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Posts Tagged ‘Wein’

Nun gut. Ich will euch erzählen, wie alles gewesen ist.

Auch wenn böse Zungen anderes verbreiten, das ist der pure Neid. Ich war dabei und nur ich weiß über alle Akteure dieses Dramas bescheid! Ihr mögt einwenden, in den Geschichtsbüchern steht es doch geschrieben. Haarklein und ausführlich. Lasst euch von mir eines besseren belehren! Nur der Augenzeuge ist der Wahrheit am nächsten. Natürlich muss man mir zugute halten, dass jeder seine eigene Sichtweise der Dinge hat, doch die, die in die ganze Sache involviert waren sind lange tot.

In Shakespeares Sommernachtstraum spricht Theseus die weisen Worte: „Wenn alle Akteure tot sind, muss niemand mehr getadelt werden.“ Und so mag es wohl sein. Mein Herr und Meister war ein kluger Mann, der seinen Finger oft auf die wunden Stellen der menschlichen Natur zu legen pflegte, was ihm mehr als einmal Ärger einbrachte. Doch ich will euch nicht länger langweilen.

Sitzt ihr alle bequem? Habt ihr euch mit einem Glas Wein versorgt? Dann lauscht der Geschichte, wie sie sich wirklich zugetragen hat, abseits von trockenen Fakten und Zahlen eines verstaubten Schulbuches.

Es begann im Jahre 1743 anno Domini, an einem stillen Herbstmorgen. Der Nebel hing wie ein Leichentuch über der sanften Landschaft. Im nachhein ein schlechtes Omen, doch davon später mehr…

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Wie Du mir nötig bist? Wie Trank und Speise
Dem Hungernden, dem Frierenden das Kleid,
Wie Schlaf dem Müden, Glanz der Meeresreise
Dem Eingeschloßnen, der nach Freiheit schreit.

So lieb ich Dich. Wie dieser Erde Gaben
Salz, Brot und Wein und Licht und Windeswehen,
Die, ob wir sie auch bitter nötig haben,
Sich doch nicht allezeit von selbst verstehen.

Und tiefer noch. Denn auch die ungewissen
Und fernen Mächte, die man Gott genannt,
Sie drangen mir zu Herzen mit den Küssen,

Den Worten Deines Mundes und die Blüte
Irdischer Liebe nahm ich mir zum Pfand
Für eine Welt des Geistes und der Güte.

Mari Luise Kaschnitz

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Nachdem sich der Inspektor verabschiedet hatte, zog sich Rosalie in die Abgeschiedenheit der Bibliothek zurück, während Anthony  Gil, nach der denkwürdigen Besichtigung der Ahnengalerie, zu einem Ausritt drängte. Rosalie war froh ihren Recherchen ungestört nachgehen zu können.

Die Tür der Bibliothek öffnet sich mit leisem Knarren. Misses Morse lauscht, macht ein paar Schritte in den Raum, reckt den Hals und sieht sich aufmerksam um.

„Miss Rosalie“, ruft sie unsicher, „sind sie da?“

„Ja, Misses Morse“, hört sie Rosalies dumpfe Stimme, „ganz hinten links.“

Vorsichtig balanciert die Köchin ein Tablett mit frischem Brot, Butter, kaltem Hühnchen und einer Flasche Weißwein zwischen den langen Regalreihen hindurch. Erstaunt zieht sie die Augenbrauen hoch, als sie die junge Frau in einem Durcheinander aus Karten, Büchern und Grundrissen auf dem Boden sitzen sieht. Es hat den Anschein, ein Sturmwind hätte die Regale geleert.

„Miss Rosalie“, sagt sie mit leisem Vorwurf in der Stimme, „das schöne Kleid.“

Rosalie lächelt und steht vorsichtig auf, um keines der kostbaren Schriftstücke zu beschädigen.

„Liebe Misses Morse, sie haben so Recht! Ich war ganz vertieft in meine Recherche, dass ich gar nicht darüber nachgedacht habe.“ Sie streicht das blau schimmernde Seidenkleid glatt und rückt ihre warme Wolljacke zurecht. „Stellen sie den Tee doch auf den Tisch am Fenster. Dann kann ich die letzten Sonnenstrahlen genießen.“

„Zum Glück haben sie eine warme Jacke an. Sie holen sich in diesen zugigen Räumen noch den Tod.“ Die ältere Frau schüttelt besorgt mit dem Kopf und sagt mehr zu sich selbst, „heutzutage sind die jungen Leute so leichtsinnig, wenn es um ihre Gesundheit geht.“

Das Porzellan klirrt leise, als Misses Morse das Tablett auf dem Spieltisch vor dem Fenster abstellt. Sie richtet Rosalie einen Teller mit Brot und Hühnchen, gießt ihr ein Glas Weißwein ein. Rosalie setzt sich und kostet einen Schluck.

„Ein edler Tropfen“, stellt sie fest.

„Aus unserem Weinkeller“, erklärt Misses Morse, „der alte Lord war immer sehr eigen, was seine Weine betraf“, Rosalie horcht auf, „aber ich dachte, nach den schrecklichen Ereignissen der letzten Nacht, könnte ihnen ein kleine Aufmunterung nicht schaden.“

Die Köchin zwinkert Rosalie verschwörerisch zu.

„Danke, liebe Miss Morse. Würden sie sich zu mir setzen und mir Gesellschaft leisten? Ich denke, das Hühnchen reicht für zwei und der Wein ebenso.“

Misses Morse errötet verlegen und setzt sich ganz vorne auf die Stuhlkante. Rosalie reicht ihr einen Teller und schmunzelt.

„Und einen Schluck Wein?“

„Nein, Miss, danke. Lieber nicht.“

Rosalie bestreicht das warme duftende Brot mit Butter, die sofort zerläuft.

„Sie sind eine begnadete Köchin“, Rosalie saugt den Geruch ein, „ich erwäge ernsthaft sie abzuwerben. John, mein Butler, liegt mir seit Wochen in den Ohren endlich wieder eine festangestellte Köchin einzustellen.“

Misses Morse Augen leuchten auf und Rosalie weiß, dass sie ihren Trumpf an der richtigen Stelle ausgespielt hat. Tatsächlich spielt sie mit dem Gedanken die freundliche Frau in ihren Haushalt aufzunehmen.

„Wissen sie, ob die Weinkeller zu dem alten oder neuen Teil des Hauses gehören?“

„Sie wurden auf einem alten Teil des Hauses aufgebaut, soweit ich weiß“, Misses Morse belegt ihr Brot mit einem Stück Hühnchen, „aber Mister Smith kennt sich besser mit diesen Dingen aus, schon sein Vater und Großvater haben den de Clares gedient. Ich bin erst mit vierzehn als Küchenmädchen hergekommen.“

„Danke für den Hinweis“, Rosalie gießt sich etwas Wein nach, „aber sie haben meine Theorie schon bestätigt. Wissen sie zufällig, ob es so etwas wie Eiskeller oder Erdgewächshäuser gab?“

Misses Morse kaut bedächtig an ihrem Bissen. Dann nickt sie.

„Ja, ich erinnere mich. Ich muss etwa 16 gewesen sein, als ich in der Nähe des großen Turms in ein Loch stürzte. Es hatte die Form einer kleinen Vorratskammer. Es dauerte drei Stunden, bis man nach mir suchte und mich befreite.“

„Ich nehme an, dass das Loch danach zugeschüttet wurde?“

Misses Morse zuckt mit den Schultern.

„Tut mir leid, Miss Rosalie. Ich weiß es nicht. Ich war nur heilfroh, dass sie mich da rausholten.“

„Macht nichts. Mir wäre es vermutlich genauso gegangen.“

Rosalie lächelt verständnisvoll. Sie hat erfahren, was sie wissen will.

Ihr Vater ermöglichte es ihr Geschichte zu studieren. Ein Wissensgebiet, dass ihm mehr als alles andere am Herzen lag. Wann immer sich die Gelegenheit bot, besichtigte er mit Rosalie Herrenhäuser, Schlösser, Kirchen, Museen, Galerien und Bibliotheken. Ihr Vater erzählte ihr die Legenden über Uther Pendragon und König Artur, der ebenso ein Bastardkind war, wie er selbst. Er brachte ihr bei, wie man recherchierte, Karten las und welche Bedeutung Symbole und Zeichen hatten.

Rosalies erste Arbeit, in langen Stunden recherchiert, handelte von der Verfolgung katholischer Gemeinden unter Heinrich dem VIII. Sie wusste von den Plünderungen der Kirchenschätze, den Morden an einzelnen Priester und ganzen Ordensbruderschaften. Wer nicht auf Heinrichs Seite war, war gegen ihn. Allerdings gab es auch die andere Seite. Zufluchtsstätten, geheime Schatzkammern, Menschen, die ihr Leben für das Leben fremder Menschen aufs Spiel setzten und den Tod fanden.

„Ich glaube, ich sollte mich wieder in die Küche aufmachen“, reißt Misses Morse Rosalie aus ihren Erinnerungen. „Seine Lordschaft und Mister Douglas werden sich hungrig sein, wenn sie von ihrem Ausritt zurückkehren.“

Sie steht auf und räumt das Geschirr zusammen.

„Sie kennen seine Lordschaft seit seiner Kindheit?“

„Ja, Miss Rosalie“, die Köchin seufzt, „ein liebenswürdiger, fröhlicher Junge. Und so hübsch. Seit er den alten Lord beerbt hat und die Last dieses düsteren Hauses tragen muss, hat er sich sehr verändert. Leider nicht zum Vorteil, wenn ich diese Meinung äußern darf.“ Sie nimmt das Tablett auf. „Er ist ein musischer, künstlerisch begabter Mensch. Ich glaube nicht, dass Mister Gil für diese Art der Verantwortung geschaffen ist.“

„Da mögen sie durchaus Recht haben, Misses Morse“, stimmt Rosalie nachdenklich zu. – Ich sollte ein ernsthaftes Gespräch mit seiner Lordschaft führen. –

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Sie biegt ab, fährt auf die Autobahn auf und gibt Gas. Das Radio dudelt die neusten Hits. Die Sonne scheint, als ob Sonntag ist. Wie an einer Schnur gezogen fährt sie den Weg, ohne sich ein einziges Mal zu verfahren.

Das Haus liegt genauso still da. Wie damals. Sie steigt aus, wechselt auf die andere Straßenseite. – Ob er überhaupt zu Hause ist? Was tue ich eigentlich hier? Es war eine blöde Idee herzufahren. Ich kann mich nicht ungefragt in sein Leben drängeln. –
Sie schlägt den Weg zum Schloss ein. Wie damals. Sie setzt sich auf die Bank im Schatten der Platanen und schaut dem Spiel der Sonnenstrahlen auf dem gepflasterten Platz zu. Ihr Herz beruhigt sich langsam wieder. – Welcher Teufel hat mich da bloß geritten? Ich gehe noch einen Kaffee trinken, dann fahre ich wieder. –

Sie schlendert Richtung Innenstadt. Vor einem Buchladen bleibt sie stehen und schaut sich die Auslagen an. Ein Passant bleibt neben ihr stehen. Sie wirft einen kurzen Seitenblick auf ihn und zuckt zusammen. Er lächelt.

„Was machst du denn hier?“ fragt er.

„Bücher anschauen“, stottert sie.

Er lacht.

„So, so. Ist das alles?“

„Nein. Ich wollte noch einen Kaffee trinken.“

„Ohne deinen alten Freund zu besuchen?“

In seiner Stimme liegt leiser Spott. Sie schweigt verlegen. Er nimmt ihren Arm und zieht sie sanft hinter sich her.

„Na, komm, ich lade dich auf einen Kaffee ein.“

„Ok. Aber dann muss ich wieder los.“

Ihre Blicke treffen sich. Als er eine Augenbraue hochzieht und sagt: „Bist du sicher?“ Wird sie rot. Vor einem hübschen kleinen Café bleibt er stehen.

„Setz dich.“

Widerspruchslos lässt sie sich in einen Korbsessel gleiten. Er setzt sich ihr gegenüber und streckt seine langen Beine aus. Provozierend schaut er sie an.

„Gibt es in München nicht die Bücher, die du suchst?“

„Ach, hör auf. Du weißt, dass ich nicht wegen der Bücher gekommen bin.“

Um sich abzulenken, rührt sie in ihrem Kaffee. Seine prüfenden Blicke bohren sich in ihre Gedanken.

„Schau mich bitte nicht so an“, sie seufzt.

Er ignoriert ihre Bitte.

„Du hättest also nicht bei mir geklingelt?“

Sie schüttelt den Kopf.

„Nein, hätte ich nicht.“

Schweigend nippt er an seinem Kaffee und sieht sie mit seltsamem Ausdruck an.

„Warum?“, fragt er nach einer Weile.

„Warum sollte ich? Du hast mir nicht geantwortet“, erwidert sie schlicht.

„Warum?“, fragt er wieder.

„Weil ich das Unmögliche hoffte. Dich zu sehen.“ Sie trinkt einen Schluck. „Aber warum fragst du mich? Eigentlich weiß du es doch schon.“

„Ich will nur, dass du dir sicher bist“, sagt er. Wie damals.

 – Ob er das ironisch meint? Ich bin mir sicher, schon lange. Im Grunde von Anfang an. –

Der Rückweg verläuft still. Jeder hängt seinen eigenen Gedanken nach. Sie würde ihm gerne soviel sagen, aber sie hat Angst und schweigt. Vor dem Haus streckt sie ihm die Hand entgegen.

„Machs gut“, sagt sie leise.

Ein dicker Kloß schnürt ihr die Kehle zu. Er schüttelt den Kopf.

„Kommt gar nicht infrage! Der Weg ist viel zu weit. Du kannst hier schlafen und morgen fahren.“

„Nein, ich schaff das schon. Das macht mir nichts aus“, wehrt sie ab.

„Keine Widerrede.“

Er legt ihr eine Hand auf den Rücken und schiebt sie den Gartenweg entlang zum Haus.

„Nein.“

„Psst.“

Er legt einen Finger auf den Mund. Er führt sie ins Wohnzimmer. Legt eine CD auf.

„Bin gleich wieder da, ich hol uns schnell was zum Essen. Mach es dir bequem.“

Steif lässt sie sich auf dem Sofa vor dem kleinen Tisch nieder. – Ich dürfte nicht hier sein. Ich sollte gehen. – Sie will gerade zur Tür hinaus, da steht er mit einem Teller mit Pizza und einer Flasche Wein vor ihr.

„Nanu, du willst doch nicht flüchten.“

Er stellt die Sachen auf das Tischchen und lässt sich auf dem Boden nieder.

„Komm, hier wird nicht gekniffen.“

Er grinst spitzbübisch. Sie setzt sich neben ihn, und als er ihr ein Glas Rose hinschiebt, trinkt sie.

„Du musst was essen“, sagt er und beißt in ein Stück Pizza.

„Nein, ich bringe nichts runter.“

Als er fertig gegessen hat, erhebt sie sich.

„Ich sollte jetzt schlafen gehen, damit ich Morgen früh fahren kann.“

Der Wein verursacht einen angenehmen Schwindel.

„Danke. Wo geht’s noch mal ins Gästezimmer?“

„Ich zeig es dir.“

Er nimmt ihre Hand und führt sie über den Flur.

„Ich glaub, ich hab einen Schwips“, Sie kichert.

„Ja“, sagt er leise, „so wie damals.“

„Ja, aber damals hast du mich geküsst“, sie lacht.

Vor dem Bett bleibt er stehen und schaut auf sie herunter. Sein Blick trifft in ihr Herz.

„Und du bist noch genauso süß, wie damals“, seine Stimme ist rau.

Er nimmt ihr Gesicht in seine Hände und küsst sie. Nicht sanft, wie damals. Sondern Wild und leidenschaftlich. Er zieht sie eng an sich. Sie spürt seine suchenden Hände auf ihrem Körper.

„Ich will dich,“ flüstert er. „Ich habe solange gewartet.“

„Warum?“, sie schaut ihn erstaunt an.

„Weil ich Angst hatte.“

„Warum?“

„Weil ich mich auf der Stelle in dich verliebt habe und panische Angst vor einer weiteren Verletzung hatte.“

„Du wusstest, dass ich gehen musste. Aber ich wäre wiedergekommen.“

„Ich weiß.“

Und als er sie erneut küsst, überlässt sie sich seinen Zärtlichkeiten. Sie wird wiederkommen. Für immer.

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4. Manchmal hat die Liebe einen Preis.

„Manchmal hat die Liebe einen Preis.“
Schrieb ich oben auf das Blatt. Darüber sollte ich einen Aufsatz schreiben?! Super. Manchmal hat die Liebe ihren Preis. Wann hat sie keinen Preis? Irgendwas ist immer. Man verbiegt sich, um zu gefallen, macht sich kleiner als man ist, hält Dinge aus, die man sich unter anderen Umständen nie gefallen lassen würde und trotzdem liebt man, zahlt und zahlt.

Oder meinen die so eine Märchensache. Wenn du den Prinzen retten willst oder die Prinzessin, dann gibt`s du deinen Reichtum hin, deine Schönheit, deine Jugend und dann kriegst du sie oder ihn zurück. Im Märchen hat das ganze Bezahlen allerdings immer ein Happy End, die Opfernden kriegen den Preis zurück.

Als meine Mutter meinem Vater hinterher brüllte: „Ich habe dir die besten Jahre meines Lebens geopfert“, hat sie das sicher nicht gemeint. Sie sagt heute noch: Ich habe alles gegeben und was hatte ich davon? Und: Lass dir das eine Warnung sein! Mach nicht denselben Fehler wie ich.

Was meint sie damit? Dass ich nicht lieben oder dass ich keinen Mann, wie meinen Vater lieben soll? Ach, was weiß ich. Manchmal hat Liebe einen Preis – Liebe. Einfach nur wieder lieben. Das Herz öffnen und lieben. Es ist eine Gabe, kein Preis. Ich habe einen interessanten Satz gehört: Du kannst kein Preisschild an die Liebe hängen. Das stimmt! Doch hängen sie überall. Ich gebe dir Geld, Geschenke, Auto, Wohnung usw. und dafür bekomme ich Aufmerksamkeit, Sex, Gesellschaft von dir.

Ich erinnere mich an einen Kommentar meiner Mutter über meinen neuen Freund: „Wieder ein Mann ohne Geld.“ Er nagt nicht am Hungertuch, aber Millionär ist er nicht. Allerdings hat er ein großes Herz, eine unerschütterliche Ruhe, ist Hilfsbreit und liebt mich, so wie ich bin. Wenn er ein dickes Bankkonto hätte, könnte er mich nicht mehr lieben. Also was soll das Gerede vom Preis? Die anderen können ihre Preisschilder tragen, meins liegt schon lange im Papierkorb.

(Nach der ersten, irgendwie ernsten Betrachtung, brauchte ich eine) Zweite Version:

„Manchmal hat die Liebe einen Preis“, sagte ich leichthin und stellte ihm den bestellten Rotwein auf den Tresen.

Er sah auf mich herunter und lächelte.

„Und welchen Preis hat ihre Liebe?“, seine dunkle Stimme traf mich bis in den Bauch.

Ich errötete und schlug die Augen nieder. Warum fragte er mich das?

„Auf so privaten Fragen antworte ich nicht“, erwiderte ich.

„Und was muss ich tun, um eine Antwort zu bekommen?“

Er griff in die Innentasche seines teuren Jacketts, zog einen Geldschein heraus und schob ihn mir zu. Fünfzig Euro. Die Antwort schien ihm wichtig zu sein, aber mich konnte er nicht kaufen. Ich schob den Schein zurück. Bevor ich meine Hand wegziehen konnte, hielt er mein Handgelenk sanft fest. Erstaunt sah ich auf.

„Was muss ich tun?“, wiederholte er seine Frage eindringlich.

Mein Widerstand schien ihn zu reizen. Das passierte ihm scheinbar nicht oft. Er sah sehr gut aus. Vermutlich würden ihn viele Frauen als schön bezeichnen, obwohl da diese kleine Narbe über der Augenbraue war. Und Frauen, die einen zusätzlichen Anreiz brauchten, wurden wohl von seiner Großzügigkeit beeindruckt.

„Mir ihren Namen sagen, wäre ein Anfang.“

Er ließ mein Handgelenk los. Den fünfzig Euroschein ließ er neben seinem Glas liegen.

„Ray Givens.“

Er streckte mir die Hand entgegen.

„Lassen sie nie locker?“, ich konnte mir das Schmunzeln nicht verkneifen und legte meine Hand in seine, „Lea Winter.“

„Stimmt, Lea“, auf seinen vollen Lippen lag ein herausforderndes Lächeln, das ihn noch anziehender machte „ich akzeptiere kein Nein.“

Er schob mir den Geldschein erneut zur.

„Dann haben sie ein Problem“, der Schein wanderte wieder zurück, „sie können mich nicht kaufen.“

Diesmal steckte er den Schein zurück in die Jackettasche.

„Um auf die Ursprungsfrage zurückzukommen. Was ist ihr Preis?“

„Den werden sie nicht bezahlen wollen.“

Diesmal war ich es, die ihn herausforderte.

„Wieso sind sie sich da so sicher?“

„Weil sie das mit Geld nicht kaufen können.“

5. Ich bin nicht 100 % sicher, dass er es ist, aber verdammt noch mal, ich hoffe es!

„Ich bin nicht 100% sicher, dass er es ist, aber verdammt noch mal, ich hoffe es!“

Sander starrte seit einer geschlagenen halben Stunde durch das Fernglas.

„Das hast du schon drei Mal gesagt! Und du nervst total!“, zischte ich.

„Was ist denn los mit dir?“

„Wir sitzen seit beinahe drei Tagen in diesem Auto, dass sich immer mehr in einen Mülltransporter verwandelt und dieser Typ da!“, ich deutete auf den verhuschten älteren Herrn in sandfarbenem Mantel und Hütchen, „ist der dritte Mann, den du für „IHN“ hältst.“

Sander machte ein Gesicht, als hätte ich ihm einen Eimer Dreckwasser in den Kragen geschüttet.

„Also“, ich versuchte meine Gefühlsaufwallung zu mildern, „du bist mein bester Freund und ich tue alles für dich, aber diese Observierung ist eine Katastrophe. Ich muss hier raus, sonst gehe ich gleich in Flammen auf.“

Je mehr ich sagte, desto düsterer wurde Sanders Gesichtsausdruck. Ich schnappte meinen Rucksack und stieg aus.

„Hey, du kannst doch jetzt nicht einfach abhauen?“, rief er hinter mir her.

„Und wer hindert mich daran?“, ich beugte mich zum Beifahrerfenster hinunter, „ich bin frei zu gehen, wohin es mir beliebt.“

Sander machte Anstalten auszusteigen. Ich drehte mich um und rannte die Straße hinunter, bog um die nächste Ecke und rannte auf die U-Bahn zu. Sollte Sander mich einholen, würde das nicht gut ausgehen.

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Ich betrete die Bar. Freitagabend. Überall Leute in Gruppen mit Biergläsern, Wein und Cocktails. Auf einer winzigen Bühne drängt sich eine Band. Der Sänger sieht aus, wie eine Kopie von Freddy Mercury.

Heute ist der Abend! Chris hat mich zu einem Date eingeladen. Nachdem wir ein halbes Jahr die Zimmer in einer WG teilen, ist es endlich geschehen. Ich sehe mich nach ihm um. In meinem Bauch kribbelt es. Da! Er sitzt am Tresen. Nicht allein. Tränen würgen sich die Tränenkanäle empor. Die Frage: Gehst du heute Abend mit mir auf ein Bier, sollte also keine Einladung zu einem Date sein. Ich habe den falschen Text zwischen den Zeilen gelesen.

Sie ist blond, wie ich, aber mindestens zehn Zentimeter größer, dank High Heels. Ihr Busen ist kurz davor das Dekolleté zu sprengen. Die ganze Zeit zupft sie an Chris Hemdkragen herum und macht einen Schmollmund. Meine Eifersucht bereitet mir Übelkeit. Ich will den Rückzug antreten, als Chris mich entdeckt. Er lächelt siegessicher und zwinkert mir verschwörerisch zu, macht diese alberne „Daumen-hoch-Geste“.

Wer bin ich? Sein Saufkumpan? Die heulen allerdings nicht, wenn ihr Bro eine geile Schnitte aufreißt. Die klatschen ab. „Hey geil Alter, leg die Tussi flach. Besorg`s ihr ordentlich.“

Chris Gesichtsausdruck wird ernst, als er Tränen über meine Wangen laufen sieht. Mist, auch das noch! Es hört einfach nicht auf. Chris steht auf und befreit sich von der Tussi. Er kommt her! Ich dreh mich um, drängele mich energisch durch die Menge nach draußen und renne los.

Verdammt! Verdammt! Warum kann er mich nicht lieben? Mich so begierig ansehen? Will ich das überhaupt? Das Anschauen ja, aber auf High Heels herumstöckeln und mit dem Hintern wackeln? Den Busen bis zum Hals hochgepuscht und einen Rock tragen, der die Breite eines Gürtels hat?

Nein. Ich will ich sein. Ohne aufgesetzten Schmollmund und künstliche Nägel. Das passende Gesicht zum Gefühl. Ich will Jeans und T-Shirts tragen, aber ich will auch, dass Chris mich mit diesem „Ich-will-dich-ich-krieg-dich“ Blick ansieht.

Ich bleibe stehen. Muss Atem schöpfen. Meine Lunge brennt und die Seite sticht. Die Tränen haben eine nasse Spur auf meinem Gesicht hinterlassen. Ich wische sie mit dem Ärmel der neuen Chiffonbluse ab. Meine langen Haare, die ich extra offen trage, sind völlig zerzaust.

„Männer sind Augenmenschen“, sagte der Ratgeber. Ich wollte es zumindest versuchen und einen anerkennenden Blick von Chris erhaschen. Aber wenn er auf solche Frauen steht, kann ich nicht mithalten. Weder körperlich, Modelmaße hatte ich noch nie, noch geistig. Ich bin nicht bereit mich auf den Intellekt eines Toastbrots herunter zu lassen.

Ich bin im Park gelandet, an meinem Lieblingsplatz. Die große Fontäne des barocken Musenbrunnens ist nachts ausgestellt. Die Stadt spart. Es fängt an zu nieseln. Na toll, das auch noch. Ich mache mich auf den Heimweg. Hoffentlich ist Chris wieder in die Bar gegangen. Auf Diskussionen habe ich heute Abend keine Lust, auch wenn Chris sie spätestens morgen früh nachholt. Bis dahin habe ich mir was zu recht gelegt.

In unserer Wohnung ist alles dunkel. Ich atme auf. Trotzdem ziehe ich die Schuhe aus und schleiche die Treppe im Dunkeln hinauf. Ich halte die Luft an, als die vorletzte Stufe vor unserer Wohnungstür vernehmlich knarzt. Ich lausche. Nichts zu hören. Ganz vorsichtig öffne ich die Tür auf und schließe sie wieder. Ohne das Licht einzuschalten und auf Zehenspitzen begebe ich mich zum Badezimmer. Ich bin nass bis auf die Haut und muss mich abtrocknen.

„Was sollte das vorhin?!“, donnert eine Stimme hinter mir.

Licht flammt auf und blendet mich.

„Was geht dich das an?“, sage ich trotzig.

„Würdest du mich bitte ansehen, wenn ich mit dir rede?“

Ich höre Chris näherkommen und drehe mich um. Ich sehe nicht nur wie ein begossener Pudel aus, ich fühle mich auch so. Wieder drängen Tränen hoch und lassen sich nicht unterdrücken. Ich hasse es, so hilflos vor ihm zu stehen.

„Warum weinst du?“, fragt er sanft.

„Tu ich nicht!“

Ich wische die Tränen mit dem Handrücken weg.

„Doch tust du.“

Er kommt noch näher. Wir sind nur noch eine Armlänge voneinander entfernt.

„Seit wann interessierst du dich für mein Seelenheil“, zische ich angriffslustig.

Ich versuche mich zwischen Chris und der Wand vorbei zuschieben und in mein Zimmer zu kommen. Er verstellt mir den Weg.

„Wenn du keine Antwort gibst, kann ich dich nicht gehen lassen.“

Es klingt spöttisch und macht mich wütend. Ich versuche Chris wegzuschieben, aber er ist wie ein Fels, weicht keinen Zentimeter, drängt mich mit seinem ganzen Körper gegen die Wand. Mir ist plötzlich schwindelig.

„Warum kannst du mich nicht lieben?!“, platze ich heraus.

Chris zieht fragend die Augenbrauen hoch, ich drücke ihn energisch zur Seite. Er lässt mich gehen. Nur noch einen Schritt und ich bin in meinem Zimmer, als Chris mich am Oberarm packt, zu sich herum reißt und mich küsst, als wären wir gerade dem Tod von der Schippe gesprungen. Meine Knie geben nach. Chris hält mich, fest an sich gedrückt. Er hebt den Kopf und sieht mich an.

„Ist das Antwort genug?“

Ein „Ich-will-dich-jetzt-sofort!“ Kuss lässt mich jede sinnvolle Antwort vergessen. Warum reden, wenn man lieben kann?

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Ich wähle Sams Nummer. Das Freizeichen ist zu hören, hastig lege ich auf. Ich sollte Sam nicht anrufen. Es ist schon spät. Ich habe es mir mit einem Buch und einem Glas Wein im Bett gemütlich gemacht. Gerry ist mal wieder unterwegs, Tagung. Ich seufze und lege das Handy auf den Nachttisch. Ich würde so gerne mit Sam reden. Ich liebe seine Stimme. Wenn er mir Komplimente macht fühle ich mich gut, ein Gefühl, das ich in der letzten Zeit selten habe. Sam ist der Einzige, der sich wirklich für mich interessiert. Ich schlage mein Buch auf. Lese die ersten Zeilen. Es geht mir wie Roger Cicero, ich höre was du sagst, verstehe aber nicht was du meinst. Das Klingeln des Telefons schreckt mich auf. Auf dem Display steht: Sam. Ich nehme das Gespräch an.

Lea: „Hallo Sam, wie geht’s dir?“

Sam: „Das Display hat deine Nummer gezeigt. Du kannst wohl nicht genug von mir bekommen?“

In Sams Stimme höre ich leisen Spott. Wenn er wüsste, wie recht er hat. Was dann?

Lea: „Wenn du das sagst.“

Ich höre Sams samtiges Lachen am anderen Ende des Telefons.

Sam: „Würdest du mich sonst anrufen?“

Lea: „Das weißt du genau. Du triffst den ganzen Tag aufregende Leute, während ich in meinem stillen Kämmerlein vor Einsamkeit eingehe.“

Ich hasse es zu jammern, aber leider stimmt es. Während ich allein hinter meinem Schreibtisch sitze und mir die richtigen Sätze abringe, trifft Sam seine Schauspielkollegen, geht zu Premieren und Galas. Ein Drehbuch-Schrägstrich-Romanschreiber hat einen einsamen Job. Er steht im Allgemeinen nicht im Rampenlicht.

Sam: „Leider habe ich heute noch keine Frau getroffen, die so schön und smart ist wie du.“

Immer wenn Sam solche Dinge sagt, schlägt mein Herz schneller.

Lea: „Danke für das nette Kompliment. – Möchtest du denn, dass ich genug von dir habe?“
Bitte Sam sag nicht ja.

Sam: „Ich hoffe nicht, dass es jemals dazu kommt. Ich werde deiner niemals müde. Zumindest hoffe ich das nicht. Ich würde dir gerne so viel sagen, aber du möchtest es ja nicht hören.“

Ach Sam, wenn ich dir sagen dürfte, was ich fühle. Jedes zärtliche Wort von dir ist eine Narbe auf meiner Seele.

Lea: „Ich weiß. Möchtest du, dass wir nicht mehr telefonieren?“

Bitte Sam sag nicht ja.

Sam: „Willst du das denn?“

Nein. Ich will etwas ganz anderes und du willst es auch, du hast es mehr als einmal angedeutet. Deswegen muss ich einsichtig sein.

Lea: „Ich mag dich.“

Sam: „Das ist keine Antwort auf meine Frage.“

Lea: „Es wäre schade, wenn wir nicht mehr telefonieren. Ich mag unsere Gespräche, mehr als alles andere. Aber ich möchte nicht der Grund sein, weswegen du dich schlecht fühlst.“

Sam: „Ich freue mich immer von dir zu hören. Auch wenn es vielleicht verrückt ist.“

Lea: „Ich freu mich auch von dir zu hören. Wenn man sich sympathisch ist, möchte man wissen, wie es dem anderen geht.“

Seit wann bin ich ein Heuchler? Weißt du nicht, dass ich dich liebe Sam, auch wenn ich versuche dich auf Distanz zu halten.

Sam: „Ich weiß nicht, was ich will. Du verstehst, wie ich das meine?“

Lea: „Ja. Mir geht’s genauso.“

Wenn ich vernünftig wäre, würde ich den Kontakt zu Sam meiden, wie der Teufel das Weihwasser. Aber ich bin nicht vernünftig. Ich brauche Sams Nähe.

Sam: „Ich denke zu viel an dich. Mehr als ich sollte.“

Und ich erst. Ich kann kaum einen klaren Gedanken fassen. Ich träume sogar von ihm. Wenn Gerry das wüsste, säße ich auf der Straße.

Lea: „Ich denke auch an dich. – Wollen wir nicht mehr telefonieren? Oder soll ich darauf warten, bis du Lust hast mich anzurufen.“

Sam: „Ist es das, was du willst?“

Glaubst du das wirklich Sam oder willst du mich nur aus der Reserve locken?

Lea: „Nein. Ich will mit dir reden, wenn ich Lust dazu habe. Ich brauche die Gespräche mit dir. Aber ich kann das nicht entscheiden. Wenn du dich dabei nicht gut fühlst – was soll ich sagen?“

Wenn ich nicht mehr mit Sam sprechen kann, sterbe ich.

Sam: „Ich will wissen, was du fühlst. Meine Gefühle kennst du.“

Du hast es mir gesagt und mir geht es genauso. Himmel, Sam. Ich denke, du weiß es längst.

Lea: „Ich darf dir nicht sagen, was ich fühle. Sonst mach ich es noch schlimmer. Aber ich kenne solche Gefühle nur zu gut.“

Sam: „Warst du mal hoffnungslos verliebt in jemand?“

Lea: „Ja sehr. Eine aussichtslose Sache … ist ungefähr 9 Jahre her. Es ist immer schwierig, Gefühle lassen sich nicht einfach abstellen.“

Aber die Sache mit Sam ist noch aussichtsloser. Und meine Gefühle für Sam machen mich langsam fertig. Ich kann an nichts anderes denken.

Sam: „Du hast recht. Ich kann meine Gefühle für dich auch nicht unterdrücken.“

Mein Herz macht einen Satz vor Glück, aber ich muss endlich das Thema wechseln, sonst sage ich Sam Dinge, die ich nicht sagen darf.

Lea: „Ich renoviere gerade das leere Zimmer – endlich bekomme ich mein eigenes Schreibzimmer.“

Sam: „Ich freue mich für dich.“

Lea: „Danke. Ende der Woche gibt`s das neue Buch. Am Samstag bin ich zu einer Lesung eingeladen. Ich habe schon Lampenfieber.“

Und ich wünschte, du wärst da und würdest mir zu hören. Ich habe es für dich geschrieben.

Sam: „Das musst du nicht. Du kriegst das hin.“

Du bist der einzige, der an mich glaubt. Gerry hält mein Schreiben für eine Möglichkeit meine Zeit totzuschlagen.

Lea: „Danke – ich denke immer, ich bin nicht gut genug… aber das denken wohl alle Künstler.“

Sam: „Du bist gut genug, glaub mir.“

Lea: „Danke. Es bedeutet mir viel, dass du das von mir denkst.“

Wenn du wüsstest wie viel es mir bedeutet, würdest du dich wundern.

Sam: „Du weißt, dass ich deine Arbeit schätze. Du bist die perfekte Frau für mich.“

Stimmt, das bin ich und du bist perfekt für mich. Leider habe ich Gerry vor dir getroffen und du warst auch vergeben. Wie bist du nur an Charlotte gekommen? Das werde ich nie verstehen. Vermutlich verstehst du auch nicht, wie ich an Gerry hängen bleiben konnte. Ich weiß es auch nicht mehr.

Lea: „Sag das nicht. Ich bin manchmal ein bisschen verrückt, da kommt die Künstlerseele in mir durch.“

Bilde ich mir jedenfalls ein.

Sam: „Das gefällt mir. Normal kann jeder.“

Lea: „Wirklich? Eine Frau, die dauernd irgendwelche Zettel vollschreibt und in Gedanken in anderen Welten schwebt?“

Sam: „Nur zu gerne. Wenn du mich daran teilhaben lässt.“

Du hast daran teil, aber du weißt es nicht. Meine wunderbare Muse.

Lea: „Das Buch heißt übrigens „Der Fluch der Seraphen“.“

Sam: „Schöner Titel.“

Wenn du es lesen würdest wüsstest du, dass du es bist, der meine Hauptfigur Serafine bezaubert.

Lea: „Eine Liebesgeschichte mit Fantasyelementen .“

Sam: „Fantasy ist gut.“

Lea: „Aus dem Buch lese ich am Wochenende.“

Sam: „Ich würde gerne kommen und dir zuhören.“

Das wäre so toll!

Lea: „Es wäre schön dich zu sehen.“

Und wie!

Sam: „Du solltest eine Liebesgeschichte nur für mich schreiben.“

Das tue ich, seit ich dich kenne. Aber diesmal würdest du genau wissen, dass du es bist, der mich inspiriert. Ich habe sogar einen Teil deines Namens verwendet.

Lea: „Es wäre leicht für mich eine Liebesgeschichte nur für dich zu schreiben und dir den Kopf zu verdrehen.“

In meinen Tagträumen habe ich tausende Liebesgeschichten mit dir erlebt.

Sam: „Das gefällt mir. Du bist. – Was soll ich sagen?“

Lea: „Nett?“

Sam: „Ein zu kleines Wort für das, was ich für dich empfinde, denkst du nicht?“

Oh Gott Sam, ich liebe dich.

Lea: „Ach Sam. Ich wünschte, ich könnte dir mehr sagen. Aber ich darf nicht.“

Es klingelt. Das kann unmöglich Gerry sein, der ist heute erst zu seiner Tagung gefahren.

Lea: „Tut mir leid Sam, ich muss Schluss machen, es hat geklingelt.“

Sam: „Ok meine Süße, bis dann.“

Lea: „Du bist lieb Sam. Bis bald.“

Ich lege auf, schäle mich aus meiner Zudecke und gehe zur Tür. Vorsichtig öffne ich.

„Sam!?“, flüstere ich, „wo kommst du her?“

Er lächelt sein umwerfendes Lächeln und mein Herz flattert nervös hin und her.

„Rate.“

„Von Dreharbeiten?“

Sam geht an mir vorbei. Ich schließe die Tür und folge ihm ins Wohnzimmer.

„Nicht ganz, aber nah dran.“

„Du dürftest nicht hier sein.“

So sehr ich das auch will.

„Wieso nicht? Gerry ist bei einer Tagung und Charlotte ist mal wieder auf Wellness“, Sam dreht sich zu mir um, „wir beide sind übrig geblieben.“

Sam lässt seinen Blick an mir herunter gleiten. Eine Hitzewelle strömt durch meinen Bauch, zieht sich meinen Rücken hinauf und lässt meine Wangen glühen. Mir wird plötzlich bewusst, dass ich nur in Pyjamahose und Shirt da stehe.

„Tut mir leid, dass ich nicht landfein bin.“

Sam grinst. Sein interessierter Blick bleibt auf meinem Busen haften. Nippelalarm. Ich schlage die Arme übereinander.

„Das ist mir gar nicht aufgefallen. Meinetwegen musst du dieses ausgebeulte Etwas nicht tragen.“

Tausend Gedanken gehen mir durch den Kopf. Ich bringe kein Wort heraus. Sams Gegenwart wirkt paralysierend auf mich. Ich kann seiner Ausstrahlung nicht widerstehen. Ich bin auch nicht sicher, dass ich das will. Wenn er mich so anschaut, tanzen meine Hormone Samba und das liegt nicht nur daran, dass Gerry mich seit Wochen nicht mehr angefasst hat. Ich bin beinahe dankbar dafür. Der Gedanke er würde es tun, lässt mir einen kalten Schauer über den Rücken rinnen.

„Du sagst ja gar nichts. Heute keine schlagfertige Antwort parat?“

Ich schüttele den Kopf.

„Warum bist du hier?“

„Das weißt du doch.“ Sam macht einen Schritt auf mich zu. „Ich will mir meine Liebesgeschichte abholen.“

Er lässt seine Fingerspitzen über meine Wange gleiten.

„So schnell kann ich dir keine Geschichte schreiben. Ein paar Stunden dauert das schon.“

„Das musst du nicht. Ich hole mir die Geschichte, die du fertig geschrieben hast.“

Fragend ziehe ich eine Augenbraue hoch.

„Wie meinst du das?“

Sam lächelt und beugt sich zu mir herunter. Das Funkeln seiner grünen Augen bohrt sich in meine. Seine Lippen gleiten über meine Wangen. Ich schließe die Augen. Mein Verstand sagt mir, ich sollte die Situation sofort beenden, aber ich kann nicht. Alles was ich will ist, dass Sam mich küsst.

„Ich habe dein neues Buch schon gelesen“, flüstert er mir ins Ohr.

„Wie?“

„Ich habe meine Kontakte.“

„Und?“

„Das sind wir beide, in deiner Geschichte“, Sams Lippen berühren meinen Mundwinkel, „habe ich recht?“

„Ja“, hauche ich.

Sams Mund gleitet auf meine Lippen. Seine Hände legen sich auf meine Hüften, ziehen mich dich an sich heran. Ich schmiege mich eng an ihn. Gegen Sam bin ich klein. Mein Kopf lehnt an seiner Brust. Ich kann seinen Herzschlag hören. Seine Wärme fließt in mich hinein. Sam legt seine gepflegte Hand unter mein Kinn und hebt mein Gesicht zu sich empor. Oh meine Gott, es ist so viel besser, als ich es mir je erdacht habe.

„Ich will dich Lea. Und ich weiß, du willst mich genauso. Ist es nicht so?“

Er fragt mich, um eine Antwort von mir zu bekommen, aber in seinem Blick ist keine Frage. Sam weiß, dass ich ihn will. Mein Körper verrät mich. Ich nicke nur leicht. Sam küsst mich so intensiv, dass mir schwindelig wird. Als er den Kopf hebt, schlage ich die Augen auf.

„Ich nehme mir, was mir gehört. Egal welche Konsequenzen das hat. Ich kann nicht mehr ohne dich sein. Ich brauche dich. Deine Stimme, dein Lachen, deinen Körper“, Sam küsst meinen Hals, während sich seine Hand unter meine Shirt schiebt, „und deine Verrücktheiten. Du gehörst mir und zu mir! Ich werde dich lieben, bis du es nicht mehr aushalten kannst.“

„Vielleicht vertrage ich mehr, als du denkst.“

Sam lächelt.

„Davon bin ich überzeugt.“

Mit Schwung hebt er mich hoch und trägt mich ins Schlafzimmer.

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Diese beiden Textskizzen sind sechs Jahre alt. Beim Durchsehen „alter“ Ordner sind sie mir in die Hände gefallen, nebst Anfang einer „Frankfurter Geschichte“ in der es um: Bücher, Schreibkurse, Schreiben usw geht. Ich finde die Fragmente witzig und hoffe, sie bringen euch auch zum Schmunzeln.

Wütend sprang sie auf. Das sollte wohl ein Witz sein! Aber ein ganz schlechter! Was nützte die ganze Schreiberei, das Korrigieren, Kopieren und Einschicken, wenn die Manuskripte immer wieder zurückkamen. Und jetzt der ultimative Schlag! Arnes Text war bei einem Verlag angenommen worden. Dieses unausgegorene Geschreibsel ohne Anfang, Ende und jeglichem tieferen Sinn. Am liebsten hätte sie den Laptop aus dem Fenster gekickt, dem Idioten direkt auf den Kopf.

Er rief sie brühwarm an und brüstete sich damit, dass er mal eben schnell was zusammen geschustert hätte und der Verlag sofort darauf angesprungen wäre.

Na, toll! Sie griff sich die Flasche Weißwein, die ihr Herr Winter geschenkt hatte, und entfernte den Korken. Es war an der Zeit sich die Kante zu geben. Das erste Glas trank sie auf Ex und spürte sofort die belebende Wirkung. Sie musste Kichern und goss sich das Glas wieder voll.

„Nicht wahr Romeo, das ist wenigstens mal ein echter Anlass sich zu betrinken“, nuschelte Julie ihrem Kater zu und kicherte wieder. „Wenn nicht jetzt, wann dann? Oder weißt du einen besseren Grund? Man reißt sich ein Bein aus, um was Anständiges zustande zu bringen und dann das!“

Sie trank.

„Verdammt, verdammt, verdammt!“

Julie begann zu weinen, das durfte alles nicht wahr sein. Vielleicht träumt sie nur und wenn sie sich genug anstrengte wachte sie auf und alles war wie vorher. Leider war sie nicht so betrunken, dass ihr diese Möglichkeit als wahr erschien. Es klingelte. Marc stand vor der Tür und sah sie erschrocken an.

„Julie was ist los?“

„Der blöde Arne wird einen Text bei einem Verlag veröffentlichen“, schluchzte sie und wollte sich das Glas erneut füllen.

„Halt mehr gibt’s nicht!“ Marc nahm ihr die Flasche aus der Hand. „Ich glaube dir, dass dich das frustriert, aber deswegen musst du dich nicht gleich besaufen.“

Trotzig sah sie Marc an.

„Ich besauf mich so oft ich will.“

Dann fing sie wieder an zu heulen und warf sich in seine starken Arme.

„Ich bin ein Niete.“

„Nein bist du nicht.“

„Bin ich doch!“

„Nein. Du bist zu. Voll wie eine Haubitze.“

Marc bugsierte sie ins Schlafzimmer.

„Aber Marc, was willst du denn im Schlafzimmer.“

Julie kicherte und weinte gleichzeitig.

„Ich nichts, leider. Aber du gehst jetzt ins Bett.“

Marc hievte sie aufs Bett.

„Warum bist du eigentlich vorbei gekommen?“

„Das hat Zeit bis morgen. Schlaf erst deinen Rausch aus.“

„Küsst du mich?“

Julie schlang die Arme um seinen Hals und spitzte die Lippen.

„Nur wenn du nüchtern bist.“

„Spielverderber“, schmollte Julie.

„So bin ich eben.“

Marc deckte sie zu. Julie schlief sofort ein. Er lächelte. Sie sah so ernsthaft aus, aber in ihr steckte auch eine kleine Chaosqueen. Marc beugte sich zu ihr herunter, küsste sie auf die Stirn und dachte, dass es sich sicher lohnen würde die Chaosqueen aus ihr heraus zu kitzeln.

*

„Hallo meine Liebe“, säuselte Arne ölig.

Julie verdrehte die Augen. Was wollte der blöde Schleimer von ihr? Reichte es nicht, dass er jedem erzählte, ob er es hören wollte oder nicht, dass er jetzt einen Verlag gefunden hatte.

„Ich habe mit dem Verleger über dich gesprochen.“

Es klang so gönnerhaft, dass Julie übel wurde.

„Und wer hat dir das erlaubt?“, knurrte sie und hätte ihm am liebsten auf der Stelle den Hals umgedreht. Aber vielleicht sollte ich ihm in einer einsamen Gasse bei Nacht auflauern, schoss es ihr durch den Kopf, auf Mord gibt’s Lebenslänglich, auch wenn ich der Menschheit bestimmt einen Dienst erweise.

„Ich habe es mir selbst erlaubt.“ Arne blähte die Nüstern auf. Es fehlte nur das Wiehern. Blöder Gaul. „Ich als Jungautor habe mir gedacht, ich sollte den weniger Begünstigten unter die Arme greifen. Deine Texte sind ja nicht schlecht. Ich hab ihm eine deiner Kurzgeschichten gemailt.“

„Was?!“, schrie Julie und ballte die Fäuste. Sollte sie zu erst auf seine Nase oder auf sein Auge schlagen? Bevor sie ihrer Wut freien Lauf lassen konnte, hatte ihre Freundin Anna sie weggezogen und redete beruhigend auf sie ein.

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Lea biegt ab, fährt auf die Autobahn auf und gibt Gas. Das Radio dudelt die neusten Hits. Wie an einer Schnurr gezogen fährt sie den Weg, ohne sich ein einziges Mal zu verfahren.

Das Haus liegt still da. Wie damals. Lea steigt aus, wechselt auf die andere Straßenseite.

– Ob er zu Hause ist? – Was tue ich eigentlich hier? Es war eine blöde Idee hier her zu fahren. Ich kann mich nicht ungefragt in sein Leben drängen. –

Lea wendet sich ab und schlägt den Weg zum Schloss ein. Wie damals. Sie setzt sich auf die Bank im Schatten der Platanen und schaut dem Spiel der Sonnenstrahlen auf dem gepflasterten Platz zu. Ihr Herz beruhigt sich langsam.

– Welcher Teufel hat mich bloß geritten? Ich gehe noch einen Kaffee trinken, dann fahre ich wieder. –

Lea geht Richtung Innenstadt. Vor einem Buchladen hält sie inne und schaut sich die Auslagen an. Ein Passant bleibt neben ihr stehen. Sie wirft einen kurzen Seitenblick auf ihn und zuckt zusammen. Nic. Er lächelt. Seine dunklen Augen rufen Erinnerungen und Gefühle wach.

„Was machst du hier?“ fragt er.

„Bücher anschauen“, stottert sie.

Nic lacht, legt ihr freundschaftlich den Arm um die Schulter.

„So, so. Ist das alles?“

„Nein. Ich wollte noch einen Kaffee trinken.“

„Ohne deinen alten Freund zu besuchen?“

In seiner Stimme liegt leiser Spott. Lea schweigt verlegen. Er nimmt ihren Arm und zieht sie sanft hinter sich her.

„Na komm. Ich lade dich auf einen Kaffee ein.“

„Ok. Aber dann muss ich wieder los.“

Ihre Blicke treffen sich. Als Nic eine Augenbraue hochzieht und sagt: „Bist du sicher?“ Wird sie rot.

Vor einem hübschen kleinen Cafe bleibt er stehen.

„Setz dich.“

Widerspruchslos lässt sich Lea in einen Korbsessel gleiten. Er setzt sich ihr gegenüber und streckt seine langen Beine aus. Provozierend schaut er sie an. Ihr Herz macht einen Satz. Nic hat nichts von der Faszination eingebüßt, die er damals auf sie aus übte.

„Gibt es in München nicht die Bücher die du suchst?“ „Ach hör auf. Du weißt, dass ich nicht wegen der

Bücher gekommen bin.“

Um sich abzulenken rührt sie in ihrem Kaffee. Seine prüfenden Blicke bohren sich in ihre Gedanken.

„Schau mich bitte nicht so an“, Lea seufzt.

Nic ignoriert ihre Bitte.

„Du hättest also nicht bei mir geklingelt?“

Lea schüttelt den Kopf.

„Nein, hätte ich nicht.“

Schweigend nippt er an seinem Kaffee und sieht sie mit seltsamem Ausdruck an.

„Warum?“, fragt er nach einer Weile.

„Warum sollte ich? Du hast mir nie geantwortet“, erwidert sie schlicht.

„Warum?“, fragt er wieder.

„Weil ich das Unmögliche hoffte. Dich zu sehen.“ Lea trinkt einen Schluck. „Im Übrigen, weiß ich nicht warum du mich fragst. Du weiß es doch sowieso.“

„Ich will nur, dass du dir sicher bist“, sagt er.

Lea ist sich nicht sicher, ob das ironisch gemeint ist. Wie damals.

– Ich bin mir sicher. Im Grunde von Anfang an. –

Der Rückweg verläuft still. Jeder hängt seinen Gedanken nach. Lea würde Nic gerne so viel sagen, sie schweigt aus Angst, es kommt falsch an. Vor seinem Haus streckt sie Nic die Hand entgegen.

„Mach`s gut“, sagt sie leise.

Ihre Kehle ist wie zugeschnürt. Sie versucht die Tränen zu unterdrücken.

„Kommt nicht in Frage! Der Weg ist viel zu weit. Du schläfst hier und fährst morgen“, sagt er energisch.

„Ich schaff das schon. Das macht mir nichts aus“, wehrt Lea ab.

„Keine Widerrede.“ Nic legt ihr die Hand auf den Rücken und schiebt sie den Gartenweg entlang zum Haus.

„Nein,… .“

„Psst“, Nic legt einen Finger auf den Mund, „gegen mich hast du keine Chance.“

Er führt sie ins Wohnzimmer. Legt eine CD auf.

„Ich komme gleich wieder. Ich hol uns schnell was zum Essen. Mach es dir bequem.“

Steif lässt sie sich auf dem Sofa nieder.

Ich dürfte nicht hier sein. – Panik steigt in ihr auf. – Ich muss weg. –

Sie will gehen, da steht Nic mit einem Teller Pizza, Gläsern und einer Flasche Wein vor ihr.

„Nanu, du willst doch nicht flüchten.“ Er stellt die Sachen auf das Tischchen vor dem Sofa und lässt sich auf dem Boden nieder. „Hier wird nicht gekniffen.“

Nic grinst spitzbübisch. Lea lässt sich neben ihm nieder, als er ihr das Glas Rose hinschiebt, trinkt sie.

„Du musst was essen“, sagt er und beißt in die Pizza.

„Nein, ich bringe nichts runter.“

Lea schaut Nic beim Essen zu. Als er fertig ist, erhebt sie sich.

„Ich glaub ich sollte schlafen gehen, damit ich morgen früh fahren kann.“

Der Wein verursacht einen angenehmen Schwindel. Lea wankt ein bisschen.

„Wo geht’s noch mal ins Gästezimmer?“

„Ich zeig es dir.“

Nic nimmt ihre Hand und führt sie über den Flur.

„Ich hab einen Schwips“, Lea muss kichern.

„Ja“, sagt er leise, „so wie damals.“

„Stimmt, aber damals hast du mich geküsst.“

Lea lässt sich auf die Matratze plumpsen. Nic bleibt vor ihr stehen und schaut auf sie herunter. Sein Blick trifft direkt in ihren Bauch.

„Und du bist noch genauso süß, wie damals.“

Nics Stimme ist rau. Er nimmt Leas Gesicht in seine Hände und küsst sie. Nicht wie damals, zart und vorsichtig. Sondern wild und leidenschaftlich. Er zieht sie eng an sich. Lea spürt seine suchenden Hände auf ihrem Körper, der sofort reagiert.

„Ich will dich“, flüstert Nic. „Ich habe solange gewartet.“

„Warum?“ sie schaut ihn erstaunt an.

„Weil ich Angst hatte.“

„Warum?“

„Weil ich mich auf der Stelle in dich verliebt habe und panische Angst hatte, dass du fortgehen und mich verletzen würdest.“

„Warum hast du nichts gesagt? Du weißt doch, dass ich gehen musste. Aber ich wäre wiedergekommen.“

„Ich weiß, das war dumm.“

Nic küsst sie wieder. Lea überlässt sie sich seinen Zärtlichkeiten. Sie wird wiederkommen. Diesmal für immer.

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