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Posts Tagged ‘Unbändig’

Un-Worte

Ein stiller Wintertag. So still, dass ich meinen Herzschlag hören kann und es tut weh. Könnte ich doch aufhören zu fühlen. Einfach so. Den Schmerz und die Sehnsucht in ein Paket verschnüren und in den tosenden Fluss werfen, mit einem milden Lächeln zusehen, wie sie versinken. Dann in aller Seelenruhe nach Hause gehen, mich aufs Sofa setzen und nie wieder diese lästigen Gefühle der ganzen UN-Worte aushalten müssen. Unzufrieden, unnahbar, unglücklich, unerfüllt, unromantisch, ungeliebt, unmöglich, ungerecht…

Ich wünsche mir, dass ich atmen kann ohne den Schmerz der Unvollständigkeit zu spüren, dieses nagende Gefühl ungenügend, unattraktiv, unfähig zu sein.

Ein stiller Wintertag. Die Sonne färbt die Ränder des Horizonts in sanftes Rosa und das blasse Blau des Himmels wird, wenn der fortschreitende Tag den Puderzucker geschmolzen hat, in ein kräftigeres Azur wechseln. Und doch, in mir ist Alltag. Immer derselbe Trott, ein Hamster in seinem Rad, Zeit totschlagend. Ich schreibe um meiner Einsamkeit Einhalt zu gebieten, anschreiben gegen die Monotonie, meine Sehnsucht auf dem Papier einzukreisen, damit sie mir nicht über den Kopf wächst und mich dumme Dinge tun lässt. Unvernünftig, unbändig, unangepasst, unrealistisch, unstet, unsachlich, unbekümmert sein.

Mein Herz ist so voller Liebe, Sehnsucht, Romantik, Wildheit, Begeisterung, Zärtlichkeit, Lachen, Freude und doch hat sich der Gleichklang der Tage wie ein eisernes Band um meine Brust gelegt, dass mich nicht atmen lässt. Ich wünschte die Grenze zu überschreiten und wie immer, wenn mich dieses Gefühl quält, halte ich die Luft an und versetzte mich in eine Art Trance, denn ich habe Angst, ich könnte mein ganzes Leben in Schutt und Asche legen, wenn ich loslasse.

Nicht dass ich etwas auszustehen hätte. Es ist ein relativ normales Leben und bis auf den kaputten Geschirrspüler läuft es nicht schlecht. Und doch, laufe ich innerlich gegen Wände, trete gegen Türen, schmeiße Steine gegen meine Fenster und schreie was das Zeug hält.

In dem Film E-Mail für dich, als sich Kate von ihrem Freund trennt, fragt er sie, ob es einen anderen gibt. Sie lächelt und antwortet: Nein, aber ein Bild von einem anderen (sie hatte ja bis dahin noch keinen Sichtkontakt mit Joe). Und das ist der Punkt! Da ist ein Bild! Das Bild eines Lebens, eines Menschen, eines Zustandes, den ich in meinem Herzen trage. Das Gefühl noch nicht dort zu sein, wo ich sein muss. Ist das nur meine Illusion, aufgebaut von den Gedanken, die einen in der Mitte des Lebens heimsuchen, oder ist es mir tatsächlich möglich dorthin zugelangen, an diesen bis jetzt noch imaginären Ort?

Mein Motto war immer: ich schreibe mir das Leben schön. Schreiben ist für mich, trotz der zwei Bücher, immer Selbstzweck gewesen. (Ich wünschte ich hätte mehr Selbstbewusstsein und vielleicht auch mehr Ehrgeiz.) Schreiben ist für mich: Spaß, um mich aufzumuntern, den Tag sonniger, heiterer, aufregender zu gestalten. Auf dem Papier. Aber wenn man das tut, beginnt man auch darüber nach zudenken, was wäre wenn… wenn ich in diesem Haus leben würde, in diesem Beruf arbeiten könnte, diesen Menschen treffen und dieses Abenteuer erleben würde? Das ist ein Gefühl, das einem die Seele mit einer Eisenkralle aufreißt bis man blutet und die Wunde zu schließen ist nicht so einfach. Eben mal ein Pflaster reicht nicht.

Für die Menschen um einen herum, kann das Aussprechen dieser Gedanken schmerzvoll sein. Ist er/sie nicht mir zufrieden? Was mache ich falsch? Nichts machen sie falsch. Es ist nur in meinem Kopf, meinem Herzen. Die Frage, die mich umtreibt ist, wie weit kann ich gehen? Wie egoistisch darf ich sein?

Es ist immer noch ein wunderschöner Tag. Das Rosa ist verschwunden, nur das Blau ist geblieben und dieses unbändige, wilde Gefühl, das Sehnsucht heißt.

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