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Posts Tagged ‘Tränen’

Im Dunkel der Schränke reifen die Sommerkleider. Warten auf einen Sommer, der niemals wiederkommt. Längst vergangen sind die Zeiten, in denen die Wiesen, Wälder und Gärten sich in leuchtend bunte Farben kleideten, die Luft vom Geschwirr der Vögel flirrte und in Mensch und Tier die Lust zu leben weckte.

Leer und öd ist es. Beton und Eisen überziehen die Welt. Müll, sichtbar und unsichtbar sind die neuen Farben. Lärm und Dissonanzen verstopfen uns die Ohren, verhindern, dass wir denken können.

Nach dem großen Krieg, den dumme, machtgierige Diktatoren anzettelten und dem sie ihre Völker opferten, verfiel das Land bis zur Unkenntlichkeit. Es lag im Todeskampf, getränkt mit Blut. In den Jahrtausenden, in denen es geknechtet und ausgebeutet wurde, hatte es nach der Schlachtung seiner Kinder die Lust am Leben verloren. Könnte ich so viele Tränen weinen, den Schmutz wegzuwaschen, ich weinte sie alle.

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Schreibe über den Sound, die Farbe, den Geruch/Geschmack von Einsamkeit.

Lullabye

Julies Hände zittern, krampfen sich um das Lenkrad. Sie fährt rechts ran. Der Song erwischt sie eiskalt.

“Goodnight, my angel
Time to close your eyes
And save these questions for another day
I think I know what you’ve been asking me
I think you know what I’ve been trying to say
I promised I would never leave you
And you should always know
Wherever you may go
No matter where you are
I never will be far away
Goodnight, my angel
Now it’s time to sleep
And still so many things I want to say
Remember all the songs you sang for me
When we went sailing on an emerald bay
And like a boat out on the ocean
I’m rocking you to sleep
The water’s dark
And deep inside this ancient heart
You’ll always be a part of me
Goodnight, my angel
Now it’s time to dream
And dream how wonderful your life will be
Someday your child may cry
And if you sing this lullabye
Then in your heart
There will always be a part of me

Someday we’ll all be gone
But lullabyes go on and on…
They never die
That’s how you
And I
Will be …

Die letzten Töne verklingen. Tränen laufen ihr die Wangen herunter, sammeln sich in ihren Mundwinkeln, tropfen auf das T-Shirt. Das Salz wird ihr bitter auf der Zunge. Julie schluckt sie herunter. Hofft, dass die Bitternis den Schmerz überflügelt und endlich heilt.

Er schickte ihr das Lied eines Nachts, als Julies Sehnsucht sie fraß und die Einsamkeit so tiefschwarz war, dass sie dachte, ihr Herz würde brechen. Es beruhigte sie, legte sich, wie seine sanfte Hand, auf ihre Seele.

Doch dann – Dinge geschehen – manche große Lieben dürfen nicht sein. Zur falschen Zeit am falschen Ort. Ein ängstliches Herz, Schuld, Verpflichtung. Niemand ist eine Insel. Das Leben geht keine geraden Wege.

„Wir dürfen uns nicht mehr sehen. Sie hat bemerkt, dass etwas anders ist.“

Julie blieb stumm. Sie nickte verständnisvoll. Vor diesem Moment hatte sie sich gefürchtet, gehofft er würde niemals kommen. Sie dachte an die andere Frau, die ältere Rechte hatte, die im Rollstuhl saß und seine Hilfe brauchte. Er hatte sie nicht im Unklaren über seine Situation gelassen. Julie wusste, vorauf sie sich einließ und sie tat es mit ganzem Herzen. Sie wollte ihn und war bereit jede Konsequenz zu tragen.

Julie dachte an den zauberhaften Moment ihrer ersten Begegnung. Sie waren in einem Buchladen zusammengestoßen. Ihr fielen die Bücher aus der Hand. Er hob sie auf. Ihre Blicke begegneten sich. In Julies Brust entzündet sich ein Funke, der ihr Herz in Flammen setzte.

Das Feuer brennt noch immer. Weder Entfernung, Stille, nicht Vernunft änderten etwas daran. Tausend Mal sagte sich Julie, dass es gut war. Besser früher, als später. Doch nichts überdauert länger, als unerfüllte Liebe. Die ungelebten Möglichkeiten, ungetauschten Küsse und Zärtlichkeiten, die unausgesprochenen Liebesschwüre, die nicht durchliebten Nächte, nicht gefühlten Ekstasen. Da war der Traum von etwas anderem. Eine Sehnsucht, die nichts löschen konnte.

Immer wieder sah Julie seine strahlenden Augen, das Lächeln, das ihr Herz im Sturm erobert hatte, vor sich. Sie konnte seine sanfte dunkle Stimme nicht vergessen, seine zärtlichen Lippen und die schönen Hände.

Julie atmete tief durch, wischte sich energisch die Tränen aus dem Gesicht. Er war dort draußen, irgendwo. Sie liebte ihn. Es gab kein Ende ihrer Gefühle.

Unerfüllte Liebe stirbt nicht an Gewohnheiten, Streit und Desillusionierung. Sie mag mit der Zeit ein wenig verblassen, aber am Ende lässt der Gedanke „was wäre gewesen wenn“ einen nicht los.

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Das Schwert lag schwer in ihren Händen. Mariam sah auf den Mörder ihres Bruders herab. Er keuchte, die Hände auf die klaffende Bauchwunde gepresst, die Simon ihm beigebracht hatte, bevor sein Gegner ihm das Herz durchbohrte. Ihre Augen begegneten sich und noch im Angesicht des Todes lachte er.

„Ich bin nicht der einzige“, ein Röcheln unterbrach ihn, er schnappte nach Luft, dann fuhr er fort, „es werden andere kommen. Ihr habt keine Chance. Eure Familie wird ausgelöscht, für alle Zeit vom Erdboden vertilgt. Dann wird niemand mehr dasein, der uns aufhält.“

Mariam zitterte vor Wut.

„Aber noch ist es nicht soweit! So lange einer meiner Sippe die Kraft hat ein Schwert zu führen, werden wir euch bekämpfen. Ihr werdet für eure Bosheit bezahlen.“

Sie biss die Zähne zusammen und legte ihre ganze Kraft in den Hieb, der ihm den Kopf vom Rumpf trennte. Dunkles Blut spritzte aus seiner Halsschlagader. Es hatte einen eigentümlichen, Übelkeit erregenden Geruch nach fauligem Fleisch und dem aufdringlich, süßlich schweren Duft einer Blume.

Mariam glitt das Schwert aus den Händen. Sie presste sich ihr Halstuch vor Mund und Nase, um den penetranten Geruch fernzuhalten. Tränen rannen ihr über die Wangen. Sie kniete neben Simon nieder und streichelte sein blasses, kühles Gesicht. Sie spürte, dass ihn sein Geist schon längst verlassen hatte. Der Schmerz legte sich, wie ein zu fest gezogenes Korsett, um ihren schmalen Körper. Sie konnte kaum atmen.

„Ich habe dich gerächt, Bruder und Freund“, schluchzte sie, „wohin dein Geist gehen mag, wir werden beisammen sein, du und ich. Zwei von einem Blut. Gebunden im Leben, vereint im Tod. Ich schwöre, bei dir und unseren Ahnen, das zu tun, was uns bestimmt wurde. Bis wir uns auf der anderen Seite wiedersehen.“

Mariam schloss ihm sanft die Augen. Sie wusste, was zu tun war. Sie musste ihm die letzte Ehre erweisen, durfte nicht schwach sein, sich nicht von ihrem Schmerz hinreißen lassen.

Sie sammelte Brennholz und bahrte Simon auf. Dann schnitt sie dem Dämon die schwarzen Flügel von den kopflosen Schultern und bedeckte ihren Bruder mit der Trophäe. Er war ehrenvoll im Kampf gestorben. Mariam löste die Kette mit dem Zeichen der Adler von Simons Hals und legte sie sich um. Sie war die letzte Jägerin des Clans. Nun lag es an ihr, der Familie Ehre zu machen und das Werk weiterzuführen.

Mariam zog ein Fläschen aus ihrer Tasche, schüttete den Inhalt über den sterbliche Hülle ihres Bruders und zündete den Scheiterhaufen an. Sie murmelte ein paar Worte in einer unbekannten Sprache und sofort schossen imposante Flammen empor, die den Leichnam und das Holz in Brand setzten.

Mariam starrte auf das Feuer. Mit klagender Stimme sang sie die alten Lieder, die ihnen ihr Vater seit frühen Kindertagen, immer wieder vorgesungen hatte. Es weckte die Erinnerung an den Tag, an dem Simon und sie ihren Vater auf dieselbe Weise, auf die Reise ins Land der Ahnen geschickt hatten.

Erst als auch die letzten Flammen erloschen waren, rührte sich Mariam vom Fleck. Sie fror, fühlte sich steif, ihre Muskeln hatten sich verkrampft. Die Augen brannten von den Tränen und dem beißenden Rauch.

Mariam nahm das geweihte Schwert ihres Bruders an sich. Noch einmal sah sie sich zu dem Häufchen um, dass von dem Scheiterhaufen übrig geblieben war, dann wandte sie sich ab und ging zu ihrem Auto.

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Gestern hätte ich nicht gedacht, dass dies wahr sein könnte! Doch in den letzten zwölf Stunden habe ich Dinge erlebt, die alles in den Schatten stellten, was ich je für möglich gehalten hätte.

