Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Tiefe’

Die Nacht erstrahlt in deinem Glanz

Deine Musik beglückt meine Stille

Bewegt vom Rhythmus deines Herzens

 

Ein Wort von dir geflüstert

Bringt meine Seele zum Erklingen

Wie Glas bin ich in deiner Hand

 

Die Schwingung deiner Stimme

In meine tiefste Tiefe sinkt

Entlockst mir einen reinen Ton

 

Fasst mich mit zartem Griff

Küsst meinen Rand mit weichen Lippen

Nippst süßen Wein aus meinem Kelch

 

Rühr mich an mit deinem Geist

Der mich mit Leidenschaft befeuert

Die Worte überfließen lässt

 

Rühr mich an mit deinem Körper

Der mein Begehren weckt

Der Liebe fühlbar Form verleiht

 

Rühr mich an mit deiner Seele

Die mich erkennt und hält

Ein Spiegel meiner Wünsche

Read Full Post »

Tintenfass, Bleistift, Duftkerze, Schere, Kaffeetasse, Federhalter, Lesezeichen, Kalender, Brille, Orchidee, Hexensteine, Tagebuch, Schal, Briefe, Notizbuch …

 

In meiner linken Hand fühlte ich die Hitze des Hexensteins. Ein Duft aus Sandelholz und Weihrauch hüllte mich ein. Ich konzentrierte mich völlig auf mein Vorhaben. Behutsam tauchte ich die silberne Feder in die nachtschwarze Tinte. Vorsichtig setzte ich die getränkte Spitze auf das feine Papier meines Notizbuches. Zaghaft schrieb ich das erste Wort. Scharf hoben sich die dunklen Buchstaben auf dem cremefarbenen Papier ab. Nichts ist für immer und doch kam es mir vor, als könnten meine Worte die Ewigkeit überstehen. Das zweite Wort wurde sichtbar, dass Dritte und so fort. Immer schneller glitt die Feder über das Papier. Füllte Seite um Seite.

Ich befand mich in einem Rausch und vermochte nicht aufzuwachen. Ich ging durch die Räume meiner Fantasie, während die Feder meine Geschichten aufschrieb. An nichts anderes konnte ich denken, weder Hunger noch Durst verspüren. Tage vergingen ungesehen, Nächte huschten an mir vorbei. Allein die Feder bannte Worte auf Papier. Anfangs nährte mich die Euphorie, aber je länger es dauerte, umso mehr zehrte sie mich aus. Gleichwohl vermochte ich mich nicht zu lösen. Nur noch ein Schatten meiner selbst verhallte irgendwo auf den gefüllten Seiten mein Leben, in dem Wunsch etwas Großes zu hinterlassen.

Ich erkannte, dass ich sterben würde. Mit der Feder in der Hand. Die Folge des unbedachten Wunsches, mich aus der Masse herauszuheben. Besonders zu sein. Mich auf den Blättern, die meinen Kosmos bedeuten, verewigt zu sein. Nicht zufrieden mit dem langweiligen, seichten Leben, dass die Welt mir bot. Nein, ich wollte hinaufsteigen in die höchste Höhe und hinab in die tiefste Tiefe. Wollte alles. Dass ich dafür alles geben musste, hatte ich nicht bedacht.

Es war zu spät. Die Tinte neigte sich dem Ende und die Feder war bereit den Schlusspunkt zu setzen. Ich spürte den Hexenstein in meiner Hand erkalten. Er brannte aus, so wie ich meine Lebenskraft verbrannt hatte, in dem Bestreben nie vergessen zu werden und damit unsterblich zu sein. Die Kunst ist eine fordernde Gebieterin. Es gibt nur Alles oder Nichts. Ich hatte meine Wahl getroffen und bezahlte den Preis. Ein Leben für Worte.

