Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Unruhe’

„Ich lebe, um zu schreiben.“

Katherine Mansfield

Ich kann Katherine zu 100 Prozent zu stimmen. Egal, wie gut oder schlecht meine Texte sein mögen, ob sie „veröffentlicht“ werden oder nicht. Schreiben ist das, was ich tun will. Nicht mehr, nicht weniger. Mich darüber freuen einen geneigten Leser zu finden, der meine Texte liest und für ein paar Minuten die Zeit vergisst.

Seid ich meinen neuen Job habe, rotiere ich an allen Fronten. Ich habe nette Kollegen und die Arbeit macht mir Spaß. Trotzdem schmerzt es mich, dass ich sehr viel weniger Zeit zum Schreiben habe und in der Zeit, die ich habe müde oder geistig erschöpft bin. In mir ist eine innere Unruhe und Nervosität, die sich nur vertreiben lässt, wenn ich schreibe oder in anderer Hinsicht kreativ sein kann.

Im Gespräch mit einer Freundin, sagt sie: „Ich wäre dankbar, wenn ich wieder etwas Routine in meinem Leben hätte.“ Eins der Dinge, die man oft verachtet. Routine – laufen im Hamsterrad des Lebens – nein, das will niemand und doch, auch ich bin dankbar für eine gewisse Arbeitsroutine, die sich langsam einstellt. Sie enthebt mich des ständigen Nachdenkens. Wie war das nochmal? Machst du alles richtig? Hast du nichts vergessen?

Ich lebe nicht, um zu arbeiten. Ich lebe, um zu schreiben! Darum habe ich eine Arbeit gewählt, die mir so viel freie Zeit zum Schreiben wie möglich gibt und trotzdem meinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Das Ganze ist ein Teufelskreis. Hab ich Zeit und kann schreiben, muss ich mir Gedanken machen, wie ich den nächsten Monat rumbringe. Hab ich Arbeit, die mir ermöglicht nicht jeden Euro zweimal umzudrehen, habe ich wenig Zeit und mein Kopf ist voll mit „unnützen“ Gedanken.

Doch am Ende des Tages zählt nur eins: Schreiben. Jedes Wort, jeder Satz, vielleicht ein Absatz oder eine Seite lässt mich aufatmen – lässt mich atmen. Luftholen! Aussteigen aus dem Hamsterrad, einsteigen in das Reich meiner Fantasie.

Ich lebe, um zu schreiben! Und schreibe, um zu leben. Das eine bedingt das andere. Ich schreibe, um einem geneigten Leser und mir selbst einen Moment des Luftholens zu verschaffen. Und so wird es bis zum Ende bleiben. Mein Leben ohne Schreiben ist möglich, aber undenkbar.

Read Full Post »

Das denkende Herz der Baracke, die Tagebücher 1941-1943

4.Juli(1941)

In mir ist eine Unruhe, eine bizzare, teuflische Unruhe, die produktiv sein könnte, wenn ich etwas damit anzufangen wüsste. Eine „schöpferische“ Unruhe. Es ist keine Unruhe des Körpers, nicht einmal ein Dutzend aufregender Liebesnächte könnten ihr ein Ende bereiten. Es ist beinahe eine „heilige“ Unruhe. O Gott, nimm mich in deine große Hand und mach mich zu deinem Werkzeug, lass mich schreiben. Das ist alles durch die rothaarige Lenie und den philosophischen Joop gekommen. S. (der deutsche Psychochirologe Julius Spier) traf sie zwar mit seiner Analyse mitten ins Herz, aber ich fühlte dennoch, dass sich der Mensch nicht durch eine einzige psychologische Formulierung erfassen lässt, nur der Künstler kann dem letzten irrationalen Rest eines Menschen Ausdruck geben.“

Read Full Post »

„Bringen sie mich auf die andere Seite!“

Leas Stimme duldete keinen Wiederspruch. Aber der Marquis wäre nicht der, der er war, wenn er diese Aufforderung ohne Kommentar hingenommen hätte.

„Und du bist sicher, dass du weißt was du tust?“

Es war keine Frage auf die er eine Antwort von ihr erwartete, dazu kannte er sie zu gut. Aber etwas in ihrer Entschlossenheit und der Loyalität gegenüber ihrem alten Meister rührte ihn. Es war so menschlich. Niemals ein Nein akzeptieren. Es gab eine Zeit, Äonen her, in der er ebenso dachte. Am Ende hatte ihn diese Beharrlichkeit das Leben gekostet, das er bis dahin kannte, und ihn zu dem gemacht, was er war. Das Oberhaupt der grauen Wächter. Niemand hatte mehr Macht als er.

„Nein, ich weiß nicht was mich erwartet“, gab Lea zu, „aber ich habe ein Schuld auf mich geladen, die ich abzahlen muss und auch sie, mit ihren schlauen Sprüchen, können meine Meinung nicht ändern.“

Der Marquis zog erstaunt die Augenbraue hoch. Mit sovielen Informationen hatte er nicht gerechnet. Für einen kurzen, sehr kurzen, Moment überlegte er, ihr die Wahrheit über das zu sagen, was sie auf der anderen Seite erwartete. Seine Neugier hinderte ihn daran.

In den hunderten Jahren seiner Existenz war er vielen Frauen begegnet. Manche hatte er anziehend gefunden, einige waren exotisch und andere hatten ihn belustigt. Lea war die erste Frau, die seine Intelligenz forderte. Davon abgesehen, dass sie einen wohlgeformten geschmeidigen Körper und ein apartes Gesicht hatte, war sie klug und ihre Auffassungsgabe rasant. Es interessierte ihn, wie weit sie bereit war zu gehen. Ein Experiment, das ihn eine Zeitlang seine Langeweile vergessen ließ.

Lea war die erste Frau, die er nicht bezirzen konnte. Das imponierte ihm. Der Marquis betrachtete es als Herausforderung ihren Willen zu untergraben, bis sie sich ihm freiwillig hingab.

„Ich warte.“

„Nun, dann“, der Marquis machte eine einladende Handbewegung, „folge mir.“

Er reichte ihr die Hand. Widerwillig ergriff Lea sie. Entgegen ihrer Erwartung, war sein Griff warm und fest. Ohne die Verbindung zu ihm, wäre es für einen Menschen unmöglich die andere Seite zu betreten.

„Bleib dich bei mir“, befahl der Marquis. „Der Übergang ist nicht ungefährlich. Wenn wir getrennt werden, könntest du verloren gehen und niemand würde dich je wiederfinden. Und das wollen wir doch nicht.“

Lea hörte den spöttischen Unterton in seiner Stimme, aber die innere Unruhe, die sie trotz ihrer Kühnheit verspürte, hielt sie davon ab, etwas zu erwidern.

Der Song zu diesem weiterführenden Text stammt von Jason Derulo „take me to the other side“.

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: