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Posts Tagged ‘Straße’

„Unfähig sich zu ändern, versuchten sie die Welt zu ändern.“

Sagte ich, und scheiterten kläglich, dachte ich.

Im Publikum entstand eine kurze raumgreifende Stille, dann brandete mir ein Applaus entgegen, den ich nicht erwartet hatte. Alles was ich geschrieben, arrangierte und auf die Bühne brachte, alles was ich darstellte und sagte, war auf jeden einzelnen unter ihnen gemünzt. Doch sie verstanden es nicht. Erkannten nicht, dass sie sich ändern mussten, vom kleinsten zum großen hin, damit diese Welt nicht ins Chaos stürzte.

Möglicherweise hatten sie einen winzigen Blitz der Erleuchtung, im Augenblick der Stille, doch der wurde durch den frenetischen Beifall hinweggefegt.

Schon morgen würden sie alle Worte, die schrecklichen Bilder und die schönen, vergessen haben. Nichts veränderte sie. Egal, wie viel Blut die Straßen entlang rann oder wie faszinierend komplex die Wunder unserer Welt erschaffen waren. Nichts von alledem weckte sie auf. Sie waren wie tumbe Steine, die unbeweglich auf der Stelle lagen, statt wie eine emsige Koralle zu sein, die sich stetig veränderte und dem Licht entgegenwuchs.

Ich stand da und starrte in den Zuschauerraum. So würde es also enden.

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Nur die eine Runde

Laura zog die Laufschuhe an, heute würde sie es endlich mal wieder schaffen, die ganze Runde zu laufen. Sie versuchte es seit Wochen, es gelang ihr einfach nicht. Heute fühlte sie sich gut. Diesmal würde es sicher gelingen. Als sie die Haustür öffnete wehte ein heftiger Windstoß einige braune zerknitterte Herbstblätter in den Flur des alten Hauses. Laura achtete nicht auf sie.

Laufen, ermahnte sie sich, du musst laufen. Laura ging den Gartenweg zur Straße entlang, streckte sich, hob die Arme, hüpfte von einem Bein auf das andere. Noch war alles in Ordnung. Herzschlag und Puls normal. Sie sah es auf der App ihres Handys.

Laura betrat sie den Bürgersteig. Erst einen Fuß, dann den zweiten. Sofort erhöhte sich ihre Pulsfrequenz. Sie spürte, wie sich der Schlag ihres Herzens beschleunigte. Alles ist gut, sagte sie vor sich her, es ist vergangen, dir kann nichts passieren. Sie lief langsam los, setzte einen Schritt vor den anderen, sagte sich immer wieder ihr Mantra vor: alles wird gut, es ist vergangen, dir kann nichts passieren.

Bevor Laura die erste Kreuzung erreichte, war sie atemlos. Sie drosselte ihre Geschwindigkeit, lief nicht mehr, ging nur noch zügig. Immer wieder sah sie sich um. Niemand zu sehen. Die Straße war leer. Die Vorgärten der kleinen Vorstadthäuser lagen still da. Die meisten Nachbarn arbeiteten und die Kinder besuchten die Schule.

Laura blieb stehen. War da nicht ein merkwürdiges Knacken, ein Rascheln, ein Heulen, das nicht von der stürmischen Brise verursacht wurde. Alles wird gut, dachte Laura, alles wird gut, du musst weiter laufen, sonst gelingt das nie mehr. Sie widerstand der Versuchung sich umzudrehen.

Vorwärts, immer vorwärts, hatte Andrew ihr gesagt, aber was wusste er schon. Da, da war es wieder! Lauras spürte, wie ihr die Angst die Kehle zuschnürte. Diese merkwürdige Geräusch, ein Ratschen von Stoff, oder Zerreißen. Lauras Körper war von einer Gänsehaut überzogen, sie zitterte. Ein eisiger Schauer rann über ihre Beine hinauf in ihre Hüften, zog sich das Rückrad entlang. Ihre Nackenhärchen richteten sich auf.