Read Full Post »

Verschlungen auf endlosen Pfaden
Zwischen Gedanken
Wünsche und Träumen
Wandere ich
Dem Ziel entgegen
Ohne es zu erreichen

Enger schließen sich die Stäbe
Aus Angst und Traurigkeit
Geboren in der Vergangenheit
Lassen mir keine Ruhe
Vermag nicht zu atmen
Bewegungslos gebannt

Durch Sprachlosigkeit
Schreiende Stille
Die nichts wegwischt
Weder tausend Tränen
Noch verzweifelte Liebe

Gefangen im Labyrinth
Des seichten Lebens
Strebe ich der Tiefe zu
Finde nur den Abgrund
In den ich stürze

Read Full Post »

„Der geflügelte Löwe“, flüsterte Karan, „es gibt ihn wirklich.“

„Meinst du, es ist wahr und hier liegt das Geheimnis der Fürsten der alten Reiche verborgen?“

Alynd berührte sacht Karans Arm. Er erschrak, so sehr bannte das große Siegel seine Gedanken. Karan kannte den Zauberspruch, der es öffnen konnte. Besessen war er davon gewesen, die Burg der Alten zu finden und dem Wahrheitsgehalt der Legenden auf den Grund zu gehen. Nun da Karan sein Ziel fast erreicht hatte, schien ihm das Ganze nichts mehr zu bedeuten. Zu viele Opfer hatte er bringen müssen und niemand war Schuld dran, nur er allein.

„Willst du den Spruch nicht sagen?“

Alynd sah ihn fragend an. Karan vermied es zurückzuschauen.

„Sollen die Opfer umsonst gewesen sein? Der Schmerz, die Tränen und Entbehrungen?“, fragte sie sanft.

Karan wandte ihr das Gesicht zu. Kein Vorwurf über sein Versagen lag in ihren dunklen Augen, nur unendliche Liebe. Sie liebte ihn, hatte es schon immer getan. Jetzt, am Ende des Weges, erkannte er es. Wie war das möglich? War das die Antwort auf alle Fragen? Den Sinn, die Tiefe, die Essenz des Lebens an sich? Die Liebe.

„Bist du sicher? Wollen wir das wirklich tun?“, fragte er.

Alynd nickte.

„Ja. Ich werde immer bei dir sein. Wohin du auch gehst. Ob zum Guten oder Schlechten. Nichts wird mich von dir trennen.“

Sie griff nach seiner Hand. Spürte die rauen Stellen, die Schwielen der harten Arbeit an seinen Fingern. Hände die hart zupacken und sanft streicheln konnten. Karan hob Alynds Hand zum Mund und küsste ihren Handrücken. Ihre Augen versanken in einander. Die Prinzessin und der Schmied. Das waren sie einmal gewesen. Alynd kam es vor, als wäre es Zeitalter her. Nun waren sie Liebende. Sie lächelte ihm ermutigend zu.

Karan legte die frei Hand auf das große Siegel. Er spürte das Relief des geflügelten Löwen unter seiner Handfläche. Dann sprach er den Zauberspruch.

Read Full Post »

Ins Meer hinein, ins Meer,
in seine schwerelose Tiefe,
wo die Träume sich erfüllen,
und Zwei in einem Willen sich vereinen,
um zu stillen eine große Sehnsucht.

Ramón Sampedro

Das Meer ein Ort der Sehnsucht. Licht, Himmel, Wolken, die Ströme der Gezeiten. Es zieht uns unaufhaltsam an. Das Meer, das letzte Mysterium unseres Planeten, in dem Tiefen existieren, die unerforscht und für uns nicht zu erfassen sind.

Dort spüren wir die Unendlichkeit auf eine beinahe stoffliche Weise. Anders als bei einem Blick auf den nächtlichen Himmel, der uns Ehrfurcht abverlangt, liegt das Meer mit seinen Schätzen, Schönheiten und Gefahren direkt vor unseren Füßen.

Wir durchleben seine Auswirkungen ungefiltert an Körper und Geist. Den Wind, die Macht der Wellen, die sprühende Gischt auf der Haut, den Sand unter unseren Füßen. Weite, die wir sehen und dennoch nicht erfassen können. Eine tiefe Ruhe steigt in uns auf, selbst unter dem Brausen des Sturms, wissend danach wird alles wieder rein und klar vor uns liegen.

Doch das Meer ist mehr als ein Ort, den wir ersehnen. Es ist die Fülle, die Unendlichkeit in uns. Das Rollen der Wellen an die raue Küste gleicht dem Schlagen der Herzen unserer Mütter, als sie uns in sich trugen. Das Urmeer, das uns geborgen hielt und nährte, bis zum Tag der Geburt. Das Meer, Anfang und Erhalter allen Lebens.

Das Meer in uns besitzt eine Tiefe, die wir nicht ermessen, nicht durchmessen können. Wie das Menschenherz, dessen Wünsche und Obsessionen wir nicht einmal selbst verstehen. Wir blicken in dunkelste Abgründe, werden von hellstem Licht an die Oberfläche zurückgezogen, um erneut dem Rausch der Tiefe zu verfallen.

Das Meer in uns ist eine Sehnsucht so groß und weit, so zeit- und grenzenlos. Sie lässt uns niemals ruhen, treibt uns immer weiter an, auf der Suche nach der Fülle des Lebens. Sehnsucht nach dem Ganzen. Sehnsucht nach einer Liebe, die alle Fragen beantwortet. Sehnsucht nach Freiheit von Hektik und Zwängen. Sein um des Seins willen.

Immer wieder werden wir in den Sturm des Lebens gejagt, kämpfen, bezwingen ihn. Im beständigen Kreislauf der Gezeiten werden wir an den Strand unseres Selbst gespült und in uns zurückgeworfen. Gehen unter. Bis an den Rand des Todes und tauchen wieder auf. Sanft gewogen in den Armen unseres Sehnsuchtsmeeres.

Sehnsucht nach dem Meer. Sehnsucht nach mehr. Mehr Erfahrung, mehr Wissen, mehr Fülle, mehr Gefühl. Sehnsucht nach Unendlichkeit. Nach Unsterblichkeit. Das ist der Antrieb aller Bestrebungen, aller Kunst. Unser Name auf Stein gemeißelt, auf Leinwand gemalt, auf Papier gedruckt.

Wir stehen am Ufer unseres Lebens. Blicken auf den Horizont. Sehen die Sonne rot brennend versinken und fragen uns bange, was wird sein? Gibt es eine Antwort? Vielleicht die der Philosophen, der Religionslehrer – doch am Ende müssen sie die Antwort schuldig bleiben. Wir gehen in unbekannte Gefilde. Wie Ramón Sampedro es ausdrückte: in eine schwerelose Tiefe.

Eine namenlose Sehnsucht, die in uns schwingt, uns hält und uns zu unserem Ausgangspunkt zurückführt, dem Meer in uns.

Seit Beginn der Zeit brandet das Meer an die Gestade der Küsten und so wird es sein, wenn wir längst vergessen sind. Strebt das Meer in uns danach, sich an den Gestaden unseres Geistes zu brechen, werden wir ein Stück Unsterblichkeit erlangen.

Sehnsuchtsmeer
Tief in mir verborgen
Niemand kann es sehen
Niemand wissen
Niemand fühlen
So wie ich

Caroline Susemihl

Read Full Post »

Für Sivvy

Elegie für Sivvy (Für Silvia Plath)

 

Sie ist fort

Einfach gegangen

Warum

Sie, die Einzige, die mich verstand

Die Tiefe, die Höhe, die Fülle

Meines Schmerzes, meiner Sehnsucht begriff

Ich bleibe zurück

Verzweifelt, allein

Mit so vielen Tränen

Meine Gedanken laufen ins Leere

Was soll ich tun

Ohne sie

Sie gab meinen Träumen einen Namen

Zeigte mir neue Wege

Und stahl sich einfach davon

Was werde ich tun

Wenn das Dunkel weicht

Die Dämmerung beginnt

Ich zünde ein Feuer für sie an

Das ich mit meinen Tränen nähre

Wort für Wort füg ich hinzu

Damit sie mir von einem fernen Ort

Ein Lächeln schenkt

Ihr jähes Ende nicht vergeblich war

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: