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Posts Tagged ‘Tüll’

Sie steht vor dem Brautmodengeschäft. Sieht sich das Traumkleid aus Tüll und Perlenstickerei an. Drinnen berät eine Verkäuferin im dunkeln Kostüm vier Frauen. Sie sind ausgelassen, trinken Sekt.

Bei ihrer ersten Hochzeit hatte sie nicht genug Geld. Sie war jung. Gerade Neunzehn.

Bei der zweiten Eheschließung fand sie es nicht mehr passend. Sie war keine jungfräuliche Braut. Fand es Quatsch, dass Paare in der letzten Nacht vor der Hochzeit getrennt schliefen, obwohl sie seit Jahren durch die Betten turnten.

Beim dritten Mal war es nur für sie. Ihre Kinder waren dabei und zwei Trauzeugen. Es war ein warmer Tag im August. Die Standesbeamtin hielt eine schöne Rede. Persönlich. Er sah sie an, hatte Tränen in den Augen. Für ihn war es der Wunsch nach einer eigenen Familie. Für sie, endlich anzukommen. Später am Abend saßen sie in dem kleinen Café. Eine Liveband spielte. Er hielt sie im Arm. Vertraut, sicher, liebevoll.

Sie steht vor dem Brautmodengeschäft. Erinnert sich, als wäre es gestern gewesen. Sie sieht sich das Traumkleid aus Tüll und Perlenstickerei an. Spiegelt sich darin. Lächelt. Dann geht sie nach Hause.

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Heute ist der Tag! Mein größter Traum geht in Erfüllung. Tanzen bei einem der wichtigsten Tanzwettbewerbe meines Landes. Ich stehe am Rand einer festlich beleuchteten Tanzfläche und trage ein atemberaubendes Kleid. Hellblauer Tüll, mit tausend Strasssteinchen besetzt, rückenfrei. An meinen Füßen glitzern silberne Schuhe. Ich warte auf meinen Tanzpartner Al.

Die Tische, die um das Parkett drapiert sind, füllen sich langsam mit eleganten Herren in schwarzen Anzügen und schönen Damen in kostbaren Roben und blinkenden Juwelen. Kellner im Frack eilen zwischen den Tischen hin und her, um Bestellungen aufzunehmen und Champagner zu servieren. Das Orchester stimmt die Instrumente. Ich kann das Flirren der Nervosität im Raum spüren.

Jemand tippt mir auf die Schulter. Ich drehe mich um und erschrecke.

„Ben“, mehr bringe ich nicht heraus.

„Sorry, Al kommt nicht.“

Tränen steigen mir in die Augen. Es ist zu Ende, bevor es anfängt.

„Du tanzt mit mir.“

Es ist keine Bitte, sondern eine Feststellung.

„Nein!“ Ich schüttele den Kopf, „Du wolltest nicht mit mir tanzen. Ich erinnere mich nur zu gut an deine letzten Worte.“

Die Wut schnüre mir die Kehle zu. Was bildet sich Ben ein? Ich bin kein Stück Vieh, dass man hin und her schieben kann, wie es gerade passt. Die ersten Takte eines Wiener Walzers erklingen. Die Eröffnungsrunde für alle Teilnehmer.

„Die Tänzer auf die Tanzfläche, bitte“, tönt die Stimme des Conférenciers durch die Lautsprecher.

Energisch fast Ben meinen Arm, und ehe ich mich wehren kann, zieht er mich auf die Tanzfläche.

„Ich weiß, was ich gesagt habe“, wir nehmen Haltung an, machen die ersten Schritte, „und ich versichere dir, könnte ich sie ungeschehen machen, ich würde alles, wirklich alles, tun, um meine dummen Worte zurückzunehmen.“

Ich sehe zu ihm auf. In seinen Armen ist das Tanzen, wie auf Wolken gehen. Was mir an Erfahrung fehlt, macht Ben durch seine Professionalität wett. Er führt so sanft und doch so entschieden, dass ich ihm ganz leicht folgen kann.

„So kann ich dich nur inständig um Verzeihung bitten. Ich habe einen Fehler gemacht. Verzeih mir.“

Sein Gesichtsausdruck ist ernst und sein Blick drängt sich flehend in meinen. Oh, Himmel. Ich liebe ihn so sehr, dass es beinahe weh tut.

„Du bist wie geschaffen für mich. Es gibt keine andere.“

Wie unter einem Bann nicke ich und überlasse mich Bens Führung. Federleicht schwebe ich mit ihm über das Parkett. Nichts anderes ist jetzt wichtig. Nur die Musik und Ben.

Die Musik zu diesem Text stammt von Irving Berlin: Puttin`on the Ritz. Gesungen von Fred Astair oder Taco. Wobei die Tanzeinlage von Fred natürlich besser ist 😉 .

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Der Text entstand nach folgendem Schreibanstoß: Emily Willcox und Scott Gardner treffen sich auf einer Hochzeit. Einer von beiden bekommt einen Brief.

 

Scott stand im Foyer des Hotels Maritim und rückte sich seinen Schlips vor dem Spiegel zurecht. Er trug selten Anzug und fühlte sich nicht so wohl, wie er es in Jeans und

T-Shirt getan hätte, aber es war die Hochzeit seines besten Freundes und dafür konnte man sich schon in Schale werfen.

„Gut sehen sie aus“, sagte eine angenehme Stimme neben ihm.

„Danke, sie auch.“

Es war ein ehrliches Kompliment, denn er kannte die junge Frau. Es war eine der Brautjungfern. Während sie in den Speisesaal gingen, fragte Scott:

„Darf ich sie nach ihrem Namen fragen? Leider war ich vorhin etwas spät dran … ich stand im Stau.“

„Ja, der Londoner Frühverkehr“, seufzte die junge Dame, „mein Name ist Emily Willcox und sie sind?“

„Sehr erfreut Emily, mein Name ist Scott Gardner.“

„Ach, James bester Freund also.“

„Sie sind aber gut informiert“, stellte Scott fest und rückte Emily den Stuhl zurecht, „leider weiß ich nur, dass sie eine Brautjungfer sind.“

„Was unschwer zu übersehen ist.“

Emily verdrehte die Augen und zupfte an dem rosa Tüll herum, aus dem das Kleid gefertigt war.

„Können sie mir erklären, warum die Kleider Brautjungfern immer so unglaublich unvorteilhaft sind?“

Scott zuckte mit den Schultern.

„Sehr diplomatisch ausgedrückt. – Vielleicht damit die Braut noch besser aussieht?“

„Das wäre ein plausibler Grund, wenn die Braut hässlich wäre. Aber Sara ist eine wunderschöne Braut, also deswegen hätten die Kleider ruhig etwas hübscher ausfallen können.“

„Dann hätte die schönen Brautjungfern vielleicht von der Braut abgelenkt.“

Scott lächelte Emily gewinnend an.

„Sie sind ein Charmeur.“

Bevor Scott etwas erwidern konnte, erhob sich der Bräutigam und hieß die Gäste willkommen.

 

Das Essen war hervorragend und Scott unterhielt sich prächtig mit Emily. Er sprach dem guten Wein zu und merkte, wie sich eine wohlige Wärme in ihm ausbreitete. Emily hatte das bezaubernste Lachen, das er je gehört hatte und auch sonst war sie nahezu vollkommen. Die strahlend blauen Augen, die goldenen Löckchen, die ihr zartes Gesicht einrahmten. Dazu eine perfekte Figur. Kurz durchfuhr ihn der Gedanke, dass an jeder guten Sache ein Haken ist, aber als Emily ihn zum Tanzen aufforderte und sich an ihn schmiegte, verwarf er diesen Gedanken wieder.

„Sei froh, dass du dich aufgerafft hast hier herzukommen, sonst hättest du Emily nie kennengelernt“, schalt er sich und sah sich im Geist schon mit Emily in inniger Umarmung verschmolzen.

 

Scott setzte sich wieder an seinen Platz. Emily hatte ihn kurz verlassen, weil sie das WC aufsuchen wollte. Er nahm einen langen Schluck aus seinem Glas. Ihm war heiß geworden und er war sich nicht sicher, ob es an der Raumtemperatur, oder an Emily lag. Der gekühlte Rose schmeckte hervorragend und so leerte er das Glas. Da fiel sein Blick auf einen Umschlag, der ein Stück unter seiner Serviette hervor lugte.

„Nanu“, dachte er und sah sich um, „der hat aber vorhin noch nicht da gelegen.“

Scott war sich seiner Sache sehr sicher. Er hob die Serviette hoch und war erstaunt, als er seinen Namen in großen Buchstaben auf dem Umschlag vorfand. Noch mal sah er sich um.

„Wer schreibt mir hier Briefe.“

Er schüttelte den Kopf, öffnete den Umschlag und las:

„Lieber Scott,

ich danke dir für den schönen Abend. Ich hatte viel Spaß mit dir, du bist ein netter Kerl. Wir können uns nicht wiedersehen, aber ich hoffe, dass du auch ein paar schöne Stunden hattest. Leider waren es deine Letzten. Das Gift war im Wein, aber es wird schnell gehen, denn ich halte nichts von langen Todeskämpfen. – Ach, und falls du dich jetzt fragst, warum? Du hättest besser nicht mit Sara geschlafen und deinen besten Freund betrogen, so was kommt nie gut an. Aber das Problem ist ja jetzt gelöst.

Bye E.W.“

 

Scotts Augen weiten sich, er wollte schreien, aber die Laute blieben ihm im Hals stecken. Er sah noch, wie ihm der Brief aus den Fingern glitt und von einer zarten Frauenhand aufgehoben wurde, dann fiel er vom Stuhl und rührte sich nicht mehr. Emily lies den Zettel in ihrem Tülltäschchen verschwinden und nickte zufrieden. Auftrag ausgeführt.

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