nichts mehr ein.

29.04.2006

Es gibt übrigens das Broken-Heart-Syndrom. Den Menschen bricht tatsächlich das Herz, ähnlich eines Herzinfarkts. 

30.04.2006

Der Mann mit dem Hund will nur Freundschaft. Ist OK. Schließlich muss Frau wissen, woran sie ist. Allerdings war der Tangoabend toll. Was vor allem an der Musik und dem Ambiente in dem Gewölbekeller lag.

03.05.2006

„Liebe C., die Nacht mit dir war wundervoll. Dich zu spüren, dich in meinen Armen zu halten hat mir viel bedeutet. Den ganzen Tag war ich in Gedanken immer wieder bei dir. Leider habe ich in der Woche wenig Zeit, aber ich rufe dich an und wir verabreden für das Wochenende ein Date. Küsse deinen Mund … .“

Jetzt muss ich mir meine Liebesbriefe schon selber schreiben! Ein paar liebe Zeilen, einen Anruf. Aber nein, dann ist man gleich die hysterische Frau, die klammert. Ach ja! Freiheit gewähren … ganz wichtig, die brauchen sie ja unbedingt. Ohne Worte.

Also über O. brauche ich nicht mehr nachzudenken. Und kann mich beruhigt mit J. treffen. Wenn sowieso alles unverbindlich ist. Kein schlechtes Gewissen. Tina meint, das soll aufhören. Ich bin dafür. Aber das bedeutet, dass es einen Mann gibt, für den ich eine Oper bin und kein kurzes Intermezzo. Der Liebe ernst nimmt und sich entscheiden kann. Wo findet Frau so ein Exemplar? Oder muss man jeden Mann nur noch als Sexobjekt sehen (kann auch nett sein), damit Frau etwas Zärtlichkeit bekommt? Aber wenn Frau sich mit mehreren Männern trifft, ist sie schnell ein Flittchen (siehe unten).  

Dorfklatsch

 

Y.: Kennst du die Frau mit den drei Mädchen von gegenüber?

X.: Ja vom Sehen. Wieso?

Y.: Die sind nicht von hier, nur zugezogen. Ich glaub, die

    ziehen bald wieder weg.

X.: Kann sein, ich hab gesehen, wie der Mann, der am

    Wochenende immer kommt, Umzugskartons mitgebracht hat.

Y.: Ist also immer noch der Gleiche?

X.: Bis jetzt ja, aber eine ganze Weile standen da immer

    verschiedene Autos vor der Tür.

Y.: Scheint ein Flittchen zu sein.

X.: Keine Ahnung, aber der M., wegen dem sie hergezogen

    ist, der erzählt da so gewisse Geschichten.

Y.: So? Was denn?

X.: Die hatte schon einen Freund, da war er noch nicht

    ausgezogen.

Y.: Das ist ja ein Ding.

X.: Und Geld schuldet sie ihm auch noch.

Y.: Einmal hab ich gesehen, da ist sie einfach zu einem Mann

    mit fremden Kennzeichen ins Auto gestiegen.

X.: Die hat es wirklich nötig, drei Kinder und dann so was.

Y.: Das ist ja noch gar nichts. Du kennst doch Frau S. aus

    der Faulhaberstraße?

X.: Ja, klar.

Y.: Neulich saßen wir beim Friseur, da hat sie mir erzählt,

    dass bei ihr im Haus auch so eine Zugezogene wohnt, die

    treibt es noch viel schlimmer.

X.: Wirklich?

Y.: In der einen Nacht brachte sie ein Mann nach Hause, wohl

    der Exmann. Den hat sie im Streit rausgeworfen. Eine

    Stunde später stand schon ein neuer Kerl vor der Tür.

X.: Unglaublich!

Y.: Manchmal haben sich da in der Woche drei verschiedene

    Männer die Klinke in die Hand gegeben. Und immer das

    Kind dabei.

X.: Das kann ja nicht gut sein.

Y.: Meine Rede. Neulich bei der Kerb hab ich gesehen, wie

    sie die Musiker angesprochen hat und einen davon hat

    sie mit nach Hause genommen.

X.: Die Leute haben überhaupt kein Schamgefühl mehr.

Y.: Ich könnte dir Sachen erzählen … Oh, da kommt das

    Flittchen. Ich muss jetzt los.  – Hallo Frau V. schön

    sie zu sehen.

Ich lehne dieses Flittchen-Image strickt ab. Nur weil ich Sehnsucht nach Zärtlichkeit habe, und mir nehme, was ich brauche, bin ich noch kein Flittchen. Trotzdem ist mir das auf Dauer zu blöd. Ich will einen Mann, mit dem ich einschlafen und aufwachen kann. 

04.05.2006

Wenn sich zwei lieben, wie Ertrinkende ertrinken sie dann miteinander oder ineinander. Ineinander ertrinken ist die schönere Vorstellung, miteinander nicht so. Sich wie wahnsinnig zu lieben, sich zu verschenken, den Geist loslassen, nur fühlen und dann am Ende der Zusammenstoß – aufgelöst zu werden in der Lust und Leidenschaft des Augenblicks. Zerlegt in sämtliche Einzelteile des Daseins und doch verschmolzen miteinander. Eins, untrennbar verbunden für diesen kostbaren ewigen Moment. Vergänglich, weil wir uns mit der völligen Hingabe aufgeben und doch unsterblich in der Liebe sind. Wie Romeo und Julia. Geliebt und gestorben. So unendlich geliebt, dass ihnen kein anderer Ausweg blieb, als gemeinsam zu sterben. Unsterblich gemacht durch Shakespeare, Dichter der hohen Liebe und des mörderischen Dramas. Viola ertrunken und doch auferstanden durch die Liebe zu Herzog Orsino. Geliebt, gelitten ineinander ertrunken.

 

Mein Herz will in dir versinken

Mein Körper von dir trinken

Ohne nachzudenken springen

In deinen Sturm

Will mich in dir verlieren

Mit dir untergehen

In ungezählten Sternennächten

Caroline

 

     06.05.2006 

Ich liebe die Nacht

     Dunkelheit, die jedes Geräusch aufnimmt

     Stille, in der ich meinen Herzschlag höre

     Sanftes Licht zeichnet alles weich

     Eine Uhr tickt

     Sterne auf blauen Samt gestreut

     Der Mond wirft schatten

     Die Zeit der Träume kommt

     Ungestört vom Alltagslärm

     Stunden, die nur uns gehören

     Eingehüllt in Nachtstille

Genießen wir uns und unsere Leidenschaft 

                             Caroline S.

     07.05.2006

     Es fühlte sich richtig an. Als ich mich an J. lehnte und er mich in die Arme nahm, fühlte es sich richtig an. Anders als bei den anderen. Nicht nur den Kick einer Nacht. Ich will auch Sex, aber auch das Danach. Nicht nur heimliche Nachtstunden und sonst nur Unverbindlichkeiten. J. hat mir seine Handynummer gegeben, eine SMS geschrieben und eine Mail geschickt.

     Als er ging, sagte er liebevoll: „Du brauchst viel Zärtlichkeit.“ – „Ja.“ – „Ich komme wieder.“ – „Aber ich möchte, dass du gerne wiederkommst.“ – „Das tue ich. Sonst hätte ich es nicht gesagt.“ Und ich glaube ihm. J. ist groß und stark. Ich kann mich an ihn kuscheln. Meine Arme um ihn schlingen. Er hält mich fest wie ein Mann.

Allem Anfang wohnt ein Zauber inne …

… sagt man. Zumindest die Dichter der Romantik. Ob die damals noch zaubern konnten? Gut, ich gebe zu, allem Anfang wohnt ein Zauber oder eine Faszination inne, wie man heute in den modernen Zeiten sagen würde. Oder kennen sie einen Wissenschaftler, der zugeben würde, dass Verliebtheit etwas mit übernatürlichen Kräften zu tun hätte? Ich nicht.

Irgendwie drängt sich mir der Verdacht auf, dass die Halbgötter in Weiß nicht einmal das Wort Faszination gelten lassen, obwohl sich das so schön professionell anhört.

Nichts ahnend sitz man vor dem Fernseher, zappt sich durch das Land und befindet sich plötzlich in einer Doku über die chemischen Gegebenheiten des Verliebens. Besonders anregend, wenn man gerade selbst wild verliebt ist und denkt, das ist Mister Right! Endlich wird mein Warten belohnt. Da erklärt der nette Herr Doktor, welche entzückenden chemischen Botenstoffe unser Hirn und unser Körper ausschüttet. Warum wir uns deswegen verlieben und warum das meistens nicht der/die Richtige ist. Sondern eine Laune der Evolution (Einen Mann, der potent ist um Kinder zuzeugen. Passiert meistens zur Zeit des Eisprungs. Dann der Mann zum Heiraten. Passiert meistens, wenn das Dilemma (Kuckucks-Kinder Syndrom) schon passiert ist). Alles nur eine Frage der richtigen Säfte? (Nein, bitte nicht!!! Warum beraubt ihr mich dieser Illusionen?)

