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Posts Tagged ‘Schönheit’

Der Herbst kommt – auch wenn es auf dem Kalender noch nach Sommer aussieht. Morgens ist es frisch und die Nächte lassen einen wieder aufatmen und schlafen. Die Stare in den großen Thuja-Bäumen sind bedeutend ruhiger geworden und die Eichhörnchen springen mit ihrer Beute für ihre Wintervorräte durch die Gegend, Spinnen sind emsig damit beschäftigt Netze zu weben. Wenn die Felder abgeerntet werden, sind das die ersten Anzeichen – außerdem dröhnt unser Nachbar mit dem Laubbläser herum – samstags um halb neun. Jetzt ist es offiziell.

Ich mag den Herbst. Die Farben und das Wetter. Die Düfte nach gemähtem Gras und trocknendem Stroh, den Geruch nach Erde, Wasser und nassem Laub. Das süße Aroma der letzten Rosen. Die Lebensgeister kehren zurück, nachdem die Sommerhitze das Tempo gedrosselt hat. Es macht wieder Spaß Tee zu trinken und Suppe zu essen.

Ich bedauere nur, dass auch dieses Jahr so schnell und erbarmungslos dem Ende entgegensteuert. Wie schnell ist die Zeit dahin gerast und immer deutlicher wird mir, wie wichtig es ist, das Leben nicht zu verwarten, sondern jeden Moment zu schätzen. Die kleinen Dinge noch viel mehr. Ein Gespräch mit den Freunden, der Familie, ein ruhiger Moment auf dem Balkon, Sonnenuntergänge, ein Spaziergang durch den Park, die Katze, die auf dem Schoss schläft usw. – die Liste ist lang.

Die letzten Monate waren angefüllt mit so vielen Schreckensmeldungen, dass es nicht leichtfällt sich immer wieder auf die schönen Momente zu konzentrieren und sich nicht von den Katastrophen die Freude nehmen zu lassen. Ich denke dann immer an einen Satz, den ich in einer Zeitschrift gelesen habe: Der Sinn des Lebens ist es zu leben. Ich füge für mich an: Der Sinn des Lebens ist es so gut zu leben, wie ich kann. Das bedeutet zu sehen wenn ich helfen kann, mitfühlend zu sein, mich nicht zu verhärten, nicht von Misstrauen getrieben zu sein, innere Ruhe zu bewahren, immer wieder dazu lernen. Jeden Tag neu.

Jede Jahreszeit hat ihre eigene Schönheit. Wir sollten weise mit dem umgehen, was uns geschenkt wurde. Der Erde, unserem Leben und unserer Zeit.

 

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Mein Lieblingsplatz liegt ein paar Stunden von hier. An einem nördlichen Meer. Wo der Wind über den Deich weh, sich in den Pappelalleen verfängt und sie zum Flüstern bringt, die saftigen Wiesen durchstreift, die Möwen auf seinen Flügeln trägt und ihre Schreie bis ins unendliche Blau hallen. An einen Ort, an dem das Meer an einem breiten feinen Strand wogt, mal zart mal machtvoll. Wellen, die an den Molen brechen und ihre Gischt verschwenden. Eine Landschaft die von Horizont zu Horizont reicht, den Blick freigibt auf eine endlose Weite. Gesäumt von kleinen Häusern, die sich schützend gegen die Zeiten aneinander drängen und die von Entbehrungen, Hochwasser, Fischfang und verträumten Sommern erzählen. Fleißige, freundliche Menschen leben dort, denen das besondere Licht ihres Landes ein besonderes Auge für die Schönheit gegeben hat. Dort kann ich aufatmen. Nah und doch so fern, dass mich niemand erreichen kann, fern von der Hektik der Tage.

 

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Sacht entsteigt die Morgenröte
Den grauen Schatten der Dämmerung
Hingegossen über den wartenden Himmel
Den beginnenden Tag mit Schönheit bestäubend
Bevor das Hetzen und Jagen der Welt
Unser Herz beschweren kann
Ein Hoffnungsschimmer der unendlichen Zeit

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Wenn du dich meiner

Entledigen willst,

eine andere Schönheit

Vorziehst, mich in den Sandsturm

Schickst dass mir Hören und Sehn

vergeht

Meine Hände nichts fassen die Haut

Im Staub fast erstickt

Will ich dich längst nicht verlassen

 

Ich warte auf andere Tage warte

Töricht? auf deine Reue,

schon morgen

Setzt die vorgezogne Geschminkte

Du vor die Tür ziehst eilig den Riegel

Nelken bringt mir der Mittag

am Abend

Läufts mir hungrig entgegen bietest

Mir deinen Mantel ich

 

Gehe nicht ohne dich Tausend-

Äugiger Antreiber millionen-

Fingrige Faust Hoffnung auf Hoffnung

 

Sara Kirsch

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Die Texte entstanden aus einer Aufgabe heraus. Schreibe eine schwarze, weiße, graue Geschichte. 🙂

Grau

Die Welt ist ein Ort aus Grau. Durch Asche verschmutzte Luft schluckt jede Farbe und legt sich als undurchlässige Schicht über Haus, Baum, Tier und Mensch. Der Wechsel zwischen Nacht und Tag findet zwischen Schwarz, dunklem Grau, hellerem Grau statt.

Ich bilde mir manchmal ein, ich sähe ein Stück blauen Himmel. Obwohl ich weiß, dass es nicht möglich, nur ein Déjà-vu aus einer anderen, besseren Welt ist. Ich sehne, ja verzehre mich, nach diesem Blick auf das azurblau eines Sommerhimmels.

Das Blau verfolgt mich bis in meine Träume. In dieser lichtlosen, menschenfeindlichen Umgebung, in der es kein Lächeln, keine süßen Blumendüfte, keine Schönheit zu geben scheint, sind es die Träume, die mich am Leben halten.

Weiß

Vor mir liegt eine Welt aus weißen dicken Flocken, die schläfrig vom Himmel fallen und sich wie eine sanfte Decke auf die kahlen Felder und die blattlosen Bäume legt. Es ist früh am Morgen. Ich stehe am Fenster meiner Kindheit und sehe fasziniert hinaus. Im Licht der Straßenlaterne glitzern die silberweißen Eissterne wie Diamantstaub. Ich halte den Atem an, kann die Stille beinahe fühlen. Sie breitet sich in mir aus, immer weiter, tiefer. Ich bekomme Angst, dass sie mich verschluckt und ich nie wieder ein Wort sprechen kann.

Plötzlich höre ich einen hellen Ton. Dann noch einen. Erst leise, dann lauter. Aus den einzelnen Tönen wird eine wundersame Flötenweise. Ein Märchen aus Melodien.

Suchend schaue ich mich nach dem virtuosen Spieler um. Ich kann ihn nicht entdecken. Eilig schlüpfte ich in meine Winterjacke und Stiefel. Ich öffnete die Haustür. Da steht er. Nur ein paar Armlängen von mir entfernt. Noch nie begegnete mir ein schönerer Mann. Ich blicke ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Er sieht aus wie ein Engel oder so, wie ich mir einen Engel vorstelle. Als er meine Verwunderung bemerkt, hält er im Spiel inne und lacht. Es klingt wie Perlen, die auf Marmorboden fallen.

Schwarz

Es war ein Tag im Sonnenschein. Mai. Ich saß im Cafe und las „Stolz und Vorurteil“. Er kam an meinen Tisch und stellte sich vor. Aidan. Sein Lächeln versüßte mir den Tag, die Woche, zehn Jahre. Jeder Tag Sonnenschein. Ab und zu ein Wölkchen, aber sein Lächeln pustete sie immer fort.

„Kommst du Liebes?“
Sara sieht mich fragend an. Ich nicke und stehe auf. Jede Bewegung fühlt sich steif und verkrampft an. Ich trete aus der Haustür. Es ist ein Tag im Sonnenschein.

Die Tür eines Autos öffnet sich vor mir. Ich steige ein. Sie klappt zu.
Die Autotür öffnet sich. Ich steige aus. Sie klappt zu.

Der Kies knirscht unter schwarzen Schuhen. Meinen Schuhen. In ihnen stecken Füße in schwarzen Strümpfen. In einem schwarzen Kleid ein Körper, den tiefste Finsternis ausfüllt. Mein Körper.

Ich bin verloren. Verirrt in der Dunkelheit. Ich finde keinen Gedanken. Kein Gefühl. Ich kann kaum atmen. Schlägt mein Herz? Wo ist der Schmerz, wenn ich ihn brauche?

Ich höre Worte. Der Sarg senkt sich in die Grube. Ich starre hinab. Erdklumpen donnern auf den Deckel. Es hallt in meinen Ohren, wird vom Nichts in mir gefressen. Ich drücke Hände. Mehr Hände. Mehr Worte.

Keine Worte dieser Welt können Aidans Lächeln ersetzen. Kein Mitleid dieser Welt bringt mir Aidan zurück. Mit ihm erlosch mein Licht.

An einem Tag im Sonnenschein.

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„Ich habe Angst“, flüstert Lea.

„Wieso?“

Declans steht so nah bei ihr, dass seinen warmer Atem über ihren bloßen Nacken streicht.

„Sie werden merken, dass ich nicht hier her gehöre.“

„Niemand wird es heraus finden“, erwidert Declan mit Nachdruck. „Lass dich von mir führen und alles wird gut.“

Er nimmt ihren Arm und ehe Lea groß nachdenken kann, steht sie auf dem Teppich, der von den ankommenden Autos zur Villa führt, damit sich die Damen ihre teuren Schuhe und Roben nicht beschmutzen. Lea strafft den Rücken, hebt ihren Kopf und schreitet langsam neben Declan her. Sie bemerkt seinen aufmerksamen Blick und errötet, als sie feststellt, dass er an ihrem üppigen Dekolleté hängen geblieben ist.

„Wundervoll“, raunt er ihr zu und lächelt, „ich weiß, dass du es kannst.“

„Klar, mit diesem Kleid, sehe ich geradezu wie eine Einladung zum Essen aus.“

„Oh, dein Sarkasmus kehrt zurück. Jetzt wird alles gut“, neckt Declan sie.

Die beiden betreten die festlich geschmückte Eingangshalle. Lea spürt, wie sie die Aufmerksamkeit anderer Gäste auf sich zieht. Nicht verwunderlich. Sie trägt als einzige Rot! Auffälliger kann ihr Abendkleid nicht sein. Dazu eng anliegend und mit kleiner Schleppe. Lea muss zierliche Schritte machen, um nicht zu stolpern.

„Ist es nicht zu offensichtlich, dass du mich auf dem Silbertablett servierst?“

Declan grinst und seine grünen Augen glitzern erregt. Wenn er auf der Jagd ist, gibt es kein Halten.

„Mag sein, aber du bist so verführerisch, dass dir keiner widerstehen kann“, seine Stimme klingt rau und Lea blickt zu ihm auf, „ – und dann komme ich ins Spiel.“

Lea denkt an das Waffenarsenal, das Declan unter seinem perfekt sitzenden Anzug versteckt hat. Nichts zeichnet sich unter dem teuren Stoff ab. Obwohl er mindestens zwei silberne „Pfähle“ unter dem Jacket trägt, ganz zu schweigen von silbernen Wurfsternen, und zwei Pistolen mit Silberkugeln.

„Und du bist sicher, dass wir keine Verstärkung brauchen?“

„Ich bin nicht das erste Mal auf so einer Mission“, er senkt seine Stimme, als ein eindrucksvoller Mann auf sie zu kommt, „Showtime!“

„Guten Abend, es freut mich, sie in meinem Haus begrüßen zu dürfen“, der Gentleman lächelt und seine dunklen Augen bleiben an Leas Gesicht haften, „mit wem habe ich das Vergnügen.“

„Declan Galbraith“, antwortet Declan und schiebt Lea etwas nach vorne, „darf ich ihnen meine Schwester Lea vorstellen, Mylord.“

Die Lüge geht im leicht von den Lippen. Eine gute Tarnung ist lebenswichtig.

„Mylord.“

Lea macht einen vollendeten Knicks und neigt anmutig den Kopf. Aus ihrer Hochsteckfrisur lösen sich ein paar vorwitzige Löckchen, dadurch kommt ihr schlanker Hals noch auffälliger zur Geltung. Lord Vulcan streckt ihr die Hand entgegen. Lea legt ihre Hand in seine. Erstaunt registriert sie, dass sie nicht kalt ist, wie sie es erwartet hat.

„Nicht so förmlich bitte. Nennen sie mich Marcus“, Lea nickt und Marcus wendet sich an Declan“, darf ich ihre Schwester zum Tanz entführen?“

„Wenn sie es wünscht“, erwidert Declan höflich.

Lea weiß, dass er sich innerlich die Hände reibt, weil sein Plan aufgeht. Marcus wirft Lea einen fragenden Blick zu.

„Sehr gerne eure Lordschaft“, ein feine Röte überzieht ihr Gesicht, „entschuldigen sie, Marcus.“

„Eine schöne Frau muss sich niemals entschuldigen“, sagt Marcus galant und blickt auf sie herunter.

Lea ist feingliedrig, ohne dürr zu sein, ihre helle Haut lässt das Blau ihrer Augen und den glänzenden Kupferton ihrer Haare deutlich hervor stechen. Marcus reicht ihr den Arm und Lea folgt ihm in den Ballsaal. Seine Bewegungen sind geschmeidig, wie sie es nur von Declan kennt und unter dem weichen Stoff seiner Jacke fühlt Lea einen muskulösen Arm.

„Darf ich ihnen ein Kompliment machen, Lea“, fragt Marcus.

Als sie seinen dunklen forschenden Augen begegnet, senkt sie verlegen den Blick.

„Wenn es sein muss, Mylord – Marcus. Ich bin nicht daran gewöhnt Komplimente zu bekommen.“

Dafür muss sich Lea nicht einmal verstellen, weil es stimmt. Seit Kindertagen ist sie für die meisten die kleine rote Hexe und auch wenn es meistens lustig sein soll.

„Dann lasst mich sagen, wie aufsehenerregend schön ihr seid. Noch nie in meinem ganzen Leben“, und Marcus weilt schon lange unter den Lebenden, „habe ich so eine Schönheit gesehen.“

„Danke, Marcus. Das ist sehr freundlich von ihnen.“

„Ist es nicht“, Marcus Stimme hat plötzlich einen melancholischen Ton angenommen. „Im Grund ist es sehr egoistisch.“

„Wie meinen sie das?“

Marcus bleibt Lea die Antwort schuldig, da sie inzwischen den Ballsaal erreicht haben. Er gibt den Musikern ein Handzeichen. Der Dirigent nickt und die ersten Takte der Musik erklingen. Marcus legt Lea zart den Arm um die Taille und zieht sie sacht auf die Tanzfläche. Declan hatte darauf bestanden ihr das Tanzen beizubringen, aber seine Ungeduld führte mehr als einmal zu unschönen Szenen. Er wollte alles und zwar am liebsten sofort. Marcus behutsame Führung dagegen, macht es Lea leicht ihm zu folgen. Sie schaut zu ihm auf und bemerkt seinen sehnsüchtigen Blick.

„Was macht sie traurig, Mylord?“

Ein flüchtiges Lächeln huscht über seine sinnlichen Lippen. Marcus zieht Lea dichter an sich heran, beugt sich zu ihr herunter und flüstert:

„Es macht mich traurig, dass ich deine Schönheit nicht jeden Tag sehen kann.“

Irritiert dreht Lea etwas den Kopf. Seine seidigen dunklen Locken kitzeln ihre Wange. Sein Mund ist ihrem ganz nah. Sie fühlt seinen Hauch über ihre Lippen fliegen. Ein Schauer läuft ihren Rücken herunter.

„Mylord“, Lea ringt nach Worten.

Sein Mund streift ihre Wange, ihren Mundwinkel.

„Ich wünschte, du könntest mich lieben“, Marcus drückt Lea fest an sich. „Aber ein Monster kann man nicht lieben, nicht wahr?“

Seine Lippen finden ihre. Weich und warm. Die Berührung erschüttert Lea zu tiefst. Marcus ist so sanft und doch, Lea spürt, wie sehr er sie will. Aber am meisten erschüttert sie die Erkenntnis, dass auch sie ihn will. Die letzten Takte der Musik erklingen. Marcus löst sich von Lea.

„Es ist Zeit gehen. Ich möchte nur ungern, dass Mister Galbraith ein Blutbad vor meinen Gästen anrichtet. Lebt wohl, Lea.“

Er hebt ihr Gesicht zu sich empor und küsst sie erneut. Er schmeckt ihre Tränen auf seiner Zunge. Mit ungläubigem Blick sieht Marcus Lea an. Er hört Declans schnelle Schritte, kann seinen rasenden Herzschlag unter den Anwesenden ausmachen. Marcus kann nicht länger bleiben.

„Nein, bitte nicht.“

Lea streckt ihre Hand nach seiner aus. Aber Marcus ist in der Menschenmenge verschwunden.

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