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Posts Tagged ‘Rad’

„Wenn die Wellen über mir zusammenschlagen,

dann tauche ich hinab,

um nach Perlen zu fischen.“

      Mascha Kaleko

Es gab Zeiten in denen ich, wenn die Wellen über mir zusammenschlugen, anfing zu strampeln, um mich zu schlagen und Wasser zu schlucken, bis ich keine Luft mehr bekam. Ich bin mit fliegenden Segeln untergegangen. Nicht nur einmal – unzählige Male. Inzwischen hat sich etwas geändert. Ich musste lernen, dass es Dinge gibt – das große Unbekannte – das ich weder beeinflussen noch vorausberechnen kann.

Natürlich kannst du das nicht, höre ich den Tadel, wie kommst du auf so einen dummen Gedanken? Wenn ich das wüsste, hätte ich von Anfang an einen Riegel vor diesen Gedanken geschoben – so hab ich das Leben auf die harte Tour gelernt. Strampeln, paddeln, untergehen, Wasser schlucken.

Die Wellen schlagen immer noch über mir zusammen. Wie sollte es auch anders sein. Ich habe ein Herz, ich fühle, liebe, ich mache Fehler, bin ungeduldig, ich bin keine Insel. Aber heute bin ich halbwegs darauf vorbereit. Mir ist klar, ich kann untergehen und es wird passieren. Immer noch. Aber ich weiß inzwischen sicher, dass man einen Sturm übersteht, selbst einen mit zehn Meter hohen Wellen. Ich lebe schließlich noch! Die Kunst ist: die Luft anzuhalten, sich auf den Meeresgrund sinken zu lassen und nach Perlen ausschau zu halten, aus denen Schönes entstehen kann.

Ein Schriftsteller, Maler, Musiker schöpft aus dem Erlebten. Aus der Trauer, dem Glück, der Liebe, dem Tod, der hellen und der dunklen Seite. Das Leben gibt die Impulse für die Kunst. Es nützt nichts sich zu wehren. Niemand wird vom Leben verschont. Ich muss weitergehen, das Rad dreht sich, bis mir irgendwann das Herz stehen bleibt. Solange fische ich weiter nach Perlen.

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Rad, schwarzer Rand, Draht, Kiste, schmal

„Dieses blöde Rad“, ich trat gegen den Rahmen, „ausgerechnet jetzt streikt diese blöde Kiste! Ich muss zum Vorstellungsgespräch.“

Mein Rock hing an einem losen Draht fest.

„Auch das noch! Hoffentlich macht das Ding kein Loch in den dünnen Stoff.“

Vorsichtig löste ich die beiden Komponenten von einander.

„Noch heil“, seufzte ich erleichtet, um gleich darauf in einen neuen Schrecken zu verfallen. Der weiße Stoff hatte einen schwarzen Rand. „Bestimmt vom Reifen. Ich muss dagegen gekommen sein.“

Ein Blick auf mein Smartphone sagte mir, dass ich keine Zeit hatte noch einmal nach Hause zu fahren und mich umzuziehen.

„Wenn ich noch weiter hier rumstehe, kann ich das Gespräch gleich sausen lassen“, murmelte ich.

Ich schloss das Rad an den Laternenmast, rannte die Straße hinunter. In letzter Sekunde erreichte ich den 23er Bus und schob mich durch die Falttür.

 

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„Das ist ja ein Klischee (Synonym: Schablone) – Professorenfrau, jung, hat ihren „Job“ aufgegeben, fährt Cabrio und spielt Tennis!“ (So der Kommentar in einer Schreibgruppe zu einer Plotvorstellung.)
Und? Ich mag Klischees, englische Krimis auch. Warum ich sie mag? Weil man Klischees brechen kann und mit ihnen spielen – das ist der Trick! Bau eine Figur, die nach Klischee aussieht und mach etwas Besonderes draus. Spiel ein Spiel. Nutze deine Kreativität und gib dem Klischee eine besondere Note 🙂 .

Und ehrlich, wenn man sich auf der Straße umschaut, was für Klischees!Ich spar mir die Einzelheiten. Vielleicht mag ich Klischees, weil ich selbst wie eins aussehe und oft so eingeschätzt werde. Es breitet mir eine diebische Freude die Vorurteile über mich auszuhebeln. Schnell und effizient denken zu können, obwohl ich blond bin. Gut und schnell Autofahren zu können, auch wenn ich eine Frau bin. Schriftstellerin zu sein, obwohl ich keine Intellektuelle bin. Mutter von vier Kindern zu sein und nicht danach auszusehen. Erotische Geschichten zu schreiben und wie das brave Mädchen von neben an zu wirken. Auf Geld keinen übersteigerten Wert zu legen, obwohl ich aus „gutem“ Haus komme. Eins ist klar, wir können das Rad (in der Literatur) nicht neu erfinden, wir können es aber hübsch verpacken und es kreativ verwenden.

Vielleicht leben wir in einem Zeitalter der Klischees, durch die Medien und die Gesellschaft suggeriert. Einerseits wollen wir alle Individuen sein, jemand Besonderes (siehe Hollywood und Castingshows), andererseits bewegen wir uns, sobald wir geboren werden, unter genormten Bedingungen. Babys und Kleinkinder werden bei U-Untersuchungen in einem Raster, aus normal entwickelt und nicht in der Norm, eingeteilt.(Das hat sicher eine gewisse Berechtigung, aber als Mutter von vier Kindern weiß ich, dass solche Raster oft nicht stimmen.) In der Schule werden Kinder ziemlich schnell in Leistungs-Schubladen gesteckt und so geht es das ganze Leben munter weiter.

Mich wundern Klischees nicht. Z.B.: Rockstars zerlegen Hotelzimmer, wenn sie es nicht machen, fragt man sich wieso. Hollywoodstars reden bei jeder neuen Beziehung von der großen Liebe und trennen sich nach vier Monaten wieder. It-Girls haben Mini-Hunde. Maler haben Affären mit ihren Modellen, Schriftsteller sind Alkoholiker usw.

Macht euch locker! Klischee ist das, was man daraus macht oder auch nicht.

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