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Szene aus der Kindheit von Rowenna (Tag 87/88)

Rowenna und Laurence sitzen auf der niedrigen Natursteinmauer, die das Haus von Laurence Großeltern von der Straße trennt. Zu ihren Füßen liegt ein Bernersennenhund und blinzelt ab und zu in die Sonne. Zwischen den beiden Kindern steht eine Papiertüte mit Kirschen. Rowenna spukt einen abgenagten Kirschkern auf die Straße. Er klackt einmal auf und springt auf den Rasenstreifen auf der anderen Seite.

„Einmal über die Straße!“, ruft sie triumphierend, „das musst du mir erst mal nachmachen.“

„Das gilt nicht. Der Kern ist einmal aufgeditscht!“, widerspricht Laurence.

Er schürzt die Lippen, ruckt mit dem Kopf zurück, dann vor und spukt. Der Kern landet wenige Zentimeter vor dem Randstreifen der gegenüberliegenden Seite.

„Das musst du mir nachmachen!“

Laurence sieht Rowenna mit einem siegessicheren Grinsen an. Sie spukt den nächsten Stein. In einem hohen Bogen fliegt er diesmal direkt auf den Randstreifen.

„Bitte! Ich kann es!“

Laurence will etwas erwidern, als ein Stein durch die Luft saust und ihn an der Schulter trifft.

„Hey, wer war das?!“

Laurence reibt sich die schmerzende Stelle und rutscht von der Mauer. Suchend sieht er sich um. Ein weiterer Stein trifft den schlafenden Hund. Er springt auf und jault.

„Da!“, schreit Rowenna, „in der Hecke!“

Noch ehe Laurence den Attentäter entdeckt hat, ist Rowenna über die Straße gerannt und kriecht durch die Hecke.

„Andy, du blöder Mistkerl“, hört Laurence sie auf der anderen Seite der Hecke schreien. „Feigling!“

Er kriecht ebenfalls hindurch und sieht gerade noch, wie Rowenna dem Rowdy der Klasse mit voller Wucht die Faust auf die Nase schlägt. Sofort quillt Blut heraus und Andy heult auf.

„Du dumme Kuh!“, Andy hält sich die Hände vor die Nase, „das sage ich meinem Vater!“

„Mach doch! Dann kannst du ihm gleich sagen, dass du uns aus dem Hinterhalt angegriffen hast. Bin gespannt was er dazu sagt!“

Die letzten Worte hört Andy schon nicht mehr, so schnell hat er das Weite gesucht. Rowenna lacht und grinst Laurence an.

„Dem hab ich es gegeben! Ein hilfloses Tier mit Steinen zu bewerfen, was für ein Blödmann. Soll sein Vater nur kommen.“

„Darauf kannst du wetten. Das lässt der sich nicht entgehen.“ Auf Laurence kindlich glatter Stirn erschienen ein paar zarte Denkerfalten. „Erinnerst du dich an den Krach den er bei uns geschlagen hat, als mein Bruder und Andy sich geprügelt haben?“

Rowenna lachte.

„Und wie ich mich erinnere! Das war Dorfgespräch.“

Die beiden Kinder kriechen durch die Hecke, zurück auf die Straßenseite. Rowenna kniet sich vor den Hund und krault ihn hinter den Ohren.

„Du lieber Artur, alles gut? Das macht der so schnell nicht wieder. Ich pass auf dich auf“, sie blickt zu Laurence hoch, „und auf dich auch.“

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