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Posts Tagged ‘See’

Ein Vogelschwarm schwebte auf dem Wind, wie hunderte Papierschiffchen auf einem See.

Lange folgte ihnen mein Blick. Wie gerne wäre ich mit ihnen geflogen, hätte dieses bedrückende dunkle Leben hinter mir gelassen. Ich schloss meine Augen, breitete die Arme aus und stellte mir vor sie wären besetzt mit langen Schwungfedern. Eine starke Brise umspülte mich, die Haare wehten im Wind, meine Kleidung schlackerte um meinen Körper. Jetzt mit den Flügeln schlagen, dachte ich und imitierte die Bewegung. Erst langsam, sacht, dann mit immer raumgreifenderen Schwingungen. Der Wind nahm zu.

Ich riss die Augen auf, rannte gegen ihn los, meine Arme kräftig schlagend. Dann vor mir der Abhang. Es gab nur den Bruchteil einer Sekunde zu entscheiden: springen oder anhalten. Ich sah die Vögel nur noch als winzige dunkle Punkte über dem Horizont. Spring! Schrie die Stimme in meinem Kopf. Ich gehorchte.

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Messer, Papier, Eis, See, Mantel, Markt, fangen

Der Parksee lag unter einer dicken Eisschicht. Ein paar Hartnäckige trotzten den dicken Flocken, die seit einer Stunde fielen und liefen Schlittschuh. Ich zog den Mantelkragen enger, und wickelte den Maxi-Schal noch einmal um meinen Hals.

Auf dem wöchentlichen Markt hatte ich ein paar Einkäufe tätigen wollen, aber es gab nur zwei Stände, die Gulaschkanone und den Messerschleifer. Da ich weder ein Mittagessen, noch scharfe Messer benötigte, ging ich ins Kaufhaus und besorgte mir eine Packung Druckerpapier.

Ich hatte es nicht besonders eilig. Zu hause wartete mein fertiges Manuskript darauf ausgedruckt und korrigiert zu werden. Ein anstrengendes Stück Arbeit lag vor mir und ich wollte meinen Kopf frei bekommen, bevor ich damit begann. Langsam ging ich über die eingeschneiten Wege nach Hause. Ich genoss die Stille des Wintertages, die weißen Flocken, die sich schützend auf die Bäume und Pflanzen legten.

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Es gibt so Schönes in der Welt

Daran du dich nie satt erquickst

Und das dir immer Treue hält

Und das du immer neu erblickst

Der Blick von einer Alpe Gart

Am grünen Meer ein stiller Pfad

Ein Bach, der über Felsen springt

Ein Vogel, der im Dunkel singt

Ein Kind, das noch im Traume lacht

Ein Sterneglanz der Winternacht

Ein Abendrot im klaren See

Bekränzt von Alm und Firneschnee

Ein Lied am Straßenzaun erlauscht

Ein Gruß mit Wanderern getauscht

Ein Denken an die Kinderzeit

Ein immer waches, zartes Leid

Das nächtelang mit seinem Schmerz

Dir weitet das verengte Herz

Und über Sterne schön und bleich

Dir baut ein fernes Heimwehreich.

                    Hermann Hesse, 1902

 

Die Worte Hermann Hesses sind nun schon 114 Jahre alt und haben nichts von ihrem Zauber und ihrer Wahrheit verloren.

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Großreinemachen und gute Vorsätze müssen sich nicht ausschließen – können sie aber. Wenn das Reinmachen zu den Vorsätzen gehört, super – wenn nicht – kann auch super sein, muss es aber nicht. Das Großreinemachen gehörte Ende 2015 nicht zu meinen guten Vorsätzen, es schlich sich eher so peu a peu ein.

Drei Tage an der See – Wolken, eisiger Wind, ungestüme Wellen und Einsamkeit.

Eck. Dünen 2

Angenehme Einsamkeit in einer wunderschönen roten Backsteinkirche,

Nicolai Kirche 6

in der es nach Tanne duftete, einem liebvoll eingerichteten Heimatmuseum,

Eckernförde, Museum am Markt 1

das einen Dichter und Philosophen sein eigen nennt, und in gemütlichen Cafes mit aromatischem Kaffee und leckerem Gebäck.

Cafe Heldt innen

Abends saß ich in einem heimeligen Gästezimmer, mit meinem neuen Buch, das ich mir als Reiseandenken gekauft hatte, meinem Laptop, meiner Musik und einem Zeitungsartikel in dem es um: „Neue Visionen deines Lebens“ ging und meinen Gedanken.

Kiel, Unterkunft 7

Seit über zehn Jahre schreibe ich. Es ist ein besonderer Teil meines Lebens. Schreiben macht mich glücklich. Ich schreibe jeden Tag und gerne. Aber es gibt auch andere Sachen, die ich gerne tue und die ich vernachlässigt habe. Eine davon ist Zeit zu haben, ohne Druck im Nacken. Zu lesen und mich in den Stoff zu vertiefen, nähen, häkeln, spazieren gehen, fotografieren, Ideen nachgehen, Notizen machen – einfach mal so – ohne zu wissen wohin es führt.

Natürlich gibt es die Idee zu einem neuen Roman. Notizen, einige Skizzen, Personen, den Ort. Und doch – es ist das erste Mal, seit langem, dass ich es nicht eilig habe. Angenehm. Aufatmen. Es wird geschrieben, wenn es so sein soll. Keine Eile, nichts überstürzen. Leben. Leben um zu schreiben. Es wird Zeit die Dinge anders anzugehen.

Konstantin Paustowski schrieb: „Die Fähigkeit, das Leben als etwas ständig Neues zu empfinden, ist jener fruchtbare Boden, auf dem die Kunst erblüht und reift.“

Ich will nicht schreiben müssen. Ich möchte schreiben wollen. Das kommt wieder. Ich kenne die Phasen. Doch diese Phase ist frei gewählt. Ich will mich ausklinken, will sehen, hören, fühlen, schmecken, riechen. Ich will mich nicht quälen, um meine Fähigkeiten als Schriftstellerin unter Beweis zu stellen oder mich abwatschen zu lassen. Ich die meiste Zeit meines Lebens in der Pflicht und gerade jetzt ist es an der Zeit nicht in der Pflicht zu sein oder nur, wenn ich es für richtig halte.

Wenn es Zeit ist, möchte ich schreiben wollen. Bis dahin will ich leben, mich mit dem Strom dahin gleiten lassen und einfach ich sein.

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„Komm! Wir müssen weiter.“

„Nein! Ich mache keinen Schritt. Seit Stunden stolpern wir durch den Wald. Nachts! Ich mache jetzt eine Pause.“

Danny setzte sich auf einen der großen Steine am Seeufer und streifte die Schuhe und Strümpfe ab. Ihre Füße brannten und Danny hielt sie in das kühle Seewasser. Martin schüttelte den Kopf.

„Immer musst du das letzte Wort haben“, er wollte noch etwas sagen, aber Danny unterbrach ihn.

„Und du musst dich ständig auf solche Himmelfahrtkommandos einlassen.“

Danny planschte mit den Füßen. Hinter den Hügeln stiegt langsam der Mond auf. Sein Licht verwandelte das schwarze Wasser des Sees in pures Silber.

„Ich“, begann Martin.

„Psst! Sag einfach mal nichts“, unterbrach Danny ihn unwirsch.

Sie hörte ihn schnauben. Äste knackten. Dann war es still. Danny wusste, dass Martin sie allein gelassen hatte. Er hasste es, wenn sie ihm widersprach. Es war ihr egal. Danny wollte sich diesmal die Stimmung nicht von ihm kaputt machen lassen.

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„Na du armer Kerl, hast du dich verirrt?“

Janni blickte mitleidig auf den Schwan herunter, der allein in dem großen Brunnenbecken schwamm.

„Nein, wie kommst du darauf?“, erwiderte der Schwan.

Janni schrak zurück. Hatte der Schwan ihm eben tatsächlich geantwortet?

„Was schaust du mich so überrascht an? Meinst du Tiere haben keine Sprache?“

„Doch schon“, stotterte Janni, „aber keine Menschensprache.“

„Na, wie du siehst können wir sie doch.“

Der Schwan streckte seinen langen Hals und schlug einmal mit den Flügeln. Janni kniff sich in den Arm. Es tat weh.

„Du träumst nicht“, lachte der Schwan, „arme Geschöpfe, seid nicht mehr in der Lage an Wunder zu glauben.“

„Redest du deswegen mit mir?“, fragte Janni.

„Teils, Teils. Ich habe etwas verloren und du sollst mir helfen, es wiederzubeschaffen.“

Janni sah den Schwan kopfschüttelnd an.

„Du könntest wenigstens bitte sagen.“

„Ich bin ein Schwanenkönig, ich bitte nicht. Ich befehle. Entweder hilfst du mir oder ich suche mir ein anderes Kind.“

„Ist ja schon gut. Ich helfe dir“, gab Janni nach, „was also soll ich für dich suchen?“

„Meine Krone. Sie ist mir vom Kopf gerutscht, als ich über den Park flog.“

„Das wird schwierig“, sagte Janni und ließ den Blick schweifen, „der Park ist sehr groß und falls er in den See gefallen ist, dann wird es schwer sie wiederzufinden.“

„Es hilft nichts. Irgendwo müssen wir anfangen.“ Der Schwan öffnete seine Flügel, schlug ein paar Mal kräftig und erhob sich aus dem Brunnen und landete neben Janni. „Dann lass uns gehen“, sagte er und watschelte los.

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Ich bin nicht „am Wasser“ geboren und doch fühle ich mich mein Leben lang „zum Wasser“ hingezogen. Sei es See, Teich, Fluss, Bächlein oder Meer, Ozean. Jedes Wasser hat seinen eigenen Reiz. Natürlich ist es immer ein besonderes Erlebnis an einem großen Wasser zu sein. Meer – Salz, Wellen, Wind, Sand, Muscheln, Möwen, Schiffe, Himmel.

Ich vermisse das Meer. Ich träume vom Meer. Wasser, das sich hoch aufschwingt und sich an Felsen bricht. Wind, der mich zerzaust, bis auf die Haut. Sandkörnchen, wie kleine Nadelstiche. Möwen schaukeln schreiend auf dem Sturm. Segelschiffe tanzen zwischen den Wellen auf und ab. Containerschiffe auf großer Fahrt versinken langsam hinter der Horizontlinie, wie die Sonne am Abend, wenn sie einen Flächenbrand auf dem Wasser inszeniert. Die hellen Vollmondnächte, die das Wasser in flüssiges Silbergrau verwandeln. Der Geruch des Meeres, der sich in die Erinnerung brennt.

Früher wünschte ich mir, eines Tages in Spanien zu leben. An der wilden Küste, mit ihren kleinen Buchten, hübschen Fischerdörfern, an denen der Größenwahn von Bettenburgen vorbeigegangen ist. Ich bin mehr als einmal dort gewesen und würde gerne eines Tages die Orte meiner Erinnerung noch einmal besuchen. Ich liebe die Sprache, die Menschen, das Essen und die raue Landschaft.

Heute sehe ich aus dem Fenster. Kühler Wind zerzaust die Blätter der Zierkirschen. Er treibt die Wolken hastig über den hellblauen Frühsommerhimmel. Ich wäre jetzt gerne an einem nördlichen Meer. Möchte mich durchwehen und zerzausen lassen. Den wilden Wellen zusehen, die seit ewigen Zeiten an den Strand rollen. Die Augen über den Horizont schweifen lassen, ohne anzustoßen. Eine Muschel finden für mein Regal. Den Geruch des Ortes einatmen und aufbewahren in meiner Erinnerung. In den Dünen sitzen und Zeit vergehen, Zeit sein lassen.
Egal wo ich bin. Das Meer ist in mir. So war es immer und so wird es sein.

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Weißt du, wie der Sommer riecht?
Nach Birnen und nach Nelken,
nach Äpfeln und Vergissmeinnicht,
die in der Sonne welken,
nach heißem Sand und kühlem See
und nassen Badehosen,
nach Wasserball und Sonnenkrem’,
nach Straßenstaub und Rosen.

Weißt du, wie der Sommer schmeckt?
Nach gelben Aprikosen
und Walderdbeeren, halb versteckt
zwischen Gras und Moosen.
Nach Himbeereis, Vanilleeis
und Eis aus Schokolade,
nach Sauerklee vom Wiesenrand
und Brauselimonade.

Weißt du, wie der Sommer klingt?
Nach einer Flötenweise,
die durch die Mittagsstille dringt,
ein Vogel zwitschert leise,
dumpf fällt ein Apfel in das Gras,
ein Wind rauscht in den Bäumen.
Ein Kind lacht hell,
dann schweigt es schnell
und möchte lieber träumen.

Ilse Kleberger

Ein wunderbares Sommergedicht, das  mich an „damals“ erinnert. Es ist einfach nur schön *seufz*.

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Allerdings war das nur ein Vorwand, um seiner verwirrenden Gesellschaft zu entkommen. Ich wollte nur weg, also lief ich hinüber in den Stall, um mit Brego auszureiten. Noch einmal die vertrauten Plätze besuchen und mir alles genau einprägen. Justin kam vom Haus herüber, als ich gerade vom Hof reiten wollte.

„Eliana! Wo wollen sie hin?“

„Ausreiten!“, antwortete ich einsilbig.

„Ich würde sie gerne begleiten, um mir ein Bild von dem Besitz meines Onkels zu machen. In zwei Minuten bin ich bei ihnen.“

Meine ablehnende Haltung störte ihn nicht, zumindest ließ er es sich nicht anmerken. Brego tänzelte und als Justin aus dem Stall kam, ließ ich die Zügel locker. Er schoss wie ein Blitz davon. Brego kannte den Weg zum See. Ich beugte mich dicht über seinen Hals und ließ ihn laufen. Justin preschte hinterher. Kurz bevor wir den See erreichten holte er mich ein. Brego blieb stehen. Justin sah mich anerkennend an.

„Sie sind nicht nur eine hervorragende Reiterin, sondern auch ausgesprochen waghalsig.“

„Danke!“ Ich lächelte ich ihn an und er erwiderte es. „Ich fasse dass als ein Kompliment von ihnen auf!“

„So war es auch gemeint. – Seien sie vorsichtig, dass sie sich nicht den Hals dabei brechen.“

„Sehen sie es doch so, Mylord, dann löst sich ein Problem von alleine.“

Neckte ich Justin. Bevor er etwas erwidern konnte, gab ich Brego durch  einen leichten Schenkeldruck zu verstehen, dass er weiter traben sollte. Justin folgte mir.

„Wollen sie nicht auch ihre Angelegenheiten regeln? Übermorgen werden wir reisen. Es lässt sich nicht aufschieben, ich habe auch Verpflichtungen auf meinem eigenen Besitz.“

„Das wichtigste nehme ich doch mit, mein Pferd und meinen Hund, alles andere ist ersetzbar.“

Wir hatten den See umrundet und fanden uns auf dem Rückweg zum Haus.

„Sie sind das merkwürdigste Mädchen, dass ich je kennen gelernt habe, Eliana.“

„Danke, für das Kompliment, Mylord.“

Unsere Blicke trafen sich. Der merkwürdig intensive Ausdruck, mit dem Justin in mich eindrang machte mir Angst. Ohne ein weiteres Wort gab ich Brego die Sporen. Erst als ich bemerkte, dass Justin mir nicht folgte, ließ ich ihn langsamer traben.

Himmel, was für ein widerspenstiges Geschöpf. Justin schüttelte den Kopf. Eliana ritt wie entfesselt. Sie betrachtete das Wort „merkwürdig“ im Zusammenhang mit sich, als Kompliment und führte Buch wie ein Mann. Justin hatte nicht die kleinste Unregelmäßigkeit entdeckt. Es wird nicht einfach sein, einen Mann zu finden, der ihr gewachsen ist, dachte er. Bei Anna war das  einfacher. Sie war gerade erst achtzehn und weicher in ihren Ansichten. Sie würde sich einem Mann sicher leichter anpassen. Eliana war fünfundzwanzig, wie er von Anna erfahren hatte. Seit dem Tod des Vaters und der Krankheit ihrerer Mutter, war sie als Familienhaupt eingesprungen. Bemerkenswert, dass sie diesen Zustand so lange durchgehalten hatte. Justin stellte fest, dass sie sehr sparsam gelebt hatten und Eliana das meiste Geld für Instandhaltungen ausgab. Das was er sah, war in gutem Zustand. Justin nahm sich vor Eliana bei nächster Gelegenheit zu loben. Er musste an ihre fröhlichen blauen Augen denken, als sie ihn bei dem Ritt zum See geschlagen hatte. Es machte ihr Spaß mit ihm im Wettstreit zu liegen, aber er spürte, dass es der Wettstreit mit jemand war, an dem sie sich messen konnte. Das hatte nichts Kokettes oder Unnatürliches ans sich. Eliana schien ihn nicht als Mann wahrzunehmen, sondern als Sparringspartner. Denn wenn er ihr nahe kam oder ihr tief in die Augen sah, wurde sie unsicher und senkte den Blick. Wirklich ein merkwürdiges Mädchen.

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Die Reise nach Stanford Park verlief, dank Justins vortrefflichen Vorkehrungen, ruhig und angenehm. Seine Mutter, Lady Amanda, empfing uns höflich. Trotzdem wurde ich das Gefühl nicht los, dass sie nicht sehr erfreut war zwei junge Mädchen um sich zu haben. Wahrscheinlich hatte sie Bedenken, wir könnten ihre Aktivitäten stören.

Die Hausdame  führte uns auf unsere Zimmer, damit wir uns erfrischen konnten. Anna war ziemlich erschöpft, sie wollte sich vor dem Dinner noch etwas hinlegen. Ich war viel zu aufgeregt um zu schlafen. Aufgeregt lief ich in meinem Zimmer auf und ab. Falk , mein Irish Setter sah mich mit schief gelegtem Kopf an.

„Komm Falk, wir wollen sehen wie es Brego geht!“

Er spitzte die Ohren und folgte mir. Stanford Park war ein riesiges Haus und ich befürchtete mich zu verlaufen. Ich ging die große Treppe hinunter, die wir gekommen waren, als ich aus einem Salon aufgeregte Stimmen hörte. Ich hielt inne und lauschte.

 „Das mir mein Bruder diese beiden Mädchen aufhalst! Als ob ich nicht genug zutun hätte“, hörte ich Tante Amanda.

„Mutter vergiss nicht, die Beiden können nichts dafür. Sicher hätten sie eine andere Lösung vorgezogen, aber sie konnten dort nicht alleine bleiben“, versuchte Justin seine Mutter zu beruhigen.

„Nur gut, dass beide gut betucht sind. Da werden sich schnell Ehemänner finden, die uns die Verantwortung abnehmen. Damit sich ihr Aufenthalt bei uns nicht unnötig in die Länge zieht.“

„Aber angemessene Verbindungen, keine Greise!“, warf Justin ein.

Seine Mutter lachte hysterisch.

„Justin, bitte! Seit wann bist du so sentimental!“

„Ich bin nicht sentimental. Ich bitte dich nur etwas Rücksicht zu nehmen, schließlich sind es deine Nichten“, erwiderte er gleichgültig.

„Nun gut. –  Ich werde sehen, was wir tun können. Aber bevor ich sie den passenden Herren vorstellen kann, muss ich erst noch meinen Frisör und meine Schneiderin kommen lassen. Sonst sieht jeder, dass die beiden frisch vom Land kommen.“

Im Lauf der Unterhaltung hatte sich Zorn und Trauer, wie eine Eisenhand um mein Herz gelegt. Tränen stiegen mir in die Augen. Plötzlich gab Falk ein leises Knurren von sich. Im Zimmer wurde es still.  Sofort setzte ich mich in Bewegung und eilte durch die große Halle, als ich Justin rufen hörte.

„Eliana! Einen Moment, bitte.“

Ahnte er etwas von meinem Lauschangriff? Kopf hoch und ruhig bleiben. Ich drehte mich um und sah ihn kühl an.

„Ja, Mylord?“

„Wohin so eilig? Haben sie sich verlaufen“, spottete er, „oder kundschaften sie das Terrain aus?“

Ich musste mich zusammenreißen, um die Nerven nicht zu verlieren. Konnte man nichts vor ihm geheim halten.

„Ich wollte zu den Ställen, um Brego zu besuchen“, antworte ich hoheitsvoll.

„Wäre es nicht besser, sie würden nach der langen Reise etwas ausruhen?“

Er zog eine Augenbraue hoch und grinste vielsagend. Die Grübchen auf seinen Wangen waren hinreißend.

„Vielleicht“, ich zuckte gleichmütig mit den Schultern, „aber ich bin zu aufgeregt und außerdem muss ich wissen, dass Brego gut untergebracht ist.“

„Trauen sie meinem Stallmeister etwa nicht?“, neckte er.

„Doch, natürlich. Aber selbst sie haben in Staverley Court nach Thunder gesehen“, gab ich zu bedenken.

„Da muss ich ihnen Recht geben. Gut, dann wollen wir gehen und nach Brego sehen! Ich werde ihnen den Weg zeigen.“

Galant bot er mir seinen Arm an.

„Nicht nötig, my Lord. Ich möchte euch nicht von wichtigeren Dingen abhalten, wenn ihr mir einen Diener mitgebt, würde das reichen.“

„Nicht doch. Ich möchte auch sehen, wie es ihrem Pferd geht. Von welchen wichtigen Dingen hörtet ihr denn, von denen ihr mich fern haltet.“

Ich wusste genau, was er meinte.

„Keine bestimmte, Mylord!“, stotterte ich.

Justin schaffte es mit Leichtigkeit mich aus dem Konzept zu bringen.

„Gut dann gehen wir“, sagte er und ich spürte, dass er keinen Widerspruch duldete.

Also nahm seinen Arm. Durch den Stoff seiner Jacke spürte ich seine Wärme. Alles in mir geriet in Aufruhr. Die Gedanken drehten sich und als wir den Stall betraten, war ich so durcheinander, dass ich über die Schwelle stolperte.  Justin konnte gerade noch verhindern, dass ich im Stroh landete. Er hielt mich fest an sich gedrückt, ein herber Duft nach Seife, Leinen, Leder und Justin überfiel meine Sinne. Ich fühlte das Spiel seiner Muskeln unter meinen Händen. Die Erregung ließ mich am ganzen Körper zittern. Ich fürchtete, dass mich mein rasendes Herz verraten würde und wollte ihn wegschieben, aber er ließ mich nicht los. Für einen atemlosen Moment standen wir eng aneinander geschmiegt da.

„Eliana, haben sie sich wehgetan?“, fragte Justin besorgt.

„Nein, alles in Ordnung. Danke, Mylord.“

Meine Stimme war nur ein Flüstern, trotzdem konnte ich meine Nervosität nicht verbergen. Da hörte ich Bregos leises Schnauben. Ich löste mich aus Justins Umarmung und lief hinüber zu seiner Box.

„Brego, Lieber! Wie schön dich zu sehen!“

Ich schlang meine Arme um ihn und drückte mein erhitztes Gesicht an seinen warmen Hals.

 „Nun, da sie gesehen haben, dass alles in Ordnung ist, sollten wir zurückgehen, damit sie sich noch etwas ausruhen können“, schlug Justin vor.

„Aber…“

 „Kein Aber! Ich trage die Verantwortung für sie. Ausreiten können sie morgen. Zum Dinner sollten sie ausgeruht sein.“

Justin klang so bestimmt, dass ich mir meinen Widerspruch sparte und ihm zurück ins Haus folgte.

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Nichts wollen

Nichts wollen

Nur sein

Atmen

Sehen

Herzschlag hören

 

Kein Hetzen

Kein Jagen

Zeit

Unverplant

Frei

 

Spaziergang im Park

Geruch nach Schnee

Schreie der Gänse

Fontäne im See

Stille

 

Unendlichkeit

In Endlichkeit

Spüren

Wind auf der Haut

Glasklar

 

Herz öffnen

Augen auf

Alle Sinne geschärft

Hand in Hand

Mit dir

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