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Posts Tagged ‘Notizen’

Ja! Die Hitze macht mich fertig! Nichts gegen Sommer und blauen Himmel. Es ist toll! Aber in dieser schwülen Tropenhitze schreiben, da muss ich passen. Wenn ich nachmittags von der Arbeit nach Hause komme, die Hausarbeit auf mich wartet, die Katze dringend gefüttert werden will, das Essen vorbereitet werden sollte, aber der Kühlschrank nach Inhalten schreit, dann geht mein Text leer aus und mein verwirrtes Monster findet den verdammten Ausgang aus dem riesigen Schloss nicht.

Ich beneide die Hartgesottenen, an denen scheinbar jedes Wetter, jeder miese Umstand, jeder Unbill abprallt und denen trotzaller Widerstände die Worte nur so aus der Feder fließen. Die Autoren, die im Urlaub zwei Bücher schreiben, Texte überarbeiten, diverse Artikel schreiben und trotzdem Erholung dabei finden. Sorry, ich kann da nicht mithalten und es kostet mich Mühe, das auszublenden, um mich nicht von Selbstzweifeln runterziehen zu lassen. So kommt man zu Mediendetox.

Ich liebe das Schreiben! Daran führt kein Weg vorbei. Ich liebe es Geschichten zu erzählen und bin stolz auf jede Seite, die mein Roman wächst. Niemals! Niemals! Niemals, würde ich mit dem Schreiben aufhören, egal wer was sagt oder nicht. Aber ich gebe zu, es fällt mir gerade nicht leicht und das liegt nicht an meinen Charakteren, meinem Plot oder an Ideenlosigkeit. Im Gegenteil. Meine Notizbücher sind voll und es kommt ständig etwas dazu.

Tatsächlich schreibe ich jeden Tag. Mein Pensum liegt im Normalfall bei weit über 1000 Worten (Eine Seite am Tag, ein Roman im Jahr!). Schließlich schreibt sich ein monumentaler Fantasy-Roman von mehreren hundert Seiten nicht im Schlaf, aber es schleppt sich gerade quälend langsam dahin (Kein Wasser, keine Worte?). Da ist die Hitze, die mein Gehirn weichkocht, der Dauerkrach in der Schule, und eben der ganze Alltagskram, der nervt und den kein Schriftsteller brauchen kann.

Nachdem mich mein Monster anflehte, es doch endlich (!!!) aus dem Keller herauszuholen, um ein paar Sonnenstrahlen zu sehen, und mir die Zweifel über den Kopf zu wachsen drohten, erinnerte ich mich an einen aufmunternden Schreibratgeber von Stephan Waldscheidt, Autors kleiner Helfer. Es geht eher weniger um Schreibtechniken, als darum dem Autor mit praktischem Verständnis und Tipps zur Seite zu stehen und ihn zu ermutigen (wenn es sein muss mit einem Tritt in den Allerwertesten).

Ich hatte das Buch schon einmal gelesen, aber Wiederholung schadet nicht, dachte ich mir. Besonders die Abschnitte:

  • Was ist ihnen wichtig und wo wollen sie hin
  • Die Liste der Prioritäten
  • Exkurs: Schreibziele
  • Zeit zum Schreiben finden
  • Und noch mehr Tipps zum Finden von Schreibzeit
  • Schreibzeit besser ausnutzen
  • Schreibzeiten einhalten
  • Selbstzweifel besiegen
  • Motivation und Disziplin
  • Warum schreiben sie…

…haben mir wieder auf die Sprünge geholfen und eine gute Freundin, Testleserin meiner Geschichten, die ich fragte: was ihr denn an meinen Texten besonders gefällt. (Ihre Antwort war sehr aufschlussreich und hat mich veranlasst mich nochmals tiefer mit meinem jetzigen Text auseinander zu setzen.)

Es ist nicht so, dass mir die Theorie fremd ist. Natürlich habe ich im Laufe der Jahre viele praktische Erfahrungen damit gemacht und musste meine Verfahrensweise immer wieder neu überdenken und bei Bedarf anpassen und verändern.

Vor zehn Jahren habe ich hauptsächlich abends geschrieben, wenn die Kinder im Bett waren. Heute mit den Jobs, Haushalt usw. schreibe ich morgens von 6.30 bis 8.00 Uhr, dann gehe ich zur Arbeit. In der Zeit habe ich eine Basis von ca. 500 Worten angelegt, auf die ich später aufbauen kann, um den Rest der Szene zu schreiben.

Der zweite Part folgt dann nachmittags von 16.00 bis 18.00 oder 19.00 Uhr. Oder von 18.00 bis 21.00 Uhr. Danach bin ich meistens „platt“, es sei denn ich bin im Flow, dann geht es nahtlos weiter. Ziel der Planung: Jeden Tag eine Szene fertig schreiben. (Wenn man einen Wunsch verwirklichen will, muss man Ziele haben.)

Desweiteren habe ich mir die Schreibzeiten für die nächsten zwei Wochen fest in meinen Kalender eingetragen und mir eine Deadline gesetzt. Die Schreibzeiten werde ich jetzt auf ihre Praxistauglichkeit überprüfen und nach Bedarf modifizieren. Das morgendliche Schreiben läuft so gut, dass ich das auf jeden Fall beibehalten werde(s.o.). Durch die Basis habe ich so etwas, vorüber ich während des Vormittags nachdenken kann, wenn Leerlauf entsteht und weiß, wo ich nachmittags anschließen kann.

Inzwischen ist mein armes Monster aus dem Keller entkommen und fragt sich, wie das Ganze weitergehen soll. Gut, dass es sich darüber keine Sorgen machen muss, weil ich auf die nächsten Ereignisse gut vorbereitet bin.

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Es hat gezündet! Endlich! Heute morgen knapp 600 Worte geschrieben – Szene wird heute Abend fortgesetzt.

Es hat lange genug gedauert. Der neue erotische Roman war fast fertig –  die Szenen die noch geschrieben werden wollen und das Ende (ok, die alternativen Enden) im Kopf – und plötzlich Schluss. Nichts ging mehr. Die Zweifel kamen und versuchten sich festzukrallen.

Der Kritiker in mir schrie triumphierend: „Ich habe es dir ja gesagt, das Buch in so kurzer Zeit fertig zu schreiben, dass schafftst du nie!“

Die Schriftstellerin in mir sagt: „Halt die Klappe! Ich kriege das hin!“

Klar, die Schriftstellerin ist nicht  so cool, wie sie nach Außen wirkt. Andererseits habe ich inzwischen gelernt, mein Pokerface aufzusetzen, wenn sich der Kritiker meldet und versucht mich aus der Fassung zu bringen.

Ich tue dann so, als ob mich das alles nichts angeht: Überarbeitung, Deadline, Lektorat, Veröffentlichungsdatum – alles nur eine Sache des Standpunktes – Peace!

Es gibt zwei sehr hilfreiche Bücher, wenn es um Kreativität geht: „99 Tipps für Kreativität und Lebenskunst“ und „Der kreative Funke“. Beide von Alexander Jeanmarie. Das erste Buch ist die Essenz des zweiten. Trotzdem empfehle ich beide. Sehr gut geschrieben und mit vielen praktischen Übungen.

In meinem Fall hab ich den fiesen Kritiker ausgetrickst. Kreativität kann so vieles sein. Ich habe alles gemacht, was ich seit Längerem ausprobieren wollte (Collagen, Bücher binden, malen, usw), habe viel gelesen, mich an der Natur erfreut, mich um  Freunde und Familie gekümmert (was beim Schreiben machmal etwas zu kurz kommt), mein Haus und mein Leben entrümpelt, und mir einen langgehegten Traum erfüllt: studieren an der Uni.

Eins ist erwiesen, wenn wir unser Gehirn beweglich, neugierig und in Schwingungen halten, dann kommt der kreative Funke von allein wieder. Gesagt getan! Und immer wenn der Schuft von Kritiker nicht hingeschaut hat, habe ich Notizen gemacht und mich rangepirscht, an meinen Text.

„Hallo du kleiner, übler Kritiker,

Ausgetrickst! Du kriegst mich nicht klein. Dir werde ich es zeigen, Spielverderber! Es geht weiter. Ich krieg das hin.

Liebste schadenfrohe Grüße

Deine Caro“

 

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Großreinemachen und gute Vorsätze müssen sich nicht ausschließen – können sie aber. Wenn das Reinmachen zu den Vorsätzen gehört, super – wenn nicht – kann auch super sein, muss es aber nicht. Das Großreinemachen gehörte Ende 2015 nicht zu meinen guten Vorsätzen, es schlich sich eher so peu a peu ein.

Drei Tage an der See – Wolken, eisiger Wind, ungestüme Wellen und Einsamkeit.

Eck. Dünen 2

Angenehme Einsamkeit in einer wunderschönen roten Backsteinkirche,

Nicolai Kirche 6

in der es nach Tanne duftete, einem liebvoll eingerichteten Heimatmuseum,

Eckernförde, Museum am Markt 1

das einen Dichter und Philosophen sein eigen nennt, und in gemütlichen Cafes mit aromatischem Kaffee und leckerem Gebäck.

Cafe Heldt innen

Abends saß ich in einem heimeligen Gästezimmer, mit meinem neuen Buch, das ich mir als Reiseandenken gekauft hatte, meinem Laptop, meiner Musik und einem Zeitungsartikel in dem es um: „Neue Visionen deines Lebens“ ging und meinen Gedanken.

Kiel, Unterkunft 7

Seit über zehn Jahre schreibe ich. Es ist ein besonderer Teil meines Lebens. Schreiben macht mich glücklich. Ich schreibe jeden Tag und gerne. Aber es gibt auch andere Sachen, die ich gerne tue und die ich vernachlässigt habe. Eine davon ist Zeit zu haben, ohne Druck im Nacken. Zu lesen und mich in den Stoff zu vertiefen, nähen, häkeln, spazieren gehen, fotografieren, Ideen nachgehen, Notizen machen – einfach mal so – ohne zu wissen wohin es führt.

Natürlich gibt es die Idee zu einem neuen Roman. Notizen, einige Skizzen, Personen, den Ort. Und doch – es ist das erste Mal, seit langem, dass ich es nicht eilig habe. Angenehm. Aufatmen. Es wird geschrieben, wenn es so sein soll. Keine Eile, nichts überstürzen. Leben. Leben um zu schreiben. Es wird Zeit die Dinge anders anzugehen.

Konstantin Paustowski schrieb: „Die Fähigkeit, das Leben als etwas ständig Neues zu empfinden, ist jener fruchtbare Boden, auf dem die Kunst erblüht und reift.“

Ich will nicht schreiben müssen. Ich möchte schreiben wollen. Das kommt wieder. Ich kenne die Phasen. Doch diese Phase ist frei gewählt. Ich will mich ausklinken, will sehen, hören, fühlen, schmecken, riechen. Ich will mich nicht quälen, um meine Fähigkeiten als Schriftstellerin unter Beweis zu stellen oder mich abwatschen zu lassen. Ich die meiste Zeit meines Lebens in der Pflicht und gerade jetzt ist es an der Zeit nicht in der Pflicht zu sein oder nur, wenn ich es für richtig halte.

Wenn es Zeit ist, möchte ich schreiben wollen. Bis dahin will ich leben, mich mit dem Strom dahin gleiten lassen und einfach ich sein.

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Doris Day, Hausaufgaben, Riegel, Raureif

Doris Day rollte sich gemächlich auf meinen Hausaufgaben zusammen. Sie sah mich mit hochgezogener Augenbraue an, dann klappte sie die Lider herunter und schlief ein. Ich seufzte. Am Montag war Abgabetermin. Ich hatte erst ein paar Notizen gemacht. Das Thema „Raureif auf dem Riegel“ war meine Abschlussarbeit. Ich hasste sie und doch, wenn ich diese furchtbare Schule endlich hinter mir lassen wollte, musste ich eine Eins auf die Abhandlung bekommen. Vorsichtig zog ich die Blätter unter Doris Day`s Bäuchlein hervor. Sie rekelte sich, sah mich mit finsterem Blick an, drehte sich einmal um sich selbst und legte sich wieder hin.

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„Natascha, haben sie alles notiert?“

„Ja, Professor“, schnell überfliege ich meine Aufzeichnungen, „alles vollständig.“

Professor Matika nimmt die dünne Goldrandbrille ab und reibt sich die Augen. Es ist weit nach Mitternacht und wir sitzen schon seit den frühen Morgenstunden an einer Übersetzung eines antiken Tagebuches. Der Professor fand es in einer halbzerfallenen Truhe in einem Kellerarchiv. Warum er dort suchte, erzählte er mich nicht, aber als Assistentin gehört es nicht zu meinem Kompetenzbereich, diese Dinge zu wissen.

Das Tagebuch gehörte einem Astronom und Mathematiker, Georg Joachim Rheticus. Er war ein Schüler des Kopernikus und an der Verbreitung der Idee des kopernikanischen Weltsystems beteiligt. Zu seinen Lebzeiten revolutionär.

„Haben sie gefunden, was sie gesucht haben, Professor?“

Er schaut auf und lächelt.

„Ich denke schon. In den mathematischen Formeln sind die Ansätze des Experiments enthalten. Ich bin sicher, es existieren weitere Aufzeichnungen. Wenn wir sie ausfindig machen können, dann“, Professor Matika bricht ab.

Sein Blick wandert zu einem imaginären Punkt an der gegenüberliegenden Wand. Ich fixiere ihn mit einem fragenden Blick und räuspere mich. Als könnte ihn das zum Weiterreden bewegen. Zu spät. Wenn der Professor in seine Betrachtungen versinkt, kann eine Bombe einschlagen, er würde es nicht bemerken. Für die nächsten zwei, drei Stunden ist er nicht ansprechbar.

Ich klappe meine Notizen zu und erhebe mich.

„Ich bin gleich wieder zurück, Professor.“

Er erwidert nichts. Ich gehe hinaus, schließe leise die Tür. Es wird Zeit die Suche nach weiteren Aufzeichnungen voranzutreiben. Der Professor fühlt sich der Wissenschaft verpflichtet, das Geheimnis um das Rheticus-Experiment zu lüften. Meine Absichten sind handfesterer Natur. Sollte die Formel funktionieren, werde ich so unvorstellbar reich sein, dass Krösus nur ein armer Wicht gewesen ist.

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(Oder das Monster in meinem Kopf)

Eine Frage, die ich mir so oft gestellt habe, dass ich sie gut sein und hinter mir lassen könnte. Und doch, ist da diese kleine fiese Stimme in meinem Kopf, die mich nervt.

Ich bin ein Schreiber. Ja. Aber bin ich ein Schriftsteller? Gut, ich habe einen Roman veröffentlicht, der sich ca. 5000 Mal verkauft hat.

Jetzt kommt das unvermeidliche ABER: unter Pseudonym und einen erotischen Roman. Das an besagt nichts und doch scheint es mir nicht zu reichen, um mich Schriftstellerin zu nennen. Ich stehe dazu, sehe mich aber in einer gewissen Rechtfertigungshaltung. Warum? Ist es, weil nicht mein eigener Name vorne draufsteht oder weil es in der Geschichte um Sex geht?

Barbara Cartland ist eine Bestsellerautorin. Auch wenn sie „Liebes-Schmonzetten“ geschrieben hat, hat sie sich damit eine goldene Nase verdient. Selbst Dan Brown bleibt bei seinem Erzählschema. Und jetzt mal ehrlich, in Shades of Grey geht’s doch auch nicht wirklich um die Story.

Ist es, dass ich einfach Spaß beim Schreiben haben will? Dass ich keine „Kunstbücher“ schreibe? Mein Motto ist: ich schreibe mir das Leben schön. Ist das zu leicht gedacht? Ist meine Idee: ich will mit meinen Geschichten unterhalten, zu anspruchslos? Ist man ein Schriftsteller, wenn man auf einer Liste steht oder, wenn man eine Botschaft hat?

Nicht, dass es in meinen Geschichten um nichts ginge. Es geht um etwas. Immer! Sonst wäre es langweilig. Allerdings gebe ich zu, dass meine Figuren nicht die Welt retten. Sie versuchen herauszufinden, wer sie sind und wozu sie in der Lage sind. Oder wie sie ihre Liebe finden.

Ich schreibe oft und viel über Liebe. Vielleicht weil sie mir alles bedeutet. Liebe bedeutet alles. Ohne Liebe sind wir verloren. Und doch verlieren meine Personen. Manchmal ist das Leben ungerecht. Da hilft es auch nicht, so sehr zu lieben, dass einem das Herz bricht. Am Ende bleibt oft die Sehnsucht, was wäre wenn…

Das ist etwas, dass ich früh in meinem Leben lernen musste. Einfach nur zu lieben, hält den Verlust nicht fern. Es macht ihn unerklärlich, aber er tritt trotz aller Gegenwehr ein.

Ich beneide die, die so selbstbewusst sind, sich ohne zu zögern Schriftsteller nennen. Komischerweise habe ich keine Probleme damit zu sagen, dass ich Kurse für kreatives Schreiben gebe. Bin ich zu zurückhaltend? Was kann ich tun, um das zu ändern? Selbstbewusster zu sein?

Gerade habe ich einen Durchhänger. Ich schreibe an einem neuen Roman. Die Geschichte bedeutet mir etwas. Es geht um Treue und Freundschaft, Rache, Tod und Leben, Schönheit und Vergänglichkeit. Ich will den Roman auf jeden Fall zu Ende schreiben. Um mich handwerklich zu verbessern (und meine Betriebsblindheit zu überlisten) habe ich einen Kurs bei der VHS besucht. Manuskriptvorbereitung. Eine kompetente, sehr nette Kursleiterin, und ein gutes Konzept. Ich konnte wichtige Aspekte mitnehmen. Und?

Bin total blockiert. Die Leichtigkeit und der Enthusiasmus sind weg. Ich betrachte meinen Text mit Argusaugen. Jedes Wort liegt auf der Goldwaage. Ich hinterfrage jeden Satz, jeden Absatz auf seinen Wert, statt einfach drauflos zu schreiben und mir die Kritik für später aufzuheben.

Oh, mein Gott, ich habe ein Monster geschaffen. Und damit meine ich nicht das Monster, das in meiner Geschichte vorkommt, sondern das, das hinter mir am Schreibtisch steht und mir dauernd einflüstert: „Du kriegst die Geschichte nie so hin, wie du es dir vorstellst. Wer will das schon lesen? Du findest sowieso keinen Verlag dafür. Hat beim letzen Mal auch nicht geklappt.“ Und was der noch alles raushaut, um mich umzuhauen.

Und so schleiche ich um meinen Roman herum, die Szene, die ich schreiben will genau im Kopf, und drücke mich(soll ich die Szene wirklich so schreiben?). Ich schreibe alles Mögliche: Blogbeiträge, überarbeite ältere Texte, schreibe Notizen aus meinem Arbeitsjournal ab, beschäftige mich mit Drehbuchschreiben und meinem Kurs, der erst in vier Wochen anfängt und für den ich das Konzept seit Monaten fertig habe. Ich putze, häkele, lese, gehe spazieren usw.

Ist ja nur`ne Phase! – Hahaha. Sage ich mir auch. Geholfen hat es noch nicht. Ich suche nach dem besten Mittel das Monster zu töten. Das hinter meinem Rücken. Das Miststück ist schlau. Es kämpft mit allen Tricks. Aber ich will nicht aufgeben und wenn ich auf dem Zahnfleisch kriechen muss. Was das betrifft, bin ich Schriftsteller, denn ich weiß, dass es den „richtigen“ Schriftstellern auch nicht besser geht. (Siehe Titus Müller, Federwelt Nr.109, Dez. 2014 – Wie ich es schaffe, trotz Selbstzweifeln produktiv zu sein)

Es ist nichts Ehrenrühriges ein Schreiber zu sein. Damit fängt es an. Bei jedem Schriftsteller. Also, gehe ich Monster jagen. Ich kriege es, früher oder später. Da wette ich drauf!

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So kam ich mir in den letzten eineinhalb Jahren vor. Erst starb mein Bruder Frank an Lungenkrebs. Kurz darauf verlor ich nach beinahe sechs Jahren meinen Job, den ich wirklich gerne und mit Enthusiasmus gemacht habe, und musste mich mit meinem Boss vor Gericht streiten. Damit der Absturz auch wirklich komplett wurde und ich meine freie Zeit nicht mit Schreiben vertrödeln konnte, hatte ich zwei Bandscheibenvorfälle, die meinen linken Arm beinahe völlig lahmlegten. Ausfall beschreibt meinen Zustand im Grunde ausgesprochen freundlich. Nachts nicht schlafen können, Haushalt, Schreiben alles läuft auf Sparflamme und die psychische Belastung des Gerichtsverfahrens und des Verlustes meines Jobs und meiner netten Kollegen – ohne Worte.

Nachdem ich nach Franks Tod kaum eine sinnvolle Zeile zusammenbekommen hatte, hoffte ich, mich langsam wieder vortasten zu können. Zwei angefangene Romane. Beide auf etwa 130 – 150 Seiten angewachsen. Nichts zu machen. Als hätte jemand in meinem Gehirn einen Behälter über meinem Ideenspeicher gestülpt und hielt die Gedanken darin fest. Ich hörte sie toben und gegen die Wände donnern, aber es gab keinen Ausgang, aus dem sie hätten entweichen können. Da bekommt der Kopfschmerz eine ganz neue Dimension.

In meinem Kopf wütete der Orkan und ich konnte ihn nicht loswerden. Schreiben am PC? Ging gar nicht. Selbst schreiben mit der Hand war in der ersten Zeit nicht drin. Dauerschmerz und Medikamente. So stellte ich mir meine Zwangsfreiheit nicht vor.

Irgendwann Mitte Mai 2013 entspannte sich die Bandscheibe ein wenig und ich fing an mit „der Hand“ (ja ich weiß, man schreibt am PC auch mit der Hand *g*) zu schreiben. Tue ich zwar sowieso immer, aber meistens nur Tagebuch oder schnell ein paar Notizen. Diesmal schrieb ich ganze Geschichten in mein Arbeitsjournal. Mühselig aber stetig. Erst nur kleine Sachen, dann längere. Dann kam der Punkt, an dem ich wieder am PC schreiben konnte. Endlich!

Jetzt konnte es besser werden. Denkste! Ich saß vor meinem Bildschirm, starrte auf meine angefangenen Texte und bekam kein Wort heraus. Die totale Ladehemmung. Um nicht völlig durchzudrehen, kehrte ich an mein Notizbuch zurück.

„Du musst das fertig schreiben! Du hast doch schon die Hälfte. Du wolltest das schon letztes Jahr fertig haben. Stell dich nicht an. Du weißt doch, wie es weiter geht. Versager. Alles ist in deinem Kopf und du schaffst es nicht, die paar Worte auf den Bildschirm zu bringen!“

Die böse Stimme in meinem Kopf trat mir so oft gegen das Schienbein und teilte Ohrfeigen aus, dass ich immer kleiner und kleiner wurde. Verdammt! Seit wann war Schreiben so anstrengend geworden? Früher hatte ich in jeder freien Minute geschrieben. Seit wann verkam meine Leidenschaft zu einer Zwangshandlung? Wo war der Spaß geblieben?

Man schreibt immer nur an einen Roman.“

Man plottet und weiß, wohin die Reise geht.“

„Happy End ist Klischee.“

„Seriöses Schreiben hat eine Botschaft.“

(Wenn ich dieses man höre, kriege ich Gänsehaut. Wer ist man, dass er mir was vorschreiben kann?)

Ich kenne die Regeln bis zum Erbrechen. Weck mich nachts und ich zähl sie dir auf.

„Vermeide Adverbien.“

„Benutze starke Werben.“

„Kürze.“ Usw. Die Liste ist lang.

Regeln! Was nützen die, wenn sie mir den Spaß nehmen? Warum kann ich nicht einfach schreiben und Spaß haben? Geschichten erzählen. Mir fiel ein Buch von Irvin D. Yalom in die Hände. „Und Nietzsche weinte.“ Beim Lesen ging mir ein Licht auf oder sollte ich besser sagen ein Kronleuchter?!

„Willst du, was du sollst?“

Nein! Definitiv nicht. Ich will schreiben, ich will Spaß dabei haben. Ich will so schreiben, wie ich möchte und wenn es drei Romane auf einmal sind und egal ob der Roman beinahe fertig ist, wenn ich gerade unbedingt etwas Wichtiges anderes schreiben möchte, dann will ich das. Wenn ich ein Happy End will, dann schreibe ich eins. Um mir den Druck zu nehmen, schreibe ich zwei oder drei Enden. Warum nicht?! Schreiben ist kreativ, dann bin ich kreativ und mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Wer nicht will, muss es nicht lesen.

Durch meine Situation hatte ich die Idee zu einer neuen Geschichte. Dadurch konnte ich an dem „was-ich-sollte“ nicht weiter schreiben. Ich warf meine Bedenken über Bord.

„Wenn du auf etwas stolz sein willst, dann tu etwas, worauf du stolz sein kannst“ (I.D.Yalom).

Ich war immer stolz darauf, dass ich gerne und viel geschrieben habe. Dass ich einen beinahe unerschöpflichen Vorrat an Ideen auf Lager hatte und nur eine winzige Inspiration reichte (ein Schild, ein Wort, eine Zeitungsüberschrift, eine TV-Doku usw.) um meinen Assoziationsprozess in Schwung zu bringen.

Natürlich bin ich auch stolz auf das, was ich schreibe, aber ich bin mir im Klaren darüber, dass das Geschmacksache ist. Dem einen gefällt es, dem anderen nicht. Aber ich liebe es zu schreiben, das ist es, was ich will! Und wenn ich einen Umweg nehmen muss, um an mein Ziel (den fertigen Roman) zu kommen, dann mache ich den Umweg. Ich hetzte mich nicht mehr ab. Ich werte nicht was ich schreibe, sondern freue mich das ich schreibe. Und? Das funktioniert!

Ich schreibe, was ich will!

Ich schreibe, wie ich will!

Ich schreibe so schnell ich will!

Ich schreibe wo ich will!

Ich habe endlich meinen Spaß wiedergefunden. Ich quäle mich nicht mit Veröffentlichen oder nicht. Denke nicht darüber nach, wem mein Text gefällt. Ich erfreue mein Herz an den Worten und Sätzen, die aus mir heraus fließen. Es gibt keinen Grund in Panik zu geraten. Und wenn nur ich selbst lese, was ich schreibe. Ich werde es überleben.

Inzwischen habe ich den Roman, den ich Mitte des Jahres 2013 angefangen habe, fertiggestellt! Es fehlen noch ein paar Szenen, aber die sind geplant und werden bei der Überarbeitung eingefügt.

Einen weiteren Roman habe ich überarbeitet. Und für die beiden angefangenen Romane habe ich Pläne. Der eine ist im Verlauf schon sehr harmonisch und möchte gerne dem Ende zu geführt werden. Den anderen plane ich gerade um. Notizen wachsen und gedeihen.

Das Wichtigste ist, ich habe meine Leidenschaft wiedergefunden. Ich garantiere nicht dafür, dass ich keine Flaute mehr habe. Nur beunruhigt mich das nicht. Wieso? Ich habe so viele Ideen und es gibt immer wieder neue. Wenn der Kopf gerade etwas Ruhe braucht, soll er sie haben. Keine Quälereien mehr! Leben ist Schreiben und Schreiben ist Leben. Immer in jeder Sekunde. Ich brauche nur abzuwarten. Augen und Ohren offen halten, der Rest ergibt sich von allein. Die Bandscheibe gibt meistens Ruhe, der Job läuft und das Schreiben folgt dem Fluss meiner Ideen. Um es aus buddhistischer Sicht zu betrachten:

„Alle unangenehmen Situationen gehen zu Ende, alle schönen (leider) auch. Deswegen sollten wir die Unangenehmen an uns vorbei fließen lassen und die Schönen umso mehr genießen.“

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