Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Notizen’

„Die Unfähigkeit sich der Zerbrechlichkeit

eines jeden Menschen bewusst zu werden,

ist letztlich das Ergebnis einer fatalen Gefühllosigkeit

gegenüber der Gegenwart.“

Th.W.Adorno

 

Dieser Ausspruch fiel mir eben in die Hände, als ich meine Notizen sortierte. Er hat schon einige Jahre auf dem Buckel und doch ist er heute wahrer, als je zu vor.

Warum können wir nicht schätzen, was wir haben? Unsere Erde, die Natur, das Leben, den einzelnen Menschen, seine Würde, seine Ansichten, seine Zerbrechlichkeit? Warum bilden sich manche Menschen ein, sie wären besser, als andere oder hätten das Recht jemandem wehzutun, ihn zu vertreiben – was auch immer?

Müssen wir immer erst in den Ausnahmezustand kommen, ehe wir aufwachen?

Und auch hier zeigt sich, wie wenig oder wie viel wir Rücksicht nehmen. Auf ältere Menschen, Kranke, Kinder, Familien, Arbeitnehmer und Selbstständige. Sagen kann man eine Menge, wenn der Tag lang ist. Von vielen Milliarden Euro ist die Rede. Doch wo werden sie ankommen und wie unbürokratisch können die Bürokraten sein?

Wir Menschen sind zerbrechlich.

Jeder Einzelne.

Ich und Du.

Das sollten wir niemals vergessen!

Read Full Post »

In der Nacht vom 30.8. auf den 31.8.2019, 2:33 Uhr habe ich das fertige Manuskript nach der ersten Überarbeitung  und zig Nachtschichten, an den Sternensand -Verlag gesendet. Die Deadline um 22 Stunden unterwandert.

Mein Roman in Zahlen:

Seiten: 777

Worte: 163166

Zeichen: 1.044.981 (mit Leerzeichen)

Nach der vorangegangenen Verlagskatastrophe, bei der immer noch kein Ergebnis erzielt wurde, habe ich echt gezweifelt. Schreiben ja. Einem Verlag anbieten? Aber was solls, Versuch macht klug. Und wenn sich gerade eine Chance bietet, dann muss man sie nutzen. Eine meiner Freundinnen hat ebenfalls ein Manuskript eingereicht und wir haben uns gegenseitig motiviert.

Nachdem ich das Manuskript abgeschickt hatte, habe ich in der selben Nacht alle Notizen, Bilder usw. vom Rechner geworfen und auf einer Festplatte gelagert. Alle handschriftlichen Notizen, Pläne und Fotos meiner Pinnwand habe ich hübsch in einem Ordner verstaut und ausgelagert. Meinen Schreibtisch habe ich geputzt und frei geräumt. Und meine Freundin, die mir schon seit Wochen in den Ohren liegt, hat endlich ihr Text-Manuskript zum Lesen bekommen.

Und nun ist er also erst einmal fertig der Vampirroman. Am nächsten Tag hatte ich plötzlich das Gefühl von Freiheit. Endlich Zeit für Neues. Endlich das Märchen zu Ende schreiben, Lilith zum x-ten Mal überarbeiten und endlich mal wieder was anderes Kreatives tun. Oder ohne schlechtes Gewissen einen Film schauen?

So viel zu der Idee. Stattdessen habe ich die Notizen für den nächsten Roman auspackt, die inzwischen schon einen beträchlichen Umfang erreicht haben – inclusive Steckbriefe, Pläne usw. Inwzischen habe ich die Steckbriefe schon aufgearbeitet, auch wenn sie noch nicht vollständig sind. An der Pinnwand hängen zwei neue Pläne und die erste Szenenfolge steht.

Nach dem Roman ist vor dem Roman. Ob ich will oder nicht. Dagegen ist kein Kraut gewachsen.

Liebe Grüße

Eure Caro

P.S.: Und wer weiß, vielleicht gibt es meinen Roman dann bald in Farbe und zum Anfassen.

Read Full Post »

Eine Freundin fragte mich, ob sie mir einige Ausgaben der TEXTART „vererben“ darf. Natürlich hab ich mit Freude Ja gesagt. In der Ausgabe 3/2016 stieß ich auf einen tollen Artikel über:

„Schreiben a la John Irving – ein Blick in seine Autorenwerkstatt“

Aus diesem Artikel habe ich 11 Punkte herausgeschrieben, die ich als sehr motivierend betrachte. Besonders Punkt 4 und 10 haben es mir angetan. Ich hoffe, auch für euch ist der ein oder andere Punkt dabei, der euch anspornt.

  1. Schreib über das, was du kennst. (John Irving schrieb z.B. über einen Autor) Oder recherchiere gut.
  2. Die meisten Schriftsteller haben bestimmte Themen, die sie in ihren Werken umkreisen.
  3. Von hinten nach vorne. Zitat: „Ich brauche das Ende um anfangen zu können. Wenn du den Standpunkt und den Ton des Endes hast, dann geht es dir wie mit dem Rafrain eines guten Songs: Du bewegst dich darauf zu…das gibt dir Selbstvertrauen.“
  4. Gut Ding will Weile haben. Die Idee für „Twistet River“ trug John Irving viele Jahre mit sich herum. Seine Romane entwickeln sich teilweise über einige Jahre hinweg.
  5. Die Muse küsst einen oft sehr überraschend. John Irving fiel der letzte Satz zu „Twistet River“ ein, als er den Song „Tangled Up in Blue“ im Autoradio hörte (er war das Motto der Geschichte).
  6. Immer Papier und Stift dabei haben. John Irving rannte in die Arztpraxis  (zu der er siehe 5 unterwegs war), bat um einen Rezeptblock und notierte den Satz. Ebenso ist sein Fitnessraum ist mit Klemmbrettern, Papier und Stiften ausgestattet.
  7. In Medias res – „mitten in die Dinge(Geschichte)“ hinein springen macht sie lebendig.
  8. Bewegung! Gleicht die vielen am Schreibtisch verbrachten Stunden aus.
  9. Ein Hoch der Überarbeitung! Zitat aus Irvings Buch: „Ich steh auf Schreiben, nicht auf Überarbeiten“, hatte Drake zu Danny gesagt. „Mir gefällt nur das Kreative daran.“ – „Aber Überarbeiten ist Schreiben„, hatte Danny dem jungen Mann entgegnet. „Manchmal ist die Überarbeitung das Kreativste daran.“
  10. Vorbilder motivieren. John Irving las Charles Dickens Roman „Große Erwartungen“ und wünschte, er hätte ihn geschrieben. Er wollte die Leser so bewegen, wie ihn dieser Roman bewegt hatte.
  11. Ein (umfangreiches) Werk kann nur mit Beständigkeit gedeihen. Zitat aus Irvings Buch: Danny schrieb täglich bis zum frühen Nachmittag, die wenigen verbleibenden Stunden Tageslicht wollte er für seine Hausaufgaben nutzen.

Nicht alles ist für alle praktikabel, aber vielleicht ist das eine oder andere dabei, dass euch inspiriert. Mir zeigt es vor allem eins, ich muss nicht hektisch werden, wenn ich etwas länger für einen Roman brauche. Wichtiger ist, dass es mir ernst mit dem Schreiben ist und ich das beste schreibe, was ich kann.

Viel Spaß euch allen!

Eure Caroline

Read Full Post »

Beim letzten Mal habe ich euch von meiner Schreibflaute erzählt. Ich habe das Gefühl, sie frischt langsam auf 🙂 . Ein Grund dafür ist meine 14 jährige Nichte Celine. Als sie mit meinem Bruder bei uns zu Besuch war, langweilte sie sich. Da ich nach der Fertigstellung meines Romans eine fantastische Geschichte für Jugendliche begegonnen hatte (die ebenfalls der Flaute zum Opfer fiel.), dachte ich, da habe ich doch einen Testleser direkt vor der Nase, und fragte sie, ob sie etwas von mir lesen möchte.

Celine liebt Fantasy und Lesen. Drachen, Harry Potter, Eragon usw. Besonders Elfen stehen hoch im Kurs. Gedacht getan. Ich gab ihr die ersten 35 Seiten der Geschichte. Ruckzuck waren die Seiten gelesen. Auf die Frage, ob es ihr gefallen hat, kam nur: und wie geht es jetzt weiter?

Die Antwort will ich ihr nicht länger schuldig bleiben und habe in den letzten Tagen die ersten weiterführenden Zeilen geschrieben und Notizen gemacht. Außerdem habe ich Celines „Verbesserungen“  berücksichtigt. Die Antagonsitin soll eine Hexe sein, aber Celine meinte, Zauberin hörte sich besser an – etwas das ich mir auch schon überlegt hatte – interessant, oder?!

Schmunzeln musste ich bei Celines Frage nach Aris. Er spielt eine Hauptrolle und meine Protagonistin Grace verliebt sich in ihn. Bei der Auswahl meiner Figuren habe ich oft Schauspieler in bestimmten Rollen im Kopf. Ihre Art sich zu geben und zu bewegen. Bei Aris ist das auch der Fall. Ich habe ihr also Aris „Setkarte“ gezeigt – an welchen  Schauspieler ich dachte und dass er ein Elbenprinz ist. Celine kennt den Schauspieler und war ganz begeistert. Gut ausgesucht! Punkt für mich!

Und so bin ich heute morgen pünktlich um halb sieben (seit langem das erste Mal) aus dem Bett gefallen, um zu schreiben (Es mag auch daran liegen, dass es langsam morgens nicht mehr so dunkel ist?).

Endlich fühlt es sich wieder richtig an. Ohne gezwungen zu sein. Denn immerhin will ein Leser zufriedengestellt werden. Und das ist doch die vornehmste Aufgabe eines Autors.

Read Full Post »

Ja! Die Hitze macht mich fertig! Nichts gegen Sommer und blauen Himmel. Es ist toll! Aber in dieser schwülen Tropenhitze schreiben, da muss ich passen. Wenn ich nachmittags von der Arbeit nach Hause komme, die Hausarbeit auf mich wartet, die Katze dringend gefüttert werden will, das Essen vorbereitet werden sollte, aber der Kühlschrank nach Inhalten schreit, dann geht mein Text leer aus und mein verwirrtes Monster findet den verdammten Ausgang aus dem riesigen Schloss nicht.

Ich beneide die Hartgesottenen, an denen scheinbar jedes Wetter, jeder miese Umstand, jeder Unbill abprallt und denen trotzaller Widerstände die Worte nur so aus der Feder fließen. Die Autoren, die im Urlaub zwei Bücher schreiben, Texte überarbeiten, diverse Artikel schreiben und trotzdem Erholung dabei finden. Sorry, ich kann da nicht mithalten und es kostet mich Mühe, das auszublenden, um mich nicht von Selbstzweifeln runterziehen zu lassen. So kommt man zu Mediendetox.

Ich liebe das Schreiben! Daran führt kein Weg vorbei. Ich liebe es Geschichten zu erzählen und bin stolz auf jede Seite, die mein Roman wächst. Niemals! Niemals! Niemals, würde ich mit dem Schreiben aufhören, egal wer was sagt oder nicht. Aber ich gebe zu, es fällt mir gerade nicht leicht und das liegt nicht an meinen Charakteren, meinem Plot oder an Ideenlosigkeit. Im Gegenteil. Meine Notizbücher sind voll und es kommt ständig etwas dazu.

Tatsächlich schreibe ich jeden Tag. Mein Pensum liegt im Normalfall bei weit über 1000 Worten (Eine Seite am Tag, ein Roman im Jahr!). Schließlich schreibt sich ein monumentaler Fantasy-Roman von mehreren hundert Seiten nicht im Schlaf, aber es schleppt sich gerade quälend langsam dahin (Kein Wasser, keine Worte?). Da ist die Hitze, die mein Gehirn weichkocht, der Dauerkrach in der Schule, und eben der ganze Alltagskram, der nervt und den kein Schriftsteller brauchen kann.

Nachdem mich mein Monster anflehte, es doch endlich (!!!) aus dem Keller herauszuholen, um ein paar Sonnenstrahlen zu sehen, und mir die Zweifel über den Kopf zu wachsen drohten, erinnerte ich mich an einen aufmunternden Schreibratgeber von Stephan Waldscheidt, Autors kleiner Helfer. Es geht eher weniger um Schreibtechniken, als darum dem Autor mit praktischem Verständnis und Tipps zur Seite zu stehen und ihn zu ermutigen (wenn es sein muss mit einem Tritt in den Allerwertesten).

