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Posts Tagged ‘Schokoriegel’

Das letzte was Helen brauchen konnte, war ein kreischender kleiner Bruder. Sie kramte in ihrer Handtasche und drückte ihm einen Schokoriegel in die Hand. Dass ich immer auf Max aufpassen muss, wenn es hart auf hart kommt, dachte sie, dabei könnte Andrew sich auch mal herablassen.

Helen sah auf Max herunter, der den Schokoriegel aus seiner Verpackung geschält hatte und genüsslich abbiss. Triumphierend sah er zu ihr auf. Helen verkniff sich ein Grinsen, sie konnte ihm nie lange böse sein. Max war wirklich süß, mit den strohblonden Haaren und den Strahleaugen, aber er wusste genau, wie er seine große Schwester dazu bringen konnte, ihm seinen Willen zu lassen, meistens jedenfalls.

„Bist du jetzt still?“, fragte Helen und warf ihm einen warnenden Blick zu.

Max nickte und nuschelte:

„Ehrenwort!“

Helen nickte. Wenn er sein Ehrenwort gab, konnte sie sich auf ihn verlassen, dass war eine unausgesprochene Abmachung zwischen ihnen. Für einen Sechsjährigen ist er oft viel zu verständig, dachte Helen und seufzte, andere Kinder in seinem Alter gehen völlig unbedarft durchs Leben.

Sie streckte ihm die Hand hin und Max legte seine kleine, weiche Kinderhand hinein. Helen drückte den Kloss in ihrem Hals hinunter. Sentimentalität war gerade nicht angebracht. Sie musste alle Sinne beisammen haben.

Langsam schlenderten die Beiden zwischen den gutbesuchten Straßencafes entlang. Es sah völlig harmlos aus. Eine junge Frau und ein kleiner Junge, der einen Schokoriegel aß.

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„Henry starb vor zwei Jahren. Heut habe ich ihn das erste Mal gesehen.“

Elly holte tief Luft. Sie fasste Sara am Arm. Sie blieben stehen.

„Das hat aber lange gedauert.“

Sara nickte. Sie sah Elly mit großen Augen an. Elly war ihre beste Freundin und der einzige Mensch, der von ihrem Geheimnis wusste.

„Ich habe ihn gefragt, wo er solange gewesen ist. Aber er wusste es auch nicht.“

„Glaubst du, er war in der Hölle oder im Fegefeuer.“

„Ach, Quatsch. Das gibt es nicht. Es gibt keinen feurigen Ort an dem die Seelen gequält werden. Es gibt nur die Geister und das Licht. Wenn sie dorthin gehen, dann sind sie erlöst.“

Sara kramte in ihrer Handtasche herum, zog zwei Schokoriegel heraus und drückte Elly einen in die Hand.

„Aber wo war Henry dann die ganze Zeit.“

Elly riss das silberne Papier des Schokoriegels auf und biss eine Ecke ab.

„Das ist es, was ich unbedingt herausfinden muss.“

Die beiden setzten ihren Weg fort. Sara pellte ihren Riegel ebenfalls aus.

„Wo gehen wir hin?“, nuschelte Elly mit vollem Mund.

„Zu Madame Breda“, nuschelte Sara zurück.

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