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Posts Tagged ‘Schloss’

„Ich seh nur der Geister Schatten.“

Adam verdrehte theatralisch die Augen und machte die ganz große Geste. Ich boxte ihn an den Oberarm.

„Lass das! Jetzt machst du dich noch lustig. Aber wenn du erst einen Zusammenstoß mit einem Geist hattest, dann lachst du nicht mehr!“ Ich steckte den Schlüssel ins Schloss des Eisentores. „Und bitte, sei endlich leise.“

Adam zuckte mit den Schultern und schüttelte missbilligend den Kopf. Er wollte noch etwas sagen, aber ich legte den Finger an den Mund und sah ihn böse an. Beleidigt verkniff er sich den Kommentar. Ich drehte den Schlüssel und das Schloss sprang wiedererwarten mit einem sanften Klicken auf.

„Müsste das nicht quietschen?“, fragte Adam spöttisch.

Er drückte die Klinke herunter und drückte den Torflügel auf. Ich wollte ich gerade ermahnen, als zwei Dinge geschahen, die meine ganze Aufmerksamkeit forderten.

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Liste der Dinge an meinem Arbeitsplatz:

  1. Bücher aus dem Antiquariat
  2. Bleistift Faber
  3. USB-Stick Sylvester
  4. Kerze
  5. Telefon
  6. Katze
  7. Notizbuch
  8. Tagebuch
  9. Postkarte
  10. Fotoklebeecken

Text:

Fundsache

 

Der Schlüssel klemmt, als ich den Briefkasten öffne. Ich ruckele ihn hin und her. Endlich schieb sich der Riegel auf. Ein Werbeblättchen und eine Postkarte sind die Ausbeute. Na, wenigstens keine Rechung, denke ich und betrachte das iydillische Motiv auf der Postkarte.

Das Hochglanzfoto zeigt eine imposante Burg vor einem See der von Bergen gesäumt wird. Um das Doppelfenster in dem oberen Burgteil wurde ein Kreis gezeichnet. Auf der Rückseite, in der linken oberen Ecke finde ich den Standort des Motivs: Meersburg, Bodensee.

Meersburg

Ein schönes Fleckchen Erde, denke ich und lese die hastig hingeworfenen Zeilen:

„Ich habe es gefunden! Erwarte dich in drei Tagen! Gästehaus Simoni.“

Interessant, aber wer hat die Karte geschickt? Und vor allem, warum mir? Im Geist gehe ich meine wenigen Freunde durch. Keiner von ihnen ist im Urlaub.

Ich erwarte dich in drei Tagen, hat er Absender geschrieben. Das Datum des Poststempels ist von vorgestern. Das würde bedeuten, dass ich mich spätestens morgen auf den Weg machen müsste. Dummer Gedanke, sage ich mir, du willst doch nicht allen Ernstes an den Bodensee fahren, weil dir irgendein ominöser Mensch eine Postkarte schickt? Andererseits, kann ich die Person ohne Gewissensbisse im Stich lassen, die sich offenbar so auf mich verlässt?

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Diese Ferien zu buchen, war ein Fehler! Was hatte ich mir nur dabei gedacht. Rucksack-Urlaub in Rumänien. Wandern von Schloss zu Schloss, auf den Spuren von Graf Dracula.

Ich kannte mich mit den Schlössern besser aus, als unser Reiseleiter. Er war eine absolute Niete. Ich sage, war, weil er tot ist. Wer lesen kann ist klar im Vorteil, sag ich immer, und das konnte der nicht. Wie sonst ist es zu erklären, dass ich in dieser Kerkerzelle sitze und der Rest der Reisegruppe bei Graf Dracula auf dem Teller gelandet ist?

Ich sagte dem Blödmann, diese Burg sollten wir auf keinen Fall betreten. In meinem Reiseführer stand: Gefährliche Ruine! Nicht sicher! Bitte nicht betreten! Ich las es ihm vor. Laut und deutlich.

Er lachte nur und ging einfach los. Er war gerade um die nächste Ecke verschwunden, als ich seine Hilfeschreie hörte. Ich hätte ihm nicht helfen sollen wollen. Denn als ich um die Ecke stürmte, um dem Rindvieh zu helfen, fiel ich Graf Dracula in die schönen Hände. Das habe ich jetzt davon. Er hat mich bis zum Schluss aufgehoben. Na wenigstens werde ich von einem sehr gutaussehenden Mann um die Ecke gebracht. Ich sollte dankbar sein, denn so ein Exemplar habe ich in meinem echten Leben noch nie gesehen.

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Eineiige Zwillinge, eine Einladung zu einer Party und eine verschlosse Tür

Sandra und Maria betrachteten sich begeistert in dem großen Flurspiegel im Foyer des Schlosses. Beide waren als Prinzessin verkleidet.

„Niemand wird uns auseinanderhalten können“, Sandra sah ihre Schwester mit einem breiten Grinsen an.

„Hauptsache wir finden unsere Prinzen“, Maria zupfte an ihrem Ausschnitt herum.

„Wenn nicht, was solls? Selbst ist die Frau“, wischte die resolute Sandra den Einwand hinweg.

Sandra nahm Marias Arm.

„Komm“, sie gingen die Treppe zum Ballsaal hinauf, „alles wird wunderbar.“

Der livrierte Diener streckte die Hand aus und Maria übergab ihm die Einladung. Er warf einen kurzen Blick darauf, nickte und ein weiterer Diener öffnete die Tür zum Saal. Sandra strahlte und zog Maria hinter sich her.

„Schau dir das an! Umwerfend.“

Auf der riesigen Tanzfläche unter gleißenden Kronleuchtern tanzten weitere Prinzen und Prinzessinnen, andere standen am Rand, stranken Champagner und redeten. Das Orchester saß auf einer Emphore und spielte Wiener Walzer.

„Ich glaube dort drüben sind sie.“

Maria deutete auf eine Gruppe junger Männer, die lachend die Köpfe zusammensteckte und ins Gespräch vertieft waren.

„Dann lass uns die Herren genauer betrachten.“

Sandra steuerte direkt auf die Gruppe zu.

„Nicht so schnell“, hielt Maria ihre Schwester zurück. „Lass es uns langsam angehen.“

„Langsam“, Sandra lachte und auf ihrem hübschen Gesichten sich zeigten sich zwei charmante Grübchen, „komm, trau dich, alles wird gut.“

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Verdammt! Wo ist dieses blöde Schloss?!

Es soll für immer sein, sagte er, als er es anbrachte, ich habe es extra für uns anfertigen lassen. Klar! Große Worte nichts dahinter.

Warum habe ich mich so täuschen lassen? Waren es die dunkelbraunen Augen, die mich so leidenschaftlich ansahen, wenn er mich in den Armen hielt und mir seine Liebe beteuerte? Seine Lippen, die so unglaublich küssen konnten? Sein betörender Duft und seine zärtlichen Hände, die alle Widerstände fort streicheln konnten?

Ich hätte es wissen müssen! Er war einfach zu perfekt. Ich suchte nach dem Haken und fand keinen. Also warf ich alle Bedenken über Bord. Wir verankerten den Riegel des Schlosses. Danach war nichts mehr wie es war und doch konnte ich ihn nicht verlassen. Egal was er tat, sagte oder nicht tat und sagte. Ich war wie paralysiert. Konnte mich nicht von der Stelle bewegen.

Da! Das verdammte Schloss. Ich werde nie von ihm loskommen, wenn ich es nicht vernichte. Ich setze die kleine Metallsäge an und zersäge den Riegel. Es dauert eine Weile. Mit tränenblinden Augen und zitternden Händen sägt es sich nicht besonders gut. Endlich zerbricht der Riegel. Das Schloss fällt heraus aus der Menge. Ich gebe ihm einen Tritt. Mit einem Platsch versinkt es im Rhein. Versunken für immer, wie der Schatz der Nibelungen.

Ein Ruck geht durch meinen Körper. Ein Stich trifft mein Herz. Ich krümme mich vor Schmerzen. Doch dann, spüre ich eine unglaubliche Erleichterung. Ich atme auf. Es ist vorbei.

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Der kleine Antiquitätenladen

Seit Tagen schlich ich um den kleinen blauen Antiquitätenladen herum. Immer gab es Neues in der Auslage zu entdecken. Ein kleiner Metallkasten auf vier geschwungenen Füßchen, reich verziert mit Blüten und Früchten, hatte es mir besonders angetan. Der Griff in der Mitte des Deckels hatte die Form einer Rosenblüte. Leider war der Preis des Kästchens sehr hoch und so stand ich jeden Tag vor dem Schaufenster und ergötzte mich an ihrem Anblick.

„Kommen sie doch herein“, hörte ich eine freundliche Stimme hinter mir, „ich habe sie schon einige Male vor meinem Fenster gesehen. Sie dürfen sich gerne umsehen.“

Ich sah mich um und blickte in das lächelnde Gesicht des Besitzers. Er trug einen Anzug, der zwar altmodisch, aber elegant war. Sein mit Silberfäden durchzogenes dunkles Haar war exakt geschnitten und rahmte ein markant zeitloses Gesicht ein. Ich lächelte verlegen zurück.

„Das ist sehr nett, aber leider kann ich mir ihre Kostbarkeiten nicht leisten.“

Er schmunzelte.

„Nun, vielleicht mache ich ihnen einen guten Preis, gegen eine kleine Gefälligkeit.“

Ich zog skeptisch die Augenbraue hoch und trat einen Schritt zurück.

„Nein“, er lachte, „nicht das, woran sie jetzt vielleicht denken.“

Er schloss die Tür zu seinem Laden auf. Das melodische Läuten einer Glocke ertönte. Er machte eine großzügige Geste.

„Ich lade sie zu einem Kaffee ein und erzähle ihnen, worum es sich handelt. Sollte ihnen mein Angebot nicht zusagen, sind sie frei abzulehnen.“

Ich warf einen sehnsüchtigen Blick auf das Kästchen. Es glänzte verführerisch in der Morgensonne. Der Mann sieht nicht wie ein Gewaltverbrecher aus, überlegte ich, es wird bestimmt nichts Schlimmes geschehen. Ich gab mir einen Ruck, ging an ihm vorbei, drei Treppenstufen hinauf, und betrat den Antiquitätenladen. Hinter mir fiel die Tür leise ins Schloss. Das Glöckchen bimmelte melodisch.

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Nur noch ein paar Schritte und ich hole mir zurück, was seit Generationen meiner Familie gehörte. Ich verberge mich im Schatten. Lausche. Es ist still. Der Hausdiener macht seinen Rundgang erst in einer Stunde. Bis dahin bin ich weit fort.

Wolken schieben sich vor den Mond, tauchen den Raum in Dunkelheit. Lautlos gehe ich zu dem Schaukasten auf der anderen Seite des Raumes. Da ist er! In der Dunkelheit kann ich nur seine Form erkennen. Oft stand ich hier, dem Familienschatz zum Greifen nah, ohne ihn erreichen zu können. Mit einem Draht öffne ich das Schloss der Vitrine.

Lächerlich, dass es keine Sicherheitsvorrichtungen gibt. Der Kompass ist mehr wert, als alle anderen Gegenstände in diesem Zimmer, ja in diesem Schloss. Wenn die van Buren wüssten, welcher Zauber dem Kompass innewohnt, könnten sie Königreiche damit erwerben.

Ich bin gekommen, dies zu verhindern. Meine Familie wurde zu Wächtern des Kompasses ernannt, auch wenn ich die letzte unseres Clans bin, werde ich nicht zu lassen, dass böse Menschen den Kompass für ihre abscheulichen Pläne benutzen. Die van Buren werden für den Frevel bezahlen. Durch ihren Verrat Blut klebt an ihren Händen und ich werde ihr Richter sein.

Ich hebe den Kompass aus dem Kasten. Zum Schutz trage ich doppelt genähte Lederhandschuhe trotzdem spüre ich seine Kälte. Vorsichtig wickele ich ihn in ein unbehandeltes Seidentuch und stecke ihn in die Innentasche meiner Jacke. Es wurde aus einem einzigen Faden gewoben. Ich schließe den Deckel der Vitrine.

Da ein Geräusch. Ich halte den Atem an. Lausche. Ich bin nicht mehr allein. Sie sind zu zweit. Bis zur Tür sind es nur zehn lange Schritte. Ich atme einmal tief durch, balle meine Hände zu Fäusten. Jetzt! Ich drehe mich um, hebe die Hände und ziehe die Fäuste ruckartig nach außen. Sie geben den Mechanismus und meine Handgelenke frei. Zwei scharfe Dolche suchen sich den Weg in die Körper der Angreifer. Einer der beiden schreit laut auf. Treffer! Ich laufe los.

„Ich bin verletzt!“, keucht ein Mann, „pack dir den Dieb, Connor und keine Gnade!“

Ich höre schwere Schritte. Sehe die Silhouette eines großen Mannes an mir vorbei hasten. Als es wieder still ist, steige ich aus dem großen Wäscheschrank, in den Connor mich als Kind so oft eingesperrt hat.

Seelenruhig gehe ich in die Bibliothek und öffne die Tür des Geheimgangs. Als sie sich wieder hinter mir schließ, muss ich lächeln. Dies ist erst der Anfang! Ich mache euch van Burens das Ende so schmerzhaft wie möglich.

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