Dann ein anderer Kanal: Arte. Ähnliches Thema. Arrangierte Ehen in Indien. Am liebsten würde ich sofort weiter schalten, aber die bunten exotischen Bilder halten mich fest. Ich denke, nur mal schauen (Denkt man das nicht immer? Es ist zu schrecklich, um hinzusehen, aber wir können unsere Blicke nicht abwenden). Die Erklärung, dass Eltern die Kinder am besten kennen und deswegen auch, was die Partnerwahl betrifft, den besten Durchblick haben, lässt mich auflachen (zugegebenermaßen bitter, aber immerhin lache ich heute darüber, es gab Zeiten da habe ich deswegen geweint. Ist doch schon mal ein Fortschritt!). Ob das so sicher ist?

Mit Blick auf meine eigenen Eltern, die sich schon mehrmals erfolglos in der Partnerwahl versucht haben und in ziemlich verkorksten Beziehungen festhängen, kann ich da nur sagen: good luck! (Und da ich auch ein paar Mal (ja leider paar kleingeschrieben und nicht Paar großgeschrieben) daneben gegriffen habe, werde ich mich tunlichst hüten meinen Kindern zu sagen, welcher Partner der oder die Richtige ist!!! Versprochen!)

Etwas später, anderer Sender: Öffentlich Rechtliche: One Night Stand oder nicht? Dabei eine flotte Nonne, die offensiv die anwesenden Talkmänner anflirtet. Sie behauptet, sie würde sich zurückziehen, wenn sie merkt, dass ein Mann mehr von ihr will. Aber so, wie ich das sehe, ist sie in dem Ausdruck ihrer Weiblichkeit nicht sehr zurückhaltend. Erst scharfmachen und dann zieren? Nicht gerade die feine römische Art, oder? (Andererseits wurde in den letzten 2000 Jahren nirgendwo so begeistert das Gebot der Keuschheit übertreten, wie in der römisch katholischen Kirche. Bei den Indern ging’s auch heiß her, aber die haben das wenigstens genossen und nicht unter dem Deckmantel der Heimlichkeit getan.)

Ich seufze so tief, dass bei meinen Nachbarn die Kronleuchter wackeln müssten. Wo bitte bleibt da der Zauber? Frühling, Mai, Küsse, Liebesschwüre, stundenlange zärtliche Telefongespräche, Gedichte, Liebesbriefe, Blumen usw. Ich mache noch einen Versuch: Privatsender. Nackte Busen, obszöne Tanzerei, abstoßende Worte, g*** Männer, die zu viel Alkohol intus haben und die Frauen gierig mit den Augen ausziehen.

Reporter: „Warum kommen sie hier her?“ – Typ: „Weil`s geil ist.“ Es fehlt nur noch, der greift sich in den Schritt. Kurz und schmerzlos, aber bei dem Alkpegel ist nicht mehr drin. Sein Blut hat die Hirnregionen schon verlassen. Reporter: „Warum tanzen sie Strip?“ – Frau: „Weil es Spaß macht (kicher, kicher).“ Ob die einen sinnvollen Satz raus bekommt, oder war sie bei der Verteilung der Synapsen gerade nicht anwesend war? (Sorry, Mädels, ich war jung und brauchte das Geld.) Reporter: „Gehen sie auch mit einem Mann ins Bett, wenn er ihnen genug Geld bietet?“ – Frau: „Nein. Nur kucken. Nicht anfassen. (kicher, kicher).“ Wer`s glaubt wird selig, wer nicht, kommt auch in den Himmel(und ich zuerst, kicher, kicher).

Enttäuscht und entnervt will ich aufgeben. Meine Tochter ruft von neben an: „Ma, schalt mal bei Kabel ein!“ – Ma: „Wieso?“ – Tochter: „Da läuft ein schöner Film (sie lacht).“ – Ma: „Welcher?“ – Tochter: „Unser Lieblingsfilm. „Während du schliefst“!“

Ich drücke den kleinen Knopf. Jack und Lucy sehen sich in die Augen. Alles um sie herum versinkt, es gibt nur noch die Zwei … . Ich versinke auch, schmelze dahin. In Hollywoods Hochglanz Bildern. Denke an den Mann, den ich liebe, bekomme Herzklopfen und sehne mich nach seiner Nähe. Allem Anfang wohnt ein Zauber inne … . Hollywood sei Dank!

