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Posts Tagged ‘reich’

„Ist das eine Waffe?“

„Nein, das ist ein Föhn!“

Harry schüttelte müde den Kopf. Wieso war er nur mit diesem Nervenbündel gestraft.

„Ich spüre da eine gewisse Aggression zwischen uns“, sagte Alex und verzog die schmalen Lippen.

„Was erwartest du? Du willst ein Privatdetektiv werden! Meinst du wir werfen mit Wattebäuschen herum?“

Harry ballte die Fäuste. Alex antwortete nicht. Sein zartes Gemüt verkraftete solche Anfeindungen nicht besonders gut, nachdem er die Antidepressiva abgesetzt hatte. Harry überkam der intensive Wunsch die Waffe sofort zu benutzen und den unerwünschten Partner Six-Feet-Under zu legen. Mario schuldete ihm noch einen Gefallen. Wenn die Italiener das in die Hand nahmen, würde Alex nie wiedergefunden. Andererseits konnte er es sich nicht leisten, ihn jetzt schon in der Versenkung verschwinden zu lassen. Harry war so pleite, wie man nur sein konnte und Alex war so reich, wie man nur sein konnte.

„Los, steig endlich ein“, herrschte Harry Alex an.

„Na gut, aber das Thema ist noch nicht zu Ende“, erwiderte der pikiert und gehorchte.

Stimmt, dachte Harry, Mario schuldet mir noch was.

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„Geh da nicht rein!“ Jo hielt Pali am Arm fest. „Dort schlafen die Drachen!“

Pali schüttelte den Kopf. Ein verächtlicher Zug spielte um seinen Mund.

„Das ist Blödsinn. Ein Märchen, das die alten Leute erzählen, um den Kindern Angst zu machen.“

Er befreite sich aus Jos Griff. Der war nicht bereit aufzugeben.

„Und doch ist es wahr! Mein Urgroßvater hat einen gesehen. Nicht nur das. Er war auf der Jagd dabei. Niemand überlebte, nur er, weil er schlau genug war, sich rechtzeitig zu verstecken.“

„Bisschen feige, meinst du nicht?“

Pali ging weiter und überquerte die Schattengrenze ins Reich der Feuerdrachen.

„Feige?! Was glaubst du, können Menschen gegen feuerspuckende Monster ausrichten?“, schrie Jo hinter ihm her.

Doch Pali war schon zu weit fort, um Jo zu hören. Er blickte seinem Freund nach. Jo zögerte. Dann gab er sich einen Ruck und folgte ihm. Sein Urgroßvater war kein Feigling gewesen. Er war es auch nicht.

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„Natascha, haben sie alles notiert?“

„Ja, Professor“, schnell überfliege ich meine Aufzeichnungen, „alles vollständig.“

Professor Matika nimmt die dünne Goldrandbrille ab und reibt sich die Augen. Es ist weit nach Mitternacht und wir sitzen schon seit den frühen Morgenstunden an einer Übersetzung eines antiken Tagebuches. Der Professor fand es in einer halbzerfallenen Truhe in einem Kellerarchiv. Warum er dort suchte, erzählte er mich nicht, aber als Assistentin gehört es nicht zu meinem Kompetenzbereich, diese Dinge zu wissen.

Das Tagebuch gehörte einem Astronom und Mathematiker, Georg Joachim Rheticus. Er war ein Schüler des Kopernikus und an der Verbreitung der Idee des kopernikanischen Weltsystems beteiligt. Zu seinen Lebzeiten revolutionär.

„Haben sie gefunden, was sie gesucht haben, Professor?“

Er schaut auf und lächelt.

„Ich denke schon. In den mathematischen Formeln sind die Ansätze des Experiments enthalten. Ich bin sicher, es existieren weitere Aufzeichnungen. Wenn wir sie ausfindig machen können, dann“, Professor Matika bricht ab.

