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Posts Tagged ‘Recht’

Ich habe gerade ein Buch von Jane Austen gelesen. Im Nachwort steht:

„Die Helden dieses Romans leben parasitär – von einem Vermögen, das sie nicht selbst erarbeitet haben. Ihr sozialer Status als Grund – und Kapitalbesitzer bedingt und verursacht Isolation. Das Leben, das sie führen, zeigt ihre Bedeutungslosigkeit. Ihr gesellschaftlich steriles Dasein mündet folgerichtig in innerer Leere und Verschrobenheit, fragwürdige Ersatzinteressen und starre Förmlichkeit, eitle Selbstbespiegelung und bornierte Standesdünkel. Der heutige Leser mag sie komisch finden und ihre Kuriosität belächeln, weil sie im als seltene Exemplare einer Gattung erscheinen, die unwiderruflich der Vergangenheit angehört.

Ich wünschte, ich könnte dies auch so sehen. Wie man annehmen kann, tu ich es nicht. Wir leben angeblich in einer aufgeklärten, zivilisierten Zeit. Und trotzdem suche ich sie vergebens, diese Zeit.

Vielleicht sollte ich die Medien nicht als Untermauerung meiner Ansicht hinzuziehen, aber ich tue es doch. Ich will nicht so weit gehen zu sagen, wir sind, was wir sehen. Immerhin gibt’s auch das ein oder andere Trashformat, über das ich mich amüsieren kann. Trotzdem wundert es mich immer wieder, wie viele absurde Geschmacklosigkeiten, völlig hirnlose Kommentare/Meinungen/ Ansichten den Weg in unsere Wohnzimmer und möglicherweise in unsere Köpfe finden. Und besonders dann, wenn es um Kommentare Prominenter geht, die als Vorbilder oder Meinungsbilder dienen oder sich dafürhalten. Dazu gehört alles, vom Z-Promi aus dem Dschungel bis zum A-Promi im Bundestag.

Es gibt Leute, die kaufen sich Fürstentitel und glauben, sie wären der Nabel der Welt. Andere denken, weil sie ein dickes Bankkonto haben und Bohlen heißen, dass sie harmlosen Kindern, die durch das Versprechen der nächste Superstar zu werden, jede Gemeinheit an den Kopf werfen dürfen, um Quote zu machen. Sendungen, in denen jeder Dummkopf seine ungefilterte Meinung sagen darf, in der es keine Diskussion zum Austausch gibt, sondern einfach nur ungehemmte Streitszenen, in der die Teilnehmer der Ansicht sind, wer lauter schreit hat Recht. War das nicht eher andersherum: wer schreit hat Unrecht?

Andere Dagobert Duck`s meinen, ihr Geld erhebe sie über den „ordinären“ Bürger, deswegen müssen sie keine Steuern zahlen, können auf der Autobahn rasen wie bekloppt, sich so schlecht benehmen, wie es ihrer Laune gerade entspricht, betrügen (siehe Dotorarbeiten) und noch Schlimmeres, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Arbeitgeber, die ihre Arbeitnehmer immer wieder gekonnt über den Tisch ziehen, obwohl das Gesetz eigentlich auf der Seite der Arbeitnehmer ist. Und Anwälte, die einen Geringfügigbeschäftigten scheinbar ebenso wenig ernst nehmen, wie der Arbeitgeber, der ihn schamlos ausnutzt (da kommt einem das Wort parasitär wieder in den Sinn). Lohnt sich der Kampf, wenn es statt um Millionen nur um Tausend oder Hundert Euro geht? Wie ist es möglich, dass Menschen in Deutschland hart arbeiten und sich ihr bisschen Leben nicht leisten können? Was erhebt das Recht des einen, in so absurdem Maß über das des anderen? Geld?! Geld regiert die Welt, keine neue Weisheit, aber leider regiert es auch das Recht. Hast du Geld, dann hältst du länger durch.

