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Posts Tagged ‘Rücken’

„Die Arbeit ist, verstehe sie mich recht, ein wenig ungewöhnlich“, sagte Mister Gordon.

Sein merkwürdiges Lächeln hätte mich misstrauisch machen müssen. Aber ich seit drei Wochen wartete ich auf einen halbwegs gutbezahlten Job um meine Rechnungen bezahlen zu können, aber mein Büro schien in ein schwarzes Loch gefallen zu sein. Ich brauchte dringend einen Auftrag, egal von wem. So wischte ich das flaue Gefühl in meinem Magen beiseite, dass ich fataler Weise für Hunger hielt und sagte:

„Das ist kein Problem für mich. Ich hoffe nur, dass sie sich meine Dienste leisten können.“

Mister Gordon lachte und ein leiser Schauer rieselte über meinen Rücken hinab. Er zog einen Umschlag aus der Innentasche seines feinen Wollmantels und schob ihn mir über den Schreibtisch zu.

„Mister Morgan, wenn sie wüssten wer ich bin, würden sie solche Fragen nicht stellen. Die einzige Frage, die wirklich wichtig ist, kann ich ihnen vertrauen?“

Abrupt verschwand das Lächeln aus seinem Gesicht. Dabei verengten sich seine schwarzbraunen Augen zu kleinen Schlitzen und musterten mich scharf. Unwillkürlich musste ich an einen Hai denken. Sobald er mein Büro verließ, würde ich Erkundigungen über ihn einziehen, dachte ich, griff nach dem Umschlag und hob die Klappe leicht an. Ein dickes Bündel 500 Euroscheine strahlte mir entgegen und wischte meine Skrupel hinweg.

„Natürlich können sie mir vertrauen“, erwiderte ich im Brustton der Überzeugung und dachte, es wird schon gutgehen.

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„Die Batterie ist leer.“

Sam bewegte den Schalter der Taschenlampe ein paar Mal. Ich hörte das Klicken.

„Genau die Worte, die ich gerade nicht hören will“, seufzte ich.

„Na, ich kann mir auch was Besseres vorstellen. Du bist diesmal nicht besonders gut vorbereitet. Kann es sein, dass du mit den Gedanken nicht ganz bei der Sache bist?“

„Scheint so.“

Ich hätte ihm den Grund gerne verraten, aber warum sollte ich ihn auch noch beunruhigen. Wir tasteten uns weiter in dem engen Gang vorwärts.

„Was meinst du, wie weit es noch ist?“

„Nicht sehr weit. Wir müssten gleich an die Abzweigung kommen, von dort gehen wir nach rechts.“

Sam blieb abrupt stehn. Ich prallte auf seinen breiten Rücken.

„Sorry“, sagte ich.

„Wir sind da“, stellte er fest, „gib mir deine Hand. Ich glaube, wir kommen demnächst an eine Treppe.“

„Stimmt. Es können höchstens noch hundert Meter sein.“

Ich griff nach Sams Hand. Seine kräftigen Finger schlossen sich um meine. Ich war froh, dass er bei mir war.

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Andrew hielt mich zwischen seinem Körper und der Wand des Wohnwagens gefangen. Vor zwei Minuten hatte er mir noch galant aus der Riesenradgondel geholfen.

„Ach komm, stell dich nicht an. Du machst mich doch schon seit Wochen an.“

Sein heißer Atem streifte meine Wangen. Ich roch den Alkohol. Ganz ruhig bleiben, schoss es mir durch den Kopf, nicht provozieren. Eine hallende Stimme pries gerade eine noch schnellere Fahrt des Stormriders an.

„Ich glaube, du hast da was falsch verstanden“, sagte ich und versuchte bestimmt zu klingen.

Andrew lachte. Er presste mich mit einem Ruck hart gegen den Wohnwagen und schob eine Hand unter mein Shirt. In mir ballte sich die Angst zusammen. Übelkeit kroch meine Kehle hinauf.

„Ich schätze du verstehst das falsch! Du kannst einen Kerl nicht anmachen und ihm dann die Belohnung vorenthalten.“

„Ach! Kann sie nicht?!“

Die Stimme klang hart. Andrew ließ mich los und fuhr herum. Niemand war zu sehen.

„Wo bist du zeig dich!“, brüllte Andrew.

Ich nutzte die Gelegenheit und schob mich Schritt für Schritt von Andrew weg. Nur noch ein Stück, dann war ich außer Reichweite und konnte laufen.

„Du willst nicht, dass ich das tue.“

Die Stimme jagte mir Schauer über den Rücken.

„Feigling“, schrie Andrew außer sich.

Dann hörte ich ein Geräusch, das ich nie wieder vergessen sollte. Es waren die Geräusche brechender Knochen. Andrew schrie wie am Spieß. Ich rannte nach Hause, ohne mich umzudrehen.

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Augen Blicke

Lea parkt den Wagen. Es dauerte eine Weile, bis sie einen Parkplatz ergatterte. Darauf war sie vorbereitet. Es war nicht ihr erster Besuch in Berlin. Aber hier scheint das bessere Viertel zu sein, denkt sie und sieht sich um, nur noch um die Ecke gehen, ein Stück die Straße hinunter, dann stehe ich vor Jeans Haus.

Sie zögert. Es kommt ihr vor wie ein Traum. Soll sie die Grenze überschreiten? Was würde geschehen? Leas Herz schlägt bis zum Hals. Jeder Schritt macht sie atemloser. Sie denkt an die Mail, als Jean sie fragte, ob sie Lust hätte ihn zu besuchen. Er würde ihr die Sehenswürdigkeiten zeigen.
Natürlich wollte sie. Gleichzeitig schwankte Lea zwischen Euphorie und Panik. Endlich begegnete sie ihm in der realen Welt. Seine Stimme, seine Worte vereinten sich mit der Person. Wie würde es sein, ihm gegenüberzustehen?

Lea erreicht das Haus. Sein Name fiel ihr gleich ins Auge. Sofort ist es wieder da. Das Stolpern ihres Herzens. Was denkt er, wenn er mich sieht? Wird er mich mögen? Oder verpuffte die Faszination, die sie sich durch die Entfernung aufgebaut hatte?
Lea denkt an das letzte Mal, als sie dieses Bangen fühlte. Es ist über 1o Jahre her. Damals verschmolzen Stimme und Wort zu einer Einheit. Wie Jing und Jang schmiegten sie sich ineinander. Alles, was übrig blieb, sind ein sanfter Duft, ein Lächeln, ein zärtlicher Satz. Nur noch ein undeutliches Bild in ihrer Erinnerung.

In diesem Moment beneidet sie die Menschen, denen alles egal ist. Die in der Hektik, in ihren kleinlichen Gedanken, ihrem spießigen Zuhause gefangen sind und wie Hamster im Rad rotierten. Sie vermissen nichts, weil sie nichts haben. Ihre Herzen sind leer und öde. Täglich der gleiche Trott. Rennen, hetzten, alles mitnehmen, abends noch Schrott-TV. Gespräche dauern nur wenige kurze Sätze. Das, was zwischen den Anfang des Werbespotts, den Klobesuch und das Ende des Spotts passt. Einmal in der Woche Statistiksex. Man ist ja ein Paar. Das 1 ½ Quotenkind. Golf und Reiten. Formel 1 und Germany`s next Topmodel. Pauschalurlaub und überkommene Traditionen.

Lea wollte nie so werden. Ihr Hunger nach Leben ist ungebrochen. Egal, wie sehr ihr die alten Traditionen und Konventionen eingetrichtert worden waren. Die Sehnsucht ist nur größer geworden. Sie schreibt sich alles von der Seele. In den einsamen Stunden am PC wünschte sie sich tausend Mal auszubrechen. Lea will weinen und Lachen, bis ihr die Stimme versagt. Sie will Liebe und Sex, bis ihr Herz stehen bleibt. Will das Leben umarmen. Sich daran klammern und ganz vom Gefühl durchdrungen werden. Sich völlig hingeben.

Sie bekommt Angst vor ihren eignen Gedanken. Wie viel von diesen Gedanken kann sie Jean zumuten? Er ist erfolgreich, gebildet, viel beschäftigt. Dozent an der Uni. Stand mit beiden Beinen im Leben. Lea empfand sich oft als chaotisch und getrieben. Sie wollte hemmungslos und wild sein, und kämpfte mit der Angst für verrückt und liederlich gehalten zu werden.

Andererseits hat Jean ihr aus seinem Leben geschrieben. Alles andere als althergebracht. Ein Leben wie aus Hemingways Romanen. Mit Havanna und Whiskey. Lea hat sich während der Zeit ihrer Gespräche vorgestellt, wie es gewesen wäre, die Welt mit seinen Augen zu sehen. So frei und ungebunden zu sein. Stark und unabhängig.

Eine Fantasie, in der sie sich mit Jean gemeinsam sah, gefällt ihr besonders:
Irgendwo an einem Meer, an einem warmen Tag in der Abenddämmerung. Neben ihm auf der Terrasse auf einem breiten Bett zu liegen, seiner angenehmen Stimme zu lauschen, träge vom Tag und anschmiegsam zu sein. Seine Hand auf ihrem Nacken zu spüren. Wie seine Fingerspitzen langsam ihre Wirbelsäule herab glitten …

Die Tür wird aufgerissen. Lea zuckt zusammen. Das ist er. Jean. Lässig in Jeans und Hemd.

„Hallo“, flüstert sie und schaut ihn staunend an.

Er lächelt. In Leas Bauch schlägt ein Funken auf und steigt langsam, brennend ihre Lungen hinauf, in ihre Kehle.

„Auch Hallo. Ich hab dich gesehen und befürchtet, du würdest wieder gehen.“

Lea schüttelt den Kopf. Ihr fehlen die Worte. Er zieht eine Augenbraue hoch. Das kennt er nicht von ihr.

„Komm ich nehm dir die Tasche ab.“

Lea überlässt sich seiner Fürsorge, folgt ihm und überlegt fieberhaft, was sie sagen und tun soll. – Lass es auf dich zu kommen. – Versucht sie sich zu beruhigen. – Wie lasse ich etwas auf mich zu kommen, dass ich mir mehr als alles andere herbeisehne? –

Jean öffnet die Wohnungstür und macht eine einladende Geste.

„Bitte, komm rein.“

Lea tritt ein. Er schließt die schwere Tür hinter ihr, stellt die Tasche auf den glänzenden Parkettboden. Sie dreht sich zu ihm um. Atemlos aufgeregt steht sie da. Für eine endlose Sekunde schauen sie sich in die Augen. Lea errötet. – Kann er es in meinem Augen lesen? – Jean macht einen Schritt vorwärst, legt die Hände auf ihre Hüfte und zieht Lea näher zu sich. Sie hält den Atem an. – Bitte lass mich nicht mehr los. –

Jean hält Leas Blick fest, als er sich zu ihr beugt. Er sieht, wie sich ihre Lider schließen. Zart küsst er ihre Stirn, ihre Wangen, spürt wie sie ihm entgegen kommt, die Lippen leicht öffnet. Jean nimmt ihren Mund. Lea schmiegt sich an ihn. Sein dezenter Duft steigt ihr in die Nase. Eine holzige Note und seine Wärme vermischen sich zu einem verführerischen Cocktail, der Lea einhüllt, sie zu ihm zieht und ihre Bedenken weg spült. Sie ist angekommen.

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Juninacht
Kurz vor Mittsommer
Aus unruhigem Traum erwacht
Regen trommelt auf das Vordach
Die Vögel schweigen
Noch einmal schlafen
Deine Hand auf meinem Rücken

Zwitschern weckt mich
Aus dem Urwald meines Gartens
Aufstehen, duschen,
Frisch für den Tag
Kaffeeduft erfüllt die Küche
Schnell noch etwas schreiben

Bücherflohmarkt im Kirchturm
Ich suche nichts
Die Bücher finden mich
Mein rotes Buch von gestern
Manchmal schreibt die Kunst das Leben
Manchmal auch das Leben die Kunst

Schätze liegen auf dem Tisch
Aufgestapelt warten sie auf die Besichtigung
Schnell noch einen Kuchen backen
Morgen kommt Besuch
Musik dringt aus den Boxen
„I wanna know“
Ich will wissen …

Wer du bist?

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Der Aufzug ist klein. Es passen gerade einmal zwei Personen hinein, und auch nur dann, wenn sie sich hübsch in Reihe und Glied hinstellen. Anna drückt auf die 5. Die Türen schließen sich gemächlich. Er hat Zeit, denkt sie. Es riecht nach trockenem Holz und Muff. Das mag von dem grünen abgetretenen Teppich kommen, mit dem der Lift ausgestattet ist.

Mit einem ächzenden Geräusch setzt sich der Flaschenzug in Bewegung und hievt den kleinen Kasten der letzten Etage des Altbaus entgegen. Anna betrachtet sich in den Spiegeln, die an drei Seiten des Lifts angebracht sind. Sie sollen den Eindruck von Raum erwecken. Es gelingt ihnen nicht. Die kleine Gondel lässt Anna an eine Umkleidekabine oder einen begehbaren Kleiderschrank denken.

Das warme gelbe Licht an der Decke bestäubt Anna mit seiner Patina. Als wäre ich plötzlich so alt, wie der Fahrstuhl, geht es ihr durch den Kopf. Sie beugt sich etwas vor, entdeckt winzige blinde Fleckchen auf der Oberfläche. Sie kneift die Augen etwas zusammen. Zieht eine Grimasse. Jäh zuckt Anna zurück. Was war das! Ein Gesicht. Nicht ihr Gesicht! Erschrocken starrt sie auf den Spiegel. Ihre Hand fasst fest nach dem glatten Handlauf, poliert durch Tausende Hände in Jahrzehnten.

Der Fahrstuhl hält mit einem Rucken. Annas Herz ruckt mit. Die Tür öffnet sich bedächtig. Anna atmet auf. Sie steigt aus. Wirft einen schnellen Blick zurück. Gespiegelt.

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Die Buchhandlung ist nicht sehr groß, aber bis auf den letzten Platz besetzt. Ich freue mich einerseits, andererseits treibt es mein Lampenfieber erst richtig in die Höhe. Heute lese ich aus meinem ersten Roman. Darin geht es um eine junge Polizistin, die allerlei erotische Verwicklungen erlebt.

Bis jetzt hat sich das Buch sehr gut verkauft. Sex sells. Deswegen hat meine Verlegerin einige Lesungen organisiert und heute ist Premiere.

Auf dem Polizeirevier weiß niemand davon und ich will auch nicht, dass sich etwas daran ändert. Mein Chef hält mich sowieso für unorthodox und naseweis, diesen Eindruck will ich nicht verstärken. Zum Glück läuft die Veröffentlichung unter einem Pseudonym und die Buchhandlung liegt nicht in meiner Heimatstadt.

Die nette Besitzerin tritt vor und begrüßt die Gäste. Sie stellt mich kurz vor, ohne meinen Beruf und meinen richtigen Namen zu erwähnen. Dann ist die Lesung eröffnet.

Bevor ich mich dem Text zuwende, blicke ich noch einmal lächelnd in die Runde. Mein Blick bleibt an zwei kühlen, blauen Augen hängen, die ich sehr gut kenne. James, mein Kollege und Partner! Oh Gott, er hat es herausgefunden! Lässig lehnt er an einem Bücherregal, die Arme untergeschlagen. Wie immer im teuren Anzug. Einziges Zugeständnis an den inoffiziellen Anlass ist das Fehlen der Krawatte.

Ich hefte meinen Augen auf das Buch. Die Zeilen verschwimmen. Ich fühle seinen intensiven Blick auf meinem Gesicht. Atme, atme, sage ich mir – vielleicht ist das alles nur Einbildung. Ich sehe wieder hoch. James steht noch an derselben Stelle, wie festgefroren. An seiner Mimik kann ich nichts ablesen.

Er wird sich bestimmt in meinem Roman wieder erkennen. Immerhin ist er von meinem Alltag inspiriert. Verdächtig eindeutige Texte gibt es genug und ich weiß, James ist sehr klug. Ich habe alles, was es zwischen ihm und mir im echten Leben nicht gibt, geben darf, in diesem Roman aufgeschrieben und das ist unter anderem eine Menge fiktiver Sex, vermischt mit einer realen Mörderjagd.

Es ist so still, dass ich eine Stecknadel fallen hören könnte. Aber es gibt kein zurück! Ich trinke noch einen Schluck Wasser, räuspere mich nervös und fange an zu lesen:

„Lance sieht mich mit diesem unergründlichen Blick an und streicht sich durch sein widerspenstiges blondes Haar.“

Mir ist klar, dass James es in genau diesem Moment weiß. Er hat mich hier in der Buchhandlung aufgespürt und er weiß, dass er Lance ist. Immerhin ist er der beste Ermittler im Yard.

„Mein Herz gerät aus dem Takt. Inzwischen arbeite ich solange mit Lance zusammen und habe mich noch nicht dran gewöhnt. Das liegt daran, dass ich mehr für Lance empfinde, als angebracht und erlaubt ist. Plötzlich hören wir ein verdächtiges Geräusch. Lance schaltet das Licht aus, und ehe ich reagieren kann, zieht er mich in eine Nische zwischen Wand und Schrank.

„Psst“, macht er nur.

Die Nische ist so eng, dass wir dicht aneinander gedrängt stehen müssen. Ich versuche auf das Geräusch zu achten, stattdessen denke ich an nichts anderes, als an Lance Nähe. Er hat seinen Arm von hinten um meine Taille gelegt. Ich fühle seine kräftige Hand auf meinem Bauch. Sein warmer Atem streift meinen Nacken. Ohne nachzudenken, lehne ich mich an ihn und neige meinen Kopf zur Seite. Lance fasst mir in die Haare und legt meinen Hals frei, dann haucht er mir einen Kuss auf die empfindliche Stelle hinter meinem Ohr. Ein Schauer rinnt meinen Rücken hinab. Unwillkürlich drücke ich mich fester an ihn.“

Himmel warum habe ich nur diese Stelle zum Vorlesen ausgesucht? So ähnlich hat es immerhin stattgefunden, bis auf das Küssen und Randrücken, da wir kurz darauf unter Beschuss standen. Ich schaue kurz auf und begegne James unergründlichem Blick. Ich bilde mir ein, ein gefährliches Flimmern in seinen Augen zu sehen und etwas, dass ich noch nicht kenne. Atemlos lese ich weiter. Das tut der erotischen Szene, die jetzt folgt, allerdings keinen Abbruch. Im Gegenteil.

***

Der Applaus tut gut. Ich bin froh, dass ich die Lesung unfallfrei hinter mich gebracht habe, obwohl James mich keine Sekunde aus den Augen ließ. Während ich für die begeisterten Besucher Bücher signiere und mir ihre wohlwollenden Kommentare anhöre, steht James in einer Ecke. Er beobachtet das Spektakel und wartet, bis alle ihre Unterschrift haben. Dann kommt er herüber, legt mir sein Buch auf den Tisch und sagt mit seiner tiefen Stimme:

„Für Lance bitte.“

Für eine Sekunde zögere ich. Dann schreibe ich:

„Für Lance von seiner Lea.“

James wirft einen Blick darauf, ohne eine Miene zu verziehen, klappt das Buch zu und sagt:

„Komm ich fahr dich heim.“

Ich nicke. Die innere Anspannung zerreißt mich fast. James will bestimmt reden.

„Ich hole nur meine Tasche und meine Jacke.“

James wartet geduldig, bis ich mich von der Buchhändlerin verabschiedet habe, nimmt mir die Tasche ab und trägt sie zum Auto. Ganz Gentleman öffnet er die Tür und wartet, bis ich eingestiegen bin. James schaltet Musik an. Sanft perlt sie durch die Nacht und untermalt unser Schweigen.

Ich möchte etwas sagen, erklären, weiß aber nicht wo ich anfangen soll. James scheint keinen Erklärungsbedarf zu haben. Er macht keinen Versuch das Schweigen zu brechen und wartet einfach ab. So wie er es manchmal bei Verhören tut. James knackt die härtesten Brocken.

Wir halten vor James Haus. Erst jetzt fällt mir auf, dass wir einen anderen Weg gefahren sind, so vertieft war ich in meine Gedanken. James steigt aus, geht um den Wagen und reich mir die Hand.

„Ich denke, es gibt einiges zu klären“, sagt er streng.

Ich lege meine Hand in seine und folge James gehorsam ins Haus. Es ist schlicht und geschmackvoll eingerichtet. James führt mich ins Wohnzimmer. An jeder Wand stehen Regale angefüllt mit Büchern. James nimmt mir die Jacke ab.

„Ein Glas Wein?“, fragt er.

„Ja.“

Ich bin irritiert. Gehört das zu James neuen Verhörmethoden? Ich setze mich aufs Sofa, während James Musik auflegt, zwei Gläser aus dem Schrank holt und den Rotwein eingießt. Er setzt sich neben mich und reicht mir mein Glas. Der Wein funkelt in den schönen Schwenkern wie Rubin.

„Auf dein Buch“, sagt er.

Ich versuche Spott in seinem Gesicht zu erkennen, aber da ist keiner. Was ich sehe, ist eher Neugier und Interesse.

„Seit wann?“, fragt James und ich weiß genau, was er meint.

„Seit dem ersten Tag“, flüstere ich und schaue konzentriert auf das Glas in meiner Hand.

„Du hast es sehr gut verborgen“, stellt James anerkennend fest.

Ich schweige. Was soll ich sagen? Wenn es raus gekommen wäre, hätte mich der Chef in eine andere Einheit versetzt. Das hätte ich nicht ertragen.

„Hast du mir gar nichts zu sagen?“, James Stimme ist samtweich. Er nimmt meine Hand in seine, zieht sie an seine Lippen und küsst jede Fingerspitze einzeln, dabei sieht er mir direkt in die Augen.

„Oder hast du schon alles in deinem Roman beschrieben.“

Ich kann meinen Blick nicht aus seinem lösen, bin völlig gebannt. Die Berührung seiner Lippen sind wie kleine Stromschläge, die ihr Ziel, meine Körpermitte, nicht verfehlen.

„Ich warte“, flüstert James.

Er lächelt und ich laufe purpurrot an. Ich fühle es bis in die Haarspitzen.

„Es war wie eine Sucht“, höre ich mich sagen, „jeden Tag, in den letzten zwei Jahren, wenn ich nach Hause kam, schrieb ich mir die Sehnsucht aus dem Körper, bis ich leer war. Am nächsten Tag begann es von Neuem. Du warst da. Sahst mich an, auf deine Art. Redetest mit mir, auf deine Art. Berührtest mich, unabsichtlich nur, aber du hast es getan und ich sog mich voll mit meiner Lust.“

James rückt näher an mich heran. Sein warmer Atem streift mein Gesicht. Sein Duft hüllt mich ein. Immer noch hält er meine Hand. James beugt sich vor.

„Woher weißt du, dass ich dich unabsichtlich berührt habe?“

Ich zucke zusammen. Mit weit aufgerissenen Augen sehe ich ihn an.

„Ich habe gehofft, dass du irgendwann aus deiner Deckung kommst, aber du hast dir keine Blöße gegeben. Irgendwann dachte ich, ich hätte mich getäuscht, was deine Gefühle für mich betrifft. Nur richtig glauben konnte ich es nicht. Dann hätte mich meine Intuition schon sehr im Stich lassen müssen.“

„Warum hast du nie etwas gesagt?“

Ich versuche die aufsteigenden Tränen zu unterdrücken.

„Vielleicht aus demselben Grund wie du. Angst vor Zurückweisung. Der Wunsch begehrt zu werden.“

Ohne weiter nach Erklärungen zu suchen, beuge ich mich vor und hauche James einen Kuss auf den Mund. Oh mein Gott, wie süß sich das anfühlt. Ein Kribbeln zieht sich von meinen Lippen durch meinen ganzen Körper. Ich habe solange gewartet, dass es kein zurück mehr gibt.

Mit einer geschmeidigen Bewegung raffe ich meinen Rock hoch und schwinge mich auf James Schoß, umfasse sein Gesicht mit den Händen und küsse ihn wieder. James packt mich an den Hüften und zieht mich ganz dicht an sich heran. Seine Hände gleiten unter meine Bluse. Ich lehne mich zurück. James küsst meinen Hals. Ein tiefes Stöhnen scheint direkt aus meinem Bauch zu kommen. Ich presse mein Becken fest gegen seine Hüften, spüre seine Erektion. James hakt meinen BH auf, schiebt ihn mit der Bluse über meinen Kopf. Quälend langsam und erregend küsst James sich von meinen Schultern zu meinen Brüsten hinab. Ich kann mich nicht zurückhalten, kralle mich Finger in seine Schultern. James befreit mich mit einem Ruck von meinem Seidenslip. Ich höre das Ratschen und fühle die Feuchtigkeit zwischen meinen Schenkeln.

***

„Wie oft hab ich mir das vorgestellt“, flüstere ich.

„Und?“

Ich höre sein Lächeln.

„Es war so gut!“

Ich will von seinem Schoß gleiten. James hält mich fest. Seine Hände liegen auf meinen Hüften.

„Nein, bleib. Warte einen Moment.“

Ich gehorche. James sieht mich an.

„Kein Widerwort?“, fragt er und ein spöttisches Lächeln spielt um seine vollen Lippen.

„Nein.“

Ich erröte. Ich würde alles tun, was er will, nur damit er das noch einmal mit mir macht.

„Beweg dich ganz langsam“, fordert er mich auf.

James raue Stimme rieselt mir den Rücken herunter. Gemächlich bewege ich mein Becken auf und ab. Fühle, wie sein Schwanz wieder steif wird. Seine Finger kneten meinen Po. Ich hefte meine fiebrigen Augen auf sein Gesicht. James will mich wirklich noch einmal. Als könne er den Gedanken in meinem Blick sehen, sagt er lächelnd:

„Ich habe zwei lange Jahre gewartet. Jetzt will ich alles! Und wenn mein Herz dabei aussetzt.“

„Das wird nicht passieren“, ich küsse James begierig, beiße ihn sanft in die Lippe, was einen festen Stoß seinerseits zur Folge hat, „Ich kann Mund zu Mundbeatmung und Herzmassage.“

„Dann sollten wir das üben Frau Autorin“, grinst er, schlingt die Arme um mich, und mit einem gekonnten Griff, dreht er mich auf den Rücken. Sein Gewicht presst mich in die Kissen. Ich fühle seinen harten Ständer an meinem Bauch. Der einzige Gedanke, der mir durch den Kopf geht ist, dass ich James wieder in mir fühlen will.

„Komm zurück“, bitte ich ihn.

„Keine Angst, bevor die Nacht zu Ende geht, wirst du froh sein, wenn ich dich in Ruhe lasse.“

„Das werden wir sehen. Ich nehme alles, was du bereit bist zu geben.“

Ich schließe die Augen, überlasse mich seinen erfahrenen Händen, seinem Mund, seinem Körper. Als er wieder in mich eindringt, ist es wie eine Erlösung.

***

Erschöpft liege ich in James Armen. Mein Körper fühlt sich an wie Watte. Wir halten uns so eng umschlungen, dass kein Blatt zwischen uns passt. Ich höre James Herz schlagen. Ruhig, stark, gleichmäßig.

„Du bist schön.“

James zieht meine Hand an seine Lippen und drückt kleine Küsse auf meine Handfläche. Ich seufze. Nie habe ich gedacht, dass James so etwas zu mir sagen würde. Ich betrachte ihn. Seine Gesichtszüge sind entspannt und seine Augen ruhen zärtlich auf meinem Gesicht.

„Ich möchte dir etwas sagen“, beginne ich zögernd, „und bitte brich nicht gleich in Panik aus.“

„Psst“, James schmunzelt und legt mir sanft einen Finger auf die Lippen, „Ich bin nie in Panik. Das weißt du doch?“ Ich nicke. Bevor ich etwas sagen kann, fährt er fort: „Ich liebe dich auch. Nicht erst seit heute.“

Erstaunt sehe ich James an. Er kann wohl doch Gedankenlesen.

„Aber seit heute um so mehr“, James grinst, „und wenn du immer so willig bist, werde ich dich ewig lieben.“

„James“, tue ich empört und will ihm einen Klaps geben.

Er scheint es geahnt zu haben, fängt meine Hand ab und drückt mich in die Kissen.

„Nanana! Kleine Lady, du wirst doch keinen Polizisten, noch dazu deinen Vorgesetzten, tätlich angreifen.“

„Wenn es sein muss?!“

Ich winde mich unter ihm hin und her, aber James ist nicht zu bewegen.

„Mach nur so weiter. Das macht mich echt an. Und dann werde ich mit dir schlafen müssen.“

„Gut zu wissen.“

Ich lasse mein Becken unter seinen Hüften kreisen.

„Mach weiter, das gefällt mit ausgesprochen gut.“

James beugt sich vor, seine Lippen gleiten an meinem Schlüsselbein entlang, den Hals hinauf. Jedes Härchen meines Körper stellt sich auf. Meine Brustknospen drücken hart gegen James Oberkörper.

„Und mir gefällt es, wenn du es tust“, flüstere ich und presse mich energisch gegen ihn.

„Ich liebe deine zügelloses Temperament und deine Sinnlichkeit“, flüstert er heiser.

Ich senke den Blick. James küsst meine Lider.

„Du musst so bleiben, wie du bist.“

„Kennst du mich so gut?“

„Ich denke inzwischen schon. Aber das, was ich noch nicht kenne, werde ich mit Begeisterung entdecken.“

James streicht begehrlich über meine Schenkel. Mir gefällt das begierige Glitzern in seinen Augen. Nur zu gerne lasse ich mich von ihm zu einem neuen lustvollen Spiel verführen.

 

 

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