     08.05.2006

     Erich Fried – Sucht

     Ich wünschte manchmal

Ich könnte

Mich an dir satt küssen

Aber dann müsste ich sterben

Vor Hunger nach dir

Denn je mehr ich dich küsse

Desto mehr muss ich dich küssen

Die Küsse nähren nicht mich

Nur meinen Hunger

J. hat sich noch einmal für den schönen Nachmittag und die Nacht bedankt. Er hat geschrieben, dass er sich meldet. Vorhin hat er angerufen. Am Samstag bringt er eine Tastatur für Hanni mit. Er meint, wenn ich am Wochenende einkaufen müsste, fährt er mich. Das ist echt lieb. Ich würde ihn gerne fragen, ob ich ihn lieben darf. Ich würde mich gerne in ihn verlieben.

10.05.2006

„Manchmal spreche ich mit den Sternen, aber meistens nur kurz, vermutlich, weil ich Angst habe, dass sie mir eines Tages antworten.“

Dabei habe ich gar nicht mit den Sternen gesprochen, aber die Sterne habe geantwortet, wie es aussieht. Als J. fragte, ob ich ihn lieben darf, antwortete er mir mit einem schlichten „ja“. Mein Herz sprang drei Meter hoch und meine Sehnsucht verdoppelte sich. Liebeszeit ohne Begrenzung? Ein Mann, der mein Bedürfnis nach Liebe erkennt und nicht davor zurückschreckt. Im Gegenteil – der genau das will. Liebe, die heilt und das Leiden vergessen lässt.

Ich wusste nicht, dass er es sein würde, aber er war es. Liebe wie in einem Buch. Meinem Lebensbuch. Und so ist es bis heute geblieben.

Ende gut alles gut – sagt man, und doch ist es eine Tatsache, dass das Herz nie aufhört, sich zu sehnen. Nach Liebe, nach Zärtlichkeit und dem wilden Herzklopfen des Anfangs. Wie heißt es so hübsch, allem Anfang wohnt ein Zauber inne. Solange wir leben, denken, fühlen, hungern wir nach mehr. Eine typisch menschliche Eigenschaft. Aber sie macht uns zu dem, was wir sind. Schriftsteller, Philosophen, Forscher, Maler, Musiker … . Wir können nicht zurück, nur nach vorne. Wird jemals jemand die schlüssige Antwort auf die Frage haben, was ist Liebe? Ich glaube nicht. Sie ist zum Glück immer noch die größte Kraft auf Erden. Sie treibt uns vorwärts, lässt uns Opfer bringen, ist völlige Hingabe und kann auch völliger Verzicht sein. Ohne Liebe keine Musik, keine Romane, Bilder und Gedichte. Also lieben wir.

„Wenn es dir möglich ist, mit nur einem kleinen Funken die Liebe in der Welt zu bereichern, dann hast du nicht umsonst gelebt.“

Jack London

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Aufgelöst

Er stand im Halbdunkel der Diele. Das Haus war kühl und still. Ganz anders als die Kurklinik, in der er die letzten Wochen verbracht hatte. Dort war es warm und hell. Unendliche viele Geräusche erfüllten die Räume. Die unterschiedlichsten Menschen durchströmten die Zimmer und Flure. Die Kälte in seinem Haus jagte ihm einen Schauer durch den Körper und ließ seinen ausgezehrten Leib zittern. Die Tür fiel ins Schloss. Die junge Frau, die ihn heimgefahren hatte, war gegangen. Seine Augen füllten sich mit Tränen. Er weinte. Weinte wegen der grausam verrinnenden Zeit, die ihn allein zurück gelassen hatte. Alles, was sein Leben die letzten Wochen ausgefüllt hatte, gehörte der Vergangenheit an, wie er selbst. Nur der Koffer und ein paar Plastiktüten waren Beweise für sein Fortsein. Jedes Ding stand unverändert an seinem Platz. So würde es weitergehen. Tag für Tag, bis sein Herz nicht mehr schlagen wollte. Er stand da in der schmerzenden Stille, die ihn anbrüllte wie ein Orkan und seine Tränen wurden zu Strömen, die nicht enden wollten.

Als seine Tochter am späten Nachmittag kam, um nach ihm zu sehen, fand sie nur noch seine nassen Kleidung in einer großen Wasserlache.

Nachruf:

Er ging den Weg des Wassers

Von der Quelle ins Meer

Vereinigte sich mit

Millionen Tränen einsamer Seelen

Um nie mehr allein zu sein

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