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Posts Tagged ‘Sucht’

Wir haben uns auf Teufel komm raus geliebt, dann kam er und wir wussten nicht mehr weiter. Heute frage ich mich, ob es sich wirklich gelohnt hat, für diese fragilen Momente der Ekstase meine Seele aufs Spiel zu setzen? Wäre es besser gewesen zufrieden zu sein? Vernünftig wäre es gewesen, ja, aber ich weiß genau, dass ich mich damals nicht damit begnügt hätte. Ich wollte alles und noch viel mehr. Meine Sucht nach Liebe, mein absolutes Verlangen, dich zu besitzen und dir zu gehören, ließ keinen Vernunftschluss zu. Ich versuchte mich zu wehren. Dich nicht zu sehr zu mögen, meine Gefühle im Zaum zu halten. Doch es gelang mir nicht. Als du mich in deine Arme zogst, mir diesen Wahnsinnsblick schenktest, war es geschehen. Ich warf alle Hemmungen über Bord und gab mich unserer Lust hin.

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Ratten im Paradies. Der Gedanke ist schon ziemlich lustig, aber, wie im Buch beschrieben, einleuchtend. Die „armen“ Ratten in den versiften engen Käfigen brachten sich in einen Dauerrausch, in dem sie von Drogen versetztem Wasser tranken. Kein Wunder, um das zu ertragen, muss man dauerhigh sein. Als dann die Ratten, die vorher „süchtig“ waren, in einen paradiesähnlichen Käfig kamen, hörten sie auf von dem mit Rauschgift versetzten Wasser zu trinken.

Was sagt das über uns aus? Paul sagt, dass wir uns durch Beziehungen, Jobs und unserer Leben „in den Käfig sperren“ lassen. Die Betonung liegt auf: Wir sperren uns ein. Kein anderer. Ab einem bestimmten Zeitpunkt sind wir verantwortlich für unser Leben und das, was wir tun. Eigenverantwortung. Erkenne und handele. Das bedeutet nicht darüber nachzudenken, wie schrecklich unsere Kindheit doch war … auch wenn sie es war und uns eine gewisse Prägung mit gibt. Es würde bedeuten sich aus dem Staub der Vergangenheit zu erheben und sich zu sagen: Wie sieht es in meinem Leben aus? Was kann oder will ich ändern? Und vor allem, warum?

Ich stelle bei mir immer wieder eine gewisse „Neidtendenz“ fest. Aber statt auf die anderen zu schielen und meine Energie mit Grübeleien zuverschwenden, sollte ich mich fragen, warum mir das so gut gefällt und was ich tun kann, um diese oder jene Seite von mir stärker hervor zu bringen. Allerdings sollte ich dabei bedenken, dass ich eine gewisse Trägheit mitbringe, die mich öfter hemmt, als antreibt. Andererseits habe ich mir dieses Leben ausgesucht und ich fühle mich in „meiner kleinen Welt“ ganz wohl. Ich mag es, in Ruhe auf meinem Sofa zu sitzen und zu lesen oder etwas anderes zu tun. Das, was ich in meiner Kindheit nie konnte, weil ich dauernd raus geworfen wurde. Stubenhocker!

Frage: Warum sollte ich nicht das tun, was meiner Natur am nächsten kommt? Es gibt keinen Grund. Wenn ich drin sein will, dann darf ich das. Ich bin erwachsen und erlaube mir das. Und wenn es draußen schön ist, darf ich trotzdem auf dem Sofa sitzen und muss nicht „das schöne Wetter ausnutzen“. Ich kann, aber niemand kann mich zwingen. Zu den meisten Dingen zwinge ich mich selber, weil ich denke, ich müsste es tun. Aber Fakt ist: Ich muss gar nichts. Ich will. Das würde meinem kleinen Schweinehund im Übrigen sehr entgegen kommen.

Und ehrlich: Thai Chi ist ja nett, aber was ich eigentlich will wäre: Tanzen. Was mach ich bloß? Ich müsste das mit meinem Mann besprechen, aber für ihn ist das natürlich nicht das Gelbe vom Ei. Ihn zu etwas zwingen, was ihm keinen Spaß macht? Dann wäre er in dem Fall die Ratte, die stoned werden will, weil sie nicht in diesem Käfig sein will und ich kann schließlich nichts von ihm verlangen, was ich nicht geben will.

Das Schreiben habe ich damals angefangen, weil ich mir mein Leben schön schreiben wollte. Eine Art des Rauschs. Wenn man in den Flow kommt, dann ist man high. Aber schreiben ist nicht nur Flow. Schreiben ist Handwerk und Disziplin, weil man sonst nie ein Buch fertig kriegt. Schreiben tut es sich nicht von alleine. Man muss schon dran bleiben und Geduld haben, die Gedanken und Ideen auszuarbeiten.

Und beim Essen mag es ja so sein, dass man sich in dem Moment glücklich fühlt (und keiner sagt, dass man nicht etwas Schönes essen dürfte), aber am Ende ist doch die Frage, ob es sich lohnt leere Kalorien zu futtern, die sich so unendlich schwer wieder los werden lassen.

Ich will die Sucht los lassen und mein Leben annehmen, weil ich mich mit meinem Leben und meiner Familie gut fühle. Ich möchte schreiben, weil ich mich gut dabei fühle und weil es mir Spaß macht, aber nicht, weil ich mich selbst unter Druck setze und es ein Zwang wird. Alles, was unter Zwang geschieht, ist zum Scheitern verurteilt. Dinge, die man will, machen Spaß. Dinge, die man muss, sind eine Last. Und ich will nicht mehr essen müssen. Ich will mir das Essen nicht rein zwingen. Ich will essen, weil ich Hunger und Lust habe auf das, was ich esse. Und heute habe ich mir ein Stück Pflaumenkuchen gegönnt, ganz für mich allein.

Mir fällt das Schreiben im Kurs wahrscheinlich leichter, weil es da ein Spiel ist und egal ist, was dabei raus kommt. Es muss keine Form haben, Fehler und Wiederholungen sind wurscht. Das sollte ich mir für meine Projekte auch wieder zu gestehen. Denn ich will „perfekt“ schreiben, das ist wohl meine Natur. Statt es Perfektionismus zu nennen, sollte ich es Gewissenhaftigkeit nennen, das Wort gefällt mir entschieden besser.

Fazit:

  1. Ich bestimme mein Leben selber und nicht mein Leben mich.
  2. Ich darf sein, wie ich bin. Und wenn ich ein Stubenhocker bin, dann bin ich es.
  3. Ich bin gewissenhaft und das ist gut so.
  4. Ich nehme mein Leben an, weil ich es mir ausgesucht habe und weil ich mich darin sicher fühle.
  5. Ich will schreiben, weil es mir Spaß macht und weil ich mich dabei gut fühle.

 

Ich genieße es auf der Couch zu sitzen, zu lesen, Kaffee zu trinken, der Katze zu zusehen, den Wattewolken zuzusehen, die gemächlich grasend über den Septemberhimmel ziehen und Musik zu hören. So laut es mir gefällt! Alles ist gut, so wie es ist. Ich muss es nur sehen und mich in meinem Leben ausbreiten.

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„Wie kann man nur so süchtig sein? Auf was haben wir uns da bloß eingelassen, mit den ganzen Geschichten.“ Kam eine Mail von Tina.

Wenn ich wüsste, worauf wir uns da eingelassen haben? Was wäre wenn ich das vorher gewusst hätte? Darauf weiß leider keine Antwort.

Besser, dass wir es nicht wussten. Wäre schade um die Texte und die Geschichten, und schließlich kann Frau ja nicht alles im Kopf behalten. Ich bin schon immer untröstlich, wenn ich abends eine Idee habe, sie nicht aufschreibe und morgens ist sie weg. Dann denke ich immer: Warum hab ich es mir nicht notiert, ich hätte doch wissen müssen, dass ich es morgens vergessen habe. Trotzdem passiert es mir immer mal wieder.

