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Posts Tagged ‘Steine’

Es gab tausend Chancen, die wir nicht ergriffen.

Wir begegneten dem Unbekannten, und vermochten nicht die Hände danach auszustrecken.

Uns fehlte der Mut, wir ließen zu, dass uns die Angst lähmte.

So breitet sich die Zukunft vor uns aus, glatt, langweilig, absehbar.

Eine ungefaltete Karte, frisch aus dem Druck, die keinen Reisenden begleiten wird.

Wir liegen am Wegrand, Steinen gleich, über denen die Zeit ungenutzt verstreicht.

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Mauern brechen auf

 

Tag für Tag

Grau in Grau

Lauf über Straßen aus Beton

Sehe nur Stahl und Steine

Die meine Seele lähmen

Mein Herz einfrieren

 

Schließ die Augen

Träume mich fort

Breche die Mauern auf

Spüre das Wasser an den Füßen

Noch hüllt mich Schatten ein

Ist nicht alles Licht

 

Wolken verwehen zu Blau

Geben Farben frei

Freude meiner Augen

Fliege mit dem Wind

Zu neuen Ufern

Wo Hoffnung blüht

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Ich lehnte mich an die sonnendurchwärmte Mauer. Unter meinen Fingern spürte ich den rauen Stein. Grüngraue Flechten überzogen die unregelmäßig behauenen Steinbrocken, die vor Zeitaltern zu einem imposanten Schutzwall aufgeschichtet worden waren. Eine laue Brise strich über das alte Gemäuer, wehte meine Haare durcheinander. Vor vielen Hundert Jahren erhob sich eine stolze Burg auf diesem Hügel. Heute gab es nur noch ein paar Mauerreste und ein halbzerfallenes Gebäude, in dem man an einer Seite noch ein Stück des Abzugs und einer Feuerstelle erkennen konnte.

Der Blick über die Ebene und die sanften Biegungen des Flusses, der sich durch üppige Wiesen schlängelte, und an dessen sandigem Ufer die Enten die Köpfe unter die Flügel steckten, war grandios. Ich versuchte mir vorzustellen, wie es damals gewesen war.

„Du!“, rief eine dunkle Stimme hinter mir, „was machst du hier!?“

Ich drehte mich um. Vor der Burgruine stand ein Ritter in voller Montur. Er trug seinen Helm unter dem Arm. Dunkles Haar hing wirr um seinen Kopf und verdeckte mit einem ungepflegten Bart beinahe sein ganzes Gesicht. Am Zügel hielt er ein Pferd, dass ebenfalls eine Rüstung trug. Das schwarze Fell des Tieres glänzte in der Sonne.

„Ich bin spazieren gegangen und wollte dir Aussicht genießen“, sagte ich und grinste, „ich wusste gar nicht, dass hier ein Mittelaltermarkt geplant ist.“

„Was soll das sein? Mittelalter?“, fragte er und seine strahlend blauen Augen funkelten missgelaunt.

„Sie wollen mich auf den Arm nehmen?“, fragte ich, „ach schon klar, sie sind gerade voll in ihrer Rolle.“ Diese Rollenspieler waren schon ein komisches Völkchen. „Ich lass sie dann mal weitermachen.“

Ich wollte an ihm vorbei gehen, aber er zog sein Schwert und versperrte mir den Weg.

„Wo sind meine Leute?“

Ich zuckte mit den Achseln.

„Woher soll ich das wissen? Ich habe niemand gesehen.“

„Das ist unmöglich! Ich war nur wenige Wochen fort“, er drängte mich weiter zurück, „sagen sie mir, was passiert ist!“

„Hören sie. Sie müssen sich nicht aufregen“, die glänzende Schwertklinge, auf meinen Bauch gerichtet, machte mir etwas Angst, „unten am Weg ist eine große Tafel, dort steht die Geschichte der Burg aufgeschrieben.“

„Führ mich hin!“, befahl er.

„Gut. Aber sie stecken das Schwert wieder ein.“

Widerwillig steckte er das Schwert zurück und folgte mir dicht auf den Fersen.

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Rosalie leuchtet in den Hohlraum und ist überrascht. Tatsächlich ist es der Anfang einer Treppe. – So komme ich nicht hinein. – Sie prüft die anderen Dielen. Vier weitere Bretter lassen sich ebenfalls anheben und wegschieben. Der Einstieg zur Treppe ist frei. Rosalie schickt sich an hinabzusteigen, als sie ihren Namen hört. – Da ist wohl der Wunsch der Vater des Gedanken. – Konzentriert horcht sie. – Da ist es wieder! Nathan! – Erleichtert atmet sie auf.

„Rosalie!“

„Nathan!“

Die Tür des Turms wird aufgestoßen. Eine kalte Windböe zieht herein, die Tür schlägt krachend gegen die Wand.

„Rosalie, wo sind sie?“

Sie wedelt mit der Taschenlampe.

„Hier Nathan! Gut das sie da sind!“, begrüßt sie ihn aufgeregt, „ich habe einen geheimen Eingang entdeckt!“

„Sie wollen da hinunter steigen?“

„Ja! Ich habe es ihnen doch gesagt. Gil und Anthony suchen den Schatz.“ Sie setzt ihren Fuß auf die erste Stufe. „Kommen sie mit oder wollen sie warten?“

„Lassen sie mich voran gehen“, sagt er ernst, „Bitte!“

„Sehr gerne, Nathan. Ich schätze einen Gentleman.“

Rosalie lässt ihm den Vortritt. Am Fuß der Treppe bleibt er abrupt stehen. Rosalie stößt mit ihm zusammen und stolpert. Nathan fängt sie auf. Für einen atemlosen Augenblick hält er sie fest an sich gedrückt.

„Nicht so hastig“, sagt er und seine Stimme vibriert.

Rosalie schieb ihn sanft von sich und sagt kess:

„Entschuldigen sie. Wenn sie beim nächsten Mal so plötzlich stehen bleiben, warnen sie mich bitte vor.“

„Sie sollten nicht hier sein“, ignoriert er ihren Wunsch, „ich könnte mir nicht verzeihen, wenn ihnen etwas zustößt.“

„Dass ist nett, aber niemand wird mich vermissen. Höchstens mein Butler – der liebe John. Der Rest meiner Familie ist da unter auf Schatzsuche und vielleicht bereit einen weiteren Mord zu begehen – also wollen wir hier streiten oder gehen?“

„Wenn das so ist, dann kommen sie. – Geben sie mir ihre Taschenlampe. Es ist besser, wenn wir meine für den Rückweg aufheben.“

Rosalie reicht Nathan die Lampe und folgt ihm in den Gang. Anfangs ist er mit glatt behauenen Steinen ausgekleidet. Je weiter die beiden in den Untergrund vordringen, umso rauer werden die Wände, bis sie nur noch aus rohem Fels bestehen.

„Es ist also wahr. Hier wurden die Flüchtlinge vor dem Tudor Regime versteckt“, flüstert Rosalie.

„Vielleicht stimmt auch der Teil mit dem Schatz?“, gibt Nathan zu bedenken.

„Aber warum dann die Heimlichkeiten? Gil hätte Lady Edna um das Collier bitten können. Vielleicht hätte sie es ungern hergegeben – aber für das Haus?“

„Scheinbar war die alte Dame nicht so bereitwillig, wie sie denken. Und Lady Ednas Ableben ging Lord de Clare nicht schnell genug“, bemerkt Nathan zynisch, „warum sollte die Elite unseres Landes andere Gründe zum Morden haben, als der Pöbel in der Gosse.“

Unerwartet öffnet sich der Gang und die beiden stehen in einer Vorhalle. Sie ist rund, der Boden mit einem schlichten Holzboden ausgelegt. An den Wänden stehen einfache Stühle.

„Sieht aus wie eine Empfangshalle“, stellt Nathan fest. „Dort drüben, die Tür, da geht es weiter.“

Der Lichtkegel der Lampe schwebt über eine zweiflügelige Tür mit dicken Eisenbeschlägen.

„Kommen sie. Wir sind auf dem richtigen Weg“, Nathan geht auf die Tür zu, „sie wurde geöffnet.“

Rosalie schlüpft hinter Nathan durch den Türflügel in einen langen Gang, von dem auf beiden Seiten viele Türen abgehen. Neugierig werfen sie einen Blick in einen der Räume. Eine spartanisch eingerichtete Mönchszelle, wie in einem Kloster.

„Was für eine Entdeckung! Danach würde sich jeder Historiker die Finger lecken!“

Ein Schrei hallt durch die unterirdischen Gewölbe.

„Darum müssen sie sich später kümmern – kommen sie.“

Nathan eilt den Gang hinunter, Rosalie dicht hinter ihm. Am Ende liegt ein weiterer kreisförmiger Raum, der sich in sechs weitere Flure öffnet.

„Wohin?“, fragt Nathan.

Er leuchte mit der Taschenlampe beide Gänge ab. Sie sehen identisch aus. Keine Bilder, keine Möbel. Kein Hinweis.

„Wir nehmen den rechten Gang“, entscheidet Rosalie und biegt in den Flur ein. „Kommen sie Nathan. Vertrauen sie eine Historikerin.“

„Was hat das, mit der Wahl des Weges zu tun?“, brummt Nathan.

„Es gibt eine Theorie entwickelt von einem geschätzten Kollegen, William Henry Matthews, wonach die Chance einen Irrgarten zu verlassen am größten ist, nach rechts zu gehen. Das liegt einerseits an der kulturhistorischen Bedeutung der rechten Hand, als bevorzugter Hand. Außerdem gibt es eine Erhebung, dass in Labyrinthen Zielwege mit Abzweigungen rechterhand meistens zum Zielführen. Oder zumindest schneller, als links.“

„Interessant“, gibt Nathan zu, „Das Thema sollten wir bei einer Tasse Tee vertiefen, nachdem wir diesen ungastlichen Ort verlassen haben.“

Ein dumpfes Hämmern ist zu hören. Die beiden beschleunigen ihre Schritte. Das Hämmern wird lauter. Sie erreichen ein Portal, dass dem einer Kirche ähnelt. In das Holz sind biblische Szenen eingeschnitzt. Ein weiter Schrei. Rosalie stürzt nach vorn, will die Tür aufstoßen. Nathan hält sie zurück.

„Warten sie“, flüstert er, „lassen sie mich zuerst gehen.“

„Hören sie Nathan, ich schätze ihre Sorge, aber wäre es nicht besser ich lenke die beiden ab und sie sind der Mann für den Notfall?“

„Würde es etwas nützen, wenn ich nein sage?“

Rosalie muss lächeln.

„Ich glaube nicht.“

Nathan seufzt.

„Ich habe es befürchtet.“ Nathan fasst sie am Arm. „Tun sie mir einen Gefallen, passen sie auf sich auf und riskieren sie nichts.“

„Danke für den guten Rat, Inspektor.“

Sie haucht ihm einen Kuss auf die Wange, dann schlüpft sie eilig durch das Portal.

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„Sie scheitern, wenn sie mit dem Schreiben aufhören.“
Ray Bradbury

In den letzten Wochen habe ich intensiv darüber nachgedacht, mit dem Schreiben aufzuhören. Ich gebe es nicht gerne zu, aber es ist so. Denn in mir ist die Angst „nicht zu gefallen“. Und jeder Text, den ich schreibe und zum Lesen freigebe, macht mir eine Heidenangst. Was werden die Leser denken? – „Die hat einen Vogel, das ist doch Blödsinn, und gut ist es auch nicht.“ Klar können sie das denken, müssen sie aber nicht.

Allerdings habe ich in zwei sehr harsche Kritiken einstecken müssen. Das heißt, sie waren mit jeder Menge negativer Adjektive gespickt, die überhaupt nichts mit konstruktiver Kritik gemein haben, wie ich sie verstehe. Dumm – wenn sie erst mal durch die Netzhaut ins Gehirn gelangen, setzen sie sich nur zu gerne fest und nagen an deinem Selbstbewusstsein herum. Ich habe versucht nicht darüber nachzugrübeln, was in etwa so erfolgreich war, wie nicht an den blauen Elefanten zu denken.

In meinem Gedankenkarussell erinnerte ich mich an einen Satz, der mir schon in anderen Situationen geholfen hat: Warum gibst du diesen Menschen so viel Macht?

