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Posts Tagged ‘Orden’

„Wenn dich jemand nötigt eine Meile mit ihm zu gehen, so gehe mit ihm zwei.“ Dies ist ein Zitat aus der Bibel. (Mat 5:14) So hart möchte ich es nicht ausdrücken. Statt nötigen setze ich bitten ein.

„Wenn dich jemand bittet eine Meile mit ihm zu gehen, so gehe mit ihm zwei.“

Die Einstellung „mehr tun als erbeten“ findet man heute selten. Bitten ist möglich, aber ob sich jemand deines Wunsches annimmt oder gar bereit ist mehr als das Erbetene zu tun ist fraglich.

In der Mehrzahl der Fälle habe ich festgestellt, dass nur die „Aufgabe“ erfüllt wird und keinen Deut mehr. Freiwillig etwas zu tun oder mehr als das Nötige ist so besonders, dass es tatsächlich wert scheint das abzufeiern.

Natürlich gibt es diejenigen, die den Hilfsbereiten ausnutzen und sich auf seinem Rücken ausruhen oder die, die nicht lernen wollen Dinge selbst zu tun. Aber von diesen soll an dieser Stelle nicht die Rede sein und ich bin nicht dafür, dass Faulheit und Dreistigkeit unterstützt werden sollen. Man darf auch „Nein“ sagen.

Doch ist es wirklich so schwierig, die eigene Komfortzone störend, mit offenen Augen durch den Tag zu gehen und anderen einen Gefallen zu tun, wenn sie darum bitten oder wenn man sieht, es braucht nur eine Handreichung, um jemand glücklich zu machen? Und das ohne Augen verdrehen und stöhnen, oder gleich gefeiert werden zu wollen?

Die Hilfsbereiten, Bescheidenen tun das sowieso nicht. Sie fassen mit an und brauchen keine Orden. Allerdings kann man es ihnen nicht verübeln, wenn sie sich ausgenutzt vorkommen und ebenfalls keine zwei Meilen mehr gehen wollen. Die Folge davon, es trifft die Falschen.

Wenn jeder bereit ist (in seinem Maß) zwei Meilen zu gehen und für die geleistete Hilfe dankbar ist (und es auch zeigt), dann wird das Zusammenleben um vieles leichter und angenehmer. Wenn wir Gutes tun, erhalten wir immer etwas zurück.

Freude, die man teilt, verdoppelt sich.

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Die Befreiung

Die jungen Männer hielten inne und lauschten. Durch die kahlen Bäume konnten sie die langen hässlichen Barackenreihen hinter einer vier Meter hohen Reuse aus Stacheldraht sehen. Der schier endlos erscheinende Schneesturm hatte nachgelassen und einer dumpfen Stille Platz gemacht.

In ihren dicken weißen Daunenoveralls passten sich die Männer beinahe perfekt der frostigen Umgebung an. Andrej, Victor und Jano warfen sich hinter ein Dornengestrüpp, als Schreie zu ihnen herüber drangen. Schwere Stiefelschritte, im Gleichschritt, heiser gebrüllte Kommandos ließen die Männer ahnen, welch geballte Macht auf der anderen Seite wartete.

Das Ganze war ein Himmelfahrtskommando. Aber der Orden schwor sich bei seiner Gründung keinen Gefährten der schwarzen Garde zu überlassen, egal welchen Preis sie dafür zahlen mussten.

Der Erfolg der Unternehmung lag in der Überraschung und in der Präzision ihres Handelns. Andrej nickte seinen Freunden zu, machte ein Handzeichen und sie setzten sich in Bewegung.

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Das Buch war schwer. Der Rücken und die Ecken in dunkelbraunem Leder abgesetzt mit dünnen goldenen Kanten. Die Buchdeckel aus grauem Leinen. Die Schrift auf dem Rücken war ebenfalls in Gold und zwischen den Worten mit stilisierten Blüten geschmückt. Der Buchschnitt türkisgrau eingefärbt. Die dicken Vorsatzblätter cremefarben mit grauen Blüten geprägt. Die Schrift schien kyrillisch zu sein, aber ich war mir nicht sicher.

Fasziniert blätterte ich durch das Buch. Zwischen den Seiten entdeckte ich einen Zettel. Auf einer Seite handgeschrieben auf der anderen eine Nachricht mit Schreibmaschine. Ich versuchte die Handschrift zu entziffern:

„Goldprägung hinten
Geschichte Russlands
5 Bände(I – XXIX)
Einbände I (1.) “

Ich hatte richtig geraten. Es war kyrillisch.

Die Rückseite, mit Schreibmaschine war viel interessanter. Leider war der Zettel durchgerissen und enthielt nicht den vollständigen Text:

„Kerbl an Schuster 030/211
Sgh Schuster
Leider kann ich hier nicht weg,
wünsche viel Erfolg
aufgebe nachstehend Aufträge.
Mein Sohn Robert Kerbl Student
Bringt Ihnen 1 Polaroid Foto ein
Ölbild zur Berliner Geschichte
Kgl.preuß.Gen.Lt. x 7.4.
Leinwand ohne Spannrahme
Rahmen mit Schild E. Hei
Der Kopf könnte von Lenb
Schw. Adler Orden m.d. Ke
Links breite Ordenschna
Sign. „Elisabeth v. Kros
Denn Krosigh ist dargeste
Begas Kronprinz F.III …“

Wie alt die Notiz wohl war? Polaroids gab es schon eine ganze Weile nicht mehr. Um was für ein mysteriöses Polaroid handelte es sich wohl und was war das für ein Orden, von dem die Rede war? Wenn es das war, was ich vermutete, war dieser Orden ein Vermögen wert.

Ich schob den Zettel wieder zwischen die Seiten des Buches. Sander würde einen Freudentanz aufführen, wenn ich ihm davon erzählte. Dachte ich. Die Ereignisse, die ich mit dem Fund des Zettels auslöste, sollten unsere Freundschaft auf eine harte Probe stellen.

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