Schlimm wenn man Entzugserscheinungen hat – vom Schreiben. Ist beinahe wie eine Drogensucht. Frau muss einfach schreiben. Sonst fängt sie an überzuschnappen, bis hin zur Depression, grenzt fast ans Manische. Und das tut weh. Schlaflosigkeit, Nervosität, Gehirnbrand….und so weiter.

Da hilft auch kein Kaffee, einzig: HER MIT DEM SCHREIBGERÄT UND LOSGELEGT. Sucht kann nicht schlimmer sein. Dieses gehetzte Gefühl es jetzt unbedingt tun zu müssen und wenn man es dann nicht kann…dieses böse Kribbeln in den Fingern zu spüren…wie grausam kann das sein…..schlimm, schlimmer, am schlimmsten…und noch schlimmer…..absolut das aller, aller, aller Schlimmste……..davon kann jeder Schreiberling ein Lied singen.

Aber unter uns: die beste Sucht, die es gibt.

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Sie erwachte allein. Der Kunde hatte das Geld abgezählt auf den Nachttisch gelegt. Es war ganz nett gewesen, nicht so geschäftsmäßig und gleichgültig wie sonst. M. war ein Stammkunde und meistens in Eile, das Ganze schnell vorüber.

Am Anfang sollte es nur ein Spaß sein. Sie wollte sehen, wie weit sie gehen konnte. Im Internet war sie auf Männersuche gegangen, Singlebörsen gab es wie Sand am Meer, und hatte so getan, als wäre sie eines dieser Escortgirls, buchbar für ein paar abwechslungsreiche Stunden.

Es hatte funktioniert. 800 Euro in einer Woche für drei Dates. Drei Mal Dinner und einmal etwas mehr. Leicht verdientes Geld. Schick ausgehen und bezahlt werden. Wenn die Männer das Geld so locker sitzen hatten, hatten sie es nicht anders verdient, dachte sie und machte weiter.

Aus einer Ausnahme von „Etwas mehr“ wurden viele, bis es irgendwann nur noch darum ging. Jedes Mal wenn sie ihren Körper an einen Mann verkaufte, obwohl sie es niemals so nannte, splitterte ein Stück ihrer Seele ab.

Zuerst merkte sie es kaum. Aber die Leere wurde immer größer. Sie suchte nach dem Traumprinzen. Es gab eine Menge tolle Männer im World Wide Web. Mit Häusern, Villen, Chalets, Ferienhäusern, Autos, Booten, dicken Bankkonten. Sie nahm was sie kriegen konnte, immer in der Hoffnung Mister Right wäre dabei, der Mann, der sie um ihrer selbst willen wollte, der ihr ein tolles, sorgenfreies Leben bieten konnte. Es gab viele Mister Rights, die ihr einen schönen Abend boten, oder eine schöne Nacht. Sie bezahlten dafür, mehr gaben sie ihr nicht. Also nahm sie was sie kriegen konnte. Immer schneller, immer mehr. Es wurde eine verzehrende Sucht. Jeder Rausch sollte größer sein. Stattdessen wurde das Gefühl immer weniger.

Sie redete sich ein, sie würde die Männer ausprobieren, in Wirklichkeit wurde sie benutzt. Sie lachte die Männer aus, sagte, sie wären so dumm sie zu bezahlen, ohne zu sehen, dass sie nicht mehr wollten, nur unverbindlichen Sex.

Ihre Sucht trieb sie an. Tag und Nacht. Wenn sie kein Date hatte lief sie nervös hin und her, ohne Ruhe zu finden. Dieses Mal hätte ER es sein können, dachte sie oft und suchte fieberhaft nach einem weiteren Kandidaten für ihr Glück. Sie wollte ein finanziell abgesichertes Leben und der Mittelpunkt in jemandes Leben sein, sie wollte alles und auf nichts verzichten, aber die Männer wollten ihr das nicht geben. Das Geld tat ihnen nicht weh, immerhin bekamen sie etwas dafür geboten.

Das kostete ihr Herz. Stück für Stück, wurde davon abgerissen und keiner war bereit ihr ein Stück seines Herzens zu geben.

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