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Posts Tagged ‘Postkarte’

Liste der Dinge an meinem Arbeitsplatz:

  1. Bücher aus dem Antiquariat
  2. Bleistift Faber
  3. USB-Stick Sylvester
  4. Kerze
  5. Telefon
  6. Katze
  7. Notizbuch
  8. Tagebuch
  9. Postkarte
  10. Fotoklebeecken

Text:

Fundsache

 

Der Schlüssel klemmt, als ich den Briefkasten öffne. Ich ruckele ihn hin und her. Endlich schieb sich der Riegel auf. Ein Werbeblättchen und eine Postkarte sind die Ausbeute. Na, wenigstens keine Rechung, denke ich und betrachte das iydillische Motiv auf der Postkarte.

Das Hochglanzfoto zeigt eine imposante Burg vor einem See der von Bergen gesäumt wird. Um das Doppelfenster in dem oberen Burgteil wurde ein Kreis gezeichnet. Auf der Rückseite, in der linken oberen Ecke finde ich den Standort des Motivs: Meersburg, Bodensee.

Meersburg

Ein schönes Fleckchen Erde, denke ich und lese die hastig hingeworfenen Zeilen:

„Ich habe es gefunden! Erwarte dich in drei Tagen! Gästehaus Simoni.“

Interessant, aber wer hat die Karte geschickt? Und vor allem, warum mir? Im Geist gehe ich meine wenigen Freunde durch. Keiner von ihnen ist im Urlaub.

Ich erwarte dich in drei Tagen, hat er Absender geschrieben. Das Datum des Poststempels ist von vorgestern. Das würde bedeuten, dass ich mich spätestens morgen auf den Weg machen müsste. Dummer Gedanke, sage ich mir, du willst doch nicht allen Ernstes an den Bodensee fahren, weil dir irgendein ominöser Mensch eine Postkarte schickt? Andererseits, kann ich die Person ohne Gewissensbisse im Stich lassen, die sich offenbar so auf mich verlässt?

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Ich habe diese Idee aus der „Flow“ (Zeitschrift). Sehr spannend. Man meldet sich auf der Seite Postcrossing.com an und schickt dann echte Postkarten an Zufallsadressen der anderen Teilnehmer. Und selbst bekommt man natürlich auch Karten 🙂 . Die ersten zwei meiner Postkarten sind beim Empfänger angekommen 🙂 . Die anderen beiden sind unterwegs nach Russland – das könnte etwas länger dauern. Besonders gespannt bin ich auf die erste Postkarte, die mich erreicht.

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Postkartentext – von einem Schreibpartner

(auf der Karte ist ein Indiansummer-Wald hinter einem See mit Kanu zu sehen)

Hallöchen Schwesterherz,

du kannst dir gar nicht vorstellen, wie schön es hier ist. Kanada ist ein Traum. Zuerst hatte ich echt Schiss, dass es mir hier zu ruhig wird, aber ich kann dir nur eins sagen, damit kann ich leben. Es ist einfach nur himmlisch, nicht jeden Morgen von dem melodischen Gebrüll unserer lieblichen Mutter geweckt zu werden. Sogar die Kreissägen im nahe gelegenen Sägewerk klingen sanfter! J Aber du fehlst mir dafür umso mehr. Ich denke an dich und hab dich lieb.

1000 Drücker, bis bald

Seline

Text von mir:

Seline ließ ihren Stift sinken und dachte an die lauten Straßen Londons. Manchmal vermisste sie das pulsierende Leben, die Pubs und die Clubs, in denen sie bis in die frühen Morgenstunden tanzte. Hier in Carrigan gab es eine Bar, dass Golden Goose, für alles. Tanzvergnügen, Sportwetten, Billard, Steakhaus und Kaffeekränzchen.

Seline seufzte. Was hatte Oma Mary immer gesagt: wenn dir das Leben Zitronen gibt, mach Limonade draus. Und von dieser Warte ausgesehen hätte sie es auch schlechter treffen können. Seline hatte ein eigenes Büro, auf dessen Tür ihr Name stand, eine Sekretärin, wenn man Alissa so bezeichnen konnte.

In ihrer Londoner Kanzlei waren die Sekretärinnen immer top gestylt. Make up, Frisur vom Coiffeur, und das schicke Business Kostüm mit Pumps gehörte zur Grundausstattung. Alissa trug Jeans, Turnschuhe, dazu T-Shirts mit den wildesten Logos und Aufdrucken. Ihre Frisur erinnerte stark an einen Punk-Irokesen. Alissa war im Grunde gegen alles. Rebellion ein Lebensstil und kein Anliegen. Aber was Recherche und Computerkenntnisse betraf, machte ihr niemand etwas vor. Neulich hackte sie sich sogar in den Rechner des CSIS, das war wirklich eine große Nummer.

Seline war immer noch erstaunt darüber, was Alissa in so einem Kaff wie Carrigan verloren hatte. Bei Nachfragen blockte sie sofort ab. Seitdem hegte Seline den Verdacht, dass ihre Sekretärin entweder auf der Flucht vor den Gesetzesvertretern lebte oder in einem Zeugenschutzprogramm steckte.

Selines Handy klingelte. Erschrocken zuckte sie zusammen. – Um Himmelswillen, seit wann gibt es im „Golden Goose“ ein Netz? – Sie erkannte die Nummer und ahnte Schreckliches. – Na klar, niemand hat hier Empfang, aber wenn meine Mutter anruft, dann gibt es kein Funkloch das groß genug ist, um mich darin zu verkriechen. – Seline zögerte. Nachdem das Handy gefühlte zwanzig Mal geklingelt hatte, gab sie auf. Ihre Mutter würde es wieder versuchen, da konnte sie dieses Gespräch auch gleich führen. Seline nahm den Anruf an und wappnete sich innerlich gegen die kommende Tirade.

„Hallo Mama.“

„Ich habe schon sooft auf deine Mailbox gesprochen, wieso rufst du nicht zurück?“

„Dir auch einen schönen Tag, Mutter!“

„Mutter, Mutter! Treuloses Kind. Erst machst du dich bei Nacht und Nebel aus dem Staub und dann meldest du dich nicht mehr.“

Seline verdrehte die Augen. – Nacht und Nebel, na klar!-

„Und verdreh nicht deine Augen.“

Seline sah sich erschrocken um. Sie erwartete direkt in das Gesicht ihrer Mutter zu sehen, aber sie war allein. – Woher weiß sie das? –

„Ich kenne dich, Missy.“

Kam die Antwort postwendend. – Und Gedankenlesen kann sie auch. –

„Mutter, ich bin beinahe dreißig Jahre alt. Ich weiß was ich tue.“

„Aber scheinbar nicht, was du mir antust!“

Die Stimme von Miss Monroe kippte ins Hysterische.

„Was habe ich dir getan, dass du mich so verlassen hast.“

„Zum hundertsten Mal! Ich habe dich nicht verlassen. Ich will endlich auf eigenen Beinen stehen.“

„Das hättest du auch hier in London tun können. Dein Vater hätte dir eine Kanzelei eingerichtet.“

„Aber ich will unabhängig sein, Mutter. Verstehst du?“

„Ich verstehe gar nichts. Willst du uns bestrafen?“

Seline schüttelte den Kopf. – Mutter wird nie verstehen, dass ich nicht ewig die kleine Tochter des großen Strafverteidigers Sir Albert Monroe bleiben will, sondern Seline Monroe, Anwältin. Dass ich dafür bis nach Kanada gehen muss, habe ich zwar nicht gedacht, aber so liegen wenigstens der riesige Atlantik und ein Teil der kanadischen Wildnis zwischen mir und ihnen. –

Plötzlich erklang ein Piepton vom anderen Ende der Leitung. Das Netz war zusammengebrochen. Seline sandte ein Stoßgebet zum Himmel, der große Handynator hatte ein Einsehen und sie von ihrer Mutter erlöst. Vorerst. Vor Alissa verschonte er sie nicht.

„Da sind sie ja. Ich habe sie schon überall gesucht!“

Alissa ließ sich auf die gegenüberliegende Polsterbank fallen. Ihr Iro war heute Morgen gelb-grün und auf ihrem T-Shirt prangte ein riesiges Hanfblatt mit dem Logo „Gebt das Hanf frei“.

Seline überlegte einen Moment, ob sie gegen Alissas Outfit protestieren sollte. Immerhin war sie Anwältin und dem Gesetz verpflichtet. – Andererseits, was macht das schon? Weniger Mandanten werde ich dadurch nicht haben. Als einzige Anwältin im Umkreis von 150 Meilen.-

„Überall gesucht finde ich etwas übertrieben, wenn man bedenkt, dass Carrigan nur zwei Hauptstraßen und vielleicht 15 Nebenstraßen hat“, wendete Seline ein.

„Sie müssen nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Und Carrigan hat 23 Nebenstraßen!“, Alissa sah Seline an, als hätte sie es mit einem zurückgeblieben Kind zutun. „Sie wissen was ich meine. Ich bin auch nur gekommen, weil der Mann am Telefon gesagt hat, es wäre dringend und sie sollen sofort zum Bearscreek – Hotel kommen.“

„Und wer war der Mann am Telefon?“, Selines Geduld war nach dem Gespräch mit ihrer Mutter erschöpft.

„Ich glaube der Bulle.“

Alissa zuckte gleichgültig, mit den Schultern. Sie machte sich nichts aus Polizisten, um nicht zu sagen, sie hatte eine Antipathie ihnen gegenüber.

„Sie glauben es war Sheriff Cole? Es geht um Fakten und Tatsachen. Das ist in meinem Beruf essenziell.“

„Fakten, Fakten, Fakten“, betete Alissa herunter, „wenn sie mich nachts wecken, würde mir das als erstes einfallen. – Was ist jetzt, fahren wir nach Bearscreek raus oder nicht?“

„Wir? Ich denke, sie mögen keine Bullen.“

„Tu ich auch nicht. Aber bei dem Wetter habe ich keine Lust den ganzen Tag in dem muffigen Büro zu hocken, während sie sich einen schönen Tag am See machen.“

„Meinetwegen. Aber ich fahre! In ihr Auto steige ich nie wieder.“

Seline dachte mit Schrecken an die Todesangst, die sie ausgestanden hatte, als sie vor drei Wochen mit Alissa fahren musste, weil ihr Rover zur Inspektion in der Werkstatt war.

„OK. Aber wenn wir nicht bald fahren, sitzt Mister North im Knast.“

Seline verschluckte sich an ihrem letzten Tropfen Kaffee.

„Mister North in den Knast? Was soll das heißen?“

„Der Bulle ist der Ansicht, Mister North hätte seinen Bruder um die Ecke gebracht. Deswegen sollen sie ja hinfahren.“

„Und das sagen sie mir erst jetzt?!“

„Wäre es sonst schneller gegangen?“

Alissa sah Seline mit einem Unschuldsblick an. Seline beschloss sie zu ignorieren. Sie legte das Geld auf den kleinen Teller neben die Rechnung und eilte zur Tür.

„Los, Alissa, schlafen sie nicht ein“, rief sie ihrer Sekretärin über die Schulter zu, „sonst fahre ich ohne sie.“

Alissa war genau der Typ Mensch, den Seline ihrer Mutter gönnte und umgekehrt. – Vielleicht sollte ich die beiden zusammen auf eine einsame Insel schicken. Wer von beiden wohl zuerst einen Nervenzusammenbruch bekäme? – Seline grinste. Der Gedanke verbesserte ihre angeschlagene Laune immerhin soweit, dass sie die Fahrt nach Bearscreek genießen konnte, obwohl sie Alissa im Schlepptau hatte.

Der Anfang dieser Krimistory entstand in einem Schreibkurs. Der Text auf der Postkarte wurde von einer Mitschreiberin geschrieben, was mich zu der folgenden Geschichte inspirierte.

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