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Posts Tagged ‘reiches Haus’

1. „WOW! Was ist denn in dem Drink?“

„WOW! Was ist denn in dem Drink?“
In meinem Kopf breitete sich langsam eine nebelige Wolke aus. Ich musste mich an der Stange am Tresen festhalten. Meine Beine verloren ihre Festigkeit. Vor meinen Augen schwankten die Bilder hin und her, oder war ich es die wankte? Meine Zunge war so dick, das sie unter dem Gaumen feststeckte.
„Ich fühl mich nicht gut“, sagte ich und hörte ganz andere Worte aus meinem Mund rutschen. „Ich brauche ein Taxi.“ Auch das kam irgendwie falsch heraus.
„Kann ich ihnen helfen?“, fragte ein Mann neben mir.
Ich wollte etwas sagen, die Töne waren weg. Also nickte ich nur. Der letzte Rest meines Verstandes versuchte sich an seinem Gesicht festzuhalten, tastete sich über einen sinnlichen Mund, eine gerade Nase zu zwei hellblauen Augen hoch.
„Geht`s ihnen nicht gut?“
Ich schüttelte den Kopf, versuchte auf den Drink zu zeigen. Meine Motorik versagte. Ich traf das Glas. Es kippte. Das Geräusch des splitternden Glases fraß sich in meine Ohren. Die klebrige rote Flüssigkeit quälte sich in Schwären über den Tresen. Ich hob die Hand. Mein Blick flatterte. Blut rann den Handballen hinunter über meinen Unterarm.
„Sie haben sich verletzt“, ich fühlte, wie der Mann seinen Arm, um meine Taille legte, mir eine Serviette um die Hand wandt, „sie müssen ins Krankenhaus.“
Es wurde dunkel.

Ich schlug die Augen auf. Durch dünne Chiffonvorhänge fiel Sonnenlicht in den Raum. Sie bauschten sich unter einer leichten Brise. Eine Weile sah ich ihrem Spiel zu. Ich wollte mich aufsetzen, als ein scharfer Schmerz durch meinen rechten Arm zuckte, bis in meinen Kopf. Ein blütenweißer Verband verhüllte meine Hand und mein Gelenk. Ich versuchte mich zu erinnern, wie ich mir diese Verletzung zugezogen hatte. Glas. Glas, das zerbricht. Rote Flüssigkeit, zäh. Ich suchte nach mehr. Einem Ort, Menschen, meinem Namen. Nichts. Doch. Da war etwas. Helle blaue Augen.

2. Das letzte Mal habe ich vor vier Stunden von ihr gehört. Ich mache mir Sorgen.

„Das letzte Mal habe ich vor vier Stunden von ihr gehört. Ich mache mir Sorgen.“
Sandra hüpfte nervös von einem Bein auf das andere. Ich konnte die ganze Aufregung nicht verstehen.
„Wo ist das Problem, du hast mir doch erzählt, der Typ ist aus reichem Haus und hätte Manieren wie ein Prinz.“
Allein diese Aussage hielt ich für totalen Schwachsinn. So etwas gab es heute nicht mehr – zumindest hatte ich noch keinen Mann kennengelernt, der auch nur ansatzweise in die Nähe dieser Bezeichnung gekommen wäre.
„Ja, ist er auch.“
Etwas in Sandras Stimme ließ mich aufhorchen.
„Und?“
Sie druckste herum.
„Wir haben dir nicht alles erzählt.“
Ich atmete tief durch und wappnete mich für die Beichte.
„Er ist ein Nachtwandler“, stieß Sandra hervor und sah mich mit großen tränennassen Augen an.
Ich sprang auf, riss meine lange gepolsterte Lederjacke vom Haken und schimpfte.
„Seid ihr verrückt geworden?! Ich habe euch tausend Mal gewarnt euch nicht mit denen einzulassen!“, ich überprüfte die Armbrust, die Innentaschen mit den Wurfsternen und den Gürtel. Vier spitze Ebereschenpflöcke steckten an der Seite und ein silberner Stab. Auf Kopfdruck stieß eine dreißig Zentimeter lange Spitze heraus. Die Pistole mit den Silberkugeln war geladen. „Wo haben sie sich getroffen?“
„Im „La Guerra“, piepste Sandra.
„Aus welchem Hause stammt er?“, fragte ich schroff und band mir die derben Stiefel zu.
„Aus dem Hause Godfrey“, Sandra schluchzte.
Am liebsten hätte ich sie geschlagen.
„Das darf doch nicht wahr sein?! Das sind die Schlimmsten! Stark wie Stiere, gefährlich wie Panther! Wenn sie jemand im Visier haben, dann gibt es kein Entkommen! Was ist nur in Anita gefahren?“ Wie konnte sie so dumm sein? Sie hätte sich auch gleich einen Strick nehmen können. „Und du hast es zugelassen und nichts gesagt?!“
„Aber er sah so gut aus“, jammerte sie.
„Er sah gut aus! Er sah gut aus!“, äffte ich Sandra nach, „Scheiße! Gut sehen die alle aus oder hast du schon einen hässlichen Nachtwandler gesehen?“ Bevor Sandra etwas sagen konnte, hob ich die Hand. „sag seinen Namen nicht oder ich flippe auf der Stelle aus.“
Wir dachten beide an Jeremy, aber das war eine ganz andere Sache. Ich war fast aus der Tür, als Sandra mit dünner Stimme rief:
„Du kannst ihr doch helfen, oder?“
„Ich tue was ich kann!“, rief ich.
Die Tür fiel ins Schloss. Ich fürchtete, dass das, was ich konnte, diesmal nicht ausreichen würde. Die Godfreys hinterließen nur verbrannte Erde, sonst nichts.

Die dreizehn Sätze, die den Anlass für die Geschichten geben, sind in meinem Blog Schreiberlebentipps zu finden „13 Sätze – 13 Geschichten“.

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