Warum trägt Justitia eine Augenbinde? Angeblich, damit sie unbeeinflusst entscheiden kann. Ich glaube, weil sie keine Lust darauf hat, zu sehen, was in ihrem Namen für Schindluder mit dem Volk getrieben wird. Alles ist nur eine Frage der Auslegung. Ob es das Rechtsempfinden der Allgemeinheit stört, ist nicht das Entscheidende, sondern ob man der rhetorisch Geschicktere ist.

Die Zeiten haben sich geändert. Die Menschen nicht. Im Gegenteil. Konnte man sich früher auf einen Handschlag verlassen, gilt heute kaum ein Vertrag als sicher. Irgendwo gibt es ein Schlupfloch und hast du Geld, kein Problem, wir finden für alles eine Lösung. Hast du keins, mach dir bloß keine Hoffnung. Irgendwann haben sie dich zermürbt. Während du nachts nicht schlafen kannst, weil du dich fragst, woher das Geld für den nächsten Einkauf kommen soll, sitzen sie in ihrer Villa, bestellen Kaviar und warten gelangweilt, bis du aufgibst. Haste was, biste was.

Geld verdirbt den Charakter. So extrem ist es sicher nicht, aber es sieht so aus, als hätte es die unglückliche Neigung dies zu unterstützen oder zu beschleunigen. Menschen die Geld und der damit verbundenen Stellung eine übertriebene Bedeutung beimessen, verlieren die Bodenhaftung. Empathie, Mitleid und Rücksicht büßen ihren Wert als Tugenden ein. Von diesem Standpunkt aus gesehen könnte ich beinahe dankbar dafür sein, nur so über die Runden zu kommen. Immerhin bin ich dadurch dem Leid anderer gegenüber nicht abgestumpft. Andererseits würde es mich ruhiger schlafen lassen, wenn ich mehr von dem „Laissez – fair“ der Reichen hätte, weil ich mich in der Ruhe sonnen könnte, dass meine Interessen mit Feuereifer wahrgenommen und ich nicht als notwendiges Übel angesehen werde.

Obwohl meine Grundeinstellung optimistisch ist, fürchte ich, dass ich nie reich genug, noch jemals so viel „Laissez -fair“ haben werde, damit sich jemand mit Feuereifer für mich in die Bresche stürzt. Gefallen tut mir dies nicht. Im Gegenteil. Es macht mich sehr wütend, dass ich das Risiko trage und nicht ernst genommen werde. Genauso, wie meine Leidensgenossen. Ich weiß, dass mir mein Zorn mehr schadet, als denen, denen er gilt. Doch ich kann es im Moment nicht ändern. Das Einzige, das mich zurzeit aufrecht hält und mir hilft den letzten Rest von Würde zu wahren, sind Freunde, die mir Gutes wünschen und auf meiner Seite stehen.

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Wahnsinn, Schwachsinn, Gemeinheit mit Methode, völlige Realitätsferne oder einfach nur menschenverachtend? Wie ist es in unserem Rechtsstaat möglich, dass Arbeitnehmer so arrogant und geringschätzig behandelt werden? Finanziell und emotional. Tariflohn, bezahlter Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sind für viele Minijobber oft eine Wunschvorstellung. Es steht ihnen zwar zu, aber von bekommen kann keine Rede sein. Arbeitest du für eine Firma, die dir diesen Luxus zugesteht? Glückwunsch. Freu dich!

Wenn nicht, dann kann ich mir vorstellen, was in dir vorgeht: Du brauchst den Job unbedingt! Hast Kinder, Rechnungen zu bezahlen, musst ab und an was essen und brauchst eine neue Hose. Du weißt vielleicht, dass dir die obengenannten Dinge zustehen, aber du traust dich nicht es zu fordern, weil du deinen Job dann ganz schnell los bist. Es warten genug neue Leute auf deinen Job. Raus katapultiert man sich schneller, als man denkt.

Warum darf das sein? Warum dürfen Menschen anderen Menschen solche Angst einjagen, sie so unter psychischen Druck setzen?