Ich hatte das Buch schon einmal gelesen, aber Wiederholung schadet nicht, dachte ich mir. Besonders die Abschnitte:

  • Was ist ihnen wichtig und wo wollen sie hin
  • Die Liste der Prioritäten
  • Exkurs: Schreibziele
  • Zeit zum Schreiben finden
  • Und noch mehr Tipps zum Finden von Schreibzeit
  • Schreibzeit besser ausnutzen
  • Schreibzeiten einhalten
  • Selbstzweifel besiegen
  • Motivation und Disziplin
  • Warum schreiben sie…

…haben mir wieder auf die Sprünge geholfen und eine gute Freundin, Testleserin meiner Geschichten, die ich fragte: was ihr denn an meinen Texten besonders gefällt. (Ihre Antwort war sehr aufschlussreich und hat mich veranlasst mich nochmals tiefer mit meinem jetzigen Text auseinander zu setzen.)

Es ist nicht so, dass mir die Theorie fremd ist. Natürlich habe ich im Laufe der Jahre viele praktische Erfahrungen damit gemacht und musste meine Verfahrensweise immer wieder neu überdenken und bei Bedarf anpassen und verändern.

Vor zehn Jahren habe ich hauptsächlich abends geschrieben, wenn die Kinder im Bett waren. Heute mit den Jobs, Haushalt usw. schreibe ich morgens von 6.30 bis 8.00 Uhr, dann gehe ich zur Arbeit. In der Zeit habe ich eine Basis von ca. 500 Worten angelegt, auf die ich später aufbauen kann, um den Rest der Szene zu schreiben.

Der zweite Part folgt dann nachmittags von 16.00 bis 18.00 oder 19.00 Uhr. Oder von 18.00 bis 21.00 Uhr. Danach bin ich meistens „platt“, es sei denn ich bin im Flow, dann geht es nahtlos weiter. Ziel der Planung: Jeden Tag eine Szene fertig schreiben. (Wenn man einen Wunsch verwirklichen will, muss man Ziele haben.)

Desweiteren habe ich mir die Schreibzeiten für die nächsten zwei Wochen fest in meinen Kalender eingetragen und mir eine Deadline gesetzt. Die Schreibzeiten werde ich jetzt auf ihre Praxistauglichkeit überprüfen und nach Bedarf modifizieren. Das morgendliche Schreiben läuft so gut, dass ich das auf jeden Fall beibehalten werde(s.o.). Durch die Basis habe ich so etwas, vorüber ich während des Vormittags nachdenken kann, wenn Leerlauf entsteht und weiß, wo ich nachmittags anschließen kann.

Inzwischen ist mein armes Monster aus dem Keller entkommen und fragt sich, wie das Ganze weitergehen soll. Gut, dass es sich darüber keine Sorgen machen muss, weil ich auf die nächsten Ereignisse gut vorbereitet bin.

Read Full Post »

Es hat gezündet! Endlich! Heute morgen knapp 600 Worte geschrieben – Szene wird heute Abend fortgesetzt.

Es hat lange genug gedauert. Der neue erotische Roman war fast fertig –  die Szenen die noch geschrieben werden wollen und das Ende (ok, die alternativen Enden) im Kopf – und plötzlich Schluss. Nichts ging mehr. Die Zweifel kamen und versuchten sich festzukrallen.

Der Kritiker in mir schrie triumphierend: „Ich habe es dir ja gesagt, das Buch in so kurzer Zeit fertig zu schreiben, dass schafftst du nie!“

Die Schriftstellerin in mir sagt: „Halt die Klappe! Ich kriege das hin!“

Klar, die Schriftstellerin ist nicht  so cool, wie sie nach Außen wirkt. Andererseits habe ich inzwischen gelernt, mein Pokerface aufzusetzen, wenn sich der Kritiker meldet und versucht mich aus der Fassung zu bringen.

Ich tue dann so, als ob mich das alles nichts angeht: Überarbeitung, Deadline, Lektorat, Veröffentlichungsdatum – alles nur eine Sache des Standpunktes – Peace!

Es gibt zwei sehr hilfreiche Bücher, wenn es um Kreativität geht: „99 Tipps für Kreativität und Lebenskunst“ und „Der kreative Funke“. Beide von Alexander Jeanmarie. Das erste Buch ist die Essenz des zweiten. Trotzdem empfehle ich beide. Sehr gut geschrieben und mit vielen praktischen Übungen.

In meinem Fall hab ich den fiesen Kritiker ausgetrickst. Kreativität kann so vieles sein. Ich habe alles gemacht, was ich seit Längerem ausprobieren wollte (Collagen, Bücher binden, malen, usw), habe viel gelesen, mich an der Natur erfreut, mich um  Freunde und Familie gekümmert (was beim Schreiben machmal etwas zu kurz kommt), mein Haus und mein Leben entrümpelt, und mir einen langgehegten Traum erfüllt: studieren an der Uni.

Eins ist erwiesen, wenn wir unser Gehirn beweglich, neugierig und in Schwingungen halten, dann kommt der kreative Funke von allein wieder. Gesagt getan! Und immer wenn der Schuft von Kritiker nicht hingeschaut hat, habe ich Notizen gemacht und mich rangepirscht, an meinen Text.

„Hallo du kleiner, übler Kritiker,

Ausgetrickst! Du kriegst mich nicht klein. Dir werde ich es zeigen, Spielverderber! Es geht weiter. Ich krieg das hin.

Liebste schadenfrohe Grüße

Deine Caro“

 

Read Full Post »

Großreinemachen und gute Vorsätze müssen sich nicht ausschließen – können sie aber. Wenn das Reinmachen zu den Vorsätzen gehört, super – wenn nicht – kann auch super sein, muss es aber nicht. Das Großreinemachen gehörte Ende 2015 nicht zu meinen guten Vorsätzen, es schlich sich eher so peu a peu ein.

Drei Tage an der See – Wolken, eisiger Wind, ungestüme Wellen und Einsamkeit.

Eck. Dünen 2

Angenehme Einsamkeit in einer wunderschönen roten Backsteinkirche,

Nicolai Kirche 6

in der es nach Tanne duftete, einem liebvoll eingerichteten Heimatmuseum,

Eckernförde, Museum am Markt 1

das einen Dichter und Philosophen sein eigen nennt, und in gemütlichen Cafes mit aromatischem Kaffee und leckerem Gebäck.

Cafe Heldt innen

Abends saß ich in einem heimeligen Gästezimmer, mit meinem neuen Buch, das ich mir als Reiseandenken gekauft hatte, meinem Laptop, meiner Musik und einem Zeitungsartikel in dem es um: „Neue Visionen deines Lebens“ ging und meinen Gedanken.

Kiel, Unterkunft 7

Seit über zehn Jahre schreibe ich. Es ist ein besonderer Teil meines Lebens. Schreiben macht mich glücklich. Ich schreibe jeden Tag und gerne. Aber es gibt auch andere Sachen, die ich gerne tue und die ich vernachlässigt habe. Eine davon ist Zeit zu haben, ohne Druck im Nacken. Zu lesen und mich in den Stoff zu vertiefen, nähen, häkeln, spazieren gehen, fotografieren, Ideen nachgehen, Notizen machen – einfach mal so – ohne zu wissen wohin es führt.

Natürlich gibt es die Idee zu einem neuen Roman. Notizen, einige Skizzen, Personen, den Ort. Und doch – es ist das erste Mal, seit langem, dass ich es nicht eilig habe. Angenehm. Aufatmen. Es wird geschrieben, wenn es so sein soll. Keine Eile, nichts überstürzen. Leben. Leben um zu schreiben. Es wird Zeit die Dinge anders anzugehen.

Konstantin Paustowski schrieb: „Die Fähigkeit, das Leben als etwas ständig Neues zu empfinden, ist jener fruchtbare Boden, auf dem die Kunst erblüht und reift.“

Ich will nicht schreiben müssen. Ich möchte schreiben wollen. Das kommt wieder. Ich kenne die Phasen. Doch diese Phase ist frei gewählt. Ich will mich ausklinken, will sehen, hören, fühlen, schmecken, riechen. Ich will mich nicht quälen, um meine Fähigkeiten als Schriftstellerin unter Beweis zu stellen oder mich abwatschen zu lassen. Ich die meiste Zeit meines Lebens in der Pflicht und gerade jetzt ist es an der Zeit nicht in der Pflicht zu sein oder nur, wenn ich es für richtig halte.

Wenn es Zeit ist, möchte ich schreiben wollen. Bis dahin will ich leben, mich mit dem Strom dahin gleiten lassen und einfach ich sein.

Read Full Post »

Doris Day, Hausaufgaben, Riegel, Raureif

Doris Day rollte sich gemächlich auf meinen Hausaufgaben zusammen. Sie sah mich mit hochgezogener Augenbraue an, dann klappte sie die Lider herunter und schlief ein. Ich seufzte. Am Montag war Abgabetermin. Ich hatte erst ein paar Notizen gemacht. Das Thema „Raureif auf dem Riegel“ war meine Abschlussarbeit. Ich hasste sie und doch, wenn ich diese furchtbare Schule endlich hinter mir lassen wollte, musste ich eine Eins auf die Abhandlung bekommen. Vorsichtig zog ich die Blätter unter Doris Day`s Bäuchlein hervor. Sie rekelte sich, sah mich mit finsterem Blick an, drehte sich einmal um sich selbst und legte sich wieder hin.

Read Full Post »

„Natascha, haben sie alles notiert?“

„Ja, Professor“, schnell überfliege ich meine Aufzeichnungen, „alles vollständig.“

Professor Matika nimmt die dünne Goldrandbrille ab und reibt sich die Augen. Es ist weit nach Mitternacht und wir sitzen schon seit den frühen Morgenstunden an einer Übersetzung eines antiken Tagebuches. Der Professor fand es in einer halbzerfallenen Truhe in einem Kellerarchiv. Warum er dort suchte, erzählte er mich nicht, aber als Assistentin gehört es nicht zu meinem Kompetenzbereich, diese Dinge zu wissen.

Das Tagebuch gehörte einem Astronom und Mathematiker, Georg Joachim Rheticus. Er war ein Schüler des Kopernikus und an der Verbreitung der Idee des kopernikanischen Weltsystems beteiligt. Zu seinen Lebzeiten revolutionär.

„Haben sie gefunden, was sie gesucht haben, Professor?“

Er schaut auf und lächelt.

„Ich denke schon. In den mathematischen Formeln sind die Ansätze des Experiments enthalten. Ich bin sicher, es existieren weitere Aufzeichnungen. Wenn wir sie ausfindig machen können, dann“, Professor Matika bricht ab.

Sein Blick wandert zu einem imaginären Punkt an der gegenüberliegenden Wand. Ich fixiere ihn mit einem fragenden Blick und räuspere mich. Als könnte ihn das zum Weiterreden bewegen. Zu spät. Wenn der Professor in seine Betrachtungen versinkt, kann eine Bombe einschlagen, er würde es nicht bemerken. Für die nächsten zwei, drei Stunden ist er nicht ansprechbar.

Ich klappe meine Notizen zu und erhebe mich.

„Ich bin gleich wieder zurück, Professor.“

Er erwidert nichts. Ich gehe hinaus, schließe leise die Tür. Es wird Zeit die Suche nach weiteren Aufzeichnungen voranzutreiben. Der Professor fühlt sich der Wissenschaft verpflichtet, das Geheimnis um das Rheticus-Experiment zu lüften. Meine Absichten sind handfesterer Natur. Sollte die Formel funktionieren, werde ich so unvorstellbar reich sein, dass Krösus nur ein armer Wicht gewesen ist.

Read Full Post »

(Oder das Monster in meinem Kopf)

Eine Frage, die ich mir so oft gestellt habe, dass ich sie gut sein und hinter mir lassen könnte. Und doch, ist da diese kleine fiese Stimme in meinem Kopf, die mich nervt.

Ich bin ein Schreiber. Ja. Aber bin ich ein Schriftsteller? Gut, ich habe einen Roman veröffentlicht, der sich ca. 5000 Mal verkauft hat.

Jetzt kommt das unvermeidliche ABER: unter Pseudonym und einen erotischen Roman. Das an besagt nichts und doch scheint es mir nicht zu reichen, um mich Schriftstellerin zu nennen. Ich stehe dazu, sehe mich aber in einer gewissen Rechtfertigungshaltung. Warum? Ist es, weil nicht mein eigener Name vorne draufsteht oder weil es in der Geschichte um Sex geht?

Barbara Cartland ist eine Bestsellerautorin. Auch wenn sie „Liebes-Schmonzetten“ geschrieben hat, hat sie sich damit eine goldene Nase verdient. Selbst Dan Brown bleibt bei seinem Erzählschema. Und jetzt mal ehrlich, in Shades of Grey geht’s doch auch nicht wirklich um die Story.

Ist es, dass ich einfach Spaß beim Schreiben haben will? Dass ich keine „Kunstbücher“ schreibe? Mein Motto ist: ich schreibe mir das Leben schön. Ist das zu leicht gedacht? Ist meine Idee: ich will mit meinen Geschichten unterhalten, zu anspruchslos? Ist man ein Schriftsteller, wenn man auf einer Liste steht oder, wenn man eine Botschaft hat?

Nicht, dass es in meinen Geschichten um nichts ginge. Es geht um etwas. Immer! Sonst wäre es langweilig. Allerdings gebe ich zu, dass meine Figuren nicht die Welt retten. Sie versuchen herauszufinden, wer sie sind und wozu sie in der Lage sind. Oder wie sie ihre Liebe finden.

Ich schreibe oft und viel über Liebe. Vielleicht weil sie mir alles bedeutet. Liebe bedeutet alles. Ohne Liebe sind wir verloren. Und doch verlieren meine Personen. Manchmal ist das Leben ungerecht. Da hilft es auch nicht, so sehr zu lieben, dass einem das Herz bricht. Am Ende bleibt oft die Sehnsucht, was wäre wenn…

Das ist etwas, dass ich früh in meinem Leben lernen musste. Einfach nur zu lieben, hält den Verlust nicht fern. Es macht ihn unerklärlich, aber er tritt trotz aller Gegenwehr ein.

Ich beneide die, die so selbstbewusst sind, sich ohne zu zögern Schriftsteller nennen. Komischerweise habe ich keine Probleme damit zu sagen, dass ich Kurse für kreatives Schreiben gebe. Bin ich zu zurückhaltend? Was kann ich tun, um das zu ändern? Selbstbewusster zu sein?

Gerade habe ich einen Durchhänger. Ich schreibe an einem neuen Roman. Die Geschichte bedeutet mir etwas. Es geht um Treue und Freundschaft, Rache, Tod und Leben, Schönheit und Vergänglichkeit. Ich will den Roman auf jeden Fall zu Ende schreiben. Um mich handwerklich zu verbessern (und meine Betriebsblindheit zu überlisten) habe ich einen Kurs bei der VHS besucht. Manuskriptvorbereitung. Eine kompetente, sehr nette Kursleiterin, und ein gutes Konzept. Ich konnte wichtige Aspekte mitnehmen. Und?

Bin total blockiert. Die Leichtigkeit und der Enthusiasmus sind weg. Ich betrachte meinen Text mit Argusaugen. Jedes Wort liegt auf der Goldwaage. Ich hinterfrage jeden Satz, jeden Absatz auf seinen Wert, statt einfach drauflos zu schreiben und mir die Kritik für später aufzuheben.

Oh, mein Gott, ich habe ein Monster geschaffen. Und damit meine ich nicht das Monster, das in meiner Geschichte vorkommt, sondern das, das hinter mir am Schreibtisch steht und mir dauernd einflüstert: „Du kriegst die Geschichte nie so hin, wie du es dir vorstellst. Wer will das schon lesen? Du findest sowieso keinen Verlag dafür. Hat beim letzen Mal auch nicht geklappt.“ Und was der noch alles raushaut, um mich umzuhauen.

Und so schleiche ich um meinen Roman herum, die Szene, die ich schreiben will genau im Kopf, und drücke mich(soll ich die Szene wirklich so schreiben?). Ich schreibe alles Mögliche: Blogbeiträge, überarbeite ältere Texte, schreibe Notizen aus meinem Arbeitsjournal ab, beschäftige mich mit Drehbuchschreiben und meinem Kurs, der erst in vier Wochen anfängt und für den ich das Konzept seit Monaten fertig habe. Ich putze, häkele, lese, gehe spazieren usw.

Ist ja nur`ne Phase! – Hahaha. Sage ich mir auch. Geholfen hat es noch nicht. Ich suche nach dem besten Mittel das Monster zu töten. Das hinter meinem Rücken. Das Miststück ist schlau. Es kämpft mit allen Tricks. Aber ich will nicht aufgeben und wenn ich auf dem Zahnfleisch kriechen muss. Was das betrifft, bin ich Schriftsteller, denn ich weiß, dass es den „richtigen“ Schriftstellern auch nicht besser geht. (Siehe Titus Müller, Federwelt Nr.109, Dez. 2014 – Wie ich es schaffe, trotz Selbstzweifeln produktiv zu sein)

Es ist nichts Ehrenrühriges ein Schreiber zu sein. Damit fängt es an. Bei jedem Schriftsteller. Also, gehe ich Monster jagen. Ich kriege es, früher oder später. Da wette ich drauf!

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: