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Posts Tagged ‘Spiegelbild’

Hier die ersten 1 1 1/2 Seiten der Geschichte. Sie ist inzwischen auf 12 Seiten angewachsen und ich habe jeden Tag daran geschrieben.

Gefährliches Erbe

Rosalie Graville betrachtet ihr Spiegelbild und ist sehr zufrieden. Ihr blondes Haar ist zu einem weichen Knoten gebunden und der zarte Spitzenstoff des dunkelroten Kleides betont ihre schlanke Figur. Die glänzenden Jetperlen der lange zweireihigen Kette klickern bei jeder Bewegung leise. Vorsichtig befestigt sie den großen Hut mit einer Haarnadel auf ihrem Kopf.

„Wie hat Mama immer sagte: der erste Eindruck zählt. Ich denke, sie werden mich nicht übersehen können“, spricht Rosalie ihrem Spiegelbild Mut zu. „Ich bin der feinen Sippschaft zwar nicht willkommen, aber wenn sie glauben, ich hätte nicht den Mut zu erscheinen, dann haben sie sich getäuscht!“

„Miss, der Chauffeur ist da!“, die Stimme des Butlers reißt Rosalie aus ihren Betrachtungen.

„Ich bin schon auf dem Weg nach unten.“

Rosalie schlüpft in das kurze Seidenjäckchen und legt sich einen warmen Wollschal um, greift nach dem passenden Sonnenschirm und eilt die Treppe hinunter. John hat inzwischen die Koffer verstaut und hält seiner Arbeitgeberin die Tür auf. Rosalie rafft den Rock und steigt in das Automobil.

„Ich wünsche ihnen eine gute Reise und viel Erfolg“, John lächelt und zwinkert ihr vertraulich zu. „Zeigen sie es den Herrschaften.“

„Danke, John“, Rosalie erwidert sein Zwinkern. Der alte Herr war schon Diener ihres Vaters. „Wünschen sie mir Glück!“

Er schließt die Tür und sieht dem schwarz glänzenden Motorwagen mit gemischten Gefühlen nach. John ist die adlige Verwandtschaft seiner Herrin nur zu gut bekannt.

Fortsetzung folgt!

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Bis dahin hatte ich mein ganzes Leben lang nur nach Mustern gelebt, die nicht meine Muster waren. Doch nun erwachte ich aus meinem Dornröschenschlaf. Dass es einen kompletten Bruch mit den alten Gewohnheiten gab, war wohl dem Umstand geschuldet, dass mir die Zeit davonlief. Wie sagt man im Volksmund so schön: die biologische Uhr tickt.

Meine Familie ist entsetzt. Aus ihrem Blickwinkel bin ich die Mutter in der Midlife Krise. Ich höre sie lamentieren: Muss du gleich alles hinschmeißen? Du hast doch deine Freiheit, was willst du noch?

Wie viel Zeit bleibt, wenn man in die zweite Hälfte des Jahrhunderts eintritt? Die Knochen werden nicht gelenkiger, die Haut nicht glatter, der Kopf nicht agiler. Auch die Chance von einem Bus überfahren zu werden wird größer, wenn man nicht mehr so schnell laufen kann.

Ich bin einfach zu alt für mich. In meinem Herzen, meinen Gedanken und Fantasien beginnt mein Leben erst jetzt. Ich habe genauso viele Träume, vielleicht noch mehr, als in meiner Jugend, doch mein Spiegelbild macht mir keine Illusionen. Ich habe mich gut gehalten, aber das ist auch alles. Die Zeit läuft und zwar nicht mit mir, sondern gegen mich.

Eine Frau muss tun, was eine Frau tun muss – alte Zöpfe abschneiden, ihren eigenen Rhythmus finden und sich nicht mehr verbiegen. Für niemand.

Der Satz stammt aus „Er oder ich“ von Fee Zschocke.

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