Sein Blick wandert zu einem imaginären Punkt an der gegenüberliegenden Wand. Ich fixiere ihn mit einem fragenden Blick und räuspere mich. Als könnte ihn das zum Weiterreden bewegen. Zu spät. Wenn der Professor in seine Betrachtungen versinkt, kann eine Bombe einschlagen, er würde es nicht bemerken. Für die nächsten zwei, drei Stunden ist er nicht ansprechbar.

Ich klappe meine Notizen zu und erhebe mich.

„Ich bin gleich wieder zurück, Professor.“

Er erwidert nichts. Ich gehe hinaus, schließe leise die Tür. Es wird Zeit die Suche nach weiteren Aufzeichnungen voranzutreiben. Der Professor fühlt sich der Wissenschaft verpflichtet, das Geheimnis um das Rheticus-Experiment zu lüften. Meine Absichten sind handfesterer Natur. Sollte die Formel funktionieren, werde ich so unvorstellbar reich sein, dass Krösus nur ein armer Wicht gewesen ist.

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„Ich habe einfach kein Glück. Ich habe Unglück und das abonniert.“
Soll ich so die Geschichte beginnen? Ist das ein erster Satz, der den Leser in die Story hinein saugt und von der er nicht mehr loskommt? Verdammt! Warum haben mir Hemingway, Fitzgerald, Kästner und wie sie alle heißen, die ganzen guten ersten Sätze vor der Nase weggeschnappt? Nun sitze ich hier, im 21. Jahrhundert und zermartere mir das Hirn nach dem ultimativen ersten Satz, den der Lektor des Verlages XY liest und bum bang! Ich habe den Vertrag!
Aber ich habe einfach kein Glück. So oft ich eine Geschichte anfange, stolpere ich über ihn. Diesen ersten Satz. Meine persönliche Nemesis. Vor mir das weiße Blatt Papier und oben, ganz oben am Rand der Satz. Sobald ich den Punkt setzte, bin ich wie paralysiert. Mein Blick klebt an den Buchstaben, wie Sirup. Ist er das? Der Satz der Sätze? Kann es wahr sein, dass diese paar Worte, jedes für sich allein schlicht und einfach, aber in ihrer Gesamtheit, den Satz bildeten, der mich reich und berühmt macht?!
Ich habe das Unglück abonniert, wie soll also des Glückes goldener Strahl mich treffen und mir diesen unvergleichlichen Satz eingeben? Man schreibt einen guten Text, in dem man die schlechten oder überflüssigen Worte weglässt, erzählt der Dichter. Doch in unserer Zeit, in der ein moderner Mensch weder an Wunder noch an Musen glaubt, wer soll ihm denn den Satz des Ruhmes eingeben? So schreibe ich, Tag für Tag, Jahr für Jahr, schreibe ich. Tausende und Abertausend erste Sätze. Ganze Bücher könnte ich mit ihnen füllen, doch wozu – sie führen zu nichts. Sind sie doch immer nur ein Funke, der aufflammt und verglüht. Wortmeteore am Himmel meiner Gedanken, nur geschaffen für den Augenblick. Denn ich habe kein Glück.

Der Text entstand aus einem Satz, den eine meiner Mitschreiberinnen schrieb. In unserer Schreibrunde suchte jede Schreiberin einen Satz aus ihrem Text, der ihr besonders gefiel. Diese wurden dann auf Zettel geschrieben und verlost. Ich zog den dick gedruckten Satz am Anfang des Textes. 🙂

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„Jemand hat mir mal gesagt, die Zeit würde uns wie ein Raubtier ein Leben lang verfolgen. Ich möchte viel lieber glauben, dass die Zeit unser Gefährte ist, der uns auf unserer Reise begleitet und uns daran erinnert, jeden Moment zu genießen, denn er wird nicht wiederkommen. Was wir hinterlassen ist nicht so wichtig wie die Art, wie wir gelebt haben. Denn letztlich […] sind wir alle nur sterblich.“     Jean-Luc Picard

Das ich meine Texte mit Zitaten beginne, oder sie dadurch inspiriert sind, ist nicht so ungewöhnlich. Es schadet schließlich nicht einen „Aufhänger“ zu haben, an den man die ersten Sätze anknüpfen kann, besonders wenn man über ein bestimmtes Thema schreiben will, zu dem einem im Moment die Worte fehlen. Aber wie schreibt man über den Tod? Womit fängt man an, sich die Traurigkeit von der Seele zu schreiben?

Seit einer Woche quälen mich die Gedanken daran. Nicht, weil ich nicht schon über den Tod nachgedacht habe. Im Leben kommt irgendwann der Punkt, an dem jeder Mensch erkennt, dass er verletzbar und endlich ist.  Sondern weil ein Mensch, mein älterer Bruder, der mich mein Leben lang begleitet hat, so schwer erkrankt ist, dass es keine Heilung gibt. Krebs. Ich befürchtete, dass es so sein würde, aber bis vor Kurzem gab es Hoffnung. Jetzt haben die Ärzte die Therapie eingestellt, da eine weitere Chemotherapie ihn nur noch mehr schwächen  und den Tod schneller herbeiführen würde. Er bekommt Morphium gegen die Schmerzen, darf kein Auto mehr fahren, hat keinen Appetit mehr usw. Er weiß, dass es nur noch Hoffnung auf einige Tage mehr gibt, aber das Ende ist unausweichlich.

Wir werden alle sterben. Früher oder später. Benjamin Franklin sagte: „In dieser Welt gibt es nichts Sicheres, als den Tod und die Steuern.“  Ich habe keine Angst vor dem Tod, aber ich gebe zu, ich habe Angst vor dem Sterben. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich gerne einschlafen und nicht mehr aufwachen. Aber das wäre wohl zu einfach gedacht. Meine Oma ist auch eingeschlafen, am Ende eines langen erfüllten Lebens, aber sie hatte davor lange Zeit Schmerzen. Erst im Krankenhaus wurde sie davon erlöst. Der Gedanke, dass mein Bruder Schmerzen erleben muss, dass er seine Habe aufteilt, einen Nachfolger für sein Büro sucht, im Wissen bald nicht mehr dazu sein, tut mir Leid. Sehr, sehr leid. In meiner Vorstellung ist dieser Zustand unerträglich. Was würde ich meinen Kindern noch sagen wollen? Meinem Mann? Vielleicht hat es den Vorteil, dass man sich verabschieden kann, oder Frieden machen, wenn es einen Grund dazu gibt.

Was würde ich tun, wenn ich nur noch wenige Wochen zu leben hätte?

Ich habe lange darüber nachgedacht. Eigentlich ist es gar nicht so viel. Mein Leben ist voll und reich. Ich habe viel gearbeitet. Vier tolle Kinder bekommen und groß gezogen, ich habe gemalt, geschrieben, gebastelt, genäht, gestrickt, gelesen, schöne Filme angesehen, Gespräche mit guten Freunden geführt, habe die Natur genossen, Sternschnuppen gesehen, habe einen Führerschein gemacht, bin in Spanien, Niederlande, England, Slowenien, Österreich, Italien, und an vielen hübschen Orten gewesen und habe interessante Menschen kennengelernt. Ich habe einen treuen Hund gehabt und jetzt eine süße Katze. Dazu habe ich das Glück mit einem lieben Mann verheiratet zu sein.

Wir Menschen haben oft den Drang mehr zu wollen. Mehr von den guten Dingen und warum auch nicht, solange es nicht nur die Sucht ist dadurch eine Leere zu füllen, sondern uns zufrieden macht. Hetzen und jagen nach Materiellem und Vergnügungen werden uns am Ende leer hinterlassen. Es ist so vergänglich wie das Leben selbst. Viel wichtiger ist es gute Freunde und einen liebevollen Partner zu haben, eine Familie, die zusammenhält, egal wie dick es manchmal kommt.

„Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.“  Berthold Brecht

„Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen.“  Albert Schweitzer

Ich wünsche mir, dass ich am Ende diese Spuren hinterlasse. Denn wer weiß, das „Schicksal“ oder das Leben ereilt einen schneller, als man manchmal erwartet. Ich weiß es, weil ich auch schon einmal in so einer Situation war. Dem Tode näher als dem Leben. Mein Bruder hat in meinem Leben Spuren hinterlassen. Er hat ein hörendes Ohr, ist großzügig, humorvoll, unterhaltsam, engagiert in seinem Beruf, sagt seine ehrliche Meinung, ein sorgender Vater, wissensdurstig, hilfsbereit. Nur einige Dinge, die mir spontan einfallen. Leider hat er in dem Jahr seiner Krankheit mit vielen Problemen zu kämpfen, die schon schwer zu händeln sind wenn man gesund ist, aber noch mehr wenn man krank ist. Das hat natürlich nicht zu seiner Erholung beigetragen. Wie kann man sich erholen, wenn einen private und berufliche Probleme plagen, die Existenz auf dem Spiel steht und man, erschöpft vom Krebs, nicht dazu in der Lage ist, sein tägliches Pensum zu schaffen?

Wenn ich nur noch wenig Zeit hätte, würde ich genau das tun, was ich auch jetzt tue. Schreiben, Zeit mit meiner Familie verbringen, Gespräche mit meinen Freunden führen, Musik hören, im Cafe sitzen und das Leben um mich her betrachten, aber das würde ich natürlich in geballter Ladung tun und nicht peu a peu. Der einzige größere Wunsch wäre es ans Meer zu fahren, mit meiner Familie. Ein Haus in Zeeland, hinter dem Deich, jeden Tag am Strand spazieren gehen, den Wellen und den Wolken zusehen, die Möwen auf dem Wind segeln und den Schiffen hinterher schauen, bis sie am Horizont verschwinden. Zusammensitzen, Kaffeetrinken, reden und Spaß haben. Fotos machen.

Mein Bruder möchte gerne mit seinen Kindern noch einmal Schlittenfahren. Ich wünsche ihm von ganzem Herzen, dass sein Wunsch in Erfüllung geht!!! Ich wünsche ihm, dass er sein Leben als reich und erfüllend empfindet. Dass er sehen kann, dass er nicht vergessen wird, dass er anderen Menschen, besonders seiner Familie, viel bedeutet.

Ich erinnere mich an unsere Rommespiele. Meinen Bruder zu besiegen war  ein besonderer Sieg, weil er fast immer gewonnen hat.  Kartenglück und Risikobereitschaft. Als Kind hat er mir geholfen von unserem Apfelbaum herunter zu kommen, wenn ich mal wieder in totaler Selbstüberschätzung hinauf geklettert war. Als wir älter wurden, haben wir über Gott und die Welt geredet, wenn es Probleme gab hat er sich Zeit genommen, zuzuhören und auch praktisch Hilfe geleistet, wenn es nötig war. Das Leben und die Pflichten lassen manchmal nicht soviel Raum für geschwisterliche Treffen, aber wohin wir auch gehen, letztendlich gehören wir zusammen. Und ich denke, dass ich nicht nur für mich, sondern auch für meinen jüngeren Bruder spreche. Solange wir leben und unsere Kinder, solange werden wir nicht vergessen sein.

Solange wir leben sollten wir leben. Das auskosten was uns gegeben ist.

„Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern dass man nie beginnen wird, zu leben.“  Marc Aurelius

Je intensiver wir leben, umso weniger schreckt uns der Tod, weil wir unsere Zeit genutzt haben, ohne uns fragen zu müssen, ob wir alles getan haben, was wir uns erträumten. Ich weiß: wenn es doch so einfach wäre – ist es nicht!   Aber es ist ein Anfang. Und wenn es nur ein paar Worte von Dichtern und Denkern sind, die zum Nachdenken anregen, dann ist der erste Schritt gegangen, die Sprachlosigkeit zu durchbrechen, die Gedanken irgendwo aufzuhängen und das Leben zu leben.

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