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Posts Tagged ‘Sorgen’

„Dein Plan wird uns sehr wahrscheinlich töten. – Ich bin dabei.“

„Das dachte ich mir. Und ehrlich, dass macht mir Sorgen! Dein Hang zu selbstmörderischem Verhalten, ist beängstigend.“

Dean grinste und seine grünen Augen funkelten.

„Aber du brauchst mich. Ich habe den Plan.“

Er tippte sich an die Schläfe. Ich zuckte mit den Achseln.

„Leider! Aber da das Ganze ist sowieso ein Himmelfahrtskommando, auch ohne deine suizidale Ader. Darum ist es egal.“

„Richtige Einstellung“, stellte Dean selbstzufrieden fest.

Unter anderen Umständen hätte ich eine Diskussion über das Für und Wieder seines rücksichtslosen Verhaltens angezettelt, doch es blieb nur wenig Zeit das Ende der Welt abzuwenden, und die wäre definitiv verschwendet gewesen.

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Dean Callum war kein nervöser Mensch, aber heute abend war er gereizt.

Den ganzen Tag versuchte er Mark zu erreichen. Der ging weder ans Handy, noch war er zu Hause zu erreichen und niemand konnte ihm sagen, wo er steckte. Dean machte sich ernsthaft Sorgen. Mark war sein bester Mitarbeiter und absolut zu verlässig. Noch nie hatte er einen Termin verpasst und nun war er zwölf Stunden überfällig.

„Verdammt, da muss was schiefgelaufen sein“, murmelte Dean und öffnete den Waffenschrank, „es wird Zeit ins Geschehen einzugreifen.“

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„Sorry, wichtiger Fall. Muss länger arbeiten.“

Wut steigt in meiner Kehle hoch, als ich Bernds Zeilen auf dem Display lese. Ich stehe seit 10 Minuten im Regen, der inzwischen durch meine Pumps dringt und warte auf sein Erscheinen. Es ist das dritte Mal, dass er mir absagt, doch dieses Szenario setzte dem Debakel die Krone auf.

„Du kannst mich mal, sorry“, tippe ich unbeholfen, balanciere den Regenschirm auf meiner Schulter.

Ich schiebe das Handy zurück in die Tasche und sehe mich nach einer Zuflucht um, in der ich mich aufwärmen könnte, bevor ich in meine einsamen vier Wände zurückkehre, die ein Teil meiner Schwierigkeiten sind.

Ein Stück die Straße hinunter fällt mir ein Schild auf. Musikbar Odeon. Warmes Licht spiegelt sich in den Pfützen auf dem Bürgersteig. Ich husche unter den Vordächern der geschlossenen Läden entlang. Alles ist besser, als die Einsamkeit.

Ich liebe das kleine Gartenhaus der Gründerzeitvilla, unter den riesigen alten Bäumen. Es ist wie ein verwunschenes Paradies. Leider hatte die Schlange Adam aus meinem Paradies vertrieben, oder sollte ich sagen entführt, und mich Obdachlos gemacht. Andererseits würde ich kaum in diesem traumhaften kleinen Häuschen wohnen, wenn ich nicht einen kompletten Neustart in einer fremden Stadt hingelegt hätte.

Dass sich Bernd, einer der Junior-Anwälte der Kanzlei für die ich arbeite, für mich interessierte tat mir gut, am Anfang. Jetzt ist es nur noch eine Farce. Besser, es war eine. Schluss damit.

Mit einem Ruck ziehe ich die Tür zum Odeon auf und stürze beinahe über die dicke Matte, die als Fußabtreter dient. In letzter Sekunde fange ich mich ab. Meine Handtasche und den Schirm kann ich nicht retten. Der Schirm landet unter einem Tisch und der Inhalt der Tasche ergießt sich in den Gastraum. Das Stimmengewirr der Gäste verstummt. Alle Blicke sind auf mich gerichtet. Nur der Mann am Flügel schaut nicht auf. Er spielt weiter, als ob nichts geschehen ist.

„Entschuldigung“, stammele ich und erröte bis unter die Haarspitzen.

Peinlich berührt von meinem Auftritt, raffe ich hastig meinen Kleinkram zusammen und stopfe ihn zurück in die Tasche. Unterstützung bekomme ich von einer freundlichen Bedienung. Die Gäste haben sich inzwischen wieder ihren Gesprächen zu gewendet.

„Machen sie sich keine Sorgen“, sagt sie und reicht mir meine Geldbörse, „das kann passieren.“

Ich ordne meine Kleider. Sie nimmt mir die Jacke ab und hängt sie an die Garderobe, steckt meinen Schirm in den dafür vorgesehenen Ständer. Ich setzte mich an die blankpolierte Bar aus rotem Holz. Nachdem ich mich vergewissert habe, dass niemand hinschaut, streife ich meine nassen Pumps ab und klammere meine Zehen um den Metallring des Barhockers, der als Fußtritt dient. Die Kälte des Metalls rinnt meine Schienbeine hoch und löst eine Gänsehaut aus, die bis in den Nacken steigt. Ich erschauere.

„Was darf ich ihnen bringen?“, der Barkeeper schaut mich erwartungsvoll an.

„Einen großen Milchkaffee und etwas Alkoholisches zum Aufwärmen, bitte.“

Er lächelt und zwinkert mir zu.

„Da habe ich was für sie.“

Auf dem silbernen Schildchen an seiner Weste lese ich seinen Namen.

„Darauf habe ich gehofft, Josh“, erwidere ich sein Lächeln.

Während Josh die silberglänzende imposante Kaffeemaschine dazu bringt kochendheißes Wasser durch die Düsen durch den Kaffeefilter zu pressen und mir einen Milchkaffee braut, sehe ich mich um.

Das Odeon ist eine Musikbar der gehobenen Klasse. Der Gastraum ist größer, als es beim ersten Hinsehen den Eindruck machte. Die Theke hat die Form eines langgezogenen L und führt den Besucher in einen weiteren Gastraum dahinter. Die Einrichtung ist gediegen, das Mobiliar aus dunkelrotem Holz, wie der Tresen. Die Tapete ist aus goldgemusterter Seide.

Die Gäste an den kleinen Tischen sind elegant angezogen. Die Damen tragen Kleider und Schmuck, die Herren Anzüge und Krawatten. Ich fühle mich deplatziert. Es kommt mir vor, als hätte der Sturz mich in eine andere Zeit katapultiert. Wenn sich die Tür öffnet, Hemingway und Fitzgerald hereinkommen und neben mir am Tresen platznehmen, würde ich mich nicht wundern.

Mein Blick bleibt an dem schwarzen blankpolierten Flügel und dem Eroberer seiner Tasten hängen. Die leichte Melodie, die unter seinen Fingern aus den Seiten fließt, hat eine melancholische Wendung genommen. Mein Herz macht einen schmerzhaften Hopser. Für einen Moment halte ich den Atem an. Wie kann er Musik spielen, die meinen Herzschlag beeinflusst?

„Milchkaffee und heißer Amaretto mit Sahne“, Josh stellt die Getränke neben mich auf den Tresen, „das wärmt.“

„Danke, Josh“, sage ich artig und habe das Gefühl, beobachtet zu werden.

Josh entfernt sich taktvoll und ich wende meine Aufmerksamkeit erneut dem Pianisten zu. Kurz habe ich den Eindruck, er hätte in meine Richtung geschaut, aber seine Augen sind auf die Notenblätter vor ihm gerichtet. Ich bin sicher, dass das Musikstück, das er jetzt spielt, nicht auf den Blättern steht. Die Melodie hüllt mich ein, streicht über meine Haut, füllt den Raum, als könnte sie ein ganzes Universum mit Energie aufladen.

Ich nippe an dem heißen Amaretto, der mir süß die Kehle hinab läuft und eine angenehme Wärme ausstrahlt. Meine Augen heften sich auf die Hände des Mannes im dunklen Anzug. Mit eleganter Leichtigkeit laufen seine Finger über die schwarz- weißen Tasten. Mal sanft, mal fest schlagen sie die Töne an, die gleich leise klirrende Perlenketten durch den Raum schwingen. Ich habe das Gefühl, er spielt nur für mich, obwohl er durch nichts zeigt, dass er mich beachtet. Sein Blick wandert nicht in meine Richtung, scheint nach innen gerichtet zu sein.

Der Amaretto ist alle. Ich habe nicht bemerkt, dass ich das Glas ausgetrunken habe. Die Melodie geht in eine andere über. Die Sehnsucht des Liedes ergießt sich in mein Herz. Es erzählt von Sehnsucht, Einsamkeit und Träumen. Tränen treten mir in die Augen. Energisch versuche ich sie wegzudrängen. Ein wehmütiges Lächeln liegt auf den sinnlichen Lippen des Mannes. Seine Lider sind halb geschlossen. Versunken in seine Musik sitzt er da. Ganz nah und doch fern.

„Noch einen Amaretto“, fragte Josh neben mir und reißt mich aus meinen Betrachtungen.

„Gerne“, ich lächele ihm dankbar zu.

„Kommt sofort.“

Ich schaffe es meinen Blick solange von dem Klavierspieler zurückzuhalten, bis Josh mir den Amaretto hinstellt und sich anderen Gästen zu wendet. Als würde ich unter einem Bann stehen, zieht es meinen Blick wieder zu ihm. Er ist schlank, hat kurze dunkelblonde Haare und dieser Mund! Mit den Augen taste ich die Linien seiner Lippen nach. Wie es sich anfühlt, wenn sich sein Mund auf meinen legt?

Jeder Anschlag eines Tons rührt etwas in meinem Inneren an. Die Schutzmauer, die ich so mühsam aufgebaut und aufrecht gehalten habe, bekommt Risse. Mein Verstand warnt mich. Wenn ich nicht bald gehe, wird sie zerbersten und einstürzen. Ich ignoriere ihn, trinke den heißen süßen Amaretto, lecke mir die Sahne von den Lippen. Genieße das wohlige Gefühl der Leichtigkeit, das der Alkohol in mir auslöst, und meine Fantasie auf den Flügeln der Musik dahin schweben lässt.

Die Finger des Klavierspielers beherrschen die besonderen Nuance, die Tasten mal sanft, mal fester anzuschlagen, je nach Belieben schnell oder langsam dahin zu fließen. Seine Hände sind gepflegt, kurze Nägel, kraftvolle schöne Finger.

Ich stelle mir vor, wie er den Reißverschluss meines Kleides herunterzieht, seine Fingerspitzen mein Rückrad entlang streichen, wie er die Haken meines BH`s öffnet und meine Brüste freilegt. Die schwarze Spitze über meine Knospen reibt und sie hart und spitz abstehen, nur darauf warten von seinen Fingern umschlossen und süßer Qual ausgesetzt zu sein. Ein erregendes Kribbeln sammelt sich in meinem Nacken, versetzt meinen Körper in lustvolle Spannung nach mehr. Ich warte gespannt, welche Wunderdinge er mit seinen Zauberhänden tun kann.

Ein Seufzer springt von meinen Lippen. Unbewusst nur, aber nicht aufzuhalten. Der Mann am Piano blickt auf. Unsere Blicke treffen sich. Funken fliegen. Ich bin sicher, er erkennt mich, die große Sehnsucht, die er mit seinem wundervollen Spiel auslöst. Doch dann schaut er auf die Tastatur, sinkt zurück in sich selbst.

Es fühlt sich an, als wäre ich in eine eiskalte Pfütze ohne Boden gesprungen. Ich gehe unter. Das Wasser schlägt über mir zusammen. Ich schnappe nach Luft, Wasser dringt in meine Kehle, nimmt mir den Atem.

„Kann ich etwas für sie tun?“, fragt Josh neben mir, „sie sind ganz blass geworden.“

„Nein danke“, sage ich und meine Stimme zittert, „ich möchte zahlen.“

Ich suche meine Geldbörse, begleiche die Rechnung.

„Würden sie mir ein Taxi rufen? Der Regen hat nicht nachgelassen und der Weg in die Kastanienallee ist weit“, bitte ich den netten Barmann nach einem kritischen Blick aus dem Fenster.

„Sehr gerne“, Josh nickt und lächelt. „Wohnen sie in einer der alten Villen?“

„Nein. Nur im Gartenhaus unter den Kastanien.“

Ich gehe zur Garderobe und schlüpfe in meine Jacke, angele meinen Schirm aus dem Schirmständer. Eingehüllt in die sanften Melodien, trete ich auf die Schwelle der Bar. Die Tür fällt hinter mir ins Schloss. Die Töne verstummen und gießen Stille über mich aus. Nur der Regen singt sein Lied. Ich fühle sie wieder, die Einsamkeit. Schlimmer als zu vor.

Das Taxi hält. Ich laufe über den Bürgersteig, gleite auf den Beifahrersitz und nenne die Adresse. Der Fahrer gibt nur einen zustimmenden Laut von sich und fährt los. Ich sehe aus dem Fenster. Meine Gedanken fahren Achterbahn.

Ich sehne mich schmerzhaft nach ihm, dem unbekannten Mann am Flügel. Sein Spiel brannte sich in meine Seele, legte ein Feuer, das meinen Körper erfasste. Es weckte verdrängte Lüste und Begierden auf und macht mich verrückt. Ich will ihn. Will seinen Körper und seine Seele erkennen. Mein Verstand tadelt meine Gier, doch meine hungernde Seele und mein ausgezehrter Körper kämpfen jeden Einwand nieder. Ich muss ihn wiedersehen, koste es, was es wolle.

Die schlafende Stadt fliegt an mir vorbei. Der Fahrer hält vor der Villa. Ich zahle, steige aus. Schnell betrete den Vorgarten, gehe den schmalen Plattenweg ums Haus entlang. Ich will nur noch eins, ins Bett. Mich in die warme weiche Decke einhüllen und die Hände des Klavierspielers auf meinem Körper fühlen, im Traum.

Ich krame in der Handtasche nach dem Haustürschlüssel. Er ist nicht da. Hektisch wühle ich in dem Chaos herum. Der Schlüssel ist taucht nicht auf. Er liegt wahrscheinlich im Odeon unter einem der Tische. Ich muss nochmal zurück in die Bar. Allerdings hat der Taxifahrer mein letztes Geld bekommen. Das bedeutet den ganzen Weg zu Fuß. Im Regen, mit diesen blöden Pumps. Das alles für ein Date mit einem Mann, der mich zwei Mal versetzt hatte, nur damit ich den Samstagabend nicht wieder allein verbringen musste.

Plötzlich fühle ich mich unendlich einsam. Ich denke an den Mann am Flügel. Seine sinnlichen Lippen, die schönen Hände, die den Saiten des Instruments die sehnsüchtigen Klänge entlockten und mich auf diese unglaublich intensive Weise berührten. Tränen rinnen über meine Wangen, tropfen auf den Jackenkragen.

Es hilft nichts. Wenn ich in mein Bett will, muss ich zur Bar gehen und meinen Schlüssel holen. Ich mache mich auf den Rückweg, biege gerade um die Ecke der Villa, als ich mit einem Mann zusammenstoße. Ängstlich mache ich ein paar Schritte zurück.

„Keine Angst“, sagt er mit beruhigender Stimme, „ich wollte dir deinen Schlüssel bringen.“

„Danke“, sage ich und erkenne den Mann vom Flügel, „sie sind hier?“

„Als du das Odeon verlassen hattest, war es, als würde ein Stück meines Herzen mit dir gehen. Ich musste dich wiedersehen, um mich zu vergewissern, dass es nicht nur Einbildung ist.“

Wie ist es möglich, dass er ausspricht, was ich ebenso fühle? Auf der offenen Hand hält er mir den Schlüssel entgegen. Ich will ihn entgegen nehmen, aber er schließt mein Hand in seiner ein. Nicht fest. Ich könnte sie jederzeit herausziehen, aber ich will es nicht. So fühlen sich also seine warmen Hände auf meiner Haut an. Ein wildes Kribbeln zieht sich meinen Arm hinauf. Mein Herz überschlägt sich beinahe und mein Atem geht stoßweise.

„Möchten sie einen Kaffee mit mir trinken?“, frage ich mit zitternder Stimme.

„Ja“, sagt er und ich höre sein Lächeln, als er weiter spricht, „morgen früh. Ich bringe ihn dir ans Bett.“

In meinem Hirn rasen die Gedanken durcheinander. Bedeute es das, was ich denke, dass es bedeutet? Er führt mich zu meiner Haustür, nimmt mir den Schlüssel ab und schließt auf. Sacht schließt er die Tür hinter uns. Wir stehen im dunklen Flur, dicht voreinander. Ich weiß, dass er mich küssen, mit seinen schönen Händen berühren und meinen Körper mit seinem in Ekstase versetzten wird und doch kann ich mich nicht rühren. Ist es nur einer dieser One-Night-Stands, die meine Sehnsucht für einen Moment übertönen und mich umso sehnsüchtiger zurücklassen?

„Komm zu mir“, sagt er leise. Seine Stimme ist so melodisch, wie sein Spiel, „hab keine Angst. Ich weiß nicht, was mit uns geschieht, aber du gehörst zu mir. Ich habe lange auf dich gewartet und ich lasse dich nicht mehr gehen.“

Er legt seine Hände in meine Taille und zieht mich an sich. Ich schlinge meine Arme um seinen Hals und lehne meinen Kopf an seine Schulter. Es ist wie nach Hause kommen. Der Sturm in meinen Gedanken kommt zur Ruhe, obwohl mein Körper sich in einer Aufruhr befindet, die ich seit Langem nicht mehr gefühlt habe.

„Küss mich“, flüstert er mit rauer Stimme an meinem Ohr.

Sein heißer Atem streift über mein Gesicht. Die Finger seiner linken Hand zerwühlen mein Haar. Ich lehne meinen Kopf in den Nacken und biete ihm meinen Mund zum Kuss. Er beugt sich zu mir, als sich unsere Lippen kosten, erschauern mein Körper und meine Seele unter dem aufgewühlten Gefühl, das dieser Mann in mir auslöst. Es ist wahr, muss wahr sein. Wir gehören zusammen, sind füreinander bestimmt. Er küsst mich so zärtlich, lustvoll und sinnlich, dass ich die Zeit und den Raum um mich herum vergesse, wie im Odeon, als er mich mit seinen Melodien betörte.

Wir gehen ins Schlafzimmer. Die Gefühle in mir reffen sich zu Wellen auf, wollen Ausdruck finden, doch kein Wort ist annähernd genug, um sie zu beschreiben. Er zieht mich langsam aus. Seine Fingerspitzen setzen winzige Brände auf meine Haut. Jede Berührung durchdringt mich, jagt Schauer über meinen Körper und weckt mein Begehren in einem Ausmaß, das mich um den Verstand bringt. Ich bin das Instrument, das er durch seinen Anschlag zum Klingen bringt, mal sanft, mal nachdrücklicher. Er beherrscht das Spiel auf meinem Körper ebenso virtuos, wie auf dem Flügel. Ich öffne mich ganz für ihn, überlasse ihm den Rhythmus, fließe auf seinem Gezeitenstrom. Unsere Körper sprechen aus, was nicht in Worte zu kleiden ist. Die Nacht gehört uns, löscht die Erinnerung an Einsamkeit und Kälte aus.

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1. „WOW! Was ist denn in dem Drink?“

„WOW! Was ist denn in dem Drink?“
In meinem Kopf breitete sich langsam eine nebelige Wolke aus. Ich musste mich an der Stange am Tresen festhalten. Meine Beine verloren ihre Festigkeit. Vor meinen Augen schwankten die Bilder hin und her, oder war ich es die wankte? Meine Zunge war so dick, das sie unter dem Gaumen feststeckte.
„Ich fühl mich nicht gut“, sagte ich und hörte ganz andere Worte aus meinem Mund rutschen. „Ich brauche ein Taxi.“ Auch das kam irgendwie falsch heraus.
„Kann ich ihnen helfen?“, fragte ein Mann neben mir.
Ich wollte etwas sagen, die Töne waren weg. Also nickte ich nur. Der letzte Rest meines Verstandes versuchte sich an seinem Gesicht festzuhalten, tastete sich über einen sinnlichen Mund, eine gerade Nase zu zwei hellblauen Augen hoch.
„Geht`s ihnen nicht gut?“
Ich schüttelte den Kopf, versuchte auf den Drink zu zeigen. Meine Motorik versagte. Ich traf das Glas. Es kippte. Das Geräusch des splitternden Glases fraß sich in meine Ohren. Die klebrige rote Flüssigkeit quälte sich in Schwären über den Tresen. Ich hob die Hand. Mein Blick flatterte. Blut rann den Handballen hinunter über meinen Unterarm.
„Sie haben sich verletzt“, ich fühlte, wie der Mann seinen Arm, um meine Taille legte, mir eine Serviette um die Hand wandt, „sie müssen ins Krankenhaus.“
Es wurde dunkel.

Ich schlug die Augen auf. Durch dünne Chiffonvorhänge fiel Sonnenlicht in den Raum. Sie bauschten sich unter einer leichten Brise. Eine Weile sah ich ihrem Spiel zu. Ich wollte mich aufsetzen, als ein scharfer Schmerz durch meinen rechten Arm zuckte, bis in meinen Kopf. Ein blütenweißer Verband verhüllte meine Hand und mein Gelenk. Ich versuchte mich zu erinnern, wie ich mir diese Verletzung zugezogen hatte. Glas. Glas, das zerbricht. Rote Flüssigkeit, zäh. Ich suchte nach mehr. Einem Ort, Menschen, meinem Namen. Nichts. Doch. Da war etwas. Helle blaue Augen.

2. Das letzte Mal habe ich vor vier Stunden von ihr gehört. Ich mache mir Sorgen.

„Das letzte Mal habe ich vor vier Stunden von ihr gehört. Ich mache mir Sorgen.“
Sandra hüpfte nervös von einem Bein auf das andere. Ich konnte die ganze Aufregung nicht verstehen.
„Wo ist das Problem, du hast mir doch erzählt, der Typ ist aus reichem Haus und hätte Manieren wie ein Prinz.“
Allein diese Aussage hielt ich für totalen Schwachsinn. So etwas gab es heute nicht mehr – zumindest hatte ich noch keinen Mann kennengelernt, der auch nur ansatzweise in die Nähe dieser Bezeichnung gekommen wäre.
„Ja, ist er auch.“
Etwas in Sandras Stimme ließ mich aufhorchen.
„Und?“
Sie druckste herum.
„Wir haben dir nicht alles erzählt.“
Ich atmete tief durch und wappnete mich für die Beichte.
„Er ist ein Nachtwandler“, stieß Sandra hervor und sah mich mit großen tränennassen Augen an.
Ich sprang auf, riss meine lange gepolsterte Lederjacke vom Haken und schimpfte.
„Seid ihr verrückt geworden?! Ich habe euch tausend Mal gewarnt euch nicht mit denen einzulassen!“, ich überprüfte die Armbrust, die Innentaschen mit den Wurfsternen und den Gürtel. Vier spitze Ebereschenpflöcke steckten an der Seite und ein silberner Stab. Auf Kopfdruck stieß eine dreißig Zentimeter lange Spitze heraus. Die Pistole mit den Silberkugeln war geladen. „Wo haben sie sich getroffen?“
„Im „La Guerra“, piepste Sandra.
„Aus welchem Hause stammt er?“, fragte ich schroff und band mir die derben Stiefel zu.
„Aus dem Hause Godfrey“, Sandra schluchzte.
Am liebsten hätte ich sie geschlagen.
„Das darf doch nicht wahr sein?! Das sind die Schlimmsten! Stark wie Stiere, gefährlich wie Panther! Wenn sie jemand im Visier haben, dann gibt es kein Entkommen! Was ist nur in Anita gefahren?“ Wie konnte sie so dumm sein? Sie hätte sich auch gleich einen Strick nehmen können. „Und du hast es zugelassen und nichts gesagt?!“
„Aber er sah so gut aus“, jammerte sie.
„Er sah gut aus! Er sah gut aus!“, äffte ich Sandra nach, „Scheiße! Gut sehen die alle aus oder hast du schon einen hässlichen Nachtwandler gesehen?“ Bevor Sandra etwas sagen konnte, hob ich die Hand. „sag seinen Namen nicht oder ich flippe auf der Stelle aus.“
Wir dachten beide an Jeremy, aber das war eine ganz andere Sache. Ich war fast aus der Tür, als Sandra mit dünner Stimme rief:
„Du kannst ihr doch helfen, oder?“
„Ich tue was ich kann!“, rief ich.
Die Tür fiel ins Schloss. Ich fürchtete, dass das, was ich konnte, diesmal nicht ausreichen würde. Die Godfreys hinterließen nur verbrannte Erde, sonst nichts.

Die dreizehn Sätze, die den Anlass für die Geschichten geben, sind in meinem Blog Schreiberlebentipps zu finden „13 Sätze – 13 Geschichten“.

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Das Dilemma meines Lebens. Besonders, da sich diese beiden Dinge in geradezu teuflischer Kombination perfekt ergänzen.

Gerade bin ich wieder an diesem Punkt des Teufelskreises, der das Karussell auf unheimliche Weise in Gang setzt. Man sieht es nicht kommen, wenn man nicht darauf achtet. Plötzlich ist es da und schwingt sich zu immer größeren Kreisen auf.

Es beginnt mit einer stillen Frustration, oder einer müden Lustlosigkeit. Der Kopf ist voller Gedanken an die Dinge, die man tun möchte, die Ideen häufen sich von Hügeln zu Bergen und je höher sie werden, desto kleiner und antriebsloser wird man selbst.

Ich sitze da, starre auf meine PC oder mein Blatt. Ideenfluten mein Hirn, aber statt einfach anzufangen, bleibt kein Gedanke greifbar. Wie durch eine Windböe am Meer, die Wolken vertreibt, sind sie fort, ehe ich eines Wortes habhaft werden konnte.

Ich möchte schreiben, aber was wenn die Idee schlecht, schon geschrieben, zu schwierig, zu langwierig oder sonst wie unerreichbar ist? Und außerdem bin ich doch sowieso nicht gut genug? 600 Seiten auf Papier, und was wenn sie niemand haben will? Du musst es aber erst mal versuchen, bevor du wissen kannst, ob es einer will oder nicht!

Wozu die Arbeit? Die Verlagsuche, die Absagen…alles ist so ermüdend.

Die Spatzen hüfen draußen herum und suchen sich einen Partner zum Nestbau. Interessant den Vögeln zu zusehen. Grünfinken, Meisen, Spatzen, Rotkelchen. Katze Finchen schaut ihnen auch zu, aber unter anderen Gesichtspunkten. Sie würde die laute, aufdringliche Bagage lieber fangen und fressen.

„Ich bin müde, kann mich kaum auf den Beinen halten. Habe Ideen die ich aufschreiben will, aber ich traue mich nicht!“ –  „Was soll das denn heißen? Du hast einen erotischen Roman veröffentlicht, du kannst das und bist gut darin. Warum traust du dich nicht? Du darfst alles schreiben, alles. Du musst es ja niemandem zeigen, wenn du nicht willst, immerhin ist es dein Geschreibsel.“ – „Mir kommt alles so hohl und nichtssagend vor.“

Ich kann nichts dafür. Der Gedanke hat sich in mein Hirn gebohrt, wie ein Wurm, der erst nur ein Würmchen, sich von meinen Zweifeln nährt und langsam immer dicker und fetter wird, und immer mehr Platz in meinen Gedanken einnimmt. Der droht mich zu ersticken und irgendwann aufzufressen.

Die Erschöpfung ist überdeutlich spürbar. In meinem Kopf ist ein schwarzes Loch, das alle Ideen und Worte schluckt, sprengt und als Puzzle wieder ausspuckt. Mein Mann würde sagen, das ist nur eine Schaffenspause, aber ich fühle mich so ausgezehrt, dass ich am liebsten nur noch schlafen und meinen Tagträumen nach hängen möchte.

Davon abgesehen, dass ich mich zur Kompensierung dieses Zustandes, mit Essen aller Art tröste und mich selbst wie eine Raupe fühle. Vielleicht kommt ja irgendwann ein riesiger Vogel vorbei und pickt mich auf.

Die Spatzen, oder sollte ich Sperlinge sagen, sammeln kleine Ästchen und Kleinkram für ihre Nester. Und ich hole mir jetzt einen ordentlichen Kaffee und einen Keks.

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