Es waren höchstens 300 Meter bis zu ihrem Haus. Alles wird gut, betete Laura vor sich her, vorwärts. Aber sie konnte keinen Schritt tun. Es war wie damals. Nie würde sie diesen schrecklichen Tag vergessen. Ein Schlagen und Flattern. Laura fuhr herum, sprintete zurück zu ihrem Haus, den Vorgartenweg entlang, stürzte in den Hausflur und warf die Tür hinter sich zu. Schweratmend sank sie gegen die Tür, Tränen rannen ihr über das Gesicht. Sie würde es nicht schaffen, nie mehr. Seit dem schrecklichen Tag vor zwei Jahren.

Der Mann sah Laura hinterher und grinste, während er den schwarzen Regenschirm zuklappte und das Klettbändchen verschloss. Sie würde die Runde nie mehr laufen, dafür würde er sorgen.

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Thema: Dialog II

„Wie willst du ihm beibringen, dass du ihn nicht mehr liebst?“

Ich zuckte mit den Schultern und sah Sandy ratlos an.

„Wie soll man einem Menschen beibringen, dass man ihn nicht mehr liebt, obwohl im Grunde nichts passiert ist, dass dies hervorgerufen hat?“

Sie seufzte, sah aus dem Fenster des kleinen Cafes auf die regennasse Straße und murmelte:

„Doch, Lea, die Zeit. Die Zeit ist passiert.“

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Ignoranz

Sam sah ihr nach. Sie trug ein weich fließendes Kleid, das jede ihrer perfekten Rundungen nachzeichnete und kaum Platz für Fantasie ließ. Sie war schön und sie wusste es. Ihr Gang war beinahe provozierend, wenn die sie sich leicht in den Hüften wiegte. Das lange blonde Haar fiel wie ein seidiger goldener Schleier über ihre schmalen Schultern und wippte über ihrem runden Po leicht auf und ab.

Sam prägte sich jede Linie, jeden Bogen und Hügel ihres begehrenswerten Körpers ein, damit er sich die Details in seinen einsamen Nächten ins Gedächtnis rufen konnte.

Diese Frau würde ihn niemals auch nur ansehen, geschweige denn in Erwägung ziehen ein Wort mit ihm zu wechseln. Ihre Haltung war kalt und abweisend. Sie blickte nicht nach rechts oder links.

Alles an ihr war teuer. Das Kleid, die Federstola, der schwarze Ebenholzstock mit dem silbernen Knauf und die glitzernden Diamantohrringe. Um eine Frau, wie sie, zu halten, brauchte man Geld, viel Geld. Geld, das Sam nie mehr haben würde.

Er hatte es einmal besessen, dieses Geld und eine Frau gekannt, die war wie sie. Sam sah sie auf einem Fest, dass er für die Belegschaft seiner Firma und Geschäftsfreunde hab. Sie war die Frau eines neuen Kunden. Sam war sofort angefixt. Er musste sie haben und nahm sich was er wollte. Doch alles hat seinen Preis, und Sam musste bezahlen. Mit einem Leben auf der Straße.

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Die Straße lag eingebettet zwischen dunstig blauen Hügeln und streckte sich grau schimmernd über die Ebene. Der schwarze Sportwagen raste in der Straßenmitte dahin, zog eine beige-braune Staubwolke hinter sich her. Sein tiefes Brummen war weithin zu hören.

Die junge Frau auf dem Fahrersitz blickte nicht nach rechts und links. Sie nahm die Majestät der Landschaft nicht wahr. Zu weit weg war sie mit den Gedanken. Sie hatte ihn verlassen. Er liebte sie nicht. Sie ahnte es, aber ihr Herz überstimmte ihren Verstand und sie blieb. Viel zu lange.

Immer wieder wischte sie sich Tränen von den Wangen. Der Schmerz in ihrem Bauch streckte seine Tentakel aus und drang unerbittlich in weitere Regionen ihres Körpers vor.

Auf einem verrosteten Schild am Straßenrand, das im Fahrtwind rasselte, erkannte sie zwei Worte: Lands End. So sieht es also aus, das Ende, dachte sie. Ein bitteres Lächeln spielte um ihre Mundwinkel, vielleicht stürze ich hinter dem Horizont über den Rand der Welt und es ist endlich vorbei.

Sie trat das Gaspedal bis zum Anschlag durch, der Wagen zog die Geschwindigkeit noch einmal an. Sie drückte sich in die festen Ledersitze. Der Horizont rückte weiter in die Ferne und das Ende – kam nicht. Noch nicht.

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Ich wähle Sams Nummer. Das Freizeichen ist zu hören, hastig lege ich auf. Ich sollte Sam nicht anrufen. Es ist schon spät. Ich habe es mir mit einem Buch und einem Glas Wein im Bett gemütlich gemacht. Gerry ist mal wieder unterwegs, Tagung. Ich seufze und lege das Handy auf den Nachttisch. Ich würde so gerne mit Sam reden. Ich liebe seine Stimme. Wenn er mir Komplimente macht fühle ich mich gut, ein Gefühl, das ich in der letzten Zeit selten habe. Sam ist der Einzige, der sich wirklich für mich interessiert. Ich schlage mein Buch auf. Lese die ersten Zeilen. Es geht mir wie Roger Cicero, ich höre was du sagst, verstehe aber nicht was du meinst. Das Klingeln des Telefons schreckt mich auf. Auf dem Display steht: Sam. Ich nehme das Gespräch an.

Lea: „Hallo Sam, wie geht’s dir?“

Sam: „Das Display hat deine Nummer gezeigt. Du kannst wohl nicht genug von mir bekommen?“

In Sams Stimme höre ich leisen Spott. Wenn er wüsste, wie recht er hat. Was dann?

Lea: „Wenn du das sagst.“

Ich höre Sams samtiges Lachen am anderen Ende des Telefons.

Sam: „Würdest du mich sonst anrufen?“

Lea: „Das weißt du genau. Du triffst den ganzen Tag aufregende Leute, während ich in meinem stillen Kämmerlein vor Einsamkeit eingehe.“

Ich hasse es zu jammern, aber leider stimmt es. Während ich allein hinter meinem Schreibtisch sitze und mir die richtigen Sätze abringe, trifft Sam seine Schauspielkollegen, geht zu Premieren und Galas. Ein Drehbuch-Schrägstrich-Romanschreiber hat einen einsamen Job. Er steht im Allgemeinen nicht im Rampenlicht.

Sam: „Leider habe ich heute noch keine Frau getroffen, die so schön und smart ist wie du.“

Immer wenn Sam solche Dinge sagt, schlägt mein Herz schneller.

Lea: „Danke für das nette Kompliment. – Möchtest du denn, dass ich genug von dir habe?“
Bitte Sam sag nicht ja.

Sam: „Ich hoffe nicht, dass es jemals dazu kommt. Ich werde deiner niemals müde. Zumindest hoffe ich das nicht. Ich würde dir gerne so viel sagen, aber du möchtest es ja nicht hören.“

Ach Sam, wenn ich dir sagen dürfte, was ich fühle. Jedes zärtliche Wort von dir ist eine Narbe auf meiner Seele.

Lea: „Ich weiß. Möchtest du, dass wir nicht mehr telefonieren?“

Bitte Sam sag nicht ja.

Sam: „Willst du das denn?“

Nein. Ich will etwas ganz anderes und du willst es auch, du hast es mehr als einmal angedeutet. Deswegen muss ich einsichtig sein.

Lea: „Ich mag dich.“

Sam: „Das ist keine Antwort auf meine Frage.“

Lea: „Es wäre schade, wenn wir nicht mehr telefonieren. Ich mag unsere Gespräche, mehr als alles andere. Aber ich möchte nicht der Grund sein, weswegen du dich schlecht fühlst.“

Sam: „Ich freue mich immer von dir zu hören. Auch wenn es vielleicht verrückt ist.“

Lea: „Ich freu mich auch von dir zu hören. Wenn man sich sympathisch ist, möchte man wissen, wie es dem anderen geht.“

Seit wann bin ich ein Heuchler? Weißt du nicht, dass ich dich liebe Sam, auch wenn ich versuche dich auf Distanz zu halten.

Sam: „Ich weiß nicht, was ich will. Du verstehst, wie ich das meine?“

Lea: „Ja. Mir geht’s genauso.“

Wenn ich vernünftig wäre, würde ich den Kontakt zu Sam meiden, wie der Teufel das Weihwasser. Aber ich bin nicht vernünftig. Ich brauche Sams Nähe.

Sam: „Ich denke zu viel an dich. Mehr als ich sollte.“

Und ich erst. Ich kann kaum einen klaren Gedanken fassen. Ich träume sogar von ihm. Wenn Gerry das wüsste, säße ich auf der Straße.

Lea: „Ich denke auch an dich. – Wollen wir nicht mehr telefonieren? Oder soll ich darauf warten, bis du Lust hast mich anzurufen.“

Sam: „Ist es das, was du willst?“

Glaubst du das wirklich Sam oder willst du mich nur aus der Reserve locken?

Lea: „Nein. Ich will mit dir reden, wenn ich Lust dazu habe. Ich brauche die Gespräche mit dir. Aber ich kann das nicht entscheiden. Wenn du dich dabei nicht gut fühlst – was soll ich sagen?“

Wenn ich nicht mehr mit Sam sprechen kann, sterbe ich.

Sam: „Ich will wissen, was du fühlst. Meine Gefühle kennst du.“

Du hast es mir gesagt und mir geht es genauso. Himmel, Sam. Ich denke, du weiß es längst.

Lea: „Ich darf dir nicht sagen, was ich fühle. Sonst mach ich es noch schlimmer. Aber ich kenne solche Gefühle nur zu gut.“

Sam: „Warst du mal hoffnungslos verliebt in jemand?“

Lea: „Ja sehr. Eine aussichtslose Sache … ist ungefähr 9 Jahre her. Es ist immer schwierig, Gefühle lassen sich nicht einfach abstellen.“

Aber die Sache mit Sam ist noch aussichtsloser. Und meine Gefühle für Sam machen mich langsam fertig. Ich kann an nichts anderes denken.

Sam: „Du hast recht. Ich kann meine Gefühle für dich auch nicht unterdrücken.“

Mein Herz macht einen Satz vor Glück, aber ich muss endlich das Thema wechseln, sonst sage ich Sam Dinge, die ich nicht sagen darf.

Lea: „Ich renoviere gerade das leere Zimmer – endlich bekomme ich mein eigenes Schreibzimmer.“

Sam: „Ich freue mich für dich.“

Lea: „Danke. Ende der Woche gibt`s das neue Buch. Am Samstag bin ich zu einer Lesung eingeladen. Ich habe schon Lampenfieber.“

Und ich wünschte, du wärst da und würdest mir zu hören. Ich habe es für dich geschrieben.

Sam: „Das musst du nicht. Du kriegst das hin.“

Du bist der einzige, der an mich glaubt. Gerry hält mein Schreiben für eine Möglichkeit meine Zeit totzuschlagen.

Lea: „Danke – ich denke immer, ich bin nicht gut genug… aber das denken wohl alle Künstler.“

Sam: „Du bist gut genug, glaub mir.“

Lea: „Danke. Es bedeutet mir viel, dass du das von mir denkst.“

Wenn du wüsstest wie viel es mir bedeutet, würdest du dich wundern.

Sam: „Du weißt, dass ich deine Arbeit schätze. Du bist die perfekte Frau für mich.“

Stimmt, das bin ich und du bist perfekt für mich. Leider habe ich Gerry vor dir getroffen und du warst auch vergeben. Wie bist du nur an Charlotte gekommen? Das werde ich nie verstehen. Vermutlich verstehst du auch nicht, wie ich an Gerry hängen bleiben konnte. Ich weiß es auch nicht mehr.

Lea: „Sag das nicht. Ich bin manchmal ein bisschen verrückt, da kommt die Künstlerseele in mir durch.“

Bilde ich mir jedenfalls ein.

Sam: „Das gefällt mir. Normal kann jeder.“

Lea: „Wirklich? Eine Frau, die dauernd irgendwelche Zettel vollschreibt und in Gedanken in anderen Welten schwebt?“

Sam: „Nur zu gerne. Wenn du mich daran teilhaben lässt.“

Du hast daran teil, aber du weißt es nicht. Meine wunderbare Muse.

Lea: „Das Buch heißt übrigens „Der Fluch der Seraphen“.“

Sam: „Schöner Titel.“

Wenn du es lesen würdest wüsstest du, dass du es bist, der meine Hauptfigur Serafine bezaubert.

Lea: „Eine Liebesgeschichte mit Fantasyelementen .“

Sam: „Fantasy ist gut.“

Lea: „Aus dem Buch lese ich am Wochenende.“

Sam: „Ich würde gerne kommen und dir zuhören.“

Das wäre so toll!

Lea: „Es wäre schön dich zu sehen.“

Und wie!

Sam: „Du solltest eine Liebesgeschichte nur für mich schreiben.“

Das tue ich, seit ich dich kenne. Aber diesmal würdest du genau wissen, dass du es bist, der mich inspiriert. Ich habe sogar einen Teil deines Namens verwendet.

Lea: „Es wäre leicht für mich eine Liebesgeschichte nur für dich zu schreiben und dir den Kopf zu verdrehen.“

In meinen Tagträumen habe ich tausende Liebesgeschichten mit dir erlebt.

Sam: „Das gefällt mir. Du bist. – Was soll ich sagen?“

Lea: „Nett?“

Sam: „Ein zu kleines Wort für das, was ich für dich empfinde, denkst du nicht?“

Oh Gott Sam, ich liebe dich.

Lea: „Ach Sam. Ich wünschte, ich könnte dir mehr sagen. Aber ich darf nicht.“

Es klingelt. Das kann unmöglich Gerry sein, der ist heute erst zu seiner Tagung gefahren.

Lea: „Tut mir leid Sam, ich muss Schluss machen, es hat geklingelt.“

Sam: „Ok meine Süße, bis dann.“

Lea: „Du bist lieb Sam. Bis bald.“

Ich lege auf, schäle mich aus meiner Zudecke und gehe zur Tür. Vorsichtig öffne ich.

„Sam!?“, flüstere ich, „wo kommst du her?“

Er lächelt sein umwerfendes Lächeln und mein Herz flattert nervös hin und her.

„Rate.“

„Von Dreharbeiten?“

Sam geht an mir vorbei. Ich schließe die Tür und folge ihm ins Wohnzimmer.

„Nicht ganz, aber nah dran.“

„Du dürftest nicht hier sein.“

So sehr ich das auch will.

„Wieso nicht? Gerry ist bei einer Tagung und Charlotte ist mal wieder auf Wellness“, Sam dreht sich zu mir um, „wir beide sind übrig geblieben.“

Sam lässt seinen Blick an mir herunter gleiten. Eine Hitzewelle strömt durch meinen Bauch, zieht sich meinen Rücken hinauf und lässt meine Wangen glühen. Mir wird plötzlich bewusst, dass ich nur in Pyjamahose und Shirt da stehe.

„Tut mir leid, dass ich nicht landfein bin.“

Sam grinst. Sein interessierter Blick bleibt auf meinem Busen haften. Nippelalarm. Ich schlage die Arme übereinander.

„Das ist mir gar nicht aufgefallen. Meinetwegen musst du dieses ausgebeulte Etwas nicht tragen.“

Tausend Gedanken gehen mir durch den Kopf. Ich bringe kein Wort heraus. Sams Gegenwart wirkt paralysierend auf mich. Ich kann seiner Ausstrahlung nicht widerstehen. Ich bin auch nicht sicher, dass ich das will. Wenn er mich so anschaut, tanzen meine Hormone Samba und das liegt nicht nur daran, dass Gerry mich seit Wochen nicht mehr angefasst hat. Ich bin beinahe dankbar dafür. Der Gedanke er würde es tun, lässt mir einen kalten Schauer über den Rücken rinnen.

„Du sagst ja gar nichts. Heute keine schlagfertige Antwort parat?“

Ich schüttele den Kopf.

„Warum bist du hier?“

„Das weißt du doch.“ Sam macht einen Schritt auf mich zu. „Ich will mir meine Liebesgeschichte abholen.“

Er lässt seine Fingerspitzen über meine Wange gleiten.

„So schnell kann ich dir keine Geschichte schreiben. Ein paar Stunden dauert das schon.“

„Das musst du nicht. Ich hole mir die Geschichte, die du fertig geschrieben hast.“

Fragend ziehe ich eine Augenbraue hoch.

„Wie meinst du das?“

Sam lächelt und beugt sich zu mir herunter. Das Funkeln seiner grünen Augen bohrt sich in meine. Seine Lippen gleiten über meine Wangen. Ich schließe die Augen. Mein Verstand sagt mir, ich sollte die Situation sofort beenden, aber ich kann nicht. Alles was ich will ist, dass Sam mich küsst.

„Ich habe dein neues Buch schon gelesen“, flüstert er mir ins Ohr.

„Wie?“

„Ich habe meine Kontakte.“

„Und?“

„Das sind wir beide, in deiner Geschichte“, Sams Lippen berühren meinen Mundwinkel, „habe ich recht?“

„Ja“, hauche ich.

Sams Mund gleitet auf meine Lippen. Seine Hände legen sich auf meine Hüften, ziehen mich dich an sich heran. Ich schmiege mich eng an ihn. Gegen Sam bin ich klein. Mein Kopf lehnt an seiner Brust. Ich kann seinen Herzschlag hören. Seine Wärme fließt in mich hinein. Sam legt seine gepflegte Hand unter mein Kinn und hebt mein Gesicht zu sich empor. Oh meine Gott, es ist so viel besser, als ich es mir je erdacht habe.

„Ich will dich Lea. Und ich weiß, du willst mich genauso. Ist es nicht so?“

Er fragt mich, um eine Antwort von mir zu bekommen, aber in seinem Blick ist keine Frage. Sam weiß, dass ich ihn will. Mein Körper verrät mich. Ich nicke nur leicht. Sam küsst mich so intensiv, dass mir schwindelig wird. Als er den Kopf hebt, schlage ich die Augen auf.

„Ich nehme mir, was mir gehört. Egal welche Konsequenzen das hat. Ich kann nicht mehr ohne dich sein. Ich brauche dich. Deine Stimme, dein Lachen, deinen Körper“, Sam küsst meinen Hals, während sich seine Hand unter meine Shirt schiebt, „und deine Verrücktheiten. Du gehörst mir und zu mir! Ich werde dich lieben, bis du es nicht mehr aushalten kannst.“

„Vielleicht vertrage ich mehr, als du denkst.“

Sam lächelt.

„Davon bin ich überzeugt.“

Mit Schwung hebt er mich hoch und trägt mich ins Schlafzimmer.

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Leben in Stein gemeißelt

Gefühle gepflanzt in Kräutertöpfe

Auf Balkonen wie Vogelnester

Wolkenkratzer Baumkronen ohne Blatt

Aus Stahl und Glas blind

Spiegeln sie Wolkenhimmel

Ohne miteinander zu flüstern

Fluss der geraden Straße folgend

Betoniert ohne Fisch und Strudel

Menschenmassen hetzen ohne Blick

Durch Gassen ohne Glück

 

Immer schneller läuft der Mensch

In seinem Rad

Zeit zum Atmen wird uns abgedrückt

Eine Manschette, um den Hals

Die Spritze steckt schon in der Ader

Regelmäßig eine Infusion

Eine Prise Lachen, ein Prise Illusion

Schon läuft er wieder rund

Nur ungesund ist es immer noch

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