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Posts Tagged ‘Schild’

„Sehen sie denn nicht, dass dort ein Schild „Nicht hinauslehnen“ angebracht ist?“

Sagte eine schnippische Stimme hinter mir. Ich drehte mich um und sah in zwei blaue Augen, über denen sich die Brauen zu einer Gewitterfront zusammengezogen hatten.

„Guten Tag, mein Fräulein“, erwiderte ich ruhig und mit einem spöttischen Lächeln, obwohl es mir in den Fingern kribbelte der jungen Dame eine gepfefferte Antwort zu geben, „ich wusste gar nicht, dass die Royal-Railway-Companie adelige Damen als Zugbegleiter einstelllt.“

Sie schnappte sichtbar nach Luft.

„Mir ist klar“, fuhr ich fort und die Ironie tropfte aus meiner Stimme, „sie wollten mich nur warnen, weil ich ihnen im Speisewagen so überaus gut gefallen habe, und es ihnen ein Greul wäre mich aus dem Zug stürzen zu sehen. Zerschmettert auf den Gleisen.“

Ihre Augen funkelten erbost über meine Spitze. Sie war mir beim Diner aufgefallen, da sie mich unverhohlen anstarrte, ja geradezu sezierte, während sich die anderen Anwesenden nach diesem kurzen Moment des Erschreckens wieder ihrem Menü zuwendeten. Ich konnte die Abscheu direkt in ihren Augen lesen. Entweder hatte man ihr keine Manieren beigebracht oder sie besaß eine sensationslüsterne Neugier auf alles was anders war und ergötzte sich daran. Oder beides.

Da ihr keine adäquate Antwort auf meinen Sarkasmus einfiel, drehte sich um und stolzierte hocherhobenen Hauptest davon. Ihr würdevoller Abgang wurde durch ein unerwartetes Ruckeln verhindert, da der Zug um eine Kurve bog und leicht schlingerte.

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Die Straße lag eingebettet zwischen dunstig blauen Hügeln und streckte sich grau schimmernd über die Ebene. Der schwarze Sportwagen raste in der Straßenmitte dahin, zog eine beige-braune Staubwolke hinter sich her. Sein tiefes Brummen war weithin zu hören.

Die junge Frau auf dem Fahrersitz blickte nicht nach rechts und links. Sie nahm die Majestät der Landschaft nicht wahr. Zu weit weg war sie mit den Gedanken. Sie hatte ihn verlassen. Er liebte sie nicht. Sie ahnte es, aber ihr Herz überstimmte ihren Verstand und sie blieb. Viel zu lange.

Immer wieder wischte sie sich Tränen von den Wangen. Der Schmerz in ihrem Bauch streckte seine Tentakel aus und drang unerbittlich in weitere Regionen ihres Körpers vor.

Auf einem verrosteten Schild am Straßenrand, das im Fahrtwind rasselte, erkannte sie zwei Worte: Lands End. So sieht es also aus, das Ende, dachte sie. Ein bitteres Lächeln spielte um ihre Mundwinkel, vielleicht stürze ich hinter dem Horizont über den Rand der Welt und es ist endlich vorbei.

Sie trat das Gaspedal bis zum Anschlag durch, der Wagen zog die Geschwindigkeit noch einmal an. Sie drückte sich in die festen Ledersitze. Der Horizont rückte weiter in die Ferne und das Ende – kam nicht. Noch nicht.

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