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Posts Tagged ‘Sonne’

…wird endlich gut. Zum xten Mal den Fantasy-Roman gelesen und korrigiert. Jetzt ist gut – das Manuskript liegt beim Verlag und ich nehme das erst wieder in die Hand, wenn der Text vom Lektorat zurückkommt.

Immerhin gibt es schon den nächsten Roman und der möchte jetzt zu Ende geschrieben werden! Immerhin hatte ich noch ein paar gute Einfälle zu dem neuen Roman, die mehr Licht ins dunkel der „Geschichte“ bringen. Darauf freue ich mich schon. Ich mag diese halben Sachen nicht – auch wenn ich sie manchmal selbst fabriziere.

Doch die angefangenen Sachen sind abgehakt, Freitag geht es zur Buchmesse in Leipzig, die Grippe ist hoffentlich auch überwunden, und wenn demnächst die Sonne noch etwas mehr scheint, wird alles wieder gut.

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Diana saß im Pyjama auf dem grauen Ecksofa, die Beine angezogen und aß Müsli. Die Sonne fiel durch die breite Fensterfront und erfüllt den Raum mit warmem Licht. Draußen tobten die ersten Schneeflocken durch die Luft, die der winterlich wilde Wind über die Ostsee trieb. Diana hörte, wie er die Bäume zerzauste und sah wie er die Wellen in einem dramatischen Tanz gegen den flachen Strand trieb. Die Möwen hatten Mühe sich gegen den Sturm zu behaupten und segelten in einem Zickzackkurs über dem Wasser.

Im Hintergrund sang Gordon Haskell „How wounderful you are …“, das neue Jahr war noch frisch, erst fünf Tage alt, und trotzdem hinterließ es erste Spuren. Diana war weit fort von zu Hause und der Gedanke in den Alltag zurückzukehren verursachte ihr ein dumpfes Gefühl in der Magengegend.

„Things can happen fast“, sang Gordon und Diana dachte an die Veränderungen, die sich in den letzten Monaten ergeben hatten. Sie hatte das Glück gesehen. Für einen kurzen Moment spürte sie es: zu Hause sein. Ein überwältigendes Gefühl, das sie atemlos machte, um es im nächsten Augenblick wieder zu verlieren. Die Dinge wandelten sich oft schneller, als vorauszusehen. Sie wusste, dass sie dieses Glück nicht behalten konnte. Es gehörte ihr nicht, würde ihr niemals gehören. Das hatte sie nicht daran gehindert es sich anzusehen und es zu begehren. Manchmal will das Herz, was das Herz will, egal um welchen Preis.

Diana wünschte sich glücklich zu sein und doch, genau das war schwer zu bewerkstelligen. Glück, diese flüchtigen Augenblicke, die man oft erst erkannte, wenn sie verflogen waren. Nun in diesem Moment, die Sonne fiel auf ihr Gesicht, die Musik hüllte sie ein, der ungestörte Blick auf das Meer – verspürte sie ein Gefühl des Glück, dass ihr ganzes Sein erfüllte.

Diana wusste, es war besser nicht darüber nachzudenken. Im Augenblick des Nachdenkens bekam das Glück schon wieder Risse, weil sie es festhalten wollte. Sie nahm sich vor, wenn sie es nicht verwahren konnte, so wollte sie zumindest weniger unglücklich sein. Sie schrieb in ihr Tagebuch:

„Erinnere dich immer an diesen Tag, wenn du in den nächsten 360 Tagen vor einer Krise stehst. Erinnere dich an das Meer, die Stille, das Glück, das du so erfüllend empfunden hast und glaube fest dran, dass du dich eines Tages wieder so unendlich glücklich fühlen wirst, wie an dem Tag, als du in seine Augen gesehen hast.“

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Schreibe einen Brief an einen fiktiven Charakter.

Lieber Ishmael,

wenn ich das Meer sehe, denke ich an dich. Ich sitze im feinen weißen Sand, schaue den Wellen zu, die ans Ufer rollen und den Segelschiffen, die in der Westerschelde mit einander wetteifern. Ab und zu kreuzt ein Containerschiff die Fahrrinne und entfernt sich gemächlich, bis es hinter der Horizontlinie verschwunden ist.

Ich liebe es dort zu sitzen und dem ewigen Rauschen des Meeres zu lauschen, unter einem hellblauen Himmel. Mein Herz schlägt höher und mein größter Wunsch ist es, nie wieder gehen zu müssen. Jeden Morgen über den Deich zu steigen und es wiederzusehen. Mein Meer. Meine Sehnsucht. Ich weiß, sie wird nie gestillt – denn ich muss wieder gehen. Fort, dorthin wo Berge meinen Blick einschränken, das Grau des Alltags mich einholt und mit festem Griff packt.

Das war bestimmt nicht dein Problem, als du mit Kaptän Ahab unterwegs warst und in seinen Hass auf den weißen Wal verwickelt wurdest. Du suchtest ein Abenteuer, eine weiße Insel mit Palmen, exotischen Schönheiten und jungen Frauen mit bronzefarbener Haut, die dich in Fantasien entführten, die du dir niemals hättest träumen lassen.

Nie hättest du gedacht, welchen Schrecken du ausgesetzt sein könntest. Der brüllende Ozean, der alles frisst, was wagemutig genug ist, ihm zu trotzen. Einem riesigen Meerungeheuer, dass kaum so furchtbar sein konnte, wie der Mann, der seine Manschaft wohlbehalten zurück in den Heimathafen bringen sollte. Du sahst deine Kameraden streben, erlebtest den Wahnsinn des Hasses an deiner eigenen unschuldigen Seele. Du musst unter einem Glückstern geboren sein, dass du diese schreckliche Katastrophe überlebt hast und davon erzählen konntest.

Wir, deine atemlosen Zuhörer wissen, dass die Geschichte eine Allegorie ist, aus der wir lernen könnten. Den Groll loslassen und vergeben, sich nicht vom Hass verzehren lassen. Doch wie wir Menschen sind, nicken wir heute betroffen mit dem Kopf, und haben es morgen vergessen.

Ich sitze im warmen Sand. Meine Zehen boren sich in die feinen Körnchen. Es riecht nach Salz, Sonne und der besonderen Essenz, die dem Meer eigen ist. Ich schaue den Möwen zu, die in der warmen Brise über dem Meer schaukeln und meine Haut streichelt.

Ich stelle mir vor, du sitzt neben mir. Wir reden nicht. Du verstehst mich und ich verstehe dich. Auf die eine oder andere Weise hat uns das Leben Narben zu gefügt. Sie heilen. Manchmal schnell, manchmal nie. Und doch bestehen wir in diesem brüllenden Ozean, der unser Leben ist. Du nimmst meine Hand in deine, küsst mich auf die Wange. Alles wird gut, sagts du. Ich glaube dir. Du hast überlebt, also muss es so sein.

Ich bleibe noch ein bisschen sitzen, genieße diese kostbaren Momente, die nicht wiederkehren, schau dir nach, wie du mit der Brise entschwindest. Du hast ein Stück meines Herzens mitgenommen und mir dafür ein Stück deines Herzens dagelassen.

Ich danke dir, für deine Zuversicht und deinen Mut

C.

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In dem Café

„Hoch-über-der-Stadt“,

Nahe dem Turm

Mit dem goldenen Zifferblatt

 

Saß ein Liebespaar,

Hand in Hand,

Und er schwieg und er sah,

Und sie sah und verstand.

 

In dem Café

Hoch über der Stadt,

Wo es Wolken und

Sonne hat,

 

Ziehen die Wege fort

Über Land,

Pappeln stehen

Am Wegesrand,

 

Und die Welt ist

Wehend und weit!

Nahe dem Turm

Mit der goldenen Zeit

 

Saß ein Liebespaar,

Hand in Hand,

Und sie sah und sie schwieg –

Und er schwieg und verstand.

                                       J.R.Becher

 

Heute Morgen habe ich einen kleinen Abstecher zum Bücherflohmarkt gemacht und in einem Gedichtband – „Ich denke dein“ – dieses hübsche Gedicht gefunden.

 

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Urlaub, Gelb, Blitz, Blechdose, Zittern, finden

Der Urlaub ist eine einzige Katastrophe. Auf der Hinfahrt hatten wir eine Reifenpanne, vergaßen eins der Kinder auf einem Rastplatz, mussten eine Nacht im Auto verbringen, weil der Vermieter des Ferienhauses unseren Ankunftstermin verpennt hatte und gleich beim Einräumen der Lebensmittelvorräte schnitt sich Andy an einer Blechdose die Hand auf und musste eine Tetanus-Spritze bekommen. Von wegen Blutvergiftung und so, sagte der einzige erreichbare Arzt in der zwanzig Kilometer entfernten Kleinstadt, der mir eher ein Igor zu sein schien, denn ein promovierter Arzt.

Zu allem Überfluss tobt seit heute Morgen ein Gewitter, dass die kleine Hütte in ihren Grundfesten erschüttert. Gelbe und weiße Blitze schießen über den Himmel, gefolgt von ohrenbetäubenden Donnerschlägen, als wäre der  jüngste Tag über uns hereingebrochen.

Von dem runden Dachfenster aus könnte man das Meer sehen, wenn die Sonne scheinen würde. Nun ist alles eine graue brodelnde Masse aus Gischt, riesigen Wellen, Regen – und Hagelschauern. Bernie liegt seit Stunden unter der Couch und winselt. Die Kinder streiten, weil der verdammte Fernseher nicht funktioniert, ich glaube die Satellitenschüssel hat einen Abgang gemacht, und Andy spielt mit dem Smartphone herum, oder besser, er versucht es, aber er findet kein Netz. Der Sturm hat alle Verbindungen zur Außenwelt unterbrochen.

Ich gehe jetzt aufs Klo, den einzig ruhigen Ort in diesem Irrenhaus, schließe mich ein und komme erst wieder heraus, wenn die drei Wochen Urlaub vorbei sind.

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„Wann hast du ihn das letzte Mal gesehen?“, meine Mutter sah mich mit panischem Blick an.

„Gerade eben noch“, log ich, „dort drüben an dem Karussell.“

Ich deutete auf das altmodische Karussell mit den beiden Kutschen, den eleganten Holzpferden, indischen Elefanten und den drei majestätischen Löwen, die alle bunte Sättel trugen, die mit goldenen Details abgesetzt waren.

Meine Mutter rannte über den Platz, rief laut den Namen meines kleinen Bruders. Ich trottete langsam hinterher.

Selbst Schuld, dachte ich, warum muss er nur so viel reden und ständig igrendwelche Dummheiten machen. Kein Wunder, dass ich froh war, ihn eine Weile los zu sein. Kleiner Blödmann, dachte ich wütend, jetzt will er es mir heimzahlen und versteckt sich, damit Mama sauer auf mich ist. Nur weil er sich ein paar Minuten alleine beschäftigen sollte. Schließlich habe ich auch ein Leben. Wenn ich den in die Finger kriege.

„Wie? So lange!“, hörte ich meine Mutter mit dem Mann vom Karussell sprechen. „In welche Richtung?“

Der Schausteller deutete vom Kirchweihplatz weg, Richtung Wald.

„Er folgte dem Mann freiwillig“, sagte er und zuckte gleichgültig mit den Schultern.

Meine Mutter drehte sich zu mir um. Sie sah mich an. Ihr Blick ging mir durch und durch. Ich hatte sie enttäuscht, wieder einmal.

 ***

Mein Blick fiel auf das altmodische Karussell. Ich erkannte es sofort, obwohl es zwanzig Jahre her war. Die schön geschnitzten Tiere mit den bunten Sätteln, die prunkvollen Kutschen. Es erklang dieselbe Musik. Einzig die Farben des Karussells verblassten an einigen Stellen und hier und da blätterte der Lack ab.

Sogar der Festplatz sah aus, wie damals. Ich sah zum Wald hinüber. Friedlich lag er da, im Licht der untergehenden Sonne. Niemand ahnte welches Grauen dort lauerte. Niemand hatte mir geglaubt, heute würde es nicht anders sein. Eine Welle der Erinnerung überflutete mich und eine Angst breitete sich in meinem Körper aus, die ich seit zwanzig Jahren nicht mehr verspürt hatte.

„Hier ist der Junge verschwunden?“, ich versuchte das Zittern in meiner Stimme zu unterdrücken.

„Ja“, der uniformierte Dorfpolizist nickte, „wollen sie mit dem Besitzer des Karussells reden, Frau Sommer.“

Ich bemerkte den Mann im Kartenhäuschen neben dem Karussell. Er sah genauso aus, wie vor zwanzig Jahren. Er schien keinen Tag gealtert zu sein. Der Mann hob den Blick und lächelte. Immer stärker breitetet sich die Beklemmung in meinem Bauch und meiner Brust aus. Beruhige dich, redete ich mir zu, du bist erwachsen und musst einen klaren Kopf behalten. Vielleicht konnte ich endlich herausfinden, was mit meinem kleinen Bruder geschehen war.

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Ich lehnte mich an die sonnendurchwärmte Mauer. Unter meinen Fingern spürte ich den rauen Stein. Grüngraue Flechten überzogen die unregelmäßig behauenen Steinbrocken, die vor Zeitaltern zu einem imposanten Schutzwall aufgeschichtet worden waren. Eine laue Brise strich über das alte Gemäuer, wehte meine Haare durcheinander. Vor vielen Hundert Jahren erhob sich eine stolze Burg auf diesem Hügel. Heute gab es nur noch ein paar Mauerreste und ein halbzerfallenes Gebäude, in dem man an einer Seite noch ein Stück des Abzugs und einer Feuerstelle erkennen konnte.

Der Blick über die Ebene und die sanften Biegungen des Flusses, der sich durch üppige Wiesen schlängelte, und an dessen sandigem Ufer die Enten die Köpfe unter die Flügel steckten, war grandios. Ich versuchte mir vorzustellen, wie es damals gewesen war.

„Du!“, rief eine dunkle Stimme hinter mir, „was machst du hier!?“

Ich drehte mich um. Vor der Burgruine stand ein Ritter in voller Montur. Er trug seinen Helm unter dem Arm. Dunkles Haar hing wirr um seinen Kopf und verdeckte mit einem ungepflegten Bart beinahe sein ganzes Gesicht. Am Zügel hielt er ein Pferd, dass ebenfalls eine Rüstung trug. Das schwarze Fell des Tieres glänzte in der Sonne.

„Ich bin spazieren gegangen und wollte dir Aussicht genießen“, sagte ich und grinste, „ich wusste gar nicht, dass hier ein Mittelaltermarkt geplant ist.“

„Was soll das sein? Mittelalter?“, fragte er und seine strahlend blauen Augen funkelten missgelaunt.

„Sie wollen mich auf den Arm nehmen?“, fragte ich, „ach schon klar, sie sind gerade voll in ihrer Rolle.“ Diese Rollenspieler waren schon ein komisches Völkchen. „Ich lass sie dann mal weitermachen.“

Ich wollte an ihm vorbei gehen, aber er zog sein Schwert und versperrte mir den Weg.

„Wo sind meine Leute?“

Ich zuckte mit den Achseln.

„Woher soll ich das wissen? Ich habe niemand gesehen.“

„Das ist unmöglich! Ich war nur wenige Wochen fort“, er drängte mich weiter zurück, „sagen sie mir, was passiert ist!“

„Hören sie. Sie müssen sich nicht aufregen“, die glänzende Schwertklinge, auf meinen Bauch gerichtet, machte mir etwas Angst, „unten am Weg ist eine große Tafel, dort steht die Geschichte der Burg aufgeschrieben.“

„Führ mich hin!“, befahl er.

„Gut. Aber sie stecken das Schwert wieder ein.“

Widerwillig steckte er das Schwert zurück und folgte mir dicht auf den Fersen.

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