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Posts Tagged ‘Philosophen’

Großreinemachen und gute Vorsätze müssen sich nicht ausschließen – können sie aber. Wenn das Reinmachen zu den Vorsätzen gehört, super – wenn nicht – kann auch super sein, muss es aber nicht. Das Großreinemachen gehörte Ende 2015 nicht zu meinen guten Vorsätzen, es schlich sich eher so peu a peu ein.

Drei Tage an der See – Wolken, eisiger Wind, ungestüme Wellen und Einsamkeit.

Eck. Dünen 2

Angenehme Einsamkeit in einer wunderschönen roten Backsteinkirche,

Nicolai Kirche 6

in der es nach Tanne duftete, einem liebvoll eingerichteten Heimatmuseum,

Eckernförde, Museum am Markt 1

das einen Dichter und Philosophen sein eigen nennt, und in gemütlichen Cafes mit aromatischem Kaffee und leckerem Gebäck.

Cafe Heldt innen

Abends saß ich in einem heimeligen Gästezimmer, mit meinem neuen Buch, das ich mir als Reiseandenken gekauft hatte, meinem Laptop, meiner Musik und einem Zeitungsartikel in dem es um: „Neue Visionen deines Lebens“ ging und meinen Gedanken.

Kiel, Unterkunft 7

Seit über zehn Jahre schreibe ich. Es ist ein besonderer Teil meines Lebens. Schreiben macht mich glücklich. Ich schreibe jeden Tag und gerne. Aber es gibt auch andere Sachen, die ich gerne tue und die ich vernachlässigt habe. Eine davon ist Zeit zu haben, ohne Druck im Nacken. Zu lesen und mich in den Stoff zu vertiefen, nähen, häkeln, spazieren gehen, fotografieren, Ideen nachgehen, Notizen machen – einfach mal so – ohne zu wissen wohin es führt.

Natürlich gibt es die Idee zu einem neuen Roman. Notizen, einige Skizzen, Personen, den Ort. Und doch – es ist das erste Mal, seit langem, dass ich es nicht eilig habe. Angenehm. Aufatmen. Es wird geschrieben, wenn es so sein soll. Keine Eile, nichts überstürzen. Leben. Leben um zu schreiben. Es wird Zeit die Dinge anders anzugehen.

Konstantin Paustowski schrieb: „Die Fähigkeit, das Leben als etwas ständig Neues zu empfinden, ist jener fruchtbare Boden, auf dem die Kunst erblüht und reift.“

Ich will nicht schreiben müssen. Ich möchte schreiben wollen. Das kommt wieder. Ich kenne die Phasen. Doch diese Phase ist frei gewählt. Ich will mich ausklinken, will sehen, hören, fühlen, schmecken, riechen. Ich will mich nicht quälen, um meine Fähigkeiten als Schriftstellerin unter Beweis zu stellen oder mich abwatschen zu lassen. Ich die meiste Zeit meines Lebens in der Pflicht und gerade jetzt ist es an der Zeit nicht in der Pflicht zu sein oder nur, wenn ich es für richtig halte.

Wenn es Zeit ist, möchte ich schreiben wollen. Bis dahin will ich leben, mich mit dem Strom dahin gleiten lassen und einfach ich sein.

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Ins Meer hinein, ins Meer,
in seine schwerelose Tiefe,
wo die Träume sich erfüllen,
und Zwei in einem Willen sich vereinen,
um zu stillen eine große Sehnsucht.

Ramón Sampedro

Das Meer ein Ort der Sehnsucht. Licht, Himmel, Wolken, die Ströme der Gezeiten. Es zieht uns unaufhaltsam an. Das Meer, das letzte Mysterium unseres Planeten, in dem Tiefen existieren, die unerforscht und für uns nicht zu erfassen sind.

Dort spüren wir die Unendlichkeit auf eine beinahe stoffliche Weise. Anders als bei einem Blick auf den nächtlichen Himmel, der uns Ehrfurcht abverlangt, liegt das Meer mit seinen Schätzen, Schönheiten und Gefahren direkt vor unseren Füßen.

Wir durchleben seine Auswirkungen ungefiltert an Körper und Geist. Den Wind, die Macht der Wellen, die sprühende Gischt auf der Haut, den Sand unter unseren Füßen. Weite, die wir sehen und dennoch nicht erfassen können. Eine tiefe Ruhe steigt in uns auf, selbst unter dem Brausen des Sturms, wissend danach wird alles wieder rein und klar vor uns liegen.

Doch das Meer ist mehr als ein Ort, den wir ersehnen. Es ist die Fülle, die Unendlichkeit in uns. Das Rollen der Wellen an die raue Küste gleicht dem Schlagen der Herzen unserer Mütter, als sie uns in sich trugen. Das Urmeer, das uns geborgen hielt und nährte, bis zum Tag der Geburt. Das Meer, Anfang und Erhalter allen Lebens.

Das Meer in uns besitzt eine Tiefe, die wir nicht ermessen, nicht durchmessen können. Wie das Menschenherz, dessen Wünsche und Obsessionen wir nicht einmal selbst verstehen. Wir blicken in dunkelste Abgründe, werden von hellstem Licht an die Oberfläche zurückgezogen, um erneut dem Rausch der Tiefe zu verfallen.

Das Meer in uns ist eine Sehnsucht so groß und weit, so zeit- und grenzenlos. Sie lässt uns niemals ruhen, treibt uns immer weiter an, auf der Suche nach der Fülle des Lebens. Sehnsucht nach dem Ganzen. Sehnsucht nach einer Liebe, die alle Fragen beantwortet. Sehnsucht nach Freiheit von Hektik und Zwängen. Sein um des Seins willen.

Immer wieder werden wir in den Sturm des Lebens gejagt, kämpfen, bezwingen ihn. Im beständigen Kreislauf der Gezeiten werden wir an den Strand unseres Selbst gespült und in uns zurückgeworfen. Gehen unter. Bis an den Rand des Todes und tauchen wieder auf. Sanft gewogen in den Armen unseres Sehnsuchtsmeeres.

Sehnsucht nach dem Meer. Sehnsucht nach mehr. Mehr Erfahrung, mehr Wissen, mehr Fülle, mehr Gefühl. Sehnsucht nach Unendlichkeit. Nach Unsterblichkeit. Das ist der Antrieb aller Bestrebungen, aller Kunst. Unser Name auf Stein gemeißelt, auf Leinwand gemalt, auf Papier gedruckt.

Wir stehen am Ufer unseres Lebens. Blicken auf den Horizont. Sehen die Sonne rot brennend versinken und fragen uns bange, was wird sein? Gibt es eine Antwort? Vielleicht die der Philosophen, der Religionslehrer – doch am Ende müssen sie die Antwort schuldig bleiben. Wir gehen in unbekannte Gefilde. Wie Ramón Sampedro es ausdrückte: in eine schwerelose Tiefe.

Eine namenlose Sehnsucht, die in uns schwingt, uns hält und uns zu unserem Ausgangspunkt zurückführt, dem Meer in uns.

Seit Beginn der Zeit brandet das Meer an die Gestade der Küsten und so wird es sein, wenn wir längst vergessen sind. Strebt das Meer in uns danach, sich an den Gestaden unseres Geistes zu brechen, werden wir ein Stück Unsterblichkeit erlangen.

Sehnsuchtsmeer
Tief in mir verborgen
Niemand kann es sehen
Niemand wissen
Niemand fühlen
So wie ich

Caroline Susemihl

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