Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Vorhänge’

Mit der Nacht und dem Schlaf kam der Traum.

Er fing harmlos an. Ich sah, wie ich im Bett lag und schlief. Ein sanfter Mond hing am Himmel vor meinem Fenster. Eine leichte Brise bewegte die dünnen Vorhänge aus Voile vor dem halbgeöffneten Fenster. Ich betrachtete die Szene aus einer Ecke meines Zimmers. Es war eine Weile still, dann hörte ich die Töne einer Melodie mit dem Wind ins Zimmer wehen. Ich lauschte. Eine gefällige kleine Weise, die mich an etwas erinnerte. Ich versuchte die Erinnerung auszugraben, aber es wollte mich nicht gelingen, das Bild zu erkennen, dass ich damit verband. Dann, ohne dass ich wusste welches der Anlass war, kippte mein Gefühl um. Eine dunkle Ahnung kroch mir den Rücken hinauf und klammerte sich wie eine Krallenhand in meinen Nacken. Ich wollte schreien. Mein schlafendes Ich warnen. Kein Ton kam über meine Lippen.

Read Full Post »

Dach, Eischnee, Gabel, weinen

Ich ziehe die Vorhänge zurück und traue meinen Augen kaum. In der Nacht hat es geschneit! Unser Garten liegt unter einer silberweißen glitzernden Schneedecke begraben. Das Dach des Gartenhäuschens sieht aus, als hätte ihm ein Konditor eine Haube aus Eischnee aufgesetzt.

Die Spatzen und Meisen besetzen das Futterhäuschen vor meinem Fenster. Lautstark und mit wedelnden Flügeln streiten sie um jedes Korn.

Die Freude über diesen herrlichen Morgen treibt mir Tränen in die Augen. Mein Wunsch erfüllt sich. Noch einmal den Zauber einer Winterlandschaft erleben.

„Hast du Lust auf einen Spaziergang nach dem Frühstück?“, hörte ich Leons sanfte Stimme hinter mir.

Er legt die Arme von hinten um mich und blickt über meine Schulter hinaus. Ich genieße den Moment der Geborgenheit und seiner Wärme.

„Ja, sehr gerne“, sage ich leise.

„Dann zieh dich an, der Tisch ist gedeckt“, er küsst mich auf die Schläfe und macht sich auf den Weg in die Küche.

Zum Glück sieht er die Tränen nicht, die sich aus meinen Lidern stehlen. Ich muss es ihm sagen. Endlich! Es wird Zeit Leon meinen Abschied anzukündigen. Er soll ihn nicht völlig unvorbereitet treffen.

Read Full Post »

„Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, was kann ich für dich tun?“

Gil streift sein Jackett ab und wirft es auf eine niedrige Sitzbank. Sein Zimmer ist schlicht, aber geschmackvoll eingerichtet. Ohne Schnörkel und Pomp. Nur die schweren Samtvorhänge mit den goldenen Bordüren verbreiten etwas Glanz. Rosalie blickt sich um, setzt sich dann in einen Sessel in der Nähe des Kamins.

„Und wie ich  sagte, vielleicht kann ich etwas für dich tun.“

„Wie kommst du darauf?“

Er löst seine Krawatte, öffnet die oberen Knöpfe des Leinenhemdes.

„Wenn man Gerüchten glauben schenken darf, hat dich diese ganze Erbangelegenheit verändert.“

Er lacht kurz auf.

„Die gute Misses Morse. Sie macht sich zu viele Gedanken.“

Das glaube ich nicht. – „Warum lehnst du das Erbe nicht ab?“

Unwirsch schüttelt er den Kopf.

„So einen Vorschlag kann nur jemand machen, der deinen Hintergrund hat.“

Rosalie verschränkt ihre Finger krampfhaft ineinander. Sie versucht die aufsteigende Wut zu unterdrücken.

„Welchen Hintergrund habe ich denn?“

„Du hast frei von der Last drohender Verantwortung gelebt“, stößt er hervor und seine eiserne Fassade der Beherrschung bricht zusammen. „Sicher hast du gehört, dass dein Großvater Richard gespielt hat“, Gil geht vor Rosalie in die Hocke, um mit ihr auf Augenhöhe zu sein, „Mein Vater hat alles versucht ihn abzuhalten. Es hat nichts genützt. Ich weiß nicht erst seit gestern, dass ich ein marodes Anwesen mit einer Unsumme Schulden übernehmen muss. Andrew, der Halbbruder deines Vaters starb vor 18 Jahren, so lange schwebt das Damokles Schwert über mir.“

Traurig schaut Rosalie ihn an. – In seiner Verzweiflung ist er noch schöner. –

„Und was willst du tun?“, fragt sie leise.

Gil zuckt mir den Schultern. Rosalie sieht Tränen in seinen Augen glitzern. Unwillkürlich streckt sie die Hand aus, legt sie sanft auf sein Wange.

„Ich weiß es nicht“, Er legt seine Hand auf ihre, „wenn ich mir nicht in aller Ehre eine Kugel in den Kopf jagen will, muss ich eine Möglichkeit finden, die Schulden zu tilgen. Und zwar schnell. Die Gläubiger haben mir glaubhaft versichert, dass sie nicht länger warten wollen.“

Gil zieht Rosalies Hand an seine Lippen, haucht einen Kuss in ihre Handfläche. Ein Schauer rinnt durch ihren Arm.

„Lass dir von mir helfen“, Rosalies Stimme zittert.

„Das Collier wäre eine Hilfe gewesen.“

„Ich kann dir den Ring geben“, biete sie ihm an und will ihre Hand aus seiner lösen.

Gil hält sie fest.

„Nein. Es wäre nur ein Tropfen auf den heißen Stein. An deiner Hand hat er mehr wert.“ Erneut drückt er seinen Mund in ihre Hand. Gil sinkt auf die Knie, legt seinen Kopf auf Rosalies Oberschenkel. Mit dem freien Arm umschlingt er ihre Taille. „Ich bin müde. So unendlich müde.“

Zärtlich streicht sie durch seine Haare.

„Es tut mir so leid. Wenn ich dir irgendwie helfen kann“, seufzt Rosalie, „lass es mich wissen.“

Wenn die Schulden so hoch sind, weiß ich nicht wie die Hilfe aussehen könnte. –

„Das versucht Anthony auch schon. Er sucht den sagenumwobenen Schatz“, Gils Lippen gleiten auf Rosalies Puls, „es gibt etwas, das mir mehr helfen könnte.“ Gil richtet sich auf. Seine hellen Augen bohren sich in Rosalies. „Du bist wunderschön. Alles an dir.“

Rosalie rührt sich nicht. Gil übt eine unglaubliche Faszination auf sie aus. Seine angenehme Stimme, die zarten Berührungen und auf der anderen Seite die Kälte und Unnahbarkeit. Ihr Verstand und ihr Gefühl krallen sich in einem verworrenen Knäul ineinander.

„Darf ich dich auf den Mund küssen“, fragt Gil.

Sein warmer Atem streift über ihre Haut. Rosalie will sich nicht wehren. Vorsichtig nimmt Gil ihr Gesicht in seine Hände. Sie schließt die Augen. Gil küsst sie. Seine Zärtlichkeit überrascht Rosalie. Sanft verstärkt er den Druck, öffnet ihre Mund. Seine Zunge erkundet ihre feuchte Mundhöhle. Rosalies Atem geht schneller. Hitze läuft ihre Kehle hinunter bis ihren Schoß. Ihre Finger suchen Halt auf seinen Schultern. Gil öffnet den Gürtel ihres Morgenmantels, streift ihn von ihren Schultern. Aufreizend langsam schiebt er das seidenen Nachthemd über ihre Knie hinauf.

Rosalie genießt das erregende Gefühl, dass Gils Hände auf ihren Schenkeln hinterlassen. Sie spreizt ihre Beine. Unter halbgeschlossenen Lidern sieht sie Gils triumphierendes Lächeln. Er packt sie bei den Hüften, zieht sie an die Sesselkante. Ein tiefes Stöhnen entringt sich ihrer Kehle.

„Gil“, nur ein Wispern.

„Ich will dich ganz“, seine Stimme ist rau, geht ihr unter die Haut.

Ein unnachgiebiges Pochen an der Tür. Rosalie zuckt zusammen.

„Gil, wir müssen reden.“

„Es ist alles gesagt, Anthony.“

Rosalie schiebt Gil sanft von sich, wirft sich ihren Morgenrock über.

„Bitte, geh nicht“, flüstert Gil und zieht Rosalie zu sich heran.

Rosalie lächelt. Nickt zustimmend. Erneutes heftiges Klopfen.

„Mach auf! Ich will dir etwas Wichtiges zeigen. Es ist auch in deinem Interesse.“

„Moment!“

Gil schaut Rosalie mit flehendlichem Blick an.

„Bitte warte auf mich.“ Er streicht ihr eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht, haucht einen Kuss auf ihre Stirn. „Ich bin gleich zurück.“

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: