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Posts Tagged ‘Teufel’

Wir haben uns auf Teufel komm raus geliebt, dann kam er und wir wussten nicht mehr weiter. Heute frage ich mich, ob es sich wirklich gelohnt hat, für diese fragilen Momente der Ekstase meine Seele aufs Spiel zu setzen? Wäre es besser gewesen zufrieden zu sein? Vernünftig wäre es gewesen, ja, aber ich weiß genau, dass ich mich damals nicht damit begnügt hätte. Ich wollte alles und noch viel mehr. Meine Sucht nach Liebe, mein absolutes Verlangen, dich zu besitzen und dir zu gehören, ließ keinen Vernunftschluss zu. Ich versuchte mich zu wehren. Dich nicht zu sehr zu mögen, meine Gefühle im Zaum zu halten. Doch es gelang mir nicht. Als du mich in deine Arme zogst, mir diesen Wahnsinnsblick schenktest, war es geschehen. Ich warf alle Hemmungen über Bord und gab mich unserer Lust hin.

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William Henderson hatte die ganze Nacht gesoffen und fürchterliche Dinge getan.

Nun stand er auf der Stadtmauer, sah in die Tiefe und machte sich bereit zu springen. Für einen Moment, fragte er sich, ob es reichen würde, seinen Tod herbeizuführen, aber in seinem benebelten Zustand fiel es ihm schwer, die Entfernungen abzuschätzen. William atmete einmal tief durch und kletterte auf die Ummauerung.

Er hatte alles verloren, Haus und Hof, jedes Pfund, dass seine Familie besaß. Zuerst gewann er, dass fachte seine Gier an und er erhöhte die Einsätze, dass seinen Mitspielern schwindelig wurde. Dann wendete sich das Blatt und Lady Fortuna nahm ihm alle Gewinne und noch mehr. In seiner Wut auf das Schicksal ließ William sich zu schlimmen Dingen hinreißen und ruinierte sich nicht nur finanziell, sondern trat auch seinen guten Ruf in den Schlamm.

Welcher Teufel ihn auch geritten haben mochte, es war unmöglich die Zeit zurückzudrehen und die Katastrophen ungeschehen zu machen. William machte einen Schritt nach vorn, als ihn eine harte Hand zurückzog. Er fiel nach hinten und landete unsanft auf dem Hinterteil. Vor ihm stand ein elegant gekleideter Herr, der ihn mit spöttischen Augen ansah.

„Bevor du deinem armseligen kleinen Leben ein Ende setzt, möchte ich dir einen Handel vorschlagen. So hättest du wenigstens einen kleinen Nutzen für die Menschen, die du heute Nacht so sehr verflucht hast.“

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Lea biegt ab, fährt auf die Autobahn auf und gibt Gas. Das Radio dudelt die neusten Hits. Wie an einer Schnurr gezogen fährt sie den Weg, ohne sich ein einziges Mal zu verfahren.

Das Haus liegt still da. Wie damals. Lea steigt aus, wechselt auf die andere Straßenseite.

– Ob er zu Hause ist? – Was tue ich eigentlich hier? Es war eine blöde Idee hier her zu fahren. Ich kann mich nicht ungefragt in sein Leben drängen. –

Lea wendet sich ab und schlägt den Weg zum Schloss ein. Wie damals. Sie setzt sich auf die Bank im Schatten der Platanen und schaut dem Spiel der Sonnenstrahlen auf dem gepflasterten Platz zu. Ihr Herz beruhigt sich langsam.

– Welcher Teufel hat mich bloß geritten? Ich gehe noch einen Kaffee trinken, dann fahre ich wieder. –

Lea geht Richtung Innenstadt. Vor einem Buchladen hält sie inne und schaut sich die Auslagen an. Ein Passant bleibt neben ihr stehen. Sie wirft einen kurzen Seitenblick auf ihn und zuckt zusammen. Nic. Er lächelt. Seine dunklen Augen rufen Erinnerungen und Gefühle wach.

„Was machst du hier?“ fragt er.

„Bücher anschauen“, stottert sie.

Nic lacht, legt ihr freundschaftlich den Arm um die Schulter.

„So, so. Ist das alles?“

„Nein. Ich wollte noch einen Kaffee trinken.“

„Ohne deinen alten Freund zu besuchen?“

In seiner Stimme liegt leiser Spott. Lea schweigt verlegen. Er nimmt ihren Arm und zieht sie sanft hinter sich her.

„Na komm. Ich lade dich auf einen Kaffee ein.“

„Ok. Aber dann muss ich wieder los.“

Ihre Blicke treffen sich. Als Nic eine Augenbraue hochzieht und sagt: „Bist du sicher?“ Wird sie rot.

Vor einem hübschen kleinen Cafe bleibt er stehen.

„Setz dich.“

Widerspruchslos lässt sich Lea in einen Korbsessel gleiten. Er setzt sich ihr gegenüber und streckt seine langen Beine aus. Provozierend schaut er sie an. Ihr Herz macht einen Satz. Nic hat nichts von der Faszination eingebüßt, die er damals auf sie aus übte.

„Gibt es in München nicht die Bücher die du suchst?“ „Ach hör auf. Du weißt, dass ich nicht wegen der

Bücher gekommen bin.“

Um sich abzulenken rührt sie in ihrem Kaffee. Seine prüfenden Blicke bohren sich in ihre Gedanken.

„Schau mich bitte nicht so an“, Lea seufzt.

Nic ignoriert ihre Bitte.

„Du hättest also nicht bei mir geklingelt?“

Lea schüttelt den Kopf.

„Nein, hätte ich nicht.“

Schweigend nippt er an seinem Kaffee und sieht sie mit seltsamem Ausdruck an.

„Warum?“, fragt er nach einer Weile.

„Warum sollte ich? Du hast mir nie geantwortet“, erwidert sie schlicht.

„Warum?“, fragt er wieder.

„Weil ich das Unmögliche hoffte. Dich zu sehen.“ Lea trinkt einen Schluck. „Im Übrigen, weiß ich nicht warum du mich fragst. Du weiß es doch sowieso.“

„Ich will nur, dass du dir sicher bist“, sagt er.

Lea ist sich nicht sicher, ob das ironisch gemeint ist. Wie damals.

– Ich bin mir sicher. Im Grunde von Anfang an. –

Der Rückweg verläuft still. Jeder hängt seinen Gedanken nach. Lea würde Nic gerne so viel sagen, sie schweigt aus Angst, es kommt falsch an. Vor seinem Haus streckt sie Nic die Hand entgegen.

„Mach`s gut“, sagt sie leise.

Ihre Kehle ist wie zugeschnürt. Sie versucht die Tränen zu unterdrücken.

„Kommt nicht in Frage! Der Weg ist viel zu weit. Du schläfst hier und fährst morgen“, sagt er energisch.

„Ich schaff das schon. Das macht mir nichts aus“, wehrt Lea ab.

„Keine Widerrede.“ Nic legt ihr die Hand auf den Rücken und schiebt sie den Gartenweg entlang zum Haus.

„Nein,… .“

„Psst“, Nic legt einen Finger auf den Mund, „gegen mich hast du keine Chance.“

Er führt sie ins Wohnzimmer. Legt eine CD auf.

„Ich komme gleich wieder. Ich hol uns schnell was zum Essen. Mach es dir bequem.“

Steif lässt sie sich auf dem Sofa nieder.

Ich dürfte nicht hier sein. – Panik steigt in ihr auf. – Ich muss weg. –

Sie will gehen, da steht Nic mit einem Teller Pizza, Gläsern und einer Flasche Wein vor ihr.

„Nanu, du willst doch nicht flüchten.“ Er stellt die Sachen auf das Tischchen vor dem Sofa und lässt sich auf dem Boden nieder. „Hier wird nicht gekniffen.“

Nic grinst spitzbübisch. Lea lässt sich neben ihm nieder, als er ihr das Glas Rose hinschiebt, trinkt sie.

„Du musst was essen“, sagt er und beißt in die Pizza.

„Nein, ich bringe nichts runter.“

Lea schaut Nic beim Essen zu. Als er fertig ist, erhebt sie sich.

„Ich glaub ich sollte schlafen gehen, damit ich morgen früh fahren kann.“

Der Wein verursacht einen angenehmen Schwindel. Lea wankt ein bisschen.

„Wo geht’s noch mal ins Gästezimmer?“

„Ich zeig es dir.“

Nic nimmt ihre Hand und führt sie über den Flur.

„Ich hab einen Schwips“, Lea muss kichern.

„Ja“, sagt er leise, „so wie damals.“

„Stimmt, aber damals hast du mich geküsst.“

Lea lässt sich auf die Matratze plumpsen. Nic bleibt vor ihr stehen und schaut auf sie herunter. Sein Blick trifft direkt in ihren Bauch.

„Und du bist noch genauso süß, wie damals.“

Nics Stimme ist rau. Er nimmt Leas Gesicht in seine Hände und küsst sie. Nicht wie damals, zart und vorsichtig. Sondern wild und leidenschaftlich. Er zieht sie eng an sich. Lea spürt seine suchenden Hände auf ihrem Körper, der sofort reagiert.

„Ich will dich“, flüstert Nic. „Ich habe solange gewartet.“

„Warum?“ sie schaut ihn erstaunt an.

„Weil ich Angst hatte.“

„Warum?“

„Weil ich mich auf der Stelle in dich verliebt habe und panische Angst hatte, dass du fortgehen und mich verletzen würdest.“

„Warum hast du nichts gesagt? Du weißt doch, dass ich gehen musste. Aber ich wäre wiedergekommen.“

„Ich weiß, das war dumm.“

Nic küsst sie wieder. Lea überlässt sie sich seinen Zärtlichkeiten. Sie wird wiederkommen. Diesmal für immer.

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Besessen

Der Innenraum der Kirche war hell erleuchtet von der Morgensonne, die durch das runde nach Osten gerichtete Fenster über dem Taufbecken fiel. Die Frühmesse war vorüber und die wenigen Gemeindemitglieder, die schon um sechs den Gottesdienst besuchten, auf dem Heimweg. Bruder Martin ordnete die Gegenstände auf dem Altar für die nächste Messe, sammelte die vergessenen Gesangbücher ein und legte sie auf den kleinen Tisch neben den Eingang. Da entdeckte er eine junge Frau, die hinter einer Säule saß, als wollte sie nicht bemerkt werden. Bruder Martin kannte sie nicht und überlegte ob er sie ansprechen sollte. Ihre Haltung drückte Hoffnungslosigkeit aus. Ihre Schultern hingen schlaff herunter und sie zitterte am ganzen Körper, als hätte sie Schüttelfrost. Dann hörte er ein leises Schluchzen und sah, dass sich ihre Lippen tonlos bewegten, als wäre sie im Gebet versunken. Sie war noch sehr jung, höchstens 20.

„Guten Morgen, kann ich ihnen helfen?“, fragte Bruder Martin besorgt.

Die Frau sah ihn erschrocken an. Scheinbar hatte sie ihn überhaupt nicht wahrgenommen. Wie lange sie wohl schon dort saß? Ihre Hände waren krampfhaft ineinander verschränkt.

„Mir kann niemand helfen“, antwortete sie tonlos und Tränen liefen über ihre geröteten Wangen.

„Sagen sie das nicht, mit Gottes Hilfe kann viel bewirkt werden“, meinte Bruder Martin zuversichtlich.

Die junge Frau sah ihn mutlos an und er schrak, als er die Leere in ihren Augen sah. Hilflos stand er da und überlegte was er tun könnte, um ihr zu helfen. Das Schweigen zwischen ihnen war greifbar und wurde durch die Stille in der Kirche noch verstärkt.

„Wollen sie beichten? Vielleicht kann sie, das von ihrer Last befreien“, brach Bruder Martin das Schweigen.

Gleichgültig zuckte die Frau mit den Schultern.

„Es kann nichts schaden, aber es wird mir nichts nützen.“

Mit gesenktem Kopf stand sie auf und folgte Bruder Martin zum Beichtstuhl. Er trat hinter schweren Samtvorhang, in die verschwiegene Dunkelheit des Beichtstuhls und wappnete sich innerlich gegen das, was er gleich hören würde. Ein leises Geräusch verriet ihm, das die junge Frau auf der anderen Seite auf dem Stuhl platz genommen hatte. Das trennende Gitter zwischen sich und dem Beichtenden hatte Bruder Martin oft als störend empfunden. Er hatte immer das Gefühl, als hielte es ihn von den Menschen fern. Aber er spürte, dass es diesmal anders war. Es war wie eine Schutzmauer, die ihn von drohendem Unheil abschirmte. Sein Herz schlug bis zum Hals und einen Moment lang wünschte er sich, die junge Frau nie angesprochen zu haben.

„Nun, meine Tochter, was möchtest du beichten.“

Bruder Martin flüchtete sich in die kirchlichen Formeln, um seine Sicherheit wieder zu gewinnen. Er hörte, dass sie tief atmete, als würde sie zum Sprung ansetzen.

„Ich habe meine Seele dem Teufel verschrieben“, sagte sie plötzlich und fing an zu weinen.

Bruder Martin war einigermaßen erstaunt über diese Äußerung und lächelte erleichtert. Nur eines von diesen verwirrten Mädchen. Es war also doch nicht so schlimm, wie er befürchtet hatte. Sie schien aber ziemlich naiv zu sein. Denn obwohl Bruder Martin, als Mann der Kirche sehr gläubig war, konnte er sich nicht vorstellen, dass man seine Seele dem Teufel verschreiben konnte. Das war doch nur ein großer Unsinn, den ein paar arme verirrte Seelen verbreiteten, die sich mit der alten Kirche nicht anfreunden konnten. An irgendetwas mussten sie ja glauben, und wenn es der Teufel war.

„Wie kommst du auf den Gedanken?“, hakte er nach.

„Ich finde keine Ruhe mehr, weder am Tag noch in der Nacht. Ich kann nicht mehr klar denken. Alles dreht sich im Kreis. Ich werde noch verrückt“, sprudelte es aus ihr hervor.

„Das wird sich schon wieder geben“, versuchte Bruder Martin sie zu beruhigen. Durch das Gitter sah er, wie sie langsam den Kopf schüttelte. „Was nimmt denn deine Gedanken so sehr gefangen, dass du keine Ruhe mehr findest.“

Es dauerte einig Weile bis sie antwortete.

„Ich glaube nicht, dass ihr das verstehen könnt.“

„Ihr könntet es ja versuchen.“

Bruder Martin wollte sich nicht so leicht geschlagen geben. Diesen Spruch hatte er schon oft gehört. Wieder schüttelte sie den Kopf.

„Ich danke euch, dass ihr mir helfen wollt, aber mir kann niemand helfen.“

Abrupt stand sie auf, straffte die Schultern, trat aus dem Beichtstuhl und ging auf den Ausgang zu. Bruder Martin war so überrascht, dass er ihr gerade noch nachrufen konnte:

„Wenn sie es mir doch sagen wollen, finden sie mich hier.“

In der nächsten Zeit sah Bruder Martin die junge Frau öfter. Aber jedes Mal wenn er auf sie zugehen wollte, um sie zu begrüßen oder ihr etwas Aufmunterndes zu sagen, verschwand sie eilig und ohne ihn anzusehen. Ihre hoffnungslose Haltung änderte sich nicht, im Gegenteil, Bruder Martin hatte das Gefühl, als würde sie mit jedem Mal mehr in sich zusammen fallen. Ihr Haar, das sie bei ihrer ersten Begegnung noch hübsch frisiert hatte, hing nur noch in Strähnen herunter und auch ihre Kleidung ließ zu wünschen übrig. Wenn er sie sah, konnte er sich eines merkwürdigen unangenehmen Schauers nicht erwehren. Dann, plötzlich hörten ihre Kirchenbesuche auf und Bruder Martin fragte sich, was mit ihr passiert sein mochte.

Es war nach einer Frühmesse, als Bruder Martin auf dem Altar neben dem Blumengesteck einen Brief entdeckte. Er war zerknittert und mit krakeligen Buchstaben beschrieben, fast wie von einem Kind, aber deutlich an ihn adressiert. Bruder Martin nahm den Umschlag und steckte ihn in die Tasche seiner Kutte. Hastig und nicht mit der gewohnten Sorgfalt, erledigte er seine Aufgaben. Seine Gedanken galten dem merkwürdigen Brief in seiner Tasche. Dann eilte er in sein Studierzimmer, rückte seinen Lehnstuhl ans Fenster und öffnete den Brief.

