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Posts Tagged ‘Pinsel’

„Wir machen Schluss für heute“, rief Dr.Anders.

Ich hörte, wie die anderen Studenten ihre Werkzeuge einpackten und die Höhle verließen. Langsam wurde es still, ihr Gelächter und das Murmeln der Stimmen verebbte. Ich befand mich im hinteren Teil der Höhhle und wusste, dass mich niemand besonders vermissen würde.

Meine Kommilitonen hielten mich für absonderlich und kümmerten sich nicht weiter um meine Anwesenheit. Manchmal bedauerte ich das, aber heute kam es mir sehr entgegen. Ich hatte einen sensationellen Fund gemacht, den ich mit niemandem teilen musste.

Für einen Moment lauschte ich gespannt in die Stille. Außer meinem Atem und meinem Herzschlag gab es keine weiteren Geräusche. Ich zog die Grubenlampe etwas näher an das Fundstück heran, nahm einen kleinen Spachtel und legte sehr   vorsichtig den Kopf des Tieres frei. Dann entfernte ich den Staub mit einem feinen Pinsel.

Mit angehaltenem Atem betrachtete ich den schmalen Kopf.

Sacht strich ich mit den Fingerspitzen über die Nase, die Stirn des Urzeitwesens. Trotz der vielen Jahrunderte, die das Tier in der Erde geruht hatte, fühlte sich die Haut nicht hart an, eher wie weiches Leder. Erstaunlich, dachte ich. Ich kannte das haptische Erleben von den Schlangen meines Bruders. Genauso fühlte sich ihre Haut an. Weich, geschmeidig, elastisch.

Unter der Haut des Reptils fühlte ich die Muskelbewegung des Reptils. Erschrocken zog ich meine Hand weg. Das Lid des Tieres hob sich und ein leuchtend grünes Auge, mit der schmalen Pupille einer Katze, sah mich an.

Ich wollte aufspringen, stolperte und fiel nach hinten. Jäh kam Leben in das Tier. Es stemmte sich aus dem Boden, stieß sich ab und landete auf meinem Bauch. Interessiert betrachtete es mich, schnüffelte an mir. Ich presste die Lippen zusammen und rührte mich nicht. Panik konnte es vertreiben oder aggressiv machen. Beides wäre kontraproduktiv gewesen.

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