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Posts Tagged ‘verloren’

William Henderson hatte die ganze Nacht gesoffen und fürchterliche Dinge getan.

Nun stand er auf der Stadtmauer, sah in die Tiefe und machte sich bereit zu springen. Für einen Moment, fragte er sich, ob es reichen würde, seinen Tod herbeizuführen, aber in seinem benebelten Zustand fiel es ihm schwer, die Entfernungen abzuschätzen. William atmete einmal tief durch und kletterte auf die Ummauerung.

Er hatte alles verloren, Haus und Hof, jedes Pfund, dass seine Familie besaß. Zuerst gewann er, dass fachte seine Gier an und er erhöhte die Einsätze, dass seinen Mitspielern schwindelig wurde. Dann wendete sich das Blatt und Lady Fortuna nahm ihm alle Gewinne und noch mehr. In seiner Wut auf das Schicksal ließ William sich zu schlimmen Dingen hinreißen und ruinierte sich nicht nur finanziell, sondern trat auch seinen guten Ruf in den Schlamm.

Welcher Teufel ihn auch geritten haben mochte, es war unmöglich die Zeit zurückzudrehen und die Katastrophen ungeschehen zu machen. William machte einen Schritt nach vorn, als ihn eine harte Hand zurückzog. Er fiel nach hinten und landete unsanft auf dem Hinterteil. Vor ihm stand ein elegant gekleideter Herr, der ihn mit spöttischen Augen ansah.

„Bevor du deinem armseligen kleinen Leben ein Ende setzt, möchte ich dir einen Handel vorschlagen. So hättest du wenigstens einen kleinen Nutzen für die Menschen, die du heute Nacht so sehr verflucht hast.“

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Ich sprang vom Pferd und rannte geduckt auf den Bootssteg zu. Gewitterwolken verdunkelten den Sternenhimmel. Das kam meinem Plan sehr zu gute. So könnte ich die Mauern des Schlosses überwinden, ohne gesehen zu werden. Ich ließ mich auf das Deck des kleinen Segelbootes gleiten. Es gehörte Mister Gibson, dem Dachdecker unseres kleinen Ortes. Ich wusste, dass er eine große Auswahl von Tauen auf seinem Boot deponierte. Aus meiner Tasche kramte ich das Feuerzeug meines Vaters hervor und zündete eine kleine Petroleumlampe an. Sie sollte mir helfen, mich unter Deck zu recht zu finden. Vorsichtig stieg ich in die Kajüte und öffnete die Tür zum Laderaum. Es dauerte nicht lange und ich fand ein passendes Tau mit Enterhaken. Eilig stieg ich wieder an Deck, warf das Seil auf den Steg und wollte hinterher klettern, als mich eine vertraute Stimme fragte:

„Na Elena, bestiehlst du jetzt ehrbare Leute?“

Ich fuhr herum.

„Was soll das heißen, Dash Tramell? Willst du behaupten ich stehle? Das Seil ist nur geliehen, ich bringe es nachher zurück.“

Dash lachte und trat aus dem Schatten.

„So?“ fragte er provozierend, „wie war das letztes Jahr zu Erntedank? Hast du dem alten Burton etwa keine Wagenladung Kürbisse geklaut, die sind jedenfalls verschwunden geblieben.“

Ich atmete scharf aus.

„Er ist ein alter Geizkragen! Es war immerhin Erntedank und er hat nicht einen einzigen Bonbon für die Kinder heraus gerückt! – Außerdem geht dich das nichts an!“

„Ich sehe das ganz anders. Immerhin bin ich mit Gibson verwandt. Ich könnte sofort zu ihm gehen und es ihm stecken, es sei denn…“, brach er den Satz ab.

„Es sei denn was?“

Mein Herz klopfte schneller. Ich hätte netter zu Dash sein sollen, aber der Kerl ließ keine Gelegenheit aus, mich zu ärgern.

„Es sei denn, du sagst mir was du vorhast.“

Dash stand so dicht vor mir, dass ich seinen Atem auf meinem Gesicht spürte.

„Wieso? Was willst du von mir? Reicht doch wenn ich in einem Schlamassel stecke.“

Dash lachte wieder, legte seine Hände auf meine Hüften und zog mich fest an sich.

„Ich finde es aber viel lustiger, wenn wir beide in einem Schlamassel stecken.“

Dash beugte sich zu mir herunter und küsste mich. Mir wurde schwindelig, meine Knie drohten nachzugeben.

„Was soll das“, stammelte ich, als er mich losließ.

„Nichts. Ich besiegele unseren Pakt. – Also was ist? Was hast du vor?“

Ich zögerte einen Moment. Sollte ich Dash in mein Vorhaben einweihen? Ich bezweifelte nicht, dass er mich verpfeifen würde. Andererseits war es inzwischen auch egal, ob er davon wusste oder nicht. Mit Sicherheit erfuhr bald das ganze Dorf von meiner Misere. Was machte es, dass Dash etwas früher davon erfuhr.

„Es ist so: Ich steige heute Nacht ins Schloss ein. Die haben etwas, das mir gehört. Das hole ich zurück.“

„Was kann Lord Duvall haben, das deiner Familie gehört?“, fragte Dash erstaunt.

Ich holte tief Luft und gab mir einen Ruck:

„Eine Urkunde, die ihm zusichert, dass ich ihn an meinem 18 Geburtstag heirate.“

„Das ist ein Witz!“

„Kein Witz“, meine Kehle war wie zugeschnürt, „mein Vater hat im Spiel alles an Lord Duvall verloren. Haus und Hof. Für die Urkunde meiner Einwilligung in diese Heirat hat er es zurück erhalten. Aber ich werde diesen Widerling niemals heiraten. Niemals!“

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Verloren

Im Nirgendwo

Irgendwo

Zwischen den Welten

 

Verloren

Auf dem Weg

Zu mir

Traf ich dich

 

Verloren

Im Durcheinander

Meiner Gefühle

Für dich

 

Verloren

Wie du

Zwei Suchende

Auf der Reise

 

Verloren

Zwischen den Welten

Gefunden

Nie mehr allein

Die Musik stammt von Frank Ocean, Lost.

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Meine Mutter geht mit mir in ein Einkaufszentrum. Es ist so voller Menschen, Geräuschen, Lichtern und Dingen, dass ich mich nicht satt sehen kann. Meine Mutter trifft eine Bekannte. Sie reden kurz, niemand beachtet mich und ich versuche die Auslagen in den Schaufenstern zu betrachten. Meine Mutter zieht mich weiter. Von einem Geschäft zum nächsten. Sie drückt meine Hand so fest, dass es weh tut. Vor dem Spielzeugladen darf ich auf dem blauen Elefanten reiten. Meine Mutter sagt: Ich soll hier warten, sie muss noch etwas erledigen. Irgendwann steht der Elefant still. Ein anderes Kind will reiten. Ich muss absteigen. Im Schaufenster sehe ich mir die bunten Spielzeuge an. Ich warte. Hinter einem Auto sitzt ein kleiner Teddy. Er trägt einen grauen Pulli mit roten Rändern. Ich werde ihn meiner Mutter zeigen. So einen hab ich mir schon lange gewünscht. Meine Mutter hat mir verboten alleine in so einen großen Laden zu gehen. Ich warte. Neue Kinder kommen und reiten auf dem Elefanten. Die Menschenmassen werden weniger. Die Warenkörbe werden eingeräumt und die Ladentüren geschlossen. Die Leute machen Feierabend. Ich warte. Meine Mutter holt mich nicht ab. Ich bin ein verlorenes Kind.

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