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Posts Tagged ‘Richtung’

Kalt, kalt und allein, wanderte das böse Wesen durch die Sternenströme. Es war auf der Suche nach Nahrung. Das letzte Mal, als es sich laben konnte Zeitalter her. Es verlangte nach Futter. Doch seine Weidegründe waren knapp. In seiner Gier raubte es die Welten, die es heimsuchte, völlig aus. Nichts blieb bestehen. Kein Lebewesen hielt ihm stand. Es vernichtete alles. Seit Äonen vermocht es niemand aufzuhalten. Das Wesen selbst konnte sich nicht mehr erinnern, wann und wie es in dieses Universum gelangt war. Es muss auf der Suche nach Nahrung gewesen sein, dachte es und spürte die quälende Leere in sich. Wenn ich nicht bald fressen kann oder den Übergang in ein anderes Universum finde, werde ich hier sterben. Es hielt inne. Da war etwas! Eine Art Signal. Es lauschte gespannt in die Dunkelheit. Das Signal wurde deutlicher. Das Wesen wendete sich in die Richtung aus der das Zeichen drang und eilte ihm entgegen.

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Der Hund witterte sie zu erst. Er blieb stehen, spitzte die Ohren, gab leise Fiep-Laute von sich. Suchend schaute Paul sich um, doch außer den normalen Lauten des Waldes nahm er nichts wahr. Er wollte weitergehen, aber Artus folgte ihm nicht. Er hatte sich hingesetzt und starrte in eine Richtung. Paul stellte sich neben seinen Hund und folgte seinen Blicken. Ganz genau sah er hin, versuchte das dunkelgrüne Dickicht der Tannenschonung mit den Augen zu durchdringen. Doch es blieb eine zusammenhängende Masse. Er gab auf. Da sah er sie! Ganz in das Grün des Hains gekleidet, verschmolz sie mit ihrer Umgebung. Paul blieb reglos stehen. Was für ein wunderschönes Geschöpf, ging es ihm durch den Kopf, ich darf sie nicht erschrecken, sonst läuft sie davon.

Doch sie schien keine Angst zu haben und kam langsam auf Herrchen und Hund zu. Während sie ging, begann sie ihre Farbe zu verändern, angepasst an die nackten Birkenstämme und das lichte Grün der Frühlingsblätter.

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Ich glaub ich träume!

Warum denken die Leute eigentlich, dass der Vollmond unseren Schlaf beeinträchtigt, denke ich und drehe mich von rechts nach links und wieder zurück.

„Weil es wohl so ist“, seufze ich und schlage die Bettdecke zurück. Eddy, mein Kater, schaut kurz auf und ich sage zu ihm, „aber vermutlich ist es der Kaffee. Ich hätte so spät keinen mehr trinken sollen.“

Eddy schließt die Augen wieder. Nicht zu ändern. Es ist zu spät. Ich bin hellwach. Silberne Lichtstraßen erhellen mein Schlafzimmer. Ein riesiger Mond hängt über meiner kleinen Stadt. Wenn er jetzt herunterfallen würde, wären alle Häuser platt. Oder vielleicht könnte ich ihn auch berühren, wenn ich keine Höhenangst hätte und auf`s Hausdach steigen würde?

„Blödsinn“, murmele ich vor mich hin. Eddy rührt sich nicht. „Ich mit meinen komischen Gedanken!“

Ich gehe in die Küche und hole mir ein Glas Wasser. Statt wieder ins Bett zu gehen, biege ich in mein Schreibzimmer ab. Mein Gedankenkarussell hat längst Fahrt aufgenommen. Wenn ich die Ideen gleich in den PC schreibe, kann ich sie morgens wenigstens noch lesen, anstelle der Hieroglyphen in meinem Notizbuch.

Auch in mein Schreibzimmer fällt das Licht des Frühlingsvollmondes. Ich kann alles klar erkennen. Die Bücherregale, meinen Schreibtisch und den PC, die Orchideen und die Figur auf der Fensterbank und – ich traue meinen Augen nicht – den Drachen. Er ist ziemlich klein. Etwa von der Größe eines Meerschweinchens. Aber geschuppt, mit Schwanz, Flügeln und Reptilienkopf, so wie ich mir einen Drachen vorstelle.

Was für ein Quatsch! Ich träume. Ich zwicke mich in die Wange. Aua, das tut weh. Ich kneife die Augen für einen Moment fest zusammen. Als ich sie wieder öffne, ist der Drache weg. Erleichtert atme ich auf. Nur Vollmond-Schriftsteller-Fantasien. Aber die Idee mit dem Drachen gefällt mir. Ich schalte meine Schreibtischlampe an und fahre den PC hoch. Ich öffne eine Datei, speichere sie unter „Notizen“ und schreibe:

„Haben sie zufällig meinen Drachen gesehen?“

Hm, habe ich das gerade jemand sagen hören? Nicht umdrehen, sagt die innere Stimme zu mir, alles nur Einbildung oder lieber doch umdrehen und der Gefahr ins Auge sehen? Langsam drehe ich mich um. Vor mir steht ein Mann in Klamotten, die an Steampunk erinnern, und schaut mich interessiert an.

„Was ist das für eine Maschine?“ Er deutet auf meinen PC.

„Ein Computer“, stottere ich.

„Aha“, sagt er, als wüsste er, was ich damit meine, „haben sie meinen Drachen gesehen?“

„Etwa so groß?“

Ich deute die Größe mit den Händen an, ohne meinen Blick von dem Fremden abzuwenden. Was ist hier los? Rotiert die Frage in einer endlos Schleife durch meinen Kopf.

„Da ist er ja“, der Mann kommt auf mich zu.

Ich rühre mich nicht von der Stelle, nehme aber aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahr. Ehe ich etwas tun kann, sitzt der Mini-Drache auf meinem Schoss und gibt wohlige Töne von sich, die an Eddys Schnurren erinnern. Instinktiv will ich ihn kraulen.

„Halt“, warnt mich der Mann, „er beißt Fremde.“

Ich sehe auf den Drachen herunter. Er dreht mir den Hals zu, und mit zwei Fingern streiche ich über die weiche Innenseite des Halses. Der Drache gibt leise wohlige Quiecklaute von sich.

„Scheint ihm zu gefallen“, stelle ich fest.

„Interessant“, sagt er und betrachte mich prüfend.

Interessant finde ich diese Situation auch, bin mir aber nicht sicher in welcher Richtung. Die gute oder die schlechte.

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