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Posts Tagged ‘Wahnsinn’

Der Zerfall – The Changeling

Drama – von Thomas Middleton und William Rowley

Die beiden Dramatiker waren Zeitgenossen Shakespears. Thomas Middleton wurde 1580 in London geboren und war, neben Shakespeare, einer der erfolgreichsten Stückeschreiber der englischen Renaissance.

Über das Stück:
Beatrice–Joanna ist in Alsemero verliebt. Doch ihr Vater Vermandero hat einen anderen, Alonzo, als Ehemann für sie vorgesehen. Aus der Ferne verehrt der missgestaltete De Flores, Diener im Haus Vermaderos, die unberührbare Schöne ebenfalls. Er würde alles, wirklich alles, für sie tun.

Die verzweifelte Beatrice will den ungeliebten Bräutigam loswerden. Sie benutzt den liebeskranken De Flores, um Alonzo zu töten. Als Beatrice ihn auszahlen will, erpresst De Flores sie, als Sister in Crime, und fordert ihre Jungfräulichkeit. Sie gibt sich ihm hin und entbrennt in Leidenschaft für ihn. (Er muss wohl ein guter Liebhaber gewesen sein.)

„Dieser Mann ist einzig! Keiner dient mir wie er! Ist er auch hässlich nun, darauf kommt es nicht an. Man muss ihn lieben!“ Zitat von Beatrice-Joanna – danach.

Der Verlust ihrer Jungfräulichkeit führt zu Verwicklungen in ihrer Hochzeitsnacht mit Alsemero, dem vorgemacht werden muss, dass Beatrice noch Jungfrau ist.

Am Ende fliegen der Schwindel und die Bluttat auf. Alsemero verlässt Beatrice-Joanna. De Flores bringt Beatrice-Joanna und sich um. – So dass sie in der Hölle zusammensein können. –

***

Der Name De Flores bedeutet in Spanisch „von Blumen“, aber er hört sich, wie deflower(entjungfern) oder deflorieren an. Den Begriff deflower gibt es im Englischen seit dem 14. Jahrhundert.

Beatrice-Joannas Name ist ebenfalls ironisch gemeint. Beatrice bedeutet „Glücksbringer“ oder „gesegnet“ und Joanna „Gnade Gottes“. Auch wenn Beatrice De Flores Freude bringt(?), sind die Bedeutungen für die anderen Personen des Stücks das genaue Gegenteil.

Liebe, Obsession, Wahnsinn und Tod. Alles, was eine gute Story braucht, um das Publikum in seinen Bann zu ziehen.

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Ich träumte von dir
Ohne zu fragen stößt du mich
Tiefer in den Wahnsinn Liebe
Schöpfer meiner Lust

Wo kamst du her
Nach so viel hohlen Stunden
Wo gingst du hin
Nachdem der Traum entschwunden

Du hast mein Herz gefasst
Bist leis gegangen
Und nahmst es mit
Ohne mir deins zu lassen

Bin leer
Wenn du nicht bei mir bist
So müde vom Sehnen
Der Berührung deiner Hand

Ausgegossen in die Einsamkeit
In die Wüste Einerlei
Kein Blick mich hält
In der Nacht endloser Stille

Ich unter dir eingeschlagen
Mit glühendem Eisen
Du in mich getrieben
Mit roher Kraft

Treibst das Räderwerk neu an
Das mich längst tausendfach zermahlen
Bis nichts mehr übrig war
Das deine Gier mästen konnte

Unerfülltes Begehren brennt Male
In meine stöhnende Seele
Haut an Haut geleimt
Mund an Mund gekettet

Hast mich von dir losgerissen
Blutend aus offenen Wunden
Die Zeit nicht heilen will
Flehe ich dich an

Hab ein Herz
Gib mir meins zurück
Bevor ich an Liebe sterbe
Die du längst vergessen hast

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Eine gute Frage. Die Frage überhaupt. Nicht zum ersten Mal, dass ich mir darüber Gedanken mache (und ich bin damit sicher nicht allein). Um ehrlich zu sein, geht mir der Gedanke in letzter Zeit häufiger durch den Sinn. Ich könnte einfach aufhören zu schreiben. Doch in den Phasen, in denen ich nicht schreibe, denke ich viel über das Schreiben nach. Was ich schreiben will, wie ich einen Text am besten verpacke. Ich notiere Ideen, von denen ich nicht wenige habe. Und schreibe darüber, warum ich gerade nicht schreiben kann. Seitenweise.

Braucht ein Künstler einen emotionalen Notstand, sei er positiv oder negativ, um kreativ zu sein? Den Eindruck habe ich. Und das ist nicht nur mein Erfahrungswert. Viele Schriftsteller (und andere Kunstschaffende) quälen sich mit ihren dunklen, unerfüllten Sehnsüchten, Ängsten, Unsicherheiten usw.

Graham Green, zum Beispiel, sah seine Schriftstellerei als Möglichkeit, dem Wahnsinn und er Melancholie der menschlichen Existenz zu entgehen. Es war ihm unerklärlich, wie andere Menschen ihr Leben meisterten, ohne durch Schreiben, Komponieren oder Malen (oder andere kreative Tätigkeiten) ihre Ängste lindern zu können.

Es liegt im menschlichen Geist, das Gefühl: da muss noch etwas sein! Wie weit kann ich gehen? Oft habe ich das Gefühl, wir schreiben aus einem Mangel heraus. In unseren Texten kompensieren wir, was wir in unserer „normalen“ Alltäglichkeit vermissen.

Für mich persönlich kann ich das bejahen. Tatsächlich geschehen in meinem Leben kaum aufsehenerregende Dinge – ständiger Ausnahmezustand kann echt anstrengend sein – aber in meinen Tagträumen und meinen Texten geben sie sich die Klinke in die Hand. Bin ich süchtig nach Abenteuer? Zu Hause ist es sicher und in meinen Geschichten kann mir nichts passieren – für den Fall der Fälle gibt es immer einen Twist, der mich aus dem Feuer rettet, das ich selber gelegt habe.

Wie viel (selbst erzeugtes) Chaos und Emotionen brauche ich, um schreiben zu können? Was ist das Loch in meinem Herzen, dass ich durch das Schreiben zu stopfen versuche und was passiert, wenn es sich schließt? Ist Schreiben dann noch möglich?

Warum schreibe ich? Weil ich auf der Suche bin. Weil ich mir das Leben schön/aufregend schreibe. Andererseits habe ich in der letzten Zeit das Empfinden, angekommen zu sein. In mir. In meinem Leben, meinen Wünschen. Klar, es ist nicht alles perfekt, aber ich bin angenehm zufrieden.

Zufriedenheit ist kein Motor. Das Motto: ich schreibe mir das Leben schön, tritt zunehmend in den Hintergrund. Wie viel Loch ist noch in meinem Herzen? Ich habe es immer als wünschenswert angesehen diesen ausgeglichenen, entspannten Zustand zu erreichen. Allerdings empfinde ich ihn für meine Kreativität als hemmend.

Ist das nur eine der vielen Phasen? Ich kenne zwei Schreiberinnen, die nicht mehr schreiben, obwohl sie vor Jahren sehr häufig geschrieben haben. Ehrlich gesagt habe ich leichte Panik. Was wäre, wenn ich nicht mehr schreiben würde? Was passiert dann mit mir? Darüber nachzudenken empfinde ich schon als Sakrileg. Das darf – das kann unmöglich – sein. Es ist das, was ich kann, will, was mich begeistert, mich erfüllt. Ich will nicht glauben, dass es anders sein könnte!

Muss ich meine Schreibmotivation neu definieren? Wenn ja, wie? Was motiviert mehr, als ein Loch im Herzen, das man stopfen will? Dafür gibt es Mittel aller Art und Stärke, Rauschmittel, Sex, Geld, Arbeit … Kunst. Jeder Mensch hat da seine eigene Präferenz. Mein Mittel war/ist Schreiben.

George R.R. Martin sagte in einem Interview: „Im Kopf gibt es eine perfekte Geschichte, die der Schriftsteller aufzuschreiben versucht. Wie ein Übersetzer.“ Ich denke, da spricht er uns aus dem Herzen. In unserer Vorstellungskraft ist alles da. Der Ort, die Personen, das Geschehen. Und dann sind wir dran. Vorstellungskraft in Worte verwandeln. Das ist nicht so einfach, wie sich das manche Leute vorstellen. Bücher schreiben. Eine Geschichte über Hunderte Seiten am Laufen zu halten. Um was geht es in der Geschichte? Die Figuren zu schaffen, die leben, sie zu bewegen, ihnen eine Seele einzuhauchen, die den Leser zu sich zieht und mit der er sich bestenfalls identifizieren kann. Einen guten Einstieg in die Geschichte zu finden, Spannung aufzubauen, zu halten, und ein sinnvolles Ende zu finden.

Das kann man sich nicht einfach aus dem Ärmel schütteln. Dazu gehört Konzentration, Durchhaltevermögen, Ideen, ein „Auge“ für die Figuren, Zeit, Ruhe, Inspiration, Mut über den eigenen Schatten zu springen und: Handwerk. Schreiben ist eine ebenso anspruchsvolle Kunst, wie andere Künste auch. Harte Arbeit. Trotzdem scheint Schreiben in den Augen anderer, eine der geringeren Künste zu sein. Dazu kann ich nur sagen: schreibt erst mal ein Buch – dann sprechen wir weiter.

Welche Motivation mich am Ende auch antreibt zu schreiben – ich kehre immer wieder an meinen Schreibtisch zurück. Schreiben ist mein Mittel Löcher in meinem Herzen zu stopfen. Mir die Welt zu erklären, meine Ängste im Griff zu haben, Abenteuer zu erleben, den Flow zu spüren, dem Wahnsinn etwas entgegenzusetzen, meinen Geist beweglich zu halten.

Was hinausdrängt, kann niemand für längere Zeit aufhalten. Der Ausdruck sucht sich einen Weg. Immer wieder. Wie Tropfen den Stein aushöhlen, bis der Damm bricht. Deswegen schreibe ich: um den reißenden Strom zu sehen. Wie Seite um Seite sich füllt, die Geschichte wächst, vom ersten Satz bis zum Schlusspunkt. Bilder meiner Fantasie Schwarz auf Weiß. Pure Lust.

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oder
wie man einen Schriftsteller in den Wahnsinn treibt

Seit vier Tagen scheiben – lesen – weiterschreiben – lesen – schreiben – roh korrigieren – Sätze/Absätze hin und her schieben – in den fertigen Text (der nach einem abgebrochenen NANO seit etwa 1 ½ Jahren auf seine Fortsetzung wartete) einfügen – 154 Seiten – ich nähere mich endlich der Schnittstelle, an der meine Geschichte vorläufig endete, und an der ich weiterschreiben will.

 

Es läuft! Der Flow! Daran zu erkennen, dass ich vor dem Einschlafen fünfmal (Minimum) das Licht wieder anschalte, um diesen ganz wichtigen Gedanken aufzuschreiben, und dann davon träume. Dass mir beim Putzen Plotlöcher auffallen und mir blitzartig in den Sinn kommt, warum meine Figur genau das tut, was sie tut und ich sofort an meinen PC stürze und mir drei neue Szenen notiere.

 

Bis gestern Abend. OMG! Plötzlich – ohne ersichtlichen Grund und Vorwarnung – machte mein Laptop ein nerviges Tutgeräusch und über meinem Text erschien ein kleines Feld, mit einem roten Punkt und weißem Kreuz, dazu die 5 Buchstaben des Bösen: ERROR! Und ehrlich? ERROR ist der HORROR!
In dem weißen Feld befand sich zwar auch der OK Button, mit dem man den Kasten zur Kenntnis nehmen kann und das X, um ihn zu schließen, aber ERROR ließ weder das eine noch das andere zu.

 

Eben noch bester Laune und voller Euphorie ob meiner effizienten Arbeit brach mir der Schweiß aus. Abwechselnd wurde mir heiß und kalt. Mein Herz raste – oder bliebt es gleich stehen? Im Kopf herrschte Chaos. Alle desaströsen Szenarien nahmen Gestalt an, ballten sich zu einer gigantischen schwarzen Wolke zusammen und lösten die totale Panik aus. Zu erkennen an: sinnloser Herumrennerei, diversen bizarren Schmerzenslauten, flehenden Stoßgebeten (Gott nein, Gott nein, … usw.), Kopf gegen den Türrahmen schlagen, beginnender Tränenproduktion und allen Arten physischen Schmerzes. Gott nein!

 

Auf die lapidare Frage des Computercracks unseres Haushalts: „Hast du eine Sicherheitskopie gemacht?“ erfolgte eine verbale Attacke mit der kurz zusammengefassten Aussage: „Mach ich immer! Seit damals!“

 

Ich habe so viele Sicherheitskopien, dass ich mich vor DVDs und USB-Sticks nicht retten kann – seit ich damals tatsächlich einen Text „verloren“ habe. Solche Schläge hinterlassen Narben auf der Seele, die nie richtig verheilen.

 

Kernproblem bei dieser ganzen Geschichte: Ich sah meinen Text, konnte aber nicht mehr an ihn herankommen. Nichts half. Das böse ERROR-Kästchen verhinderte jeden Zugriff. Bei der ganzen Mauschelei war die Textdatei, bis dahin auf meinem Desktop zu sehen, wie von Zauberhand verschwunden. Erwische ich den Mistkerl von Zauberer, ist er ein toter Mann!

 

Mein IT-Spezi versuchte inzwischen den Kasten des Teufels zu eliminieren und gab mir den Rat: „Bleib ruhig.“

Mein Adrenalinpegel schwang sich zu einer neuen Höchstmarke auf. Der Countdown, mich schreiend auf den Boden zu werfen lief: 10, 9, 8, 7, … Zero!

„Dein Arbeitsspeicher ist voll“, klärte mich mein PC-Manager auf.

Super! Und jetzt? Der blöde Kasten wollte sich, verdammte Axt, nicht schließen lassen. Ratloses Schweigen. Bis mein Spezialist die abscheulichsten Worte überhaupt laut aussprach:

„Ich mache einen Neustart.“

„Ist dann alles weg“, schrie ich. Der Totalausfall stand um Haaresbreite bevor.

„Kann sein“, lässiges Schulterzucken, „aber du hast doch den Text noch irgendwo.“

„Aber nicht den von eben! Nur den von gestern!“ Meine Hysterie nahm eine Form an, an der Freud seine Freude gehabt hätte. (Ja! Ich habe befriedigenden Sex. Alles klar, Sigmund?!)

„Also was soll ich machen?“, fragte Scotty und sah mich erwartungsvoll an. Schließlich wollte er nicht schuld sein, wenn das schwarze Loch den Text fraß.

„Mama, holst du mir ein Eis?“, fragte mein Kind liebenswürdig dazwischen.

„Nicht jetzt!“, schnauzte ich zurück. „Nachher vielleicht. – Dann mach es eben!“, gab ich zähneknirschend mein OK.

Scotty fuhr das System herunter. Der Bildschirm wurde dunkel.

„Ich brech zusammen! Das darf nicht wahr sein!“

Alles in mir verkrampfte sich. Ende! Aus! Verloren! Weg! Alles umsonst. Die vielen Stunden schreiben, der Flow – vergeblich! Heulen oder aus dem Fenster springen? Das System startete erneut.

„Die Datei ist es nicht?“, fragte der Spezi.

„Nein“, stöhnte ich, mit starrem Blick auf den Bildschirm.

„Und das ist deine Normdatei?“

„Siehst du doch!“, knurrte ich. Steht doch drunter!

Scotty klickte sie an, das Programm öffnete sich. In einer kleinen Spalte am linken Rand der Normdatei erschienen zwei separate Zeilen. Beide jeweils mit dem Titel des verlorenen Dokuments und der Info: Irgendwo, in den Weiten meines Laptop-Universums, schwebt eine Sicherungskopie herum, die man durch einen einfachen Klick aufrufen kann.

„Die Obere ist es!“, brüllte ich.

„Echt? Die eine ist von 18:58 Uhr und die andere von 20:59 Uhr“, las mein IT-Experte vor. Lesen kann ich auch!

„Die Obere! Die Obere!“

Wenn Scotty nicht SOFORT auf das richtige Dokument klickt, schubse ich ihn vom Stuhl und mach es selber.

Einen Klick später sehe ich meinen verschollenen Text auftauchen. In voller Länge! Selbst der Fehler, den ich vor einer Stunde verbessern wollte, bevor sich der Text aufhängte, ist noch da. Noch nie(!!!!) war ich so glücklich über einen Fehler.

„Jetzt habe ich mir aber auch ein Eis verdient“, kommentierte mein Spezi meine Wiedersehensfreude trocken. Also zog ich meine Schuhe an und besorgte Tiramisu – und Schokoladeneis.

Liebe Familie – sorry! Aber wenn es um den Text geht … kenn ich kein Pardon.

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Wahnsinn, Schwachsinn, Gemeinheit mit Methode, völlige Realitätsferne oder einfach nur menschenverachtend? Wie ist es in unserem Rechtsstaat möglich, dass Arbeitnehmer so arrogant und geringschätzig behandelt werden? Finanziell und emotional. Tariflohn, bezahlter Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sind für viele Minijobber oft eine Wunschvorstellung. Es steht ihnen zwar zu, aber von bekommen kann keine Rede sein. Arbeitest du für eine Firma, die dir diesen Luxus zugesteht? Glückwunsch. Freu dich!

Wenn nicht, dann kann ich mir vorstellen, was in dir vorgeht: Du brauchst den Job unbedingt! Hast Kinder, Rechnungen zu bezahlen, musst ab und an was essen und brauchst eine neue Hose. Du weißt vielleicht, dass dir die obengenannten Dinge zustehen, aber du traust dich nicht es zu fordern, weil du deinen Job dann ganz schnell los bist. Es warten genug neue Leute auf deinen Job. Raus katapultiert man sich schneller, als man denkt.

Warum darf das sein? Warum dürfen Menschen anderen Menschen solche Angst einjagen, sie so unter psychischen Druck setzen?

Warum dürfen Menschen anderen Menschen das Gefühl geben, sie wären nicht genauso viel wert, wie sie, nur weil sie vielleicht nicht dieselbe Bildung oder dieselbe Gehaltsklasse haben?

Ich versteh es nicht und will es auch nicht! Eine dicke Geldbörse oder ein akademischer Grad können Herzensbildung und ein freundliches Wesen nicht ersetzen.

Zugegeben, ich bin ein harmoniebedürftiger Mensch. Wenn es nach der darwinschen Theorie geht, würde ich zu den Ersten gehören, die von den Starken gefressen wird. Manchmal wundert es mich selbst, dass ich noch ganz bin. Allerdings hat es bis jetzt funktioniert, obwohl ich mich bemühe ein netter Mensch zu sein.

„Nie entmutigt sein. Das Geheimnis meines Erfolgs.“ Von Ernest Hemingway. Das Zitat gefällt mir sehr. Denn egal wie dick es manchmal kam, ich bin immer wieder aufgestanden. Ich möchte keinen Ärger und ich hasse Streit. Ich will in Ruhe leben, aber irgendwann ist die Schmerzgrenze überschritten.

Wenn jemand meint, ich wäre dumm und mich so behandelt als wäre ich geistig zurückgeblieben, dann hat er sich geschnitten. Ich weiß nicht alles (zum Glück, sonst würde mir ja die Rübe platzen) aber ich weiß, wo man sich erkundigen muss. Außerdem darf ich eine tolle Familie und gute Freunde mein Eigen nennen. Ich danke dem Leben für das, was es mir geschenkt hat, aber ich bin auch bereit dafür zu kämpfen. Es kann gut ausgehen oder nicht, aber ich will in den Spiegel schauen können und das Gefühl haben, dass ich mir von niemandem Angst machen lasse, egal wie groß der Druck ist.

Es könnte viel mehr erreicht werden, wenn die geschundenen Leute zusammenhalten würden, aber dass scheint ein echtes Problem zu sein. Es wird geschimpft und sich empört, aber wenn es darauf ankommt, dann bist du allein. Wie ging der alte Kinderreim: „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ – „Niemand!“ – „Und wenn er kommt?“ – „Dann laufen wir!“

Besser sollte es heißen: „Und wenn er kommt, dann halten wir zusammen und stehen für uns ein.“ Wenn wir nicht einmal für uns einstehen können, wie wollen wir für andere einstehen? Wir sollten uns öfter vor Augen führen, dass der schwarze Mann auch nur ein Mensch ist. Er mag denken, er kommt mit seinen Anmaßungen durch, aber erstens gibt es ein Gesetzt und zweitens gibt es eine Art Karma. Der schwarze Mann entkommt dem Leben nicht. Wenn er denkt, er könnte ungestraft alles tun, was er will, dann kann ich nur sagen: alles was du tust fällt auf dich zurück. So oder so.

Meine Schmerzgrenze ist oft zu hoch, aber ich hasse Ungerechtigkeit. Besonders wenn es um kollektive Ungerechtigkeit geht. Für mich kann ich einiges aushalten, aber wenn es um meine Familie oder meine Freunde geht, dann kenne ich kein Pardon. Ich gehöre nicht zu den Mutigsten. Trotzdem bin ich bereit all meinen Mut zusammenzuraffen. Und sollte mir auch das Herz aus dem Leib springen, steh ich für mich und das ein, was mir wichtig ist.

Ich werde niemals vom Rand des Himmels springen oder mich von Klippen in tosendes Wasser stürzen. Aber jeder der denkt, dass er mich leicht einschüchtern kann, sollte sich nicht täuschen lassen. In meinem Inneren schlägt ein kleines Löwenherz und wenn es nötig sein sollte, bin ich breit zu verteidigen was Recht ist.

Vielleicht ist es wahnsinniger Schwachsinn, aber vielleicht ist es auch wahnsinnig mutig. Mit jeder Überwindung meiner Angst werde ich stärker und das ist doch das wirklich Ermutigende an dieser Sache.

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Bildbeschreibung: Thema Nachtcafe

Von Georg Grozs – Nachtcafe

Betrachtung und Bildbesprechung:

–   Wie wirkt das Bild

–   Welche expressionistischen Stilelemente

–   Was bedeutet Nachtcafe?

Texterfahrung

 

Nachtcafé vonGottfried Benn


    824: Der Frauen Liebe und Leben.
Das Cello trinkt rasch mal. Die Flöte
rülpst tief drei Takte lang: das schöne Abendbrot.
Die Trommel liest den Kriminalroman zu Ende.

Grüne Zähne, Pickel im Gesicht
winkt einer Lidrandentzündung.

Fett im Haar
spricht zu offenem Mund mit Rachenmandel
Glaube Liebe Hoffnung um den Hals.

Junger Kropf ist Sattelnase gut.
Er bezahlt für sie drei Biere.

Bartflechte kauft Nelken,
Doppelkinn zu erweichen.

B-Moll: die 35. Sonate.
Zwei Augen brüllen auf:
Spritzt nicht das Blut von Chopin in den Saal,
damit das Pack drauf rumlatscht!
Schluß! He, Gigi! –

Die Tür fließt hin: Ein Weib.
Wüste ausgedörrt. Kanaanitisch braun.
Keusch. Höhlenreich. Ein Duft kommt mit. Kaum Duft.

Es ist nur eine süße Vorwölbung der Luft
gegen mein Gehirn.

Eine Fettleibigkeit trippelt hinterher.

Klärung der Aspekte expressionistischer Textarbeit

(Reduktion, Substantivierung, Heterogenisierung, Emotionalisierung, Utopisierung).

Schreibaufgabe nach Cluster oder Imaginationsmethode:

Kernwort bzw. Kernmotiv: Nachtcafe in Berlin. Das Schreiben eines Gedichts zum Thema Nachtcafe gelingt am besten bei einem Besuch eines heutigen Nachtcafes.

Textarbeit:

Überarbeitung des Textes nach Kriterien der expressionistischen Textarbeit – den Sechs!

Textdeutung:

Vorlesen der eigenen Texte in einer Gruppe. Versuch der Textdeutung der eigenen Texte nach biografischen, soziologischen und symbolischen Aspekten.

Zweites Thema: Der Idiot

Der Sturm und Drang, die schwarze Romantik griffen die Darstellung des neurotischen Menschen als literarisches Thema zuerst auf. Der psychologische Roman folgte. Im Expressionismus nahm in der Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse das Thema Wahnsinn/Ichzerfall einen großen Stellenwert, als Protest gegen die kleinbürgerliche Lebensweise, als Engagement für Außenseiter, ein.

Texterfahrung:

 

Der Idiot von Paul Zech

 

Mit einem Bild, der tief nach innen horcht,

und in den Fäusten fest die Eisenhacke – :

durchwatet er den gelben Sumpf der Schlacke.

Wie wenn ein Bauer pflügend über den Stoppeln storcht.

Stumm lebt er die Legende vom verlorenen Sohn.

Sein Lachen wuchs nicht auf in Zierstrauch-Gärten.

Was er erfuhr, hieß – : Hunger, Hiebe, Härten

Bis zu dem Tag vor der Kommunion.

An seiner Stirn zerschlug ein Lump den Fuselkrug.

Sein Husten blutet, keucht Tuberkulose

Und macht ihn für die Schicht im Schacht nicht Manns.

Manchmal schwärt Tobsucht quer durch sein Gehirn und

Wie Licht aus einer roten Fensterrose

Nach außen und entmenschlicht ein verwandertes Gesicht.

Fragen zur Textdiskussion

Wie wird die Ursache und Erscheinung der geistigen Umnachtung beschrieben? Was ist der soziale Ort des Wahnsinnigen? Welche Symbole verwendet der der Text? Welche Stilelemente? Welche Elemente expressionistischer Textarbeit kommen in diesem Gedicht vor?

 

Schreibaufgabe

Nach Cluster und Imagination. Kernwort: Der Wahnsinnige bzw. die Wahnsinnige. Erstellung eines Ur-Textes.

 

Textarbeit

Berücksichtigung der sechs expressionistischen Kriterien der Textarbeit.

Drittes Thema: Aufbruch

Vorbemerkung:

  1. Der Expressionismus zeigt in der Entwicklung vieler seiner Autoren die heilende Wirkung expressionistischen Schreibens. Von der narzisstischen Egomanie zur Solidarität.
  2. Der Expressionismus dokumentiert damit die wichtige Epoche in der Entwicklung der Potenzen in der Poesiegeschichte. Er baut auf Romantik und Neo-Romantik auf, die das Unbewusste für die Poesie entdeckten und leitet über zum Surrealismus, der das Unbewusste weiter erschloss.

Einstimmung ins Thema „Aufbruch“:

Sonne und Licht und die Farben Blau sind die bevorzugten Wunsch – und Utopiemetaphern bei Georg Heym.

„In der Jugendstilschicht der Heymschen Bilderwelt stehen Sonne und Licht-Metaphern für ein imaginäres Glück, für traumhafte Schönheit und erträumten Rausch:

Der Sonnenball hing groß am Himmelsbaum

Und rote Strahlen schoss des Abends Bahn

Auf allen Köpfen lag des Lichtes Traum.

(8,4 Berlin II)

…die Sonne wiegt in träumerischer Luft

Des goldenen Tages Brücke spannt sich weit

Und tönt wie einer großen Leier Ton…

(37,6 und 38,0 Die Heimat der Toten)

Nun zur Bedeutung der Farbe „Blau“ bei G.Heym:

„Bei Heym ist die Farbmetapher blau, wo sie in positiver Funktion gebraucht wird, aufs emphatische mit dem Gefühl des Erhabenen besetzt. Die Substantive das „Blau“ und die „Bläue“ sind abgekürzte Schreibeweisen all dessen, was sich als Utopie eines „festlichen Süds“ in Gedichten wie „Der Tag“ und „An das Meer“ entfaltet:

Palmyras Tempelstaub bläst auf der Wind

Der durch die Hallen säuselt in der Zeit

Des leeren Mittags, wo die Sonne weit

Im Blauen rast…

(53,1 Der Tag)

…Dessen hohen Thron

Am Mittag stand im Licht, der Göttersohn,

Des ungeheuer Glanz das All erfüllt,

Die marmorweißen Tempel. Blauer Glanz

Auf allen Höfen…

(137,Z.12-16 Der Tag)

…Werden wir Vögel werden,

Im Stolze des Blauen, im Zorne der Meere weit?

(78,4 Der Morgue)

Schreibaufgabe

Cluster oder Imagination zum Motiv: Aufbruch ins Blaue. Erstellung eines Ur-Textes.

Textarbeit:

Beim Überarbeiten die sechs Kriterien expressionistischer Textarbeit berücksichtigen.

Expressionistische Schreibspiele nach F.T.Marinetti

Er(Marinetti) verbreitete die Botschaft der Parataxe, der Benutzung bloßer Substantive. Er votierte für unverbrauchte Worte. Er plädierte für die schöpferische Unordnung, die das Unbewusste deutlicher zur Sprache brachte. Damit erhob er die freie Assoziation zum Gesetz der Artikulation, auch in der Dichtung. Die folgenden Thesen(Die futuristische Literatur. Technisches Manifest)sind etwas gekürzt.

  1. Man muss die Grammatik dadurch zerstören, dass man die Substantive nach der Art ihrer Entstehung anordnet.
  2. Man muss das Verb im Infinitiv gebrauchen, damit es sich elastisch dem Substantiv angepasst und es nicht dem „Typ“ des Schriftstellers unterwirft, der beobachtet und erfindet.
  3. Man muss das Adjektiv beseitigen, damit das nackte Substantiv seine eigentliche Kraft behält. Das Adjektiv ist unvereinbar mit unserer dynamischen Vision, da es einen Stillstand, eine Überlegung voraussetzt.
  4. Man muss das Adjektiv beseitigen. Das Adverb gibt dem Satz einen langweiligen gleichmäßigen Ton.
  5. Jedes Substantiv muss eine Verdopplung haben, dass heißt, das Substantiv muss ohne Konjunktion dem Substantiv folgen, dem es auch in Analogie verbunden ist. Beispiel: Mann – Torpedoboot, Frau – Hafen, Menge – Brandung, Platz – Trichter, Tür – Maschinenbahn.
  6. Keine Interpunktion mehr. Wenn die Adjektive, Adverben, und die Konjunktion unterdrückt sind, dann macht sich die Interpunktion selbst überflüssig, in der Abwechslung eines lebhaften, durch sich selbst geschaffenen Stiles, ohne die absurde Unterbrechung, durch Komma und Punkte.
  7. Der Schriftsteller hat sich bis jetzt der unmittelbaren Analogie überlassen. Man muss also die Sprache zerstören: Klischees farblose Metaphern. Also fast alles.
  8. Es gibt keine Kategorien vornehmer, grässlicher, eleganter, ärmlicher, übertriebener oder natürlicher Bilder. Die Intuition, die sie wahrnimmt, kennt keine Rücksichtnahme oder Parteilichkeit. Der vergleichende Stil ist also unumschränkter Herrscher der ganzen Materie und ihres unumschränkten Lebens.
  9. Um die aufeinanderfolgende Bewegungen eines Gegenstandes darzustellen, muss man eine Kette der Analogien bilden, die er hervorruft, eine jede gedrängt, in ein kennzeichnendes Wort zusammengefasst.
  10.  Da jede Art von Ordnung notwendig das Ergebnis eines vorsichtigen Verstandes ist, muss man die Analogien orchestrieren, verteilen nach einem Maximum von Unordnung.
  11. Nur der unsyntaktische Dichter, der sich der losgelösten Wörter bedient, wird in die Substanz der Materie eindringen können und die dumpfe Feindlichkeit, die sie von uns trennt zerstören. Die tiefe Intuition des Lebens verbindet Wort an Wort nach der unlogischen Entstehung, sie gibt die Hauptlinie einer intuitiven Psychologie der Materie.

Marinettis Botschaft war das Signal für die selbstanalytische Arbeit, die die Expressionisten leisteten und zugleich eine Poetik, nach der sich ihre Textarbeit richten konnte.

Spiele nach Marinettis Vorschlägen:

  1. Schreiben sie Sätze in der Reihenfolge der Worte, wie sie ihnen einfallen, damit die Grammatik zerstört wird.
  2.  Schreiben sie Sätze, in denen das Verb nur im Infinitiv gebraucht wird.
  3. Schreiben sie Sätze ohne Adjektiv, damit jede Nuancierung beseitigt wird.
  4. Schreiben sie spontan Sätze ohne Adverbien, damit jede Langweiligkeit aus den Sätzen verschwindet.
  5. Schreiben sie Sätze in deinen jedes Substantiv verdoppelt auftritt.
  6. Schreiben sie einen längeren Text ohne Interpunktion. Ohne Punkt, Komma usw.
  7. Schreiben sie Sätze voller Klischees und ersetzen sie alle Klischees durch bisher unerhörte Metaphern.
  8. Schreiben sie Sätze, die die völlige Gleichgültigkeit gegen den Inhalt der Sätze ausdrücken. Schreiben sie kalt, verfremdend, ironisch, als wenn die Realität durch Neonlicht beleuchtet wird.
  9. Stellen sie eine Vase Blumen auf den Tisch. Sammeln sie im freien Einfall alle Analogien, die die Vase in ihnen hervorruft und montieren sie diese Analogie zu einem Text ohne Satzzeichen und Grammatik.
  10. Gehen sie zu einer U-Bahnstation (Bahnhof). Sehen sie sich einen Zug an, der in den Bahnhof einfährt. Sammeln sie alle Analogien, die dieses Ereignis in ihnen auslöst. Schreiben sie einen Text, in dem diese Analogien in der größtmöglichen Unordnung erscheinen.
  11. Versuchen sie, beliebig in der Großstadt ausgewählte materielle Objekte zu beschreiben. Die Logik der Beschreibung soll sich dabei streng nach den freien Einfällen ausrichten, die die materiellen Objekte in ihnen ganz ungeordnet auslösen.

Die Aufgaben sind angelehnt und zum Teil wörtlich zitiert aus dem Buch: Kreative Literaturgeschichte, von Lutz von Werder, Klaus Mischon, Barbara Schulte-Steinicke ISBN 3-928878-01-8

 

Siehe Expressionistisches Schreiben Teil I.

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Naturalistische Schreibprojekte

1.Übung: Reale Geschichten

Legen sie sich ein Heftchen an und schreiben sie alle Geschichten auf, die während einer Woche in ihrem Bekanntenkreis besprochen werden. Notieren sie jeden Abend ihre Geschichtensplitter.

(Beispiele: S.210, Kreative Literaturgeschichte,

L.v.Werder)

Aufgabe: Schreiben sie eine Geschichte, die ihren früher gestalteten Protagonisten in den Kontext einer ausgewählten erlebten Geschichte einordnet.

2.Übung: Naturalistischer Schreibstil

Der Naturalismus ist bei seiner Reproduktion der Realität auf ein minutiöses, reflexionsloses und detailtreues Schreiben angelegt. Erzählzeit und erzählte Zeit zur Deckung bringen. Das kleinste Element der Realität soll im Text mit fotografischer Genauigkeit erfasst werden.

Einige Übungen zum sekundenmäßigen Beschreiben von Details:

Dinge: Beschreiben sie ein Schaufenster, eine Tür, ein Auto, eine Verkehrsampel im Stadtteil vor Ort.

Personen: Beschreiben sie mit dem Auge einer Kamera die Begegnung von zwei Menschen.

Impressionistische Sinneswahrnehmung: Beschreiben sie z.B.: Geräusche, Gerüche oder Bewegungen, für die sie sich im „Kiez“ bestimmte Beispiele suchen (Bahnhof, Markttag oä.)

3. Übung: Naturalistische Plots

Experimentieren sie mit naturalistischen Plots. Die folgenden Plots wurden alle im Werk Emile Zolas ausgestaltet. Schauen sie sich die Plots an und entwerfen sie Plots aus der Gegenwart.

1. Verfall

In Naturalistischen Romanen enden die Handlungsabläufe fast stets in scheußlichen, tragischen Ereignissen. Zolas typische Art etwas unveränderbar zu machen, ist die Vernichtung. Die Menschen verkommen im Suff, werden wahnsinnig, krepieren an Pocken, ermorden sich zielstrebig gegenseitig, erstechen, erschlagen, vergiften, erschießen, ertränken sich, begehen Selbstmord. Wohnhäuser und Bauernhöfe verbrennen, Lokomotiven explodieren, Bergwerke versinken.

2. Seitensprung

Eine Frau zwischen Mann und Geliebtem. Der Geliebte betrügt die Frau. Der Mann verstößt sie. Sie stirbt.

3. Wahnsinn

Ein Mann wird von seiner Frau ohne Grund in eine Anstalt gesteckt, verliert dort wirklich den Verstand, ergreift die Flucht, steckt sein Haus in Brand, in dem sein Nebenbuhler umkommt.

4. Sünde eins Priesters

Priester fällt wegen Liebe vom Glauben ab. Ein Liebesverhältnis entwickelt sich. Die Kirche holt den Priester zurück, Geliebte stirbt aus Verzweiflung.

5. Intrige

Ein Außenseiter erringt eine hohe Machtposition. Er wird Opfer der Intrige einer Frau, die ihn verführt. Er stürzt. Durch Vetternwirtschaft kehrt er aber später auf seinen Posten zurück (er rächt sich?).

6. Alkoholismus

Frau mit zwei Kindern wird von Ehemann verlassen, heiratet Trinker und verkommt.

7. Prostitution

Junges Mädchen steigt zu berühmter Kokotte auf, vernichtet alle Männer durch Geldsucht und Renommierwunsch. Steht schließlich allein und verlassen da und stirbt an Pocken.

8. Aufruhr

Ein Mann wird Streikführer, der einen gewalttätigen Aufruhr zur Folge hat. Die Polizei schlägt den Aufstand nieder. Der Mann flieht, nachdem seine Geliebt in dem Aufruhr umgebracht wurde.

9. Scheitern eines Künstlers

Maler mit höchsten Ansprüchen gründet eine Malschule. Allerdings werden seine Bilder abgelehnt. Er begeht daraufhin Selbstmord.

10.    Mord

In einer Fabrik verbündet sich ein Mann mit der Frau des Fabrikbesitzers. Gemeinsam ermorden sie den Fabrikanten. Dieses Motiv hat Zola noch in einem anderen Kontext genutzt: Ein Mann wird Zeuge eines Mordes. Er entwickelt mit der Frau des Ermordeten eine Beziehung und ermordet diese Frau aus „krankhafter“ Mordlust (???).

11.    Bankrott

Ein Mann steigt zum Bankchef auf. Spekuliert, betrügt. Macht Bankrott und flieht.

Aufgabe:Diese Hauptplots aus Zolas Romanen könnten sie zu einer Kurzgeschichte motivieren, die allerdings in der Gegenwart spielen sollte.

 

4.Übung: Plots des weiblichen Naturalismus

1. Geldheirat

Eine Frau heiratet einen reichen Mann und verliert damit jede Möglichkeit der Selbstständigkeit.

2. Zwangsehe

Eine Frau findet in der Ehe keine Befriedigung, versucht auszubrechen und scheitert.

3.Neue Ehen

Eine Frau wird Künstlerin und versucht mit einem Künstler eine neue Eheform der Kreativität.

4.Befreiung

Frauen gehen keine Ehen mehr ein und werden zu sexuellen Jägerinnen und Sammlerinnen.

5. Wahnsinn

Ein Vater will die Tochter, die Künstlerin werden will, in eine Ehe zwingen. Der Mann erweist sich als Tyrann. Die Frau verfällt dem Wahnsinn.

Aufgabe: Entwickeln sie weibliche Plots, die in der Gegenwart einem naturalistischen Begriff von Realität entsprechen könnten.

5.Übung Rollenprosa: Indirekte Rede

Mit dem Wunsch der Annäherung an die Alltagssprache entstand der innere Monolog.

Aufgabe: Suchen sie sich im Stadtteil eine Straße und beschreiben sie, wie sie diese Straße als Stadtstreicher, als Alternativer, als Hund durchwandern.

6.Übung: Naturalistischer Einakter

Naturalistische Theaterstücke spielen immer in der Gegenwart, an einem Ort und in einer Zeit. Sie thematisieren das Elend der Arbeiter, der Frauen und der Künstler. Sie wollen dem Zuschauer den Spiegel vom Verfall der Verhältnisse vorhalten.

Die Protagonisten waren Arbeitermädchen am Rande der Prostitution, femme fatale, anderen Egozentrik und Kälte Familien zerbrachen. Männer, deren Potenz unsicher ist und die zum Spielball ihrer Eifersucht und ihres Frauenhasses werden. Künstler die scheitern und verhungern, Kaufleute die im Bankrott enden. Die Antagonisten der Stücke waren die Erfolgreichen: Karrierefrauen, elegante Huren, Frauenhelden, erfolgreiche Künstler, große Geldhaie.

Der Zusammenstoß ist für die Protagonisten meist tödlich. Der Sieg des Vertreters der „glücklichen“ Lebensbedingungen ist meist vorhersehbar.

Handlungsstruktur:

Anfangsdialog – Vorstellung des Protagonisten

Mitteldialog – Zusammenprall mit dem Antagonisten

Abschlussdialog – Untergang des Protagonisten

Aufgabe: Suchen sie im „Kiez“ erneut nach geeigneten Protagonisten und Antagonisten und nach einem einschlägigen Plot für ihren naturalistischen Einakter.

Beispielplots:

  1. Gefährdetes Arbeitermädchen wird von feministischer Sozialarbeiterin reingelegt und versinkt in der Asozialität.
  2. Alte Hure sucht Hilfe bei eleganter Kollegin und erntet Hohn und Spott.
  3. Junge Fabrikarbeiterin wird von Lebedame verführt und zur Prostitution gezwungen.
  4. Armer Künstler will seinen erfolgreichen Kollegen entlarven und scheitert.
  5. Bankrotter Kaufmann trifft auf Geldhai und wir von ihm endgültig zerstört.

–   Fertigen sie eine Porträtskizze der für ihren Einakter ausgewählten und beobachteten Personen an. Fixieren sie Ort und Zeit der Handlung. Schreiben sie dann (Gruppe???) die 3 Phasen des Dialogs.

–   Für den Anfangs- und Schlussdialog ist es sinnvoll, keinen Monolog des Protagonisten zu produzieren, sondern einen Dialog mit Freunden/Helfern des Protagonisten zu entwickeln. Auch diese Figuren müssen recherchiert werden.

–   Die Dialoge sollten in Alltagssprache gehalten sein.

Die Aufgaben sind angelehnt und zum Teil wörtlich zitiert aus dem Buch: Kreative Literaturgeschichte, von Lutz von Werder, Klaus Mischon, Barbara Schulte-Steinicke ISBN 3-928878-01-8

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