Warum dürfen Menschen anderen Menschen das Gefühl geben, sie wären nicht genauso viel wert, wie sie, nur weil sie vielleicht nicht dieselbe Bildung oder dieselbe Gehaltsklasse haben?

Ich versteh es nicht und will es auch nicht! Eine dicke Geldbörse oder ein akademischer Grad können Herzensbildung und ein freundliches Wesen nicht ersetzen.

Zugegeben, ich bin ein harmoniebedürftiger Mensch. Wenn es nach der darwinschen Theorie geht, würde ich zu den Ersten gehören, die von den Starken gefressen wird. Manchmal wundert es mich selbst, dass ich noch ganz bin. Allerdings hat es bis jetzt funktioniert, obwohl ich mich bemühe ein netter Mensch zu sein.

„Nie entmutigt sein. Das Geheimnis meines Erfolgs.“ Von Ernest Hemingway. Das Zitat gefällt mir sehr. Denn egal wie dick es manchmal kam, ich bin immer wieder aufgestanden. Ich möchte keinen Ärger und ich hasse Streit. Ich will in Ruhe leben, aber irgendwann ist die Schmerzgrenze überschritten.

Wenn jemand meint, ich wäre dumm und mich so behandelt als wäre ich geistig zurückgeblieben, dann hat er sich geschnitten. Ich weiß nicht alles (zum Glück, sonst würde mir ja die Rübe platzen) aber ich weiß, wo man sich erkundigen muss. Außerdem darf ich eine tolle Familie und gute Freunde mein Eigen nennen. Ich danke dem Leben für das, was es mir geschenkt hat, aber ich bin auch bereit dafür zu kämpfen. Es kann gut ausgehen oder nicht, aber ich will in den Spiegel schauen können und das Gefühl haben, dass ich mir von niemandem Angst machen lasse, egal wie groß der Druck ist.

Es könnte viel mehr erreicht werden, wenn die geschundenen Leute zusammenhalten würden, aber dass scheint ein echtes Problem zu sein. Es wird geschimpft und sich empört, aber wenn es darauf ankommt, dann bist du allein. Wie ging der alte Kinderreim: „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ – „Niemand!“ – „Und wenn er kommt?“ – „Dann laufen wir!“

Besser sollte es heißen: „Und wenn er kommt, dann halten wir zusammen und stehen für uns ein.“ Wenn wir nicht einmal für uns einstehen können, wie wollen wir für andere einstehen? Wir sollten uns öfter vor Augen führen, dass der schwarze Mann auch nur ein Mensch ist. Er mag denken, er kommt mit seinen Anmaßungen durch, aber erstens gibt es ein Gesetzt und zweitens gibt es eine Art Karma. Der schwarze Mann entkommt dem Leben nicht. Wenn er denkt, er könnte ungestraft alles tun, was er will, dann kann ich nur sagen: alles was du tust fällt auf dich zurück. So oder so.

Meine Schmerzgrenze ist oft zu hoch, aber ich hasse Ungerechtigkeit. Besonders wenn es um kollektive Ungerechtigkeit geht. Für mich kann ich einiges aushalten, aber wenn es um meine Familie oder meine Freunde geht, dann kenne ich kein Pardon. Ich gehöre nicht zu den Mutigsten. Trotzdem bin ich bereit all meinen Mut zusammenzuraffen. Und sollte mir auch das Herz aus dem Leib springen, steh ich für mich und das ein, was mir wichtig ist.

Ich werde niemals vom Rand des Himmels springen oder mich von Klippen in tosendes Wasser stürzen. Aber jeder der denkt, dass er mich leicht einschüchtern kann, sollte sich nicht täuschen lassen. In meinem Inneren schlägt ein kleines Löwenherz und wenn es nötig sein sollte, bin ich breit zu verteidigen was Recht ist.

Vielleicht ist es wahnsinniger Schwachsinn, aber vielleicht ist es auch wahnsinnig mutig. Mit jeder Überwindung meiner Angst werde ich stärker und das ist doch das wirklich Ermutigende an dieser Sache.

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