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Poem 19.4

Wunsch-Gedicht

Drei Wünsche hab ich offen
Der Erste ist schnell getan
Der Zweite auch

Doch dann
Ist nur noch einer frei
Und ich frage mich

Habe ich weise gewählt
Nicht zu viel gewollt
Zu maßlos gewünscht

Wie Menschen es gerne tun
Ich hab nur einen Wunsch
Einen für drei

Glücklich sein
Nicht mehr
Nicht weniger

Doch fürchte ich
Das auch drei Wünsche
Nicht für den einen reichen

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Ich habe gerade ein Buch von Jane Austen gelesen. Im Nachwort steht:

„Die Helden dieses Romans leben parasitär – von einem Vermögen, das sie nicht selbst erarbeitet haben. Ihr sozialer Status als Grund – und Kapitalbesitzer bedingt und verursacht Isolation. Das Leben, das sie führen, zeigt ihre Bedeutungslosigkeit. Ihr gesellschaftlich steriles Dasein mündet folgerichtig in innerer Leere und Verschrobenheit, fragwürdige Ersatzinteressen und starre Förmlichkeit, eitle Selbstbespiegelung und bornierte Standesdünkel. Der heutige Leser mag sie komisch finden und ihre Kuriosität belächeln, weil sie im als seltene Exemplare einer Gattung erscheinen, die unwiderruflich der Vergangenheit angehört.

Ich wünschte, ich könnte dies auch so sehen. Wie man annehmen kann, tu ich es nicht. Wir leben angeblich in einer aufgeklärten, zivilisierten Zeit. Und trotzdem suche ich sie vergebens, diese Zeit.

Vielleicht sollte ich die Medien nicht als Untermauerung meiner Ansicht hinzuziehen, aber ich tue es doch. Ich will nicht so weit gehen zu sagen, wir sind, was wir sehen. Immerhin gibt’s auch das ein oder andere Trashformat, über das ich mich amüsieren kann. Trotzdem wundert es mich immer wieder, wie viele absurde Geschmacklosigkeiten, völlig hirnlose Kommentare/Meinungen/ Ansichten den Weg in unsere Wohnzimmer und möglicherweise in unsere Köpfe finden. Und besonders dann, wenn es um Kommentare Prominenter geht, die als Vorbilder oder Meinungsbilder dienen oder sich dafürhalten. Dazu gehört alles, vom Z-Promi aus dem Dschungel bis zum A-Promi im Bundestag.

Es gibt Leute, die kaufen sich Fürstentitel und glauben, sie wären der Nabel der Welt. Andere denken, weil sie ein dickes Bankkonto haben und Bohlen heißen, dass sie harmlosen Kindern, die durch das Versprechen der nächste Superstar zu werden, jede Gemeinheit an den Kopf werfen dürfen, um Quote zu machen. Sendungen, in denen jeder Dummkopf seine ungefilterte Meinung sagen darf, in der es keine Diskussion zum Austausch gibt, sondern einfach nur ungehemmte Streitszenen, in der die Teilnehmer der Ansicht sind, wer lauter schreit hat Recht. War das nicht eher andersherum: wer schreit hat Unrecht?

Andere Dagobert Duck`s meinen, ihr Geld erhebe sie über den „ordinären“ Bürger, deswegen müssen sie keine Steuern zahlen, können auf der Autobahn rasen wie bekloppt, sich so schlecht benehmen, wie es ihrer Laune gerade entspricht, betrügen (siehe Dotorarbeiten) und noch Schlimmeres, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Arbeitgeber, die ihre Arbeitnehmer immer wieder gekonnt über den Tisch ziehen, obwohl das Gesetz eigentlich auf der Seite der Arbeitnehmer ist. Und Anwälte, die einen Geringfügigbeschäftigten scheinbar ebenso wenig ernst nehmen, wie der Arbeitgeber, der ihn schamlos ausnutzt (da kommt einem das Wort parasitär wieder in den Sinn). Lohnt sich der Kampf, wenn es statt um Millionen nur um Tausend oder Hundert Euro geht? Wie ist es möglich, dass Menschen in Deutschland hart arbeiten und sich ihr bisschen Leben nicht leisten können? Was erhebt das Recht des einen, in so absurdem Maß über das des anderen? Geld?! Geld regiert die Welt, keine neue Weisheit, aber leider regiert es auch das Recht. Hast du Geld, dann hältst du länger durch.

Warum trägt Justitia eine Augenbinde? Angeblich, damit sie unbeeinflusst entscheiden kann. Ich glaube, weil sie keine Lust darauf hat, zu sehen, was in ihrem Namen für Schindluder mit dem Volk getrieben wird. Alles ist nur eine Frage der Auslegung. Ob es das Rechtsempfinden der Allgemeinheit stört, ist nicht das Entscheidende, sondern ob man der rhetorisch Geschicktere ist.

Die Zeiten haben sich geändert. Die Menschen nicht. Im Gegenteil. Konnte man sich früher auf einen Handschlag verlassen, gilt heute kaum ein Vertrag als sicher. Irgendwo gibt es ein Schlupfloch und hast du Geld, kein Problem, wir finden für alles eine Lösung. Hast du keins, mach dir bloß keine Hoffnung. Irgendwann haben sie dich zermürbt. Während du nachts nicht schlafen kannst, weil du dich fragst, woher das Geld für den nächsten Einkauf kommen soll, sitzen sie in ihrer Villa, bestellen Kaviar und warten gelangweilt, bis du aufgibst. Haste was, biste was.

Geld verdirbt den Charakter. So extrem ist es sicher nicht, aber es sieht so aus, als hätte es die unglückliche Neigung dies zu unterstützen oder zu beschleunigen. Menschen die Geld und der damit verbundenen Stellung eine übertriebene Bedeutung beimessen, verlieren die Bodenhaftung. Empathie, Mitleid und Rücksicht büßen ihren Wert als Tugenden ein. Von diesem Standpunkt aus gesehen könnte ich beinahe dankbar dafür sein, nur so über die Runden zu kommen. Immerhin bin ich dadurch dem Leid anderer gegenüber nicht abgestumpft. Andererseits würde es mich ruhiger schlafen lassen, wenn ich mehr von dem „Laissez – fair“ der Reichen hätte, weil ich mich in der Ruhe sonnen könnte, dass meine Interessen mit Feuereifer wahrgenommen und ich nicht als notwendiges Übel angesehen werde.

Obwohl meine Grundeinstellung optimistisch ist, fürchte ich, dass ich nie reich genug, noch jemals so viel „Laissez -fair“ haben werde, damit sich jemand mit Feuereifer für mich in die Bresche stürzt. Gefallen tut mir dies nicht. Im Gegenteil. Es macht mich sehr wütend, dass ich das Risiko trage und nicht ernst genommen werde. Genauso, wie meine Leidensgenossen. Ich weiß, dass mir mein Zorn mehr schadet, als denen, denen er gilt. Doch ich kann es im Moment nicht ändern. Das Einzige, das mich zurzeit aufrecht hält und mir hilft den letzten Rest von Würde zu wahren, sind Freunde, die mir Gutes wünschen und auf meiner Seite stehen.

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