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Posts Tagged ‘Ohnmacht’

Mein bester Freund ist ein Geist. Aber niemand darf es wissen. Natürlich nicht. Wenn eine erwachsene Frau erzählen würde, dass sie einen Geist sieht und mit ihm spricht – ihr könnt euch denken, dann ist sie nicht mehr lange in Freiheit. Da kommen die Jungs mit der weißen Jacke und schwups, sitzt man in der Gummizelle, mit einer handvoll rosa Pillen. Das mag ja seinen Reiz haben, aber ich habe lieber einen klaren Kopf.

Wir waren nicht immer Freunde. Jonathan und ich. Im Gegenteil. Unsere erste Begegnung war ein Desaster. Stellen sie sich vor, sie haben nachts um zwei eine Reifenpanne in einer Gegend, in der sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen und werden von einem Geist gefragt, ob er ihnen irgendwie helfen kann.

Zum Glück habe ich ein gesundes Herz, sonst wäre ich nicht nur in Ohnmacht gefallen, sondern hätte einen Infarkt bekommen.

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Mein Herz klopfte wie verrückt. Wie hatte ich mich nur auf so ein Himmelfahrtskommando einlassen können? Bei meinem Glück war ich mal wieder diejenige, die erwischt wurde.

„Los komm! Das Grab ist da drüben.“

Marco wedelte mit der Taschenlampe herum.

„Hey, halt mal still, wie soll man denn da das richtige Grab finden“, raunzte Andy.

„Könnt ihr mal leiser reden!“, ermahnte ich die beiden, „das hallt hier unglaublich. Nachher werden wir noch erwischt.“

„Du mit deinen Unkenrufen“, knurrte Marco, „uns erwischt keiner. Höchstens ein Untoter, der sich hierher verirrt hat.“

Andy lachte laut auf. Es schallte von den Mauern wieder. Ich schüttelte den Kopf. Ich war nicht abergläubig, doch ich kannte mein Glück. Mir fiel der Versuch ein, einen Joint zu rauchen. Natürlich erwischten meine Eltern mich. Andy und Marco konnten schneller laufen.

„Da, los fang an zu graben“, Marco richtete den Strahl der Taschenlampe auf das Grab.

„Sicher?“, fragte Andy.

„Wenn ich es dir sage. Mach schon. Wir wollen hier nicht länger rumhängen als nötig.“

Andy schlug den mitgebrachten Spaten in die harte Erde.

„Ach, wollt ihr nicht?“, erklang eine dunkle Stimme aus der Finsternis.

„Wer spricht da?“, Marcos Stimme zitterte.

Er hob die Taschenlampe und schwenkte sie in alle Richtungen. Niemand war zu sehen.

„Das warst du Tessa“, schnauzte er mich an und leuchtete mir mit der Lampe ins Gesicht, „gib es zu.“

Ich hielt mir die Hände vors Gesicht. Meine Augen waren geblendet.

„Warum soll sie etwas zugeben, was sie nicht getan hat?“, erklang die Stimme erneut.

Andy ließ den Spaten fallen.

„Da, hinter dir Tess!“, stammelte er.

Ich drehte mich um, konnte aber wegen der Blendung nichts erkennen. Als ich mich wieder Andy und Marco zu wandte, sah ich nur noch den schaukelnden Lichtstrahl in der Ferne verschwinden.

„Das war doch klar“, seufzte ich, „sie lassen mich im Stich.“

„Keine Angst junge Dame, ich werde sie sicher nach Hause geleiten“, sagte die Stimme plötzlich direkt vor mir, „darf ich mich vorstellen?“

In diesem Moment sah ich ihn und fiel in Ohnmacht.

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„Und was soll das sein?“

Ich schüttelte den Kopf. Allein der abwertende Ton in seiner Stimme machte mich wütend. Immer musste Marty alles in Frage stellen und herabsetzen.

„Das ist ein Glücksdrache“, sagte ich gereizt.

„Glückskeks wohl eher“, lachte er.

Ich versuchte meine Wut zu bezähmen. Blödmann, dachte ich, ich wünschte, der Drache würde dich in den Hintern beißen. Dabei legte ich dem Glücksdrachen die Hand auf den Kopf.

„Aua!“, Marty schrie schmerzerfüllt auf und rieb sich den Hintern, „verdammt, mich hat was gebissen!“

Ich grinste in mich hinein. Hinter Marty stand der Glücksdrache und hielt ein Stück seiner Hose zwischen den Zähnen. Ich hatte von der Legende gehört, dass man einen Drachen durch intensive Gedanken zum Leben erwecken kann. Dass es tatsächlich klappte, überraschte mich selbst.

„Echt? Komisch hier ist gar nichts“, ich tat so, als sähe ich mich suchend um. Ich wusste, dass nur der den Drachen sehen kann, der ihn erweckt hat.

„Doch! Hier muss was sein. In meiner Hose fehlt sogar ein Stück.“

Ich zuckte mit den Schultern.

„Du kannst ja weiter suchen. Ich geh heim.“

Marty sah mir verdutzt nach. Hätte er gewusst, dass mir ein leibhaftiger Glücksdrache folgte, er wäre in Ohnmacht gefallen.

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Personen: Kupplerin, glücklicher Jüngling, Adelaide, Richter

Ort:     Siena, 1687

An einem lauen Sommerabend im Juli. Der glücklich verliebte Jüngling Tertulio streift durch den Garten seiner Liebsten Adelaide und hofft ihr jungfräuliches Antlitz zu erblicken. Doch auch die geldgierige Kupplerin Marte und der Vater von Adelaide, ein angesehener Richter, sind in dieser Abendstunde unterwegs.

Richter: Marte! Marte!

Alles bleibt still. ER geht weiter in den Garten.

Richter: Marte! Marte!

Marte:   Ja Herr, hier bin ich!

Richter: Habt ihr, was ich verlangte?

Marte:   Ja, Herr, hier sind die Dokumente.

Marte reicht dem Richter einen Lederbeutel.

Richter: Gut, hier ist euer Lohn!

Der Richter überreicht der Kupplerin einen klirrenden Beutel mit Münzen.

Marte:   Danke, Herr. Und wie soll es weiter gehen?

Richter: Sucht einen reichen adligen Freier. Adelaide wird

Sich damit abfinden müssen. In dieser Sache verstehe ich keinen Spaß. Dieser junge Schnösel Tertulio wird sie niemals bekommen.

Marte:   Ist es wegen seines Vaters?

Richter: Warum fragt ihr? Ihr wisst es! Alle Welt weiß es.

Dieser gemeine Mensch hat mich zum Gespött aller

gemacht und jetzt ist meine Zeit gekommen. Ich

werde mich rächen und meine Ehre wieder herstellen.

Marte:    Ihr seid ein listiger Fuchs mein Herr, es wird euch gelingen einen Sieg über euren Feind zu erringen.

Richter:  Ihr habt meine Weisung! Nun geht und führt euren Auftrag aus!

Marte tritt ab und der Richter geht ins Haus.

Tertulio, der alles belauschte, kommt aus seinem Versteck

und ist verzweifelt. Er eilt zum Fenster seiner Geliebten

und klettert an einer Efeupflanze zu ihrem Balkon. Adelaide

erwartet ihn schon und ist freudig erregt.

Adelaide: Oh, mein liebster Tertulio, endlich bist du bei mir! Wie sehr habe ich dich herbeigesehnt, du Rose im Liebesfrühling meines Herzens.

Tertulio ergreift ihre zarte Hand und überschüttet sie mit

Liebkosungen.

Tertulio: Oh, meine Liebste, wie begehrte ich es dich zu sehen, mich dem Vergnügen hinzugeben dich zu küssen und zu kosen.

Adelaide: Ach, mein Herz, du weißt, ich bin ganz dein! Nur lass uns Moral und Anstand waren.

Tertulio: Moral! Anstand! Welch hehre Worte! Verstecken sie sich doch hinter geheuchelter Biederkeit und sucht uns zu Fall zu bringen.

Adelaide: Du sprichst in Rätseln, mein Liebster!? Was ist dir? Dein Antlitz ist so weiß, als wie der Tod.

Tertulio: Mir ist als sei ich schon in den Fängen des Sensenmannes. Verrat wird gerade gegen unsere Liebe geschmiedet.

Adelaide: Was sagst du da?

Tertulio: Ich habe es mit eigenen Ohren vernommen. Ich ging im Garten einher und genoss die Wollust dieses duftenden Abends, die Pracht der Blüten und die Strahlen des verscheidenden Sonnenwagens. Als ich deinen Vater und Marte, diese alte gierige Vettel, belauschte.

Adelaide: Das kann nicht sein! Oh, weh, ich fürchte eine Ohnmacht nahen.

Tertulio: Bitte nicht Geliebte, hört was ich zu sagen habe. Euer Vater hegt einen harten Groll gegen meinen Vater und will sich rächen, in dem er euch an einen reichen Herrn verheiraten will, und ich soll leer ausgehen.

Adelaide: Welch bösen Scherz hat sich das Schicksal mit uns erlaubt, Mutter Maria hilf uns, ich flehe zu dir. Sollte ich euch nicht ehelichen, ich nehm die Tracht und weihe mich der Heiligen.

Tertulio: Sprecht nicht so, ich bitt euch. Bei meiner Liebe zu euch schwört mir, dass ihr nichts Unbedachtes tut. Ich muss nun scheiden, um Rettung für uns zu schaffen. Morgen werde ich zur selben Stunde erscheinen. Haltet euch bereit und verzagt nicht!

Adelaide: Ich werde euch erwarten, mein Liebster. Gebt acht auf eure Schritte.

Tertulio: So scheide ich und hoffe auf einen guten Stern, der uns behütet.

Tertulio küsst die Hände seiner Liebsten, schwingt sich

eilends über den Balkon und entschwindet im Dunkel des

Gartens.

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