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Posts Tagged ‘Weg’

Die beiden Männer erschienen aus dem Nichts, wenige Meter voneinander entfernt, auf dem mondhellen Weg.

Der eine elegant gekleidet, mit einem auffallenden Mantel aus weißem Pelz, der im Mondlicht wie Silber leuchtete. Der andere ganz in Schwarz gehüllt, nur ein Schatten von vielen unter den Bäumen des Waldrandes, unter die er sich mit ein paar schnellen Sätzen geflüchtete.

Tatsächlich bemerkte der vornehme Herr den anderen nicht. Er war mit einem kleinen Gerät beschäftigt, dass sanfte Lichtimpulse von sich gab. Mit ruhigen Bewegungen drehte er sich in verschiedene Richtungen. Als das Gerät hellere Impulse ausstrahlte, folgte er der eingeschlagenen Richtung. Dass er direkt an dem anderen Mann vorbeikam bemerkte er in seinem Eifer nicht. Er war so beseelt von dem Gedanken an sein Ziel, dass er nicht wahrnahm, dass er von dem Schattenmann verfolgt wurde.

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Das Jahr fließt in den Herbst

Silbernebel schweben auf Feldern

Die Kiefern träumen schweigend

In der Stille des Morgens

Die an wilderen Tagen

Unter der Hand des Windes

Ihre Geschichten erzählen

 

Nur der Bach springt

Mit leisem Murmeln über Steine

Blaue Himmelsplitter ausgestreut

Achtlos vermischt mit Wolkenstückchen

Laub knistert unter Füßen

Es riecht nach Erde und Wasser

Spinnennetze behangen mit Perlentau

 

Nachdenklich wandere ich

Den Weg entlang ohne dich

Du bist nur Erinnerung

An einen fernen süßen Sommer

Der mich hoffen ließ

Doch wie das Jahr verweht

Gingst du leise ohne mich

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Liste der Dinge an meinem Arbeitsplatz:

  1. Bücher aus dem Antiquariat
  2. Bleistift Faber
  3. USB-Stick Sylvester
  4. Kerze
  5. Telefon
  6. Katze
  7. Notizbuch
  8. Tagebuch
  9. Postkarte
  10. Fotoklebeecken

Text:

Fundsache

 

Der Schlüssel klemmt, als ich den Briefkasten öffne. Ich ruckele ihn hin und her. Endlich schieb sich der Riegel auf. Ein Werbeblättchen und eine Postkarte sind die Ausbeute. Na, wenigstens keine Rechung, denke ich und betrachte das iydillische Motiv auf der Postkarte.

Das Hochglanzfoto zeigt eine imposante Burg vor einem See der von Bergen gesäumt wird. Um das Doppelfenster in dem oberen Burgteil wurde ein Kreis gezeichnet. Auf der Rückseite, in der linken oberen Ecke finde ich den Standort des Motivs: Meersburg, Bodensee.

Meersburg

Ein schönes Fleckchen Erde, denke ich und lese die hastig hingeworfenen Zeilen:

„Ich habe es gefunden! Erwarte dich in drei Tagen! Gästehaus Simoni.“

Interessant, aber wer hat die Karte geschickt? Und vor allem, warum mir? Im Geist gehe ich meine wenigen Freunde durch. Keiner von ihnen ist im Urlaub.

Ich erwarte dich in drei Tagen, hat er Absender geschrieben. Das Datum des Poststempels ist von vorgestern. Das würde bedeuten, dass ich mich spätestens morgen auf den Weg machen müsste. Dummer Gedanke, sage ich mir, du willst doch nicht allen Ernstes an den Bodensee fahren, weil dir irgendein ominöser Mensch eine Postkarte schickt? Andererseits, kann ich die Person ohne Gewissensbisse im Stich lassen, die sich offenbar so auf mich verlässt?

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Ich lehnte mich an die sonnendurchwärmte Mauer. Unter meinen Fingern spürte ich den rauen Stein. Grüngraue Flechten überzogen die unregelmäßig behauenen Steinbrocken, die vor Zeitaltern zu einem imposanten Schutzwall aufgeschichtet worden waren. Eine laue Brise strich über das alte Gemäuer, wehte meine Haare durcheinander. Vor vielen Hundert Jahren erhob sich eine stolze Burg auf diesem Hügel. Heute gab es nur noch ein paar Mauerreste und ein halbzerfallenes Gebäude, in dem man an einer Seite noch ein Stück des Abzugs und einer Feuerstelle erkennen konnte.

Der Blick über die Ebene und die sanften Biegungen des Flusses, der sich durch üppige Wiesen schlängelte, und an dessen sandigem Ufer die Enten die Köpfe unter die Flügel steckten, war grandios. Ich versuchte mir vorzustellen, wie es damals gewesen war.

„Du!“, rief eine dunkle Stimme hinter mir, „was machst du hier!?“

Ich drehte mich um. Vor der Burgruine stand ein Ritter in voller Montur. Er trug seinen Helm unter dem Arm. Dunkles Haar hing wirr um seinen Kopf und verdeckte mit einem ungepflegten Bart beinahe sein ganzes Gesicht. Am Zügel hielt er ein Pferd, dass ebenfalls eine Rüstung trug. Das schwarze Fell des Tieres glänzte in der Sonne.

„Ich bin spazieren gegangen und wollte dir Aussicht genießen“, sagte ich und grinste, „ich wusste gar nicht, dass hier ein Mittelaltermarkt geplant ist.“

„Was soll das sein? Mittelalter?“, fragte er und seine strahlend blauen Augen funkelten missgelaunt.

„Sie wollen mich auf den Arm nehmen?“, fragte ich, „ach schon klar, sie sind gerade voll in ihrer Rolle.“ Diese Rollenspieler waren schon ein komisches Völkchen. „Ich lass sie dann mal weitermachen.“

Ich wollte an ihm vorbei gehen, aber er zog sein Schwert und versperrte mir den Weg.

„Wo sind meine Leute?“

Ich zuckte mit den Achseln.

„Woher soll ich das wissen? Ich habe niemand gesehen.“

„Das ist unmöglich! Ich war nur wenige Wochen fort“, er drängte mich weiter zurück, „sagen sie mir, was passiert ist!“

„Hören sie. Sie müssen sich nicht aufregen“, die glänzende Schwertklinge, auf meinen Bauch gerichtet, machte mir etwas Angst, „unten am Weg ist eine große Tafel, dort steht die Geschichte der Burg aufgeschrieben.“

„Führ mich hin!“, befahl er.

„Gut. Aber sie stecken das Schwert wieder ein.“

Widerwillig steckte er das Schwert zurück und folgte mir dicht auf den Fersen.

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Neujahrssegen

Möge das Feuer der Kreativität in dir brennen und mögest du die Glut der Liebe immer wieder hoch auflodern lassen.

Mögest dein Weg so geschmeidig sein, wie ein sanft dahin fließender Fluss und magst du so beharrlich den Stein höhlen, wie ein steter Tropfen, um zu erreichen, was dir wichtig ist.

Mögen deine Sorgen mit dem Wind verwehen und dein Herz so leicht sein, wie eine Sommerbrise, damit du nie beschwert werdest.

Mögest du mit beiden Beinen fest verankert auf der Erde stehen, dann kann dich nichts aus der Bahn werfen.

Ich wünsche dir Liebe heiß, wie Feuer, sanft wie ein Frühlingsregen, leicht wie eine Feder und dauerhaft, wie Felsen.

Allen eine friedliche Zeit und ein erfolgreiches neues Jahr!

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Nach dem Bild: Furcht vor dem Großen, von Michael Ludwig

Ich falle
In den Schatten
Stürze in den Abgrund
Niemand der mich sieht
Keine Hand
Die meine hält
Einsamkeit
Zerstörte Hoffnung
Verbranntes Herz

In einer Illusion
Von Dämmerung
Trifft mich ein Strahl
Leuchten blendet
Den stumpfen Blick
Eingehüllt in Silber
Dunkler Geist
Namenlos
Versprichst mir
Alles oder Nichts

Linderst den Schmerz
Gibst deinen Anteil
Forderst
Einen hohen Preis
Das Feld der Ehre
Nimmt die Seele
Für ein Trugbild
Täuschungen
Sind harte Währung

Ich lehne ab
Erhebe mich
Aus Staub und Asche
Verletzt
Doch nicht gebrochen
Verschmäht
Doch immer Ich
Bin frei
Geh meinen Weg

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„Sie scheitern, wenn sie mit dem Schreiben aufhören.“
Ray Bradbury

In den letzten Wochen habe ich intensiv darüber nachgedacht, mit dem Schreiben aufzuhören. Ich gebe es nicht gerne zu, aber es ist so. Denn in mir ist die Angst „nicht zu gefallen“. Und jeder Text, den ich schreibe und zum Lesen freigebe, macht mir eine Heidenangst. Was werden die Leser denken? – „Die hat einen Vogel, das ist doch Blödsinn, und gut ist es auch nicht.“ Klar können sie das denken, müssen sie aber nicht.

Allerdings habe ich in zwei sehr harsche Kritiken einstecken müssen. Das heißt, sie waren mit jeder Menge negativer Adjektive gespickt, die überhaupt nichts mit konstruktiver Kritik gemein haben, wie ich sie verstehe. Dumm – wenn sie erst mal durch die Netzhaut ins Gehirn gelangen, setzen sie sich nur zu gerne fest und nagen an deinem Selbstbewusstsein herum. Ich habe versucht nicht darüber nachzugrübeln, was in etwa so erfolgreich war, wie nicht an den blauen Elefanten zu denken.

In meinem Gedankenkarussell erinnerte ich mich an einen Satz, der mir schon in anderen Situationen geholfen hat: Warum gibst du diesen Menschen so viel Macht?

Ja, warum eigentlich? Warum lass ich zu, dass mir fremde Menschen mit abwertenden Kommentaren die Lust am Schreiben verleiden? Einem anderen eins „überzubraten“ ist einfach. Jemand weiterzubringen erfordert echtes Interesse. Ich bin Herrscher über mein Leben. Ob anderen gefällt, was ich schreibe oder nicht, ist Geschmacksache. Außerdem bin ich nicht selbstherrlich und dem Gedanken verfallen, alles richtig zu machen. Ich bin gerne breit Verbesserungsvorschläge zu überdenken und anzunehmen. Es gibt keinen Grund diesen Menschen Macht über mein Leben und mein Schreiben zu geben.

Tatsächlich hat das Ganze dazu geführt, dass ich mir meinen eigenen kleinen „Kreativitätsratgeber“ geschrieben und zwei neue Projekte gestartet habe. Erstens mein persönliches 365-Tage-Projekt – kein Tag ohne Text – und zweitens „Schreibschwester“ (könnte auch Schreibbruder oder Schreibpartner heißen). Eine Freundin von mir arbeitet auch seit Längerem an einem Roman, der vernachlässigt wurde. Wir haben uns zusammengetan und feste Termine verabredet, an denen wir ein bestimmtes Pensum erreicht haben wollen.

Das 365-Tage-Projekt ist so eine Art „Tages-warm-up“. Ich habe jeden Tag ein Erfolgserlebnis – kein Tag ohne Text – und gleichzeitig komme ich ins Schreiben. Und wir zwei „Schreibschwestern“ haben uns am letzten Freitag getroffen und tatsächlich: die Szene, an der ich mich so sehr festgebissen hatte, dass ich hängen blieb, ist (roh) im Kasten. Bis zum nächsten Freitag wollen wir die Texte dann „vorlesefertig“ haben. In erster Fassung.

Das erinnert mich an einen Postkartentext: „Aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“ Natürlich schreibt ein Schriftsteller, um gelesen zu werden. Aber ich schreibe auch, weil es mir ein Bedürfnis ist. Ob es gelesen wird oder nicht, daran kann ich nicht viel drehen, aber ob ich schreibe oder nicht, das ist allein meine Sache und ich werde keinem anderen Menschen die Macht darüber einräumen. Es reicht, dass ich mit meinen eigenen Dämonen zu kämpfen habe. Hinfallen ist keine Schande und aufstehen kann mühsam sein, aber es lohnt sich. Wir haben erst verloren, wenn wir aufgeben.

Eins habe ich in den Jahren meiner Lebensachterbahn gelernt: Bange machen gilt nicht! Negative Dinge passieren, es kommt darauf an, wie wir damit umgehen. (Shit happens. But life goes on. 🙂 ) Das Leben geht weiter und wer weiß …

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