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Posts Tagged ‘Stuhl’

„Dein Idealismus ist beneidenswert, aber ich vermag ihn nicht zu teilen.“

Sander sah mich ernst an. Wut stieg in mir auf. Jedes Mal dasselbe, dachte ich, wenn ich eine super Idee habe, weiß er warum das Blödsinn ist und sowieso nicht klappt. Ich sprang auf, der Stuhl krachte gegen die Tischkante.

„Wenn du eine Unterhaltung so beginnst, kann ich mir schon denken, wie sie ausgeht!“ Ich schnappte meine Jacke und riss die Tasche von der Stuhllehne. „Ich werde jetzt genau das tun, was ich mir vorgenommen habe. Egal, was du wieder einzuwenden hast.“

Er grinste selbstgefällig und ich hätte ihn am liebsten geschlagen.

„Na dann viel Spaß. Du wirst ja sehen, was du davon hast.“

„Genau!“

Ich stürzte hinaus. Sanders Zweifel verfolgten mich, bis ich vor dem Haus stand und klingelte. Ich atmete tief durch. Jetzt werde ich dir zeigen, dass du Unrecht hast, dachte ich und drückte gegen die Tür, als der Summer ertönte.

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Er zog eine weiße Kreidelinie um ihren Körper.

„Hey, das kitzelt“, flüsterte sie und zuckte.

Er grinste breit.

„Das ist ja auch der Sinn.“

„Schnitt!“, brüllte eine tiefe Stimme, „Milner! Was machen sie da?! Sie sollen den Umriss einer Leiche aufzeichnen und kein Techtelmechtel anfangen.“

Der Regisseur hatte sich von seinem Stuhl erhoben und quälte seinen Alabasterkörper zu den beiden Schauspielern. Fred Milner erhob sich und sah seinen Chef provozierend an.

„Es ist schon eine Zumutung in diesem zweitklassigen Streifen mitzuspielen, da könnte es wenigstens etwas authentisch zu gehen.“ Er steckte die Hände demonstrativ in die Manteltaschen. „Sonst mach ich hier gar nichts mehr.“

„Sie haben einen wasserdichten Vertrag unterschrieben. Sie können sich die Regressansprüche nicht leisten, die bei einer Arbeitsverweigerung auf sie zu kommen, Milner“, knurrte der Regisseur, „und was sie denken ist mir scheißegal!“ Er wendete sich an die Crew, „weiter machen!“

Fred sah dem Koloss nach. Wir werden sehen, wer am längeren Hebel sitzt, dachte er und grinste boshaft.

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„Rosalie“, Anthonys Stimme reißt sie aus ihren Gedanken, „sie sind noch auf?“

Er nimmt sich einen Stuhl und setzt sich neben sie an den Herd. Rosalie lächelt. Er trägt dicke Wollsocken, hat aber noch Dinnerhose und Hemd an, nur ohne die enge Krawatte. Sein blondes Haar ist zerzauster als sonst.

„Ich konnte nicht schlafen. Mir geht so viel im Kopf herum. Möchten sie auch einen Tee?“

Sie steht auf, füllt das kochende Wasser aus dem Kessel in die Teekanne und holt eine zweite Tasse für Anthony aus dem Küchenschrank.

„Sehr gerne. Darf ich fragen, welche schweren Gedanken ihren Schlaf vertreiben?“

„Oh, diese Familie lässt mir einfach keine Ruhe“, seufzt Rosalie und fragt, „Zucker?“

Anthony nickt und lässt seinen Blick über Rosalies schlanke Figur gleiten, die von dem seidenen Morgenrock sanft umspielt wird. Ihr Haar fällt in weichen Wellen über den Rücken. Vor Anthonys geistigem Auge erscheint das Bild von Rosalie, nackt in seinem Bett, nur geschmückt mit ihrem langen wundervollen Haaren.

Rosalie gießt den Tee ein und reicht Anthony eine Tasse.

„Danke“, er lächelt sie an, „es ist selten, dass ich schlaflose Nächte nicht bedauere.“
Rosalie nippt an ihrem Tee.

„Anthony“, beginnt sie unsicher und sucht nach den richtigen Worten, während er seinen Stuhl näher rückt, „sie sind wirklich ein Lichtblick in dieser unterkühlten Gesellschaft“, sie wird von einem schrillen Aufschrei unterbrochen.

Poltern und Scheppern ist zu hören, dazwischen weitere Schreie. Eine unheimliche Stille tritt ein. Rosalie und Anthony blicken sich für eine Schrecksekunde an, dann springen sie auf und laufen in die große Halle hinaus. Am Fuß der Treppe liegt Lady Edna verdreht wie eine Gliederpuppe in einer Blutlache. Ihr Stock liegt einige Meter weit weg. Die beiden bleiben wie erstarrt vor ihr stehen. Rosalie blick auf. Am oberen Ende der Treppe steht Gil und blickt zu ihnen hinunter. Misses Morse, Mister Smith und die anderen Dienstboten erscheinen wie Geister aus den Schatten. Leise tuschelnd halten sie Abstand. Misses Morse schluchzt gedämpft in den weiten Ärmel ihres Morgenrocks. Rosalie fasst sich als erste.

„Wir müssen einen Arzt rufen. Und den Bestatter.“

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Text meines Mitschreibers auf der Rückseite der Postkarte:

„Tom spürte nicht, wie hart der Stuhl war. Auch nicht die Kälte, die von den Bäumen auf ihn herabzufallen schien. Er spürte nur die Wut (der letzten Tage), die sich in seinem Unterbewusstsein eingenistet hatte und nun jede Faser seines Körpers im Griff hatte.“

– Warum hat sie mir nichts gesagt? Zig mal habe ich
nachgefragt, weil ich das Gefühl hatte, irgendetwas stimmt nicht, aber sie hat nichts gesagt. Immer nur: alles Ok. –

Und am Morgen beim Frühstück, Tom biss gerade in sein Brötchen, sagte Franziska so ganz nebenbei: „Ich bin schwanger, das Kind ist nicht von dir.“

Tom war total perplex. Er konnte nicht kauen, nicht schlucken und den Bissen nicht ausspucken. Während Franziskas Worte immer wieder durch seine Gedanken rasten, löste sich der kleine Weizenklumpen in seinem Mund einfach auf.

Tom sprang so heftig vom Stuhl auf, dass er umfiel. Er stapfte mit harten langen Schritten über die Wiese, ratschte mit den Füßen durch Laubhäufchen, die unter seinen Tritten zerstoben.
„Scheiße, Scheiße, Scheiße!“, brüllte Tom die Worte gegen die Bäume.

In seinem Inneren kochte es. Er spürte die Wut wie eine heiße rote Flüssigkeit in sich aufsteigen. Die Welle lief seinen Bauch hinauf, über seine Brust, den Hals bis zu seinem Gesicht. Sie erreichte die Augen und Tom konnte es nicht mehr aufhalten. Tränen rannen über seine Wangen. Regelrechte Tränenströme. Tom konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal geweint hatte, aber er war sich sicher, dass es nie so heftig gewesen war. Der Anfall schüttelte seinen schlanken hochgewachsenen Körper.

„Ich wollte ein Kind mit ihr! Sie wollte ihre Freiheit, Karriere machen! Scheiße, verdammte Scheiße!“, schrie er, „und jetzt kriegt sie ein Kind von einem dahergelaufenen Idioten.“

Franziska hatte ihm erklärt, es wäre nur ein One-night-Stand gewesen, aber sie wollte das Kind behalten. Mit ihm oder ihn, es wäre seine Entscheidung.

Tom dachte an ihre Hochzeit vor drei Jahren. – Der schönste Tag im Leben – ein bitteres Lachen brach aus ihm heraus – so ist es wohl. Seitdem ist es stetig bergab gegangen und erreicht jetzt den Tiefpunkt. – Meine Entscheidung! –

Es war seine Entscheidung und sie fiel nicht zu Gunsten eines gemeinsamen Lebens mit Franziska aus.

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Eine Szene aus „Voyeur“ von Simon Beckett. So könnte die Sicht von Zeppo sein.

Ich sprang auf. Der Stuhl kippte um.

„Halt`s Maul!“

Der kranke Wichser! Noch nie `ne Frau angefasst, geilt sich an Pornokunst auf und will mir vorschreiben, wie ich die Schlampe aufreißen soll.

„Gib mir, was du mir schuldest! Schließlich ist der ganze Scheiß deinem kranken Hirn entsprungen.“

Ich dreh dem Alten den Hals um, wenn er Spielchen mit mir treibt!

„Ich muss schon sagen, ich hätte mehr von dir erwartet! Dein Durchhaltevermögen lässt zu wünschen übrig.“

Verdammt, warum habe ich mich bloss auf den Deal eingelassen? Ich hätte mir denken können, dass mit dem was nicht stimmt.

„Du gehst mir auf die Nerven!“

Jeder Muskel meines Körpers ist angespannt. Ich will ihn schlagen. Einfach draufhalten. Bis er seine arrogante Fresse nicht mehr wiedererkennt.

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