Es begann damit, dass ich arglos die Tür meiner Wohnung öffnete, in der Vorfreude auf einen entspannten Feierabend. Ich hängte meinen Mantel an die Gaderobe, zog meine Schuhe aus und ging in die Küche. Dachte ich.

Ihr könnt euch mein Erstaunen vorstellen, als ich plötzlich in einem Vorratskeller stand. Ich rieb mir die Augen. Gut, ich hatte seit drei Wochen Überstunden geschoben und jedes Wochenende gearbeitet, aber diese Halluzinationen konnte das nicht rechtfertigen. Ich drehte um und wollte auf den Flur zurückgehen.

Dieser war noch vorhanden. Also es war ein Flur, nur nicht meiner. Fassungslos blickte ich einen Flur entlang, der die Ausmaße einer kleinen Hauptstraße hatte. Auf der linken Seite reihten sich Türen zu Zimmern aneinander, während auf der rechten Seite Fenster lagen, durch die das Sonnenlicht herein fiel.

Ich wusste nicht, wie lange ich dort stand und überlegte, was ich tun sollte. Einfach warten? Aber auf was? Oder losgehen und die Zimmer erkunden? Die Entscheidung wurde mir abgenommen, als ich einen Hilfeschrei, gefolgt von lautem Weinen, aus einem der Zimmer hört. Kein mitfühlender Mensch konnte sich dem entziehen. Ich rannte los und stürmte in den Raum, in dem ich das Weinen vermutete. Wie angewurzelt blieb ich stehen und blickte auf die Szenerie, die sich mir darbot. Eine Prinzessin oder Königin in Tränen aufgelöst.

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„Der Sturm kommt.

Mias Vater sah beunruhigt gen Himmel. Sie folgte seinem Blick konnte aber nichts erkennen. Es war ihr ein Rätsel, wie ihr Vater das Wetter so genau voraussagen konnte. Immer wenn sie ihn danach fragte, sagte er:

„Erfahrung Schätzchen, langjährige Erfahrung.“

Mia bettelte ihn an, ihr seine Tricks anzuvertrauen, aber er schüttelte nur den Kopf.

„Das ist nicht nötig, Schätzchen. Du bist ein Mädchen und ein hübsches noch dazu. Eines Tage wirst du einen reichen Mann heiraten, der gut für dich sorgt. Du sollst es besser haben, als dein Mutter und ich.“

Das trieb Mia jedesmal die Tränen in die Augen. Sie liebte den Hof, die Tiere und auch die Arbeit machte ihr nichts aus. Was sollte sie mit einem reichen Schnösel?

„Wir müssen die Pferde von der Koppel holen“, mahnte ihr Vater.

Mia folgte ihrem Vater zur Pferdekoppel hinter dem Haus. Er schien den Sturm schon am Morgen vorausgeahnt zu haben, denn im Allgemeinen brachte er die Pferde auf die große Wiese, die an den Wald grenzte.

Mia war schon wieder in der Scheune, als ihr Vater das letzte Pferd von der Koppel holte. Ehe sie sich versah, brach ein Sturm los, dem niemand standhalten konnte.

 

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Ein gestohlener Ring, Angst vor Spinnen, ein unheimlicher Fremder

Ich drückte mich in die enge Nische zwischen Schrank und Wand. Die schweren Schritte auf dem Flur entfernten sich. Meine Angst vor dem Eindringling war größer, als die panische Angst, die ich vor Spinnen hatte. Unter normalen Umständen hätte ich mich niemals, never ever, in diese Nische gequetscht. Ich lauschte angespannt. Die Haustür fiel krachend ins Schloss. Eine Dreistigkeit, dachte ich, es scheint ihm überhaupt nichts auszumachen, gesehen zu werden. Ich verließ mein Versteck und rief die Polizei.

***

„Fehlt etwas?“

Kommissar Harris sah mich aufmerksam an. Ich nickte und wischte mir ein paar Tränen von den Wangen.

„Ja, der Ring meines Vaters. Ein Erbstück, seit Generationen im Besitz unserer Familie.“

„Sonst nichts?“

Ich schüttelte den Kopf. Ich musste den Ring zurückbekommen. Unbedingt!

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Verschlungen auf endlosen Pfaden
Zwischen Gedanken
Wünsche und Träumen
Wandere ich
Dem Ziel entgegen
Ohne es zu erreichen

Enger schließen sich die Stäbe
Aus Angst und Traurigkeit
Geboren in der Vergangenheit
Lassen mir keine Ruhe
Vermag nicht zu atmen
Bewegungslos gebannt

Durch Sprachlosigkeit
Schreiende Stille
Die nichts wegwischt
Weder tausend Tränen
Noch verzweifelte Liebe

Gefangen im Labyrinth
Des seichten Lebens
Strebe ich der Tiefe zu
Finde nur den Abgrund
In den ich stürze

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