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Posts Tagged ‘Rachen’

Lea hat nie gedacht, dass sie Einsamkeit schmecken kann. Es ist ein bitterer Geschmack, der sich wie ein klebriger Film über ihre Zunge legt, sich in ihren Rachen ergießt, immer dichter ihre Speiseröhre hinab, ihr Übelkeit verursacht, bis er ihre Stimmbänder verstopft und sie verstummen lässt.

Ihr Blick fällt auf die vorbei hastenden Menschen, die, ohne sich je wirklich zu berühren, umeinander kreisten. Vielleicht für einen kurzen Moment. Ein leidenschaftlicher Zusammenstoß, um danach um so stärker auseinander zu driften.

Wir es jetzt immer so sein? Ihr ganzes Leben lang?

Tausend Gedanken rasen durch ihren Kopf. Lea weiß, dass sie keinen aussprechen wird. Was nützte es? Für einige winzige Augenblicke wird er sich ihr zuwenden, nur damit er sich nach der vermeintlichen Pflichterfüllung noch intensiver um sich selbst drehen kann. So ist es die ganzen Jahre gewesen. Lea nahm es klaglos hin. Sie hatten sich versprochen, den anderen nie zu verbiegen oder ihn umerziehen zu wollen. Sie hielten sich daran und gehörten nun kaum noch zueinander.

Doch heute ist es schlimmer, als sonst. In den letzten Tagen fühlte sie nach langen dumpfen Monaten endlich wieder dieses fantastische Gefühl von Zuwendung und Anerkennung. Nun wächst ihre Sehnsucht danach ständig, wie ein Unkraut, das durch nichts auszurotten ist. Sie klemmt sich mit Widerhaken in ihre Herzwand und ihre Träume und lässt sie nicht mehr in Ruhe.

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Das Musikstück für den folgenden Text ist von Ben Becker – „Ich will du sein“ – aus dem Rilke-Projekt (sehr zu empfehlen! 🙂 )

Er kommt. Groß, dunkel, kraftvoll. Das Licht der Straßenlaterne wirft seinen Schatten.
Soll ich laufen oder bleiben. Ich wende mich ab, will mein Heil in der Flucht suchen.
Er ruft nach mir. Nennt meinen Namen. Saugt ihn in seinen Rachen. Er ist es.
Ich schließe die Augen. Er steht hinter mir. Spüre seinen heißen Atem. Fließt in meinen Nacken, meine Wirbel.
Gänsehaut überstreift, fängt er mich in seinem Netz aus Melodie und Klang. Lauf, lauf, sagt die Stimme der Vernunft.
„Ich will du sein. Ich will aufgehen in dir.“
Seine tiefe samtige Stimme reibt sich gleich einer aufkommenden Brise über meine glühende Haut.
Lauf, lauf, schreit die Stimme der Vernunft.
„Ich will leise Träume träumen.“
Seine Lippen kosten meinen Hals.
Woher kennt er meine Wünsche. Wer verriet ihm meine Sehnsucht? War ich es selbst, die Herz und Seele bloßlegte?
„Ich will am Feuer deiner Augen 1000 leise Opfer anzünden.“
Seine fordernden Hände liegen auf meinen Hüften. Fingerkuppen verlangen ihren Preis.
„Ich will aufgehen in dir.“
Seine weiche, wilde Stimme dringt ohne Mühe in mich ein.
Bis zu meinem Herzen, meinem sehnsuchtskranken Herzen.
Mein gieriges wollüstiges Herz will mehr. Mehr von ihm. Mehr von seiner Stimme. Sie soll mir von Liebe sprechen.
„Ich will aufgehen in dir. Ich will du sein.“
Kann nicht gehen, kann nicht bleiben. Seine Stimme hat sich in meinen Bauch gegraben, mich genommen, jede Zelle besetzt.
Ich will alles. Kann nicht aufhören seinen Worten zu lauschen. Gebe seiner Stimme meinen Willen hin. Ich will ihn in seine Nacht begleiten, ihm gehören unter den einsamsten Sternen.
„Ich will aufgehen in dir. Ich will aufgehen in dir. Aufgehen in dir.“ Ich flehe ihn an.
„Es ist längst geschehen.“
Sein Mund nimmt mich ohne Gnade, ohne Reue. Nur er und ich. Aufgegangen ineinander.

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