„Lieber Bruder,

wenn sie diesen Brief lesen werde ich von meinen Leiden erlöst sein. Ich sehe keinen anderen Ausweg. Das Einzige, um das ich in diesem Leben noch bitte ist, dass sie ein Gebet für mich sprechen. Als ich ihnen sagte, ich hätte mein Leben dem Teufel verschrieben, traf das nicht ganz zu. Oder zumindest wusste ich es zu dem Zeitpunkt, als ich es tat, noch nicht. In meinem Leben gab es nie ernsthafte Probleme. Ich wuchs in finanziell gesicherten Verhältnissen auf, hatte gute Schulnoten und bekam eine tolle Lehrstelle. Auch wenn ich einen Jungen gut fand gab es nie Probleme, es gab immer Mittel und Wege ihn auf mich aufmerksam zu machen. Alles war gut und ich hätte zufrieden sein können. Aber wie es in diesem Leben wohl so oft vorkommt, können sich die Menschen mit diesen Dingen nicht abfinden, sie wollen immer mehr. So auch ich. Eine meiner Arbeitskolleginnen, ein sehr unscheinbares und stilles Mädchen, brachte eines Tages ihren Freund mit zur Arbeit. Ich verliebte mich auf den ersten Blick unsterblich in ihn. Seit dem Moment ließ ich nichts unversucht diesen Mann auf mich aufmerksam zu machen. Aber nichts klappte. Ich fand heraus wo ich ihn treffen konnte, schrieb Briefe, rief ihn an, aber es war hoffnungslos. Eines Tages lass ich in einer Zeitschrift etwas über Frauen, die durch Zauberei den Mann ihrer Träume erobert hatten. Ich war so verzweifelt, dass mir sogar ein Mittel, das mir unter normalen Umständen lächerlich vorgekommen wäre, in Erwägung zog. In der nächsten Vollmondnacht, schlich ich mich auf den nächsten Friedhof, stellte mich an ein frisches Grab, zündete eine Kerze an und versprach alles was mir heilig war Gott oder dem Teufel, wenn sich nur dieser Mann in mich verlieben würde. In meiner Naivität verpfändete ich sogar mein Leben. Nur um endlich Ruhe finden zu können. Das Unglaubliche geschah! Er verließ seine Freundin und wollte mich. Ich war stolz auf meinen Einfallsreichtum und sah geringschätzig auf meine Arbeitskollegin herab. Nicht nur das. Wo ich konnte, ließ ich sie merken wie groß ich mich fühlte und verspottete sie. Aber mein Triumph verwandelte sich in einen Fluch. Statt glücklich zuwerden, weil ich endlich den Mann meiner Träume erobert hatte, verwandelte sich mein Leben in eine Katastrophe. Dieser Mann, den ich so sehr begehrte, gehörte nicht nur mir, er hatte auch noch andere Freundinnen. Aber statt ihn zu verlassen, vergaß ich bei ihm alles, auch meine Würde. Wenn er bei mir war, lebte ich auf und wenn er nicht da war, was immer häufiger vorkam, litt ich wie eine Fieberkranke. Ich bettelte auf Knien, versprach ihm was er wollte, tat was er wollte, aber er demütigte mich bis in den Staub. Jedes Mal schwor ich, ich würde ihn verlassen, aber ich konnte es nicht. Wie eine Süchtige verfiel ich ihm, ohne Aussicht auf eine Heilung. Er begann mich zu halten wie einen Hund, streichelte mich und trat mich. Ich fügte mich. Und sie werden mir recht geben, Gott hatte mir diesen Mann nicht geschenkt, es muss der Teufel gewesen sein. Mein Leben ist nur noch eine einzige Qual, ich kann ohne diesen Mann nicht Leben, aber auch nicht mit ihm. So ist es besser gar nicht mehr zu leben. Ich danke ihnen für ihre Sorge und ihr Mitgefühl. Beten sie für mich.

Ihre verzweifelte Lena“

Bruder Martin ließ den Brief auf seine Knie sinken und blickte mit tränenfeuchten Augen hinaus in seinen blühenden Garten. Alles war friedlich und still. Die Sonne schien auf den kleinen Gartenteich, der sein ganzer Stolz war. Die Seerosen wandten ihre zartrosa geränderten Blüten dem Himmel entgegen. Eine Libelle schwirrte über sie hinweg und ihre Flügel schillerten in allen Farben des Regenbogens. Durch das offene Fenster nahm er den sanften Duft der Rosen wahr, die sich gerade entfalteten. Das arme, verwirrte Mädchen. Hätte sie sich ihm doch anvertraut, vielleicht wäre es ihm möglich gewesen ihr zu helfen und sie von diesem absurden Gedanken abzubringen. Wie sehr musste sie gelitten haben, dass sie glauben konnte, sie habe ihre Seele dem Teufel verschrieben. Bruder Martin schüttelte nachdenklich den Kopf. Aber den Wunsch ein Gebet für sie zu sprechen wollte er ihr erfüllen. So schloss er die Augen, um ein „Ave Maria“ für sie zu beten. Leise sprach er die ersten Worte, als er plötzlich aufschrie vor Schmerzen und den Brief von sich warf. Das Papier war in Flammen aufgegangen und verbrannte vor seinen Augen zu einem winzigen Aschehäufchen. Starr vor Schreck sah Bruder Martin auf die Asche zu seinen Füssen. Und jedes Mal, wenn er später sein Arbeitszimmer betrat und auf den Brandfleck sah, der sich in die Holzdielen eingefressen hatte, bekreuzigte er sich und sandte ein Stoßgebet gen Himmel.

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