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Posts Tagged ‘scheitern’

„Unfähig sich zu ändern, versuchten sie die Welt zu ändern.“

Sagte ich, und scheiterten kläglich, dachte ich.

Im Publikum entstand eine kurze raumgreifende Stille, dann brandete mir ein Applaus entgegen, den ich nicht erwartet hatte. Alles was ich geschrieben, arrangierte und auf die Bühne brachte, alles was ich darstellte und sagte, war auf jeden einzelnen unter ihnen gemünzt. Doch sie verstanden es nicht. Erkannten nicht, dass sie sich ändern mussten, vom kleinsten zum großen hin, damit diese Welt nicht ins Chaos stürzte.

Möglicherweise hatten sie einen winzigen Blitz der Erleuchtung, im Augenblick der Stille, doch der wurde durch den frenetischen Beifall hinweggefegt.

Schon morgen würden sie alle Worte, die schrecklichen Bilder und die schönen, vergessen haben. Nichts veränderte sie. Egal, wie viel Blut die Straßen entlang rann oder wie faszinierend komplex die Wunder unserer Welt erschaffen waren. Nichts von alledem weckte sie auf. Sie waren wie tumbe Steine, die unbeweglich auf der Stelle lagen, statt wie eine emsige Koralle zu sein, die sich stetig veränderte und dem Licht entgegenwuchs.

Ich stand da und starrte in den Zuschauerraum. So würde es also enden.

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„Sie scheitern, wenn sie mit dem Schreiben aufhören.“
Ray Bradbury

In den letzten Wochen habe ich intensiv darüber nachgedacht, mit dem Schreiben aufzuhören. Ich gebe es nicht gerne zu, aber es ist so. Denn in mir ist die Angst „nicht zu gefallen“. Und jeder Text, den ich schreibe und zum Lesen freigebe, macht mir eine Heidenangst. Was werden die Leser denken? – „Die hat einen Vogel, das ist doch Blödsinn, und gut ist es auch nicht.“ Klar können sie das denken, müssen sie aber nicht.

Allerdings habe ich in zwei sehr harsche Kritiken einstecken müssen. Das heißt, sie waren mit jeder Menge negativer Adjektive gespickt, die überhaupt nichts mit konstruktiver Kritik gemein haben, wie ich sie verstehe. Dumm – wenn sie erst mal durch die Netzhaut ins Gehirn gelangen, setzen sie sich nur zu gerne fest und nagen an deinem Selbstbewusstsein herum. Ich habe versucht nicht darüber nachzugrübeln, was in etwa so erfolgreich war, wie nicht an den blauen Elefanten zu denken.

In meinem Gedankenkarussell erinnerte ich mich an einen Satz, der mir schon in anderen Situationen geholfen hat: Warum gibst du diesen Menschen so viel Macht?

Ja, warum eigentlich? Warum lass ich zu, dass mir fremde Menschen mit abwertenden Kommentaren die Lust am Schreiben verleiden? Einem anderen eins „überzubraten“ ist einfach. Jemand weiterzubringen erfordert echtes Interesse. Ich bin Herrscher über mein Leben. Ob anderen gefällt, was ich schreibe oder nicht, ist Geschmacksache. Außerdem bin ich nicht selbstherrlich und dem Gedanken verfallen, alles richtig zu machen. Ich bin gerne breit Verbesserungsvorschläge zu überdenken und anzunehmen. Es gibt keinen Grund diesen Menschen Macht über mein Leben und mein Schreiben zu geben.

Tatsächlich hat das Ganze dazu geführt, dass ich mir meinen eigenen kleinen „Kreativitätsratgeber“ geschrieben und zwei neue Projekte gestartet habe. Erstens mein persönliches 365-Tage-Projekt – kein Tag ohne Text – und zweitens „Schreibschwester“ (könnte auch Schreibbruder oder Schreibpartner heißen). Eine Freundin von mir arbeitet auch seit Längerem an einem Roman, der vernachlässigt wurde. Wir haben uns zusammengetan und feste Termine verabredet, an denen wir ein bestimmtes Pensum erreicht haben wollen.

Das 365-Tage-Projekt ist so eine Art „Tages-warm-up“. Ich habe jeden Tag ein Erfolgserlebnis – kein Tag ohne Text – und gleichzeitig komme ich ins Schreiben. Und wir zwei „Schreibschwestern“ haben uns am letzten Freitag getroffen und tatsächlich: die Szene, an der ich mich so sehr festgebissen hatte, dass ich hängen blieb, ist (roh) im Kasten. Bis zum nächsten Freitag wollen wir die Texte dann „vorlesefertig“ haben. In erster Fassung.

Das erinnert mich an einen Postkartentext: „Aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“ Natürlich schreibt ein Schriftsteller, um gelesen zu werden. Aber ich schreibe auch, weil es mir ein Bedürfnis ist. Ob es gelesen wird oder nicht, daran kann ich nicht viel drehen, aber ob ich schreibe oder nicht, das ist allein meine Sache und ich werde keinem anderen Menschen die Macht darüber einräumen. Es reicht, dass ich mit meinen eigenen Dämonen zu kämpfen habe. Hinfallen ist keine Schande und aufstehen kann mühsam sein, aber es lohnt sich. Wir haben erst verloren, wenn wir aufgeben.

Eins habe ich in den Jahren meiner Lebensachterbahn gelernt: Bange machen gilt nicht! Negative Dinge passieren, es kommt darauf an, wie wir damit umgehen. (Shit happens. But life goes on. 🙂 ) Das Leben geht weiter und wer weiß …

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