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Posts Tagged ‘Schatz’

London, acht Wochen später:

„Sagen sie Misses Morse vielen Dank für den Tee und fantastischen Zitronenkuchen, John.“

„Sehr wohl, Miss.“

John entfernt sich leise aus dem Salon. Rosalie wendet sich wieder ihrem Gesprächspartner zu.

„Und sie sind sicher, dass sie das wollen?“, fragt der ältere Herr, „nachdem sie als Alleinerbin eingesetzt worden sind?“

„Das bin ich, lieber Malcolm. Wer könnte das Anwesen, seine historische Bedeutung und die Schätze, die gefunden wurden, besser verwalten als der National Historic Trust. Im Grunde sind sie doch Eigentum des englischen Volkes.“ – Dad wäre stolz auf mich. –

„Das ist wohl wahr“, Lord Malcolm Rutland nippt an seinem Tee, „wie sind sie eigentlich darauf gekommen, dass der Schlüssel im Herzen der Madonna liegt?“

Rosalie lächelt.

„Es war ein Puzzle. Der Rubin des Anhängers und der des Rings ergaben zusammen die Form des Herzens der Madonna. Als wir es in die Statue einpassten öffnet sich der Mechanismus unter dem Triptychon.“

„Sehr passend gewählt“, gibt der Lord zu, „der Rubin, als Symbol des Herzens.“

Rosalie lächelt wehmütig.

„Anthony hat sich einfach zu sehr auf das Collier versteift. Er wollte den Schatz um jeden Preis und hat dabei das Ganze aus den Augen gelassen.“ – Und das hat sie beide das Leben gekostet. Hätte Gil sich nicht mit letzter Kraft über mich geworfen, wäre ich gestorben.  –

Lord Rutland zieht ein kleines Kästchen aus der Jacketttasche und reicht es Rosalie.

„Das ist für sie, meine Liebe. Im Vergleich zu dem unfassbar hohen Wert ihrer Schenkung nur der winzigste Bruchteil. Ich denke, sie sollten ihn als Erinnerung behalten. Ihr Vater wäre unendlich stolz auf sie.“

Rosalie lächelt wehmütig. Sie öffnet die Schachtel. Aus dunkelblauem Samt leuchtet ihr der Rubinring entgegen.

„Ich danke ihnen, Malcolm.“

Sie entnimmt den Ring und steckt ihn an den Finger.

„Einer unserer Goldschmiede hat ihn wieder perfekt in die Fassung eingepasst. Das Collier werden sie zur Ausstellungseröffnung in seiner ganzen Pracht in Augenschein nehmen können.“

Die Tür zum Salon öffnet sich. John tritt ein.

„Entschuldigen sie, Miss. Mister Nathan Robins möchte sie sprechen“, sein Ton drückt tiefe Missbilligung aus, „er ließ sich nicht auf einen späteren Zeitpunkt vertrösten.“

Rosalies Herzschlag beschleunigt sich. – Er ist da. – Lord Rutland erhebt sich.

„Das trifft sich gut. Ich werde in einer halben Stunde zu einer Besprechung erwartet“, er haucht Rosalie einen Kuss auf den Handrücken und zwinkert ihr zu, „wir führen unser Gespräch ein anderes Mal fort.“

„Sehr gerne, Malcolm“, sie wendet sich an John, „führen sie Mister Robins bitte in mein Arbeitszimmer.“
Der Butler nickt und geht. Rosalie trinkt noch einen Schluck Tee. – Ganz ruhig bleiben. Vielleicht will er nur einen Anstandsbesuch machen. –  Dann geht sie in ihr Arbeitszimmer hinunter.

***

Nathan steht am Fenster und blickt in den Garten. Als Rosalie eintritt dreht er sich sofort um.

„Guten Tag, Miss Graville“, sagt er förmlich.

Rosalie zieht eine Augenbraue hoch.

„Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, sie haben einen Schlag auf den Kopf bekommen, Nathan. Ich erinnere mich, dass wir diese gezierte Anrede schon hinter uns gelassen hatten.“

„Entschuldigen sie, Rosalie.“ Nathan macht ein paar Schritte auf sie zu, „es ist schön sie zu sehen. Wie geht es ihnen?“

„Dank ihrer schnellen Hilfe, wieder gut“, ihre Blicke begegnen sich, dann sprechen beide gleichzeitig – „Wo“ – „Ich wollte“

„Bitte nach ihnen“, sagt Nathan leicht verlegen.

Rosalie zögert kurz, dann gibt sie sich einen Ruck.

„Wo waren sie? Ich habe Constable Collins eine Nachricht für sie hinterlassen“, sie versucht ihre Aufregung zu unterdrücken, „ich befürchtete schon, sie wollen mich nicht wiedersehen.“

Nathan sieht Rosalie mit einem intensiven Blick an. Dann macht er den letzten Schritt und zieht sie in seine Arme. Seine Wärme hüllt sie ein und sein angenehmer Duft steigt ihr in die Nase.

„Es tut mir leid“, sagt er leise, „ich war ein Dummkopf. Aber du und ich – ich konnte mir nicht vorstellen, dass wir zusammenpassen.“

„Und was hat dich bewogen, deine Meinung zu ändern?“

Rosalie legt die Arme um seinen Hals. Ihre Fingerspitzen gleiten zu seinem Haaransatz hinauf. Nathans Puls schnellt in die Höhe.

„Nichts. Ich glaube immer noch nicht, dass wir wirklich zusammenpassen. Aber ich musste jeden Tag, jede Minuten an dich denken. Daran hat sich in den ganzen Wochen nichts geändert. Ich bin beinahe verrück geworden vor Sehnsucht.“

Rosalie schmiegt sich enger an ihn. Fühlt eine deutliche Reaktion seines Körpers und schmunzelt.

„Also denkst du, wir sollten es versuchen und sehen, wohin es uns führt?“

Er schaut ihr tief in die Augen.

„Genau das denke ich.“

Nathans Lippen legen sich auf Rosalies Mund und ein erregendes Kribbeln breitet sich in ihrem Körper aus. – Und dafür haben wir ein Leben lang Zeit. –

– Ende –

Liebe Blogleser,

vielen Dank, dass ihr der Geschichte so aufmerksam gefolgt seid. Aus einem „Spaßprojekt“ aus Genre und 10 Worten ist ein Text von 57 Seiten geworden. Nach den ersten paar Seiten hat sich das Ganze verselbstständigt und ich wollte die Geschichte nicht mittendrin abbrechen, sondern sie zu einem guten Ende führen. Da ich außerdem 365-Tage-Projekt meinen Fantasy-Roman (560 Seiten) überarbeite und an einem neuen erotischen Liebesroman schreibe(die ersten 45 Seiten, plus Plot und Charakterstudien) , mögt ihr mir den ein oder anderen Schnitzer verzeihen. Ich habe jeden geposteten Text dieses kleinen Krimis an dem Tag veröffentlicht, an dem ich ihn geschrieben habe. Also im Grunde gepostet, wie geschrieben. 😉

liebe Grüße und danke fürs Lesen

Caroline

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Rosalie schaut auf die Uhr über dem Kaminsims. Inzwischen ist eine dreiviertel Stunde vergangen. – Was kann zu dieser Zeit so lange dauern? – Rosalie verlässt Gils Zimmer und tritt auf den Flur. Kein Laut ist zu hören. Sie zögert. – Ach, was soll`s. –

Rosalie geht die Treppe hinunter. Zuerst versucht sie ihr Glück im Arbeitszimmer. Der Raum ist dunkel und unbenutzt. In der Bibliothek hat sie mehr Glück. Im Kamin glühen die letzten Holzscheite und der imposante Schreibtisch wird von einer Lampe erhellt. Rosalie tritt näher. Bücher liegen aufgeschlagen auf dem Tisch, Karten entfaltet, mit Linien, Kreisen und Kreuzen gekennzeichnet.

Einen Plan erkennt Rosalie wieder. Er fiel ihr am Morgen in die Hände, als sie auf die Chroniken eines ehemaligen Klosters stieß, das unter der Schirmherrschaft der de Clares stand, bevor Henry Tudors Säuberungsaktion in Kraft trat. – Ich habe ihn doch wieder in das Buch zurückgelegt? – Rosalie faltet den Plan auseinander. Dort sind die Grundrisse der alten Kellergewölbe aufgezeichnet. Mit Tinte sind einige neue Linien eingezeichnet. Rosalie hatte am Morgen dasselbe gedacht, aber niemals hätte sie gewagt einen so kostbaren Plan mit eigenen Notizen zu bekritzeln. – Anthony. Das ist es also, was er Gil zeigen wollte. – Ihr Herz schlägt schneller. – Gil und Anthony – Lady Edna – haben sie es zusammen geplant? – Ihr Inneres wehrt sich energisch gegen den Gedanken. – Andererseits, da ist der verheißungsvolle Schatz. Vielleicht altes Kirchengold, das die geflohenen Mönchen in den Gängen versteckten. An Anthonys Normannen-Theorie mag ich nicht glauben. Hat er Gil mit seiner Begeisterung angesteckt? Das Collier als Schlüssel? –

Rosalie eilt hinauf in ihr Zimmer. Hastig zieht sie eins ihrer schlichten Alltagskleider über, und zieht sich feste Schuhe an. Bevor sie das Haus verlässt, geht sie ins Arbeitszimmer. Dort steht ein Fernsprecher. Sie wählt die Nummer, die Inspektor Robins ihr gegeben hat. Es dauert einen Moment, dann hebt er ab.

„Robins.“

Verschlafen hört er sich nicht an. –

„Hier ist Rosalie. Ich meine, Miss Graville.“

„Guten Abend, Rosalie. Was kann ich für sie tun.“

Sie hört das Schmunzeln in seiner Stimme.

„Es tut mir leid, dass ich sie so spät störe.“

„Kein Problem. Worum geht es?“

„Ich glaube, ich weiß, wer Lady Edna getötet hat.“

„Ja?!“

Rosalie zögert. Ihr Verdacht bereitet ihr Unbehagen.

„Ich glaube es war Gilbert.“

Sie hört, wie sich der Inspektor am anderen Ende der Leitung räuspert.

„Wie kommen sie darauf?“

„Es geht um seine horrenden Schulden und den mysteriösen Schatz. Ich nehme an, er hofft das Gold zu finden, bevor seine Gläubiger ihn finden.“

„Finden sie nicht, dass ihre Bedenken doch etwas weit hergeholt sind? Hätte es nicht gereicht, Lady Edna um das Collier zu bitten?“

„Ich bin mir nicht sicher“, Rosalie resigniert, „entschuldigen sie nochmals die Störung, Inspektor. Ich muss gehen, bevor noch ein Mord geschieht.“

„Wohin?“, Nathan klingt besorgt.

„In die alten Keller unter dem Turm. Dort vermutet Anthony den Eingang.“

„Rosalie, warten sie!“

Sie hat aufgelegt.

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