Ja, warum eigentlich? Warum lass ich zu, dass mir fremde Menschen mit abwertenden Kommentaren die Lust am Schreiben verleiden? Einem anderen eins „überzubraten“ ist einfach. Jemand weiterzubringen erfordert echtes Interesse. Ich bin Herrscher über mein Leben. Ob anderen gefällt, was ich schreibe oder nicht, ist Geschmacksache. Außerdem bin ich nicht selbstherrlich und dem Gedanken verfallen, alles richtig zu machen. Ich bin gerne breit Verbesserungsvorschläge zu überdenken und anzunehmen. Es gibt keinen Grund diesen Menschen Macht über mein Leben und mein Schreiben zu geben.

Tatsächlich hat das Ganze dazu geführt, dass ich mir meinen eigenen kleinen „Kreativitätsratgeber“ geschrieben und zwei neue Projekte gestartet habe. Erstens mein persönliches 365-Tage-Projekt – kein Tag ohne Text – und zweitens „Schreibschwester“ (könnte auch Schreibbruder oder Schreibpartner heißen). Eine Freundin von mir arbeitet auch seit Längerem an einem Roman, der vernachlässigt wurde. Wir haben uns zusammengetan und feste Termine verabredet, an denen wir ein bestimmtes Pensum erreicht haben wollen.

Das 365-Tage-Projekt ist so eine Art „Tages-warm-up“. Ich habe jeden Tag ein Erfolgserlebnis – kein Tag ohne Text – und gleichzeitig komme ich ins Schreiben. Und wir zwei „Schreibschwestern“ haben uns am letzten Freitag getroffen und tatsächlich: die Szene, an der ich mich so sehr festgebissen hatte, dass ich hängen blieb, ist (roh) im Kasten. Bis zum nächsten Freitag wollen wir die Texte dann „vorlesefertig“ haben. In erster Fassung.

Das erinnert mich an einen Postkartentext: „Aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“ Natürlich schreibt ein Schriftsteller, um gelesen zu werden. Aber ich schreibe auch, weil es mir ein Bedürfnis ist. Ob es gelesen wird oder nicht, daran kann ich nicht viel drehen, aber ob ich schreibe oder nicht, das ist allein meine Sache und ich werde keinem anderen Menschen die Macht darüber einräumen. Es reicht, dass ich mit meinen eigenen Dämonen zu kämpfen habe. Hinfallen ist keine Schande und aufstehen kann mühsam sein, aber es lohnt sich. Wir haben erst verloren, wenn wir aufgeben.

Eins habe ich in den Jahren meiner Lebensachterbahn gelernt: Bange machen gilt nicht! Negative Dinge passieren, es kommt darauf an, wie wir damit umgehen. (Shit happens. But life goes on. 🙂 ) Das Leben geht weiter und wer weiß …

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Ich hasse diese Tage an denen ich das Gefühl hat, es wäre besser ich hätte mir die Decke über den Kopf gezogen und wäre liegen geblieben, weil das was kommt auf keinen Fall gut werden kann. Warum passieren „solche“ Dinge? Ich weiß es nicht. Ich bin ratlos und hilflos. Auch wenn es mich nicht direkt betrifft, so kann ich mich doch nicht völlig davon frei machen. Familie ist Familie. Und ich frage mich, welchen Teil „Schuld“ ich trage? Gibt es ungute Geschichten, die sich über Generationen fortsetzen, wie ein Abdruck auf einem Stempel … ich hatte gehofft die Tinte würde langsam verblassen – aber scheinbar gibt es das nicht im echten Leben. Erlösung von dem „Fluch“. Als Schriftsteller wäre das die Basis für eine Geschichte. Aufhebung des Fluchs. Aber wenn ich es in der Realität betrachte, fürchte ich, dass es kein Happy End gibt und das macht mich so wütend, dass ich am liebsten etwas kaputt schlagen würde. Verdammt noch mal!

Stöcke und Steine

Stöcke und Steine
Brechen Knochen
Deine Worte
Meine Seele

Warum
Immer wiederholt
Sich die Katastrophe
Deja vu

Wann
Endet es
Am Ende
Aller Tage

Wie viele
Tränen
Müssen fließen
Herzen zerbrechen

Wut
Rotes Knäul
Brennt
In meinem Bauch

Halt an
Jetzt
Hör auf
Sofort

Stöcke und Steine
Brechen Knochen